Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 2. (8.1.1878)
- Date
- 1878-01-08
- Page
- Seite 7 (sequence 3)
- Language
- German
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p — 7 — der Philoso- S. Literaturbericht, BrceaUoneii. v. Kirchmann, J. II., Katechismu: phie. J. J. Weber, Leipzig 1877, 8., 241 Ein Katechismus ist dieses Buch ni 5ht. Es trägt die.eu Namen nur, weil die Verlagsbuch!andlung sich vorgesefzt, ״Katechismen11 der verschied« nsten Wissenschäften dem Publikum zu bieten. Aber auch nicht eine kurze Darstellung der Philosophie im Allgemeinen liegt uns vor, sondern eine kurzgetässte Darlegung des Herrn v. Kirchmann eigenthUmlichen philosophischen Standpunktes. Von diesem aus will der hochbegabte Verfasser Anhänger gewinnen der realistischen Riehtung, vermeinend, dass er consequenter, als die deutsehen Philosophen vor ihm, sich der idealistischen Riehtung ferngehalten habe. Dies ist ihm trejlich nicht ganz gelungen; und, fügen wir es nur gleich hinzu, nach unserer Meinung nicht allein zum Vorltheil für sein Werk, sondern auch zur Erhöhung der Werthschätzung und der Wirksamkeit seiner Anschauungen für unsere Zeit. Besonders tritt diese lobenswerthte Inconsequenz hervor in dem Theile des Buches, der!unser Interesse am meisten erregt, und welcher!die Aufschrift trägt: ״III. Die Religionsphilosophie“ ן Natürlich stehen wir da im gegnerischen Lager. Dem Realphilosophen ist die jenseitige (göttliche Welt des Gläubigen ״sein eigenes Werk“ und j ihr Inhalt hat ihm ״keine reale Wirklichkeit“. ״Dagegen ist die jenseitige Welt fter Religion für den Gläubigen eine wirkliehe Welt, von deren *Dasein und ihrer engen Beziehung zur irdischen Welt er eine so feste Ueberzeugung hat, dass sie keiner Beglaubigung durch die Wahrnehmung bedarf, ja da«s sie selbst gegen die Ergebnisse dieser und der Wissenschaft in dieser Wirklichkeit sich bei ihm zut erhalten vermag.“ (S. 225 f l Dagegen ist doch zu bemerken, dass zumal der Philosoph, welcher auch die Philosophie in das Bereich def sinnlichen Erscheinungen niederzwängt, am wenigslep darüber sich unklar geblieben sein sollte, wid'ltie Wissenschaft gegen das der Religion eigenthümliehe Gebiet: des Uebersiunliehen nicht anzukämpl'en vermag. Rjicht'g deducirt dann Herr v. K., dass die idealistisciieii Systeme der Philosophie, weil ihm das Denken als eipe unmittelbare Erkenntnissquelle des Seienden gilt, ilnten Inhalt dem der Religion ähnlich gestaltet haben. Er hätte hinzufügen müssen, dass sie somit auch alleiii berechtigt wären, gegen die Religion anzukämpfen. Den andern Wissenschaften und ebenso auch der realen Philosophie ist allein der Standpunkt zuzugestehen, auf dem der Verf. sich im Weitern zu befestigen sucht. Ihm ist die Religion keine Quelle der Erkenntniss, Sondern nur ein Gegenstand der Erkenntniss. Keinen Aifgriff und keine Verteidigung haben wir von dort heb zu erwarten. Dennoch nnterschreiben wir unbedenklich jedes Wort in dem Satze: ״Die Fundamente, auf (Jenen die Religionen rnhen, sind durchaus andere, al^ die, auf welche die wissenschaftliche Erkenntniss sich (stützt; deshalb ist es unvermeidlich, dass jede Hülfe, welche von dieser Seite der Religion geboten wird, nur Jen Glauben er- 8cl1ütfern muss, tmd dass umgekehrt jeder Angriff von Seiten der Wissenschaft gegen den Inhalt der Religion an dem Geniiitlie des Frommen so unschädlich abprailt, wie die Hiebe mit scharfen Schwertern gegen die Spiegelbilder an der Wand.“ (S. 277.) Freilich bleibt es ans unbegreillicb, wie die Philosophie die Religion, »trotzdem dass sie deren Lehre nicht ajls die Wahrheit anerkennt, in ihrer hohen Bedeutung fijr das Wohl und die Sittlichkeit der Menschen“ würdige!!, ja sie gegen die Angriffe der Wis: enschafl schützen und ״die Noth* wendigkei; ihrer Entstehung und Entfaltung* darlegen sollte! Ui s ist.von der Philosophie untrennbar die Wahrheit, der f emichtung tkainpf gegen Alles, was Lüge ist und Unwahrheit. Wir vermögen es nimmer, den Utilitätsstand junkt, den hausbackenen, als einen der Philosophie würdigen aizuerkennen. Der ansittliche, dem