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Das jüdische Literaturblatt · 1878-01-08 · No. 2. (8.1.1878) · p. Seite 6

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 2. (8.1.1878)
Date
1878-01-08
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
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6 bens für den Menschen die höchste Instanz bildet, will er f&r Jeden, der die Anstrengung des Denkebs nicht scheut, den Nachweis fuhren, dass bei Je, richtig rer- Standen, auf denselben Weg and zu ■demselben Ziele fuhren. Er zweifelt nicht daran, dass es hierzu gar nicht so überaus tiefsinniger Untersuchungen bedarf, er will auch nur ein populäres Buch schreiben, um auf einen recht grossen Kreis von. Lesern zu -wirken, um die allgemein herrschende Verwirrung der Geister zu beschwichtigen. Durch diese gemein- - verständliche Behandlung ist jedenfalls dem Buch der Vortheil erwachsen, dass auch Leser, welche ohne geschichtliches Interesse an die Lectüre herantreten, welche der philosophischen Forschung ferner stehen noch immer Nutzen und Belehrung daraus ziehen können; bald sind es Bibelverse, welche in geistreichen und treffenden Wendungen erklärt werden, bald sind es religiöse Gegenstände, welche einer plausiblen Dentung und Auslegung unterzogen werden. /Derartige Vorzüge haben der vorliegenden Schrift in der rabbinischen Literatur dauernd den ehrenvollen Platz gesichert, auf den sie als erstes und natürlich ältestes Glied in der Kette der religionsphilosophischen Systeme ein begründetes Anrecht besitzt. Die Abhandlung erschien, entsprechend ihrer ursprünglichen Tendenz, in arabischer Sprache, wurde, jedoch frühzeitig in’s Hebräische übertragen. Die älteste Uebersetzung, weitschichtig angelegt, rührt von einem Unbekannten her, der wahrscheinlich im Orient gelebt hat, wenn man nach seiner Hinneigung zu syrisehen Wortbildungen und Kunstbezeichnungen urtheilen darf. Sie war einst viel gelesen und weit verbreitet. Jedoch bat sich' die Druckerpresse ihr nicht günstig erwiesen, nur einzelne Traktate gelangten zum Abdruck; die ganze Uebersetzung selbst ist nur noch handschriftlieh vorhanden. Eine zweite hebräische" Uebersetzung, dem arabischen Wortlaut sich genau anschmiegend, ist ן von Jehudah ben, Saul Ihn Tibbon, dem Chorführer | der hebräischen Uebersetzungsliterato r, angefertigt worden. Dadurch, dass dieselbe zu wiederholten Malen gedruckt und verbreitet wurde, hat sie ein durchaus gerechtfertigtes Uebergewicht über die erstere erlangt, und hat ihre Rivalin vollständig verdrängt. Sie ist diejenige, welche in. der_Gegenwart ausschliesslich im Gebrauch ist. Auch eine deutsche Uebersetzung, nach dem Hebräischen des Ihn Tibbon hergestellt, ist von Fürst erschienen, unter dem Titel: ״Emunöt we deot, oder Glaubenslehre und Philosophie von Saadja Fajjümi“ übers, von Dr. Julius Fürst, Leipzig 1845. Da dieselbe dem gegenwärtigen Stande dieser Wissenschaft nicht mehr entspricht, 80 wird hier der Versuch gemacht,: eine zeitgemässere Bearbeitung ihr zur Seife zu stellen. Das arabische Original hat der Uebersetzer nicht benutzen können, aber die ältere hebr. Version ist sorgjfältig eingesehen und zu Rathe gezogen worden. Das M^nuscript, das hierzu Vorgelegen, als Codex hebraicus Nro. 42 * der Münchener Staatsbibliothek, ist zwar überaus schlecht geschrieben,■ fast nur geschleudert, doch hat es oft gute I Dienste geleistet, um den Tibbonidischen Text, der an * vielen Stellen in korrumpirter Gestalt kursirt, von manchen dieser Mängel zu befreien und zu berichtigen. Der Leser mag urtheilen, wie weit dies gelungen ist. (Forts, folgt.) Literarisclie Notizen.