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Das jüdische Literaturblatt · 1877-12-26 · N° 52. (26.12.1877) · p. Seite 208

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 52. (26.12.1877)
Date
1877-12-26
Page
Seite 208 (sequence 4)
Language
German
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imd wahrlich, eS war kein bloßer Zufall, sondern göttliche Fügung, daß der Vorleser gerade auf jene Stell! in dieser Chronik stieß, .worin die Rettung des Königs durch Mordechai und Esther beschrieben war rc.! — Diese wahrhaft jüdischen 4nicht hellenistischen — Ideen find es, welche hie Esther- Geschichte, obgleich aus den medisch persischen Retchsbüchern iin's Hebräisch« übertragen (s. Est. cap. 10), für alle Zeit so «erthvoll machen und ihr auch die Aufnahme in hen jüdischritschen Canon verschaffh. haben! D r. BenjaminHochstä!dter,*) Bezirksrabbiner zu Badh-Ems. Mr»«kd, Dr. Ju Josephus in Galiläa, sein Verhältfriß zu den Parteien,' insbesondere zu'Justus von Tiberias und Agrippa II. Breslau. Wilhelm Köbner. 18!77. 63 S. ES ist bereits in Nr. 49 d. Bl. auf den Werth historischer Monographien hingewiesen worden; der Mischen Geschichte thun fie ganz besonders noth. Unsere großen GeschichtSschreiber fanden nach dieser Seite hin das Feld noch wenig bearbeitet, fie mußten selbst erst die Kärnerlarbeit ver- ,!richte«, de» Boden entsteinigen und so manchen Schutt hinwegräumen, fie mußten jeden Baustein erst selbst!herauSgraden und behauen, eh« fie chn dem großen Bau einkügen kannten, kurz: fie mußten Handlanger und Baumeister zugleich sein. Man braucht nur Herzfeld's Beschichte zur Hand zu nehmen, um zu sehen, wie mühsam er in den l,Excursen" sich das Material zusammenholen mußte. Und «sie sehr hat Grätz in Aussätzen und größeren Abhandlungen! sich selbst Vorarbeiten muffen, eh« er daran gehen konnte; das Meisterwerk auizuführen, das jetzt vollendet vor uns liegt; ja, jede neue Auslage des eine« oder anderen Bandes zeigt, wie ununermüdlich dieser Forscher in der Benutzung neuer Quellen und in der Sichtung des alten Materials ist; wie er dunkel gelaffene Punkte stets einer neuen Beleuchtung unterzieht und die anderweitig durch Monographien gewonnenen gesicherteren; Re,ultate an Stelle der unficher gebliebenen setzt. Sehr lehrreich ist in dieser Beziehung der Vergleich der in der angezeigten Schrift behandelten Parth'e mit dem betreffenden Abschnitt der zweitenund der jüngst erschienenen dritten Auflage des 3. Bandes der Grätz'fchen Geschichte. Herr Dr. Bärwald, der mit logischer Schärfe und gesunder Combination die Akte» über Josephus' Verhalten während seiner fünfmonatlichen Amtsführung auf dem als Generalbevollmächtigter wichtigen Posten in Galiläa einer nochmaligen Revision unterzieht, kommt in einzelnen Punkten zu einem andern Restrltate als Grätz in der zweiteil Auflage des Isl. Bandes. Bergleicht man jedoch die inzwischen erschienene diritte Auflag«, so findet man meist die betreffenden Punkte! bereits im Sinne der von unsere»! Verf. gewonnenen Resultate dargestellt. In dieser Zu- oder Uebereinstimmung mag der jugendliche Vers, ein vollgültiges Zeugniß für dis Richtigkeit seiner fleißigen Untersuchungen erblicken. Mar vergliche zum Beweise des Gesagten z B des Verf's Nste 3 S. 7 mit Grätz Bd. Hl, dritte Ausl. S. 487, ferner dc s vom Verf S- 14 bezüglich der größeren Glaubwürdigkeit dis ״Bellum jnd.'4 mit der Note 2 in Grätz a. a. O. S. 515. Auch d;n vom Verf. S. 33 aus Grätz (2. Aufl. p. 320) citirten ©a:f finden wir in der dritten Ausl. (p. 455) nicht mehr. Grätz har sein Urtheil über Agrippa II. hier offenbar gemildert Das Todesjahr Agrippa's, das Grätz in der 3. Au», (p. 410) um 71—72 ansetzt, hat er in der 3. Ausl. p. 590 ebenfalls corrigirl; doch nicht mit unserem Verf in 101, sondern in '90—93. Die Begründung seiner Anficht hat!Grätz neuerdtngS in seiner Monatsschrift 1877 S. 337 un) ff. gegeