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Das jüdische Literaturblatt · 1877-12-26 · N° 52. (26.12.1877) · p. Seite 207

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 52. (26.12.1877)
Date
1877-12-26
Page
Seite 207 (sequence 3)
Language
German
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Moabiter kamen in Israels Lag« («hoben darin einen Kriegslärm, das Genus von מדונה siehe Raschi ju Gen. 32, 9), aber Israel erhob sich u. s. w. 68) Jbn Esra (im Commentar zu Exod. 15, 22) meint, die Feuersäule habe nach dem Untergange der Aegypter im Meere nicht mehr dazu gedient, die Israeliten des Nachts zu führen, da sie zu dieser Zeit gar nicht mehr gewandert sind. Robb. Gabr. Adler weist mit Recht (im L. Bl. d. Or. 1846, Nr. 14) auf Nehem 9, 18 hin, wo berichtet wird, daß die Wolke das Volk noch nach Anfertigung des goldenen Kalbes geführt hat. — Allein schon in den Psalmen 78, 13 heißt es: Er führte sie durch's Meer und leitete sie mit der Wolke u. s. w. Nach I. E. müßte allerdings der Bericht umstellt sein. Ps. 105, 39 könnte weniger entscheiden, da hier der Durchzug durch's Meer im vorhergehenden Verse nicht erwähnt wird. 69) Wie Vieles muß, um nicht völlig verschlungen zu werden, dem Strome' der Zeit folgen und die Macht des Wechsels auf sich einwirken lassen! Warum sollte dies nicht auch mit der Bedeutung so manchen hebr. Ausdrucks der Fall sein? Das biblische עקרת הבית, welches von allen Commentatoren als ״die Unfruchtbare im Hause" erklärt wird, erhielt später die edlere Bedeutung ״Grund, stütze des Hauses" (so schon Raschi zu Gen 31, 4). Ein Gleiches geschieht mit dem talmudischen ׳צנא דמלא סיפרי wie oft kömmt dieser Ausdruck in den älteren Haskamoth vor, und wer hätte ihn nicht schon einmal in den titelreichen Episteln' aus dem ästlichen Europa sich zugeschleudert erhalten? Und doch enthält dieser Ausdruck ursprünglich (s. Raschi zu Megllla 28b) eher einen Tadel als ein Lob. Es bezeichnet dort ein regelloses Sammelsurium alles möglichen Wissens. Literaturberichl. Rcccnsionen. Atoch, Dr., S. Hellenistische Bestandtheile. (Schluß.) Durch die bisherige Auseinandersetzung, wonach die Geschichte Eslher's nicht — wie die meisten jüdischen «rd christlichen Chronologen irrthümlich annehmen — in der Zeit des zweiten Tempelbestanves, sondern im Exil zwischen der Zerstörung des ersten Tempels und der von Cyrus ge׳ statteten Wiedereinwanderung der Jehudim in ihr väterliches Etammland sich ereignet hat, fallen die noch übrigen Einwendüngen Bloch's, welche schon Eichhorn in seiner ״Einleitung in's alte Testament" gegen die Wirklichkeit dieser Ereignisse gemacht halte, von selbst hinweg. Denn bei der damaligen Zerstreuung der Exilirten nach verschiedenen Provinzen und wahrscheinlich in tausend von einander gelegenen Wohnorten des medijch persischen Weltreiches konnte es sin leidenschastlicher und dabei charakterschwacher Despot, wie Cyaxeres II. j war, wohl wagen, auf den verleumderischen Vortrag seines Staatsministers (Haman) hin, denselben das Vertilgungsdecret ausfertigen zu lassen; und da dieser, vom Heidmschen Aberglauben befangen, den Vertilgungslag durch's Loos bestimmte, so durfte auch ein solches Decrel fast ein!Jahr voraus in dem großen Reiche verbreitet werden. Wie I konnten sich die so zersplitterten Exilirten zujammenrotten? Oder, wohin sollten sie sich flüchten, da das Reich sich von Indien bis Aelhiopien erstreckte? — Deßhalh brauchten sie dase-bst nicht gerade verhaßt gewesen sein. Denn nicht nur u» grausamen Mittelalter, sondern auch in unsern civilisirten Staaten fand und findet sich bei ähnlicher Despotie immerhin ein scheußlicher Pöbel, der sich solches zu Nutzen machte! Daß Morvechai dem boshaften Emporkömmling Haman »eine Aooration bezeugen wollte, ist nicht mehr auffallend ®«m wir den Text im Buche Esther näh« betrachten. Diese Sesorderle Ehrenbezeugung bestand nämlich nicht in einer blo- ^»en Verbeugung mit dein Kopfe — wie bei Abraham *) Es ist sehr auffallend, daß die meisten Geschichtsschreiber — von Josephus Flavius (Antiquitäten) und der rubdinischen Chronik (.סדר עולם רבד) an bi* * **) »u dm Schriftstellern der Gegenwart — gegenüber dem i lolke (s. I M. 23, 1 u. 12) oder wie bei Jacob gegenüber seinem feindlichen Bruder Esau <s. ds. 33. 