Papste Le) X. zugescp rieb eng Ausspruch von der Fabel; die so vi< 1 Vortheil!eingetragen, ist mir durch seine Unverseil 1 riertheit verschieden von dem Bestreben, das als unwahr Erkannte, weil es einmal vorhanden und als nüteli :h erwiesen ist, zu dujden, ja es als noth wendig darzujlegen. Freilich der Schluss, zu dem Herr v. K. gelangt, lautet mehr seilst den Ant wieder anders und befriedigt viel änger ■der Religion: ״Der Begriff der Religion gestaltet sich hiernach für den Realismus 1) als eiie Lehre von der Gottheit und ihrein!Verhältniss zuj- Welt, die nicht auf den Pundamenialsätzen der Erke intniss, sondern auf den Bedingungen beruht, welche^ a isserhalb jener Fundaraentalsätze eine Ueberzeugung und einen Glauben herbeiführen“ (d. ,h. es ist die bis z lr Gewissheit gesteigerte Wahrscheinlichkeit), 2) als ei! i Gefühl der Achtung und Ehrfurcht gegen die göttlicher Wesen, welche nach dieser Lehre die höchste Autorität für den Menschen bilden, 3) als ein Handeln, welches, von diesem Gefühl getragen, sich theils zu einem Cultus der Gottheit entwickelt, theils dife Gebote der Religion innerhalb der Sphäre der Sittlichkeit und des Rechts verwirklicht und 4) als eineäusserliche Gemeinschaft der Gläubigen u. s f. Für den einzelnen Gläubigei ist somit die Religion ein Wissen t|nd Glau* ben, wel >hes, auf die) Gefühle der Ehrfurcht sich stützend, das ganzs Leben und Handeln desselben dujrchd ringt, und als Religion eines Volkes ist sie zugleich eine Gemeinschf ft dieser Gläubigen, welche, auf diesemj Glauben der Einzelnen beruhend, sich zu einer äussem, organisirtei Macht erhebt und das innere und äussere Leben ihrer Glieder im Geiste ihrer Lehre z|u stärken und zu :itützen bestrebt ist“ (S. 228). (Schluss folgt) Sill ein, Dr. C. I. Die Gjenesis. 4°. Ob wohl auch das II. W., Das alte Testa ment im Lichte der assyrischen Forschungen und ihrer Ergebnisse. 39 S. Philistertum seine sentimentale Romantik und .phantastische Extravaganzen liabeu mag? .Unstreitig. Ist es ja durchat 3 keine seltene JSrsi-heinnng, dass der Kleinstädter, wenn er zum er ten Male einqti grossen Ort betritt, enttäuscht und ernüchtert a isruft: ״Ich hatte mir eigentlich die so viel gerühmte Resideuz her ־Heller, glänzender und grossartiger gedacht." Em ahnliches Gefühl der Enttäuschung und Ernüchterung hat' der Bibelfreund nie Jerzukämpfen, wenn er unbefangen an die Forschungen und Erget nisse der As jyrio logen herangeht. Wie ctft hat man Gelegentie t zu hören, c ass Dank den Fora hungen eines G. Smith, Leuormani, Oppert, Schräder, Ebrard, Friedrich Delitzsch u. A.‘ durch die assyrischen I eilinschriften die Angaben der Bibel wunderbar biei tätigt werden. Geht man aber etwas näher auf die Ergebnisse der Assvriologen ein, würdigt man1 besonders v. Gut- 8c' mid’s. t eflfiche Bemerkungen und wuchtigen Einwünfe in seiner Schrift ,,K tue Beitrage zur Geschichte des alten Orients‘1; so muss man sich dies Ernstes fragen: Findet das Alte Testament wirklich in den a: syrischen Ke Umschriften seine Ergänzung, Berichtigung und Bestätigung oder i elfen vielmehr die biblischen Berrhte and der biblische Sprachschitz jene dunklen Inschriften entziffern und enträthseli;? Vorlieger;de Blätter provorirea geradezu diese Bemerkuoger Wenn auih nur von einem Assyriophilen und nicht , von einem Asjeyriologe 1 — wie Verf. selbst bekennt 4stammend, gebührt ihnen doch das nicht zu unterschätzende, hone Verdienst, den gebildeten Laien in fesselnder Form und in übersichtlicher Klarheit nj it der ״cltaldaischeu Schöpfungsgeschichte“ |(pg. 11—22) sowie mit, len ״chaldäisrhen Izdubarsagen und Nimrod'־ (p. 23—39) bekannt z 1 machen Allein der VerC berichtet anch (gewissenhaft in seinen (inleitenden Biemerkungeu (pg. 1—11) über djsn Stand und somit aucl — noiens volens — die Schwierigkeiten djer die assyr. Keilinsckr: fien bjtreffendeu Forschungen. Von den 3 bekannten Gattungen der Achamenideninschriften ergiebt sich nämlich mir die erste als ■ine reine Rv chstabeuschrift aus 41) Zeichen(, die zweite schon als eine Silbenschrift aps \00 Zeichen, die dritte, die sogen