*) Von Dr. L Löwysohn, Rabbiner in Stockholm. 70) Wahrlich drastisch ist die Verlegenheit der neutestamentlichen Schriftsteller und Erklärer in der Anwendüng des von Jesus in der neunten Stunde, wie es heisst, ausgesprochen Psalmwortes:אלי אלי למה עזבתני (Fs. 22, 2). Jedes dieser 3 verschiedenen Wörter wird bald genau, bald ungenau wieder gegeben. Matth. 27, 46 heisst es in der einen Ausg. H).( rt1i, 2׳./־*ä 3aß־׳yi>a■A; als stünde זבחתני, andere Lesarten: w/sazikrA und jas-th«•. Die letztere LA. schliesst sich schon mehr an das hebr. Wort an, die zweite LA entspricht der syrischen Ueber- Setzung איל איל למנא שבקתיי als ob stünde: (ad quid) עזבתני אל אל ל9ל. Marc. 15, 34 heisst das Wort אלי: Andere lesen: f^zi, oder jj>.i Luther hat in der grossen Bibelausg. (Nürnberg 1700) an beiden Steilen: asabthani und richtig übersetzt ״verlassen“, dahingegen in der schwedischen Luch. Uebersetzung an beiden Siellen Snbachthani und dennoch verdolmetscht: ״ötVergifvit“ d. i. ״verlassen“. Selbst das Wort ,ילמד welches freilich auch im Hebr. bald mit, bald ohne Dagesch geschrieben wird (s. z. B. Exod. 5, 22), hat hier alle möglichen Schreibarten verursacht:?.ז*!!".*, Lzyi, /ajid und Xr,u.ä. Man kann hier wohl sagen: So viele Worte, so viele Irrthümer. 71) Im Mosnajim (ed. lleidenheim S. 45) spricht Ibn Esra über den Fall, wo zwei Nomina nur durch ' das Verbum und nicht durch die Partikel את verbunden sind. In der Regel ist da das erste Nomen Subject, das zweite hingegen Object und fügt hinzu: 'מא pn והוא אבנים שהקו מים (איוב י"ד \״ח) ולא אדע שני, wo das Subject מים nach dem Object folgt. — Heidenheim bemerkt in der Glosse: וכבר מצאנו לו שני והיא מים תבעה אש (ישעו' פ״ד -א'); allein dieses Beispiel ist durch■ aus nicht zutreffend, die Feminalforin von תבעה lässt keinen Zweifel über אש, welches Subject ist, aufkoinmen, und linden sich ähnliche Constructionen ziemlich häufig, wir erwähnen nur *בישל יקימון מלץ (Job. 4, 4) פתה תמית קנאה (ibid. 5, 2), מעשה דיי מניד הרקיע (Ps. 10, 2) u. v. and., wo bald die Plural-, bald die Genusform das Richtige bestimmt. Dahingegen könnte man auf לחם אבירים אבל איש (Fs. 78, 25) hin weisen, wo Beides, nnmerus und genus des Verbums, beiden nominibus entspricht. 72) Dass in Heidenheiun’s Machsorcommentar (im Anfänge zu מערבית zum l. Sehebuoth-Abend s. v. לא) ein lapsus calami, oder wohl eher ein Druckfehler bedenklicher Art vorkömmt, ist entschuldbar, da kein menschliches Werk vollkommen ist; weniger zu entschuldigen ist, dass derselbe Fehler in der von Isaac Berlin revidirten und verbesserten Ausgabe (Hannover 5559) sich wiederholt. Es heisst dort אין מלת ז בור מן המנץ כי הוא תחלת הדבור השלישי, es muss natürlich הרביעי heissen; schon die Piutworte des später folgenden Stückes s. v כבד hätten den Revisor an den Irrthurn erinnern müssen. Fortsetzung aus vor. Jahrgang No 52.

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