3), wobei immer nur der AuÄruck וישתחו gebraucht wird —׳ jo»* dern sie bestand vielmehr in einer abgöttischen Berehrung des sterblichen Menschen, wobei man «st ״niederknieen" und dann sich mit dem ganzen Leibe auf die Erde ausstrecken כורעים ומשחחוים (s. EL 3 2) mußten was der wahre Israelit nur dem ewigen und einzigen Gotte bezeigen durfte, wie noch jetzt beim 1^1>-Gemt an den hohen Bußfesten.! Es ist mehr als wahrscheinlich, daß die Weigerung Vasti's, dem freilich im trunkene» Zustande (Est. 1, 10) «- theilten Befehle des Königs, in dem Trinkgelage der Männer zu erscheinen, zu gehorchen, zugleich mit einer beleidigenden Antwort begleitet war; da sie der vormals weltbeherrschenden babylonischen Dynastie Nebukadnezar's angehürte, gegenüb« deren die medischen Fürsten gleichsam Vasallen waren — wie dies auch die Sage im Talmud (B. Tr. Megilla 12b) und Midrasch rabba (z. St. i. Est.) bezeugt [אמרה מ: קוסיס ״ אסטבלמיא היית של בית אבאBasti ließ Achaschwerosch sagen: Du warst ja nux der Verwalter des Marstalls (60mes stabulatio) in meinem väterlichen Hause!"] — Daß dennoch der leidenschaftliche Cyaxeres II. zur Verstoßung Basti'S vom Throne die Zustimmung des, nach alter medisch-persischer Sitte aus 7 Personen bestehenden Staatsrathes und der ira* fügen Weisen (Est. 1.13 — Magi« נ& Jirm. 39, 3 f. hrb. Fürst's Wb. 8. v.) und Fürsten (ds. V. 16) nöthig hatte, hat darin seinen Grund, wen eben Vasti bei den stammverwandte« Affyrcrn und Babyloniern eine immerhin noch hochgeachtete Schwester oder Tochter ihres letzten Königs Belschazar war, die er nicht ohne Weiteres vom Throne stoßen bannte; ohne daß Empörungen gegen ihn entstanden wären, wie dies die Anschläge der Hofleute, resp Haremsdiener (םריםים), Big-, than und Theresch, gegen sein Leben (s. Est. 2, 21—23) nachträglich «wiesen hapen. — Dies Alles hatte er aber bei der Preisgedung dejc in״seinem Reiche sehr zerstreuten Zehndim nicht zu befürchten!*) Hätte Gottes Vorsehung nicht über Israel gewacht, wären die Jehudim damals niedergemetzelt worden Dies ist auch die Bedeutung des: stalmudischen Ausspruchs אסתר סוף כל הנסים היא (B.I Tr. Joma 29 a). Daß die im Buche Esther erzählte Geschichte den Endzweck aller Wunder- und Wohlthaten Gottes für das zerstreute Jisrael gegenüber seine» nie ruhenden Feinden am deutlichsten veranschaulicht, wie das schon Moses, der größte unserer Propheten, am Schluffe seiner Strasrede (UI. 26 , 44) im Namen Gottes zu uaienn ewigen Tröste verkündet hat! Denn gerade als sich d« verläumderische Wütherich Hiunan an seinem Ziele glaubte, lenkte es die ^,besondere Vorsehung" (השנחד. פרטית), die üb« Jisrael waltet, daß Achaschwerosch jene Nacht schlaflos zubrachte und man ihm aus der Reichschronik vorlesen mußttz; den erwähnten Jrrrhum falzten, und Li« Esthergeschichte nach der Wiedereinwandcrung »er Jfhudi« in's h. San» und zur Zeit des »weite« Tempels, sich ereignen ja()«»; ohne zu bedenken, daß hiernach die als ״jungfräuliches Mädch n" (Eft. 2, J. 3.8 T.) geschildete Esther, welche doch während des bad! »tonischen Exils geboren war, als sie »um Könige geführt wurde, sninde tens c. 50 »is SO, ja bis 150 Jahr« müßte alt gewesen sein (sic!).| ' . •) Dazu ist zu derllcksichiigen, da) in späte« Zeile» bei Religionsversolgungen jede derartige Aooration selbst nur de« Scheute nach verweigert wuroe i'Lgl. hiermit daS S.nehmeg der 3 Gefährten Da» Niets (cap. 3) nnd die lapokryphische Erzählung (i. ll. Makk. cap. 6 117) von dem 90jährigen Priester Eleasar und der frommen Lhanna mit »hren 7 Söhnen aus der vormakkabäischen Dersolgungszeit: »gl. dagegen ll. Sam. 14, 22 aus früherer Zeit. **) Auch für diele I»cpnsequ«nz des Achaschwerosch brauche» - wir nicht nach Beispieles, aus! vergangenen Zeiten zu suchen, wir finde» fi« häufig auch in unserem aufgeklärten!Jahrhundert ünd sogar bei de» Mächtigen civilis, ne» Stoaten der'Gegenwart! Während nämlich die von den irregulären Truppen der Türken an den aufrührische» »ulgaren verübten llnthattn ganz Europa in Lufreg mg brachte», regt« sich weg«» der von jenen barbarischen Bulgaren rc. an unsern wehrlose» GlaubenS-enoffen degaagene» Sräuelthate» — fischändeten zuerG die jüdischen Frauen ustd «äbchen untz^brachten sie dann um nebst ihr« Männern, BStern und Brüdern, — weder «in Rund »och ein« Hand sei. tenS der Machthaber für dies« schuldlos« Opfert

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