Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 6 (6.2.1878)
- Date
- 1878-02-06
- Page
- Seite 22 (sequence 2)
- Language
- German
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htimiichkeften sich allmählich verloren.“ Das sind Fnnd&mentalsäfze der Darwinschen Theorien. Bilden nicht Hillel’s Antworten nnd die Erklärung gewisser Thierformen (Sabbftt 79r־b.) die Exemplifi cation dazu? ״Oie Giraffe, unter hohen Bäumen lebend, von dereu Laub säe sich b&hrte, war genöängt, den Hals emporzurecken. Das geschah viele Generationen hindurch, bis der Hals nnd zum Theile auch die Vorderfüsse sich gemeint. Dann wären 980 Generationen der Vernichtung anheimgefallen oder — der Vergessenheit. Nun zu dem andern Einwande. der bei der leidigen Herrschaft der Schlagwörter möglicherweise zu gewärtigen steht: dass nämlich die als Beweismittel für die Entwicklungslehre angeführten AgadastelLen im Grunde nur teleologisch zu fassen sind. Tdteölogie ist bekanntlich das Schibolet im nach und nach zu einer solchen Länge gestreckt, die -föne constaute EigenthftmKchkeit dieser Thierart wurde.“ ׳i'ügt sich nicht ganz naturgeinäss die causale Erklärung der ״breiten Ftlsse bei den Afrikanern, der enggeschlitzten Augen bei den Tarmndiem, sowie die Gestalt des Schweifes beim Rind und Kameele, des unteren Augenlides beim Huhn“ der Darwinischen Ableitung an? lieberall-geben die Ortsverhältnisse die Matrize ab für die eigenthOmliche Formirung der Lebewesen und die N o t hwendigkeit ist der umbildende Factor, der Zwang der Bildner (שנה אותם הסקום). Unzweideutig lässt sich daraus die Anpassungstheorie ableiten, deren äusserste Conpgquenz Wallace mit der von ihm beobachteten Mimicry, der Lehre von der chromischen Accomodation gezogen, ״dass nämlich Thiere die Farbe der Umgebung annehmen, um mit dieser conform, unauffällig zu bleiben, damit sie So sichern Schutz vor Feinden finden und-die Beate, bequemer beschleichen und überfallen kö&aen.“ Nichts Ist nrsprünglich fertig abgeschlossen, Alles nach nnd nach geworden, auch die Menschenracen; denn ״Cham war zu Anfang den Andern gleich und hatte erst später die Negerhaftigkeit angenommen“. Die conträre Aosicht lautet: ״Alle Wesen wurden im Zustände der vollkommenen körperlichen und geistigen Entfettung geschaffen“ (Rosch haschanah 11a). ״Adam und- Eva glichen unmittelbar nach der Erschaffung zwaasigjährigeu Menschen.“ (Ber. Rabba 14.) Dafür aber: kann, die Agada zur1 Ansicht Häckel's: ״Die Natur, wenn .sie den Einzelnen bildet, erinnert sich aller Entwicklnngsphasen der Gattung. Der Mensch macht als Individuum׳ alle•‘Entwicklungsformen durch von der Embryozellej an, die er als Gattung seit dem Urbeginne darchgemaant“ — einen viel weitergehenden Pendant liefern in dein! Satze: ״Alle Formen der Schöpfung, der■ organischen Und anorganischen, wiederholen sich bei der Bildung des Menschen.“ (Aboth d. R. N. 31.) Der Blipk der Agadisten errieth schon in der ganzen Seböpfutg eine Stufenfolge vom Niedern zum Höhern;1 (Ber.!Rabba 19; Bechai zu P. Wajakhel; Pardess 180a.)1!Die Ahnung, dass die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts unermessliche Zeiträume durchzumachen hatte, bis sie bei einem Abraham oder einem Moses anlaa^en konnte, spricht aus der Midrasch-Erklärang■ des Psälmverses 105, 8: ״das Wort gebot er dem. tausendsten Geschlechte.“ Nach der biblischen Chronologie war es jedoch das 26ste, die Lücke wird durch die 8eltsame| Bemerkung ansgefüllt: 974״ Generationen wurden vernichtet“ (Ber. Rabba 28) oder nach der Version des Talmud (Chagiga 13b) ״hätten so viele Geschlechter erjschaffen werden sollen“. Nach einem Andern-wird unter dem ״tausendsten Geschlechte“ Abraham Kampfe um die Erklärung des Daseins, im Widerstreit zwischen Sensualismus und Spiritualismus, zwischen Dogmatikern und Materialisten. Der Darwinismus — heisst es — hat der Teleologie den Todestoss versetzt Den Beweisstellen für die Darwinsche Naturauffassung teleologische Auslegung unterschieben, wäre gleichbedeutend mit dem Vorwurfe absichtlicher Verdrehung oder unwissentlicher Albernheit. Um einem solchen Vorwürfe zu begegnen, braucht man sich nur den Unterschied zwischen Teleologie und Darwinismus etwas genauer zu besehen. (Fortsetzung folgt.) ״Glauben und Wissen.“ Saadiah’s religionsphilosophisches Buch. Aas dem Hebräischen übersetzt von Dr. Philipp B loch, Rabbiner der Brüdergemeinde zu Posen. (Fortsetzung.) Es sucht Jemand nach einem Beweis, durch welchen er die Wahrheit erkennen will; wir wissen nun, dass der Beweis eine Rede ist; die Rede ist wiederum eine Art Schall, der Schall aber hat sehr verschiedene Formen. Sobald der Suchende daran geht, das gesuchte Object aufzuklären, findet er verworrene und zweifeihafte Schallformen. Er beginnt nun mit ihrer büntheilung und sondert von ihnen zuerst die Schallformen aus,' die aus dem Zusammeuschlagen von Körpern entstehen, wie wenn ein Stein auf einen anderen auffällt, oder wenn gewisse Körper auseinander gebrochen werden, oder etwa der Schall dps Sturmes und des Donners und dergleichen mehr; er erkennt alsbald, dass diese Arten ihn nicht dazu fördern, [den Beweis herzuschaffen. Er steigt also zur zw eit ein Stufe auf, nämlich zu den Schallformen, wie sie nur lebende Wesen hervorbriügen und unter diesen erwartet er, den Beweis zu finden. Hierauf sondert er von diesen die Schallformen jener Wesen aus, welche keiiie Sprache haben, wie das Wiehern, Blöcken, Brüllen |1. drgl., weil diese vernunftlos sind. Er steigt dann ziir dritten Stufe auf, nämlich zu den Schallformen, welche die Menschen ausschliesslieh hervorbringen, in deren Bereich jede Erkenntniss liegt, sondert aber auch hier die Naturlaute aus, welche unsere Stimme bilden u. drgl., weil diese hierbei von keinem Nutzen sind. Er steigt alsdann zur vierten Stufe auf, zu den Schallformen, welche der logisch denkende Mensch erzeugt, welche nämlich aus den 22 Buchstaben des Alphabets bestehen; von diesen werden die vereinzelten Buchstaben .ausgeschieden werden, weil der vereinzelte Buchstabe zu Nichts nützt,, wenn man z. B. A, B, C u. s. w. sagen würfle, jeden einzelnen Buchstaben für sich. Alsdann steigt er zur fünften Stufe auf, zu den Buchstaben, die so zusammengesetzt sind, dass sie Dingnamen1) bilden, von denen jeder einzelne aus zwei, drei und mehr Buchstaben besteht; hernach scheidet er von diesen jeden vereinzelten Dingnamen aus, der für sich allein gesprochen wird, wie wenn man z. B. spricht: Himmel, Erde, Mensch, denn es liegt• nicht in der Natur solcher Dingnamen, dass sie vereinzelt mehr als das שם (י Substantiv, Dingnamen; ,מלך ist jeder Rejetheil■