Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 7. (13.2.1878)
- Date
- 1878-02-13
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/5367336-6488234-8755613--0953-4854415- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
unsere Erzählung spielt , recht sehr gelangen, der Stil ungezwungen und einrach. Einzelne kleine Härten des Ausdrucks, als ״mit unschilderbarer Macht“, ״incalculable“, ״infernalischesten“ werden sich bei einer erneuerten Auflage, die dem Buche wohl zu wünschen -ist, leicht auSmerzen lassen. Weshalb übrigens der 80nsthin durchaus edel gezeichneten Natur des Geht imraths ron Beer Empfänglichkeit für Bestechung beigemüeht ist, ist uns nicht klar geworden. Die Kigor Ewers hätte wohl ein wenig mehr hervortreten und etwas breiter angelegt sein dürfen, auch scheint es ans bedenklich, dass sie zum Geständnis» der Liebe die Initiative ergreift, was sich bei einem so klugen und Ideal veranlagten Mädchen leicht hätte vermeiden lassen. Nicht glücklich gewählt erscheint uns endlich der' Titel der Erzählung und würden wir einen prägnanteren als ״Vom Geschlecht der Starken“, ״Ein jüdisches Hünengeschlecht“ oder ähnliche vorgezogen haben. Lobend erwähnen wollen wir. schliesslich noch, dass die Moral der ganzen Erzählung in den Personen liegt, und dass iftcbt, wie man das so oft findet, mit aufgehobenem Bjnjger in erster Person den Helden und Heldinnen MoraL;gepredigt wird.*) Magdeburg. Max Weinberg. Bfojw» tt, Ein Wort an Hm. Hermann Messner, Dr. and. Prot der The01. •an der Univ. zu Berlin, Herausgeber der ״N. Ev Jörehens * Berlin 1877. (60 8.) Die Broschüre ist ursprünglich in einer Reihe von Artikeln la. der ״Jüd. Presse* erschienen. Der Separatabdruck scheint bis eaf.aipigp hin*uge£Dgte Anmerkungen unverändert vorgenommen mt seip. Es wäre allerdings besser gewesen, wenn eine nochma- Uge Ueberarbeitnng stattgefunden hätte. Dabei hätte zunächst die Ungleichheit d'tr Fons, welche durch das bruchstückweise Erscheinen herbetgeführt •ein wird, sehr leicht beseitigt werden können. Man «inartet.nach dam Titel die Form der Ansprache oder des offenen Briefes 1 mitunter ist auch, der Herr Professor angeredet, dann aber Ut wieder ▼oh ihm in der dritten Person oder ▼on dfr ״N! Et. K.“ die Bede. Aber auch dar Ton, der bei Zeitungsartikeln passiren mag,׳, hätte für dia Broschüre, die doch hinter einander weg gele- •«V werden soll, viel fach, verändert werden sollen. Da sind Siellen, welche ernst und würdig gehalten sind, andere schlagen den Ton der. Ironie, auch wohl des Spottes an; das ist stellenweise ‘Jirbrecht and-gana-gerechtfertigt; aber an anderen Stellen spättel t det Verf״ and das geht au einigen Stellen* ins Knabenhafte Bh*. Wir• beheben diesen Aasdruck aaf solche Wendungen, in denen dpr Gegner mit aeatestamentlichen Redeweisen und in der aUerthümlich latberischen Schreibart angesprochen wird. So z. B. dtrSchlussesti; ,Gleich wie milder Balsam fleaseet in eine Wunde *nd die Schmerzen lindert, so mögen fleassen in. ihr Herz die Wörter im Evaageliam.Matthäi 5, 3, so da heissen: ,Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich. Amen.* — Das mag ja witzig sein, aber würde es Herrn Meyer gefallen, wenn in einer•Controverse ein Gegner der Joden za jüdein anfinge? Was was den Inhalt des Schriftrbens an betrifft, so giebt das Vorwort au ▼erstehen, dass Neues in demselben nicht zu finden sei; das ist auch weder zu ^warten noch milglich oder nöthig. Hat doch auch der Gegner nichts als das tausendmal Gesagte und eben so oft Wi- Verlegte wiederholt. Dagegen hat die im Monde eines christlichen Geistlichen, derein Priester der Liebe nnd Humanität*? sein sollte, wirklich schnöde nnd unerhörte Rechtfertigung der rumänischen Giäuelthaten gegen Jaden Anlass zu einer ebenso gelungenen Abfertigun« wie einer sehr zutreffenden Erläuterung über die rumänischen Zustände und Verhältnisse gegeben. Wieder auch in dieser Partie hätte eia. T heil der Sprüche 8. 36—37 nnd die obengerügte Aqsdracksweiae sarnmt einigen mehr in den Kladderadatsch gehörigen Witzen S. 38 weggelassen werden können; die Erörterang würde dadurch lediglich gewonnen haben. Als unrichtig oder ungenau ist nichts za bezeichnen; nur davon, dass jeder Jude in PreasSen während der dreissiger nnd vierziger Jahre gesetzlich angehalten wurde, ein Handwerk zu erlernen (S. 13), ist uns nichts *) Wie wir erfahren, sind bereits Ueberselzungen in franz, engl, ruäs ־und Hai. Sprache in Vorbereitung, so dass auch diese Erzählmig — wie dm Verf’s ,Gabriel“ — ihren Weg durch die Welt za machen bestimmt ist. — (Bei dieser Gelegenheit möchten wir dem Hm. Verf. den wohlgemeinten Rath ' ertheilen, seinen SchriiisteUerraf, den er durch schöne Erzählangsgabe und edlen Stil so oChnell sich erworben, durch! die Veröffentlichung von Er- Zählungen im widerwärtigsten jüdischen Jargon* (in einigen jüd. Blättern) nicht dem Vorwurf eines Mangels an ästhetischem Sprach- B*fijihl auszusetzen.)