Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 6 (6.2.1878)
- Date
- 1878-02-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Iro".'« f ■*■ ׳ Das .־־ >. .v M--־ ~M *fc<?1 Jfahrg. TU. r Zar Beleuchtung aller Jaden• thajn and Jaden betreffenden literarisch. Erscheiaangen aaf dem Gebiete der Philosophie, Geaehtchte,Ethnographie,The• ologie,Orientalla, Exegese, Ho• miletlk, Lltargik, Pädagogik. IJera usgegeben! von! Rabbiner Dr. Moritz Rahiuer. Magdeburg, 6. Februar 1878, BfieMr der elueUigigea Li• teratur, welche der Red. Je• ״Jüd. Litereturblatt“ in Magdebarg (oder der ״Ieraellt. Woekeaaehr.“ In Stettin) ngesnndt werden, Anden In dienern > Blstte eingeh. Besprechang. Das ״Jitdlnelie Llternturblatt“ erscheint wöchentlich; ,Preis [ bei allein Postanstalten und Buchhandlungen (in Lei pzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 6 Mark; bei der Expedition der ״Israjelitischen) Wochenschrift“ in Magdeburg mit direeter trankirter Zusendung: 8 Mark. —■ Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei aller Postanstalten und Buchhandlangen 3 Mark SO Pf. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt“ gratis, — Inserate werden mit JO Pt für die dreige- ■paltene Petitzeile, bachhändlerische Beilagen mit 13 Mark berechnet. , Die Expedition der ״Israelitischen Wochenschrift“ Inhalt! Wissenschaftliche Aulsätze: Der Darwinismus! in der Agada. Von Dr. B. Placzek. Glauben und Wissen. Von Dr. Philipp Bloch ■; Literaturbericht: Recensionen: Levin, Dr. M., Rabbiner. Lehrbuch der jüdischen Geschichte und Literatur. — Levi, Guieeppe, Prof. 1) Parabeln, Legenten und Geschichten aus Ta’mud und M drasch. Literarische Anzeigen. ■ . ■ - .. .. - I ■ Der Darwinismus in der Agada. Von Dr. B. Placzek. (Fortsetzung — st. Schluss — von Nr. 0) ״Die Philosophie ist die Kunst, einfache Begriffe in schwerfälliger mystischer Weise wiederzugeben'•1 — meint Humboldt und will damit wohl beto- «en, dass selbst epochenmachende neue Ideen und Sy- »teme auf die einfachsten Gedanken zurück?uführen sind. Das gilt in besonderem Maasse von der biateria- . lutischen Wissenschaft. Der Darwinismus — worunter die Entwickelungstheorien der Natur forsch ung!verstauden werden ohne Rücksicht darauf, ob sie von) Charles Darwin selber staiflmen, wenn sie nur mit dessen Lehre im Zusammenhänge stehen — ist so unendlich einfach in der Conception, wie verwickelt und subtil in seiner Detailausführung. Den Nachweis eben der Darwini- >chen Grundidee in der Agada habe ich tnir zum Vorwurf dieser Arbeit gewählt; aber ferne liegt es mir, etwa die Existenz einer interessanten Mittelforin, welche die Merkmale heterogener Ordnungen und Familien in ach vereinigt, als Füllsel für die unzählbaren Lücken *wischen einem Protozoon und djem Homo sapiens — darin ausfindig zu machen. Und ich glaube auch die Stellen därgelegt zu haben, welche die Vorstellung von der Abartung der Typen, dass diese nicht von Anbeginn feslsteliend, sondern Entwicklungsergebnisse sind, *0 wie die Accomodationslelire, diesen Keimpunkt und Kern des ganzen Darwinismus, klar bis zur Greifbarkeit veranschaulichen — klar natürlich für dis umbcfengene Urtheil. 1 Leuten hingegen, die vor lauter Bäu- ®en den Wald nicht sehen, d. 11. die über dem Grü- Kein nach dem I Einzelnen das Allgemeine aus dem Auge und Sinne verlieren, ihnen!werden allerdings die!®puren der Entwicklungslehre im Talmud und Midrasch Ju wenig komplicirt, nicht genug auffällig, dnfiir aber zu einfach erscheinjen. Die alte Geschichte vom Ei des Columbus. j ״Solche Stellen finden sich auch hei alten griechisehen und arabischen Autoren!“ mag der Eine sagen, — ״das ist ja die bare Teleologie!“ ein Anderer einweh' den. Nur gemach! muss ich darauf erwidern. Es dürfte , schwerlich bei coi!temporären Schriftstellern eine Anschauung oder ein Dictum gefunden werden, das dem. evolutionisfischen 1 nhalte nach den von mir angefiihrten Allegaten aus der Agada verwandt wäre. Im Interesse der Sache würde es mich nur freuen, wenn, meine Behauptung von irgend einer Seite eine fachliehe Rectification erführe. Alberne Düfteleien können doch nicht mit den ,Erklärungen Hillel’s, die den unverkehnbaren Stempel ernster Wichtigkeit und eingehender Untersuchung an sich tragen, verglichen werden. Dem Hillel znmal wird eine ungewöhnliche wissenschaftliche Bedeutung zugeschrieben: ״Es gab keine Wissenschaft, die er niqht betrieben, sogar alle Sprachen. Er verstand, wa$ Berge, Hügel und Thäler künden (שיחת), was sich Bäume und Kräuter, wilde und zahme Thiere erzählen.“ | (Soferim 16.9 ־.) Wer wird in diesem legenderen Gewände nicht den Naturforscher Hillel erkennen? Ganz nach Art! moderner ״grüner Jungen“, die sich über minutiöse gelehrte Forschungen lustig machen, will jener Spötter, dessen ganzes Gebahren, besonders die Wette, an den Sportsman von heute erinnert, den alten Hillel aufziehen. Doch: der Weise trumpft -ihn in aller Ruhte ab, indem er die Vexirfragen als hochbedeutsame!wissenschaftliche Fragen markirt. Der wirklich Darwinsche Gehalt dieser Talmudstellen ergiebt sich aus einigen bereits populär gewordenen Stichproben der genannten Naturbetrachtung, die hier zum Belinfe der Parallelisirung folgen: ״Die Pflanzen- und Tliierwelt — sagt der Darwinismus — ging nicht in einem solch fertigen Zustande, wie wir sie vor uris haben, aus der Hand eines Schöpfers hervor, sondern war. in einem unaufhörlichen Transformationsprozesse begriffen. Geänderte Existenzverhältnisse entwickeltjen neue Eigenschaften, Gliedinaassen, Organe, wie sie der Kampf ums Dasein erforderte, während ungeübte Organe verkümmerten, und entbehrliche Eigen- L ■ן.