(Red.) bekannt. In einigen Kleinstaaten hat man Aehnliches angeordnet, doch auch nicht a o streng, wie hier angegeben. P 2) ם׳ אוצר אגדות• Die Agadpth aus dem babyL und jerusalem. Talmud, gesammeltvon Gabriel Müller. Th L (J—א), Wien 1877, Filiale der Bachhandlung Brüder Winter. 8*. 239 S. (Schluss.) Aach dieses zweite Bach, Ozar Agadotb, welches ein Reper• torinm für die Agadoth des babylonischen und jerusalemitanischea Talmud darstellen will, kommt einem längst gefühlten Bedürfnis entgegen. Die beiden, diesem Zwecke dienenden Handbücher זברון תורת משה und יכית לחם יהודה si1><1 »o seiten geworden, dass man ihrer kaum habhaft werden kann.' Das schon häufigere £(יןן לך*הךןןן von Fränkel, so gut and brauchbar es gearbeitet' ist, biete( nfcht mehr als die Blattangabe, hat daher nur den Werth eines Registers, nicht eines Promtuariums, welches das störende Aufsachea and Nachschlagen entbehrlich macht. Endlich das vor. Kurzem er, schienene ספר מפתח הגדות סכל הש״ם (wuna 1870) verfolgt ein so unglückseliges Eintheiluugsprinzip, dass es seinen. ZWe^k völlig verfehlt. Ueberdies lassen edle diese genannten Handblieber dem jernsalemitanischen Talmud nur wenig oder gar keiUe Berücksichtigung angedeihen. Utn so freudiger begrüssea wir einffn ra, tionell nnd handlich angelegten Thesaurus, der beiden Talmude als eine überaus verdienstvolle Arbeit, vorausgesetzt, dass sie da* Material erschöpfend und correct darreicht. Bisher liegt nur der erste Theil des Werkes vor, dem man ebensowenig, wie einem erst begonnenen Hausbau, mit einem fertigen Urtheil gegenübertrete? darf) Schon jetzt können wir jedoeh anerkennen, dass die Citate wortgetreu aus den betreffenden Nachweisstellen angeführt sind and dass neben den Auszügen aus bekannten Deruscbwerken zur Erläuterung der Agadoth auch manches bisher UngCdruckte, das von den let ztea Rabbinern der alten Schule, wie R; Mose Sofer u. A., mündlich tradirt worden, gegeben wird. Indess würden wir gerne auf das Letztere verzichten, wenn der ugadische Theil des jernsalem. Talmuds-darunter leiden sollte; denn es scheint, als wenn die Anführungen aus diesem nur recht kärglich und spärlich fliessen. Die Beigaben aus den Deraschoth sind viel zu weitschweifig und widerstreben dem eigentlichen Zwecke der Handlichkeit•. Solche Zugaben wie nothwendige Erklärungen müssen in einem derartigen Handbuch so kurz als möglich gehalten sein. Es mag die* Bo- Schränkung wohl Ueberwindung kosten, sie aber macht uieht Hur den Meister, sondern ganz besonders die Brauchbarkeit eines Repertoriams aus. Befremdet hat es uns, dass der Antor nirgends seiner- Vorläufer auf diesem Felde, nicht einmal in ־der Vorrede, irgendwie gedenkt, obwohl er den einen oder andern augenscheinlich benutzt hat. — Die Ausstattung lässt nichts zu wünschen. —{I— Bei der Redaedo■ sind folgende Bicher eingegange■! Dr. 8. Bäck, Geschichte des jüd. Volkes nnd seiner Literatur vom babyL Exile bis auf die Gegenwart (Lieferung 3 u- 4.) B. Werber, Megillath Koheleth (hebr. Commentar za Koheleth.) Dr. F Ch. Ewald, Der Tractat Abodah sarah, die Mischna und die Gemara, in’s Deutsche übersetzt, mit einer Einleitung and Anmerkungen. Zweite Ausgabe. Dr. G Wölf , Die Geschichte Israels für die israelitische Jugend, Fünfte verbesserte Auflage. — —, Kurzer Abriss der Geschichte der Juden seit der Zerstörung des zweiten' Tempels bis auf die neueste Zeit. Dr. E. Hoff. Biblische Geschichte für die israelit. Volksschulen! Dritte vermehrte Auflage. Prof. Dr. H. Günther, Ueber die neuesten Forschungen auf mathemat -historischem Gebiete. (Amtlicher Bericht der 60. Vers, deutsccher Naturforscher und Aerzte in München.) Dr. B. Felsenthal (Chicago), Zur Proselytenfragfe im Judenthum. D. Pergola, Le Riforme nel Giudaismo. Parte prima. Briefkasten der Bedaellsn. Wir müssen die geehrten Einsender um Entschuldigung bitten, wenn ihre kleineren Bemerkungen, Gegenerklärungen, Notizer! u. *dgl. vor den grösseren, nicht gut zu unterbrechenden Auf- Sätzen und Recensionen Zurückbleiben. Wir werden sie allnjählieh schon zum Abdruck bringen. B. Seligsberg, Antiquarbuchh. in Bayreuth versendet franco: [1201 Dr. Ewald, Abodah Sarab, ein Tractat aus dem Talmud zum ersten Male übers, und mit Anmerkungen begleitet. Nürnberg 1868.546 pagg. brosch. neu statt 6 Mark für 1 Mark 80 Pf. Verantwortlicher Radacteur Dr. M. Ha hm er. Druck von 0. Schämte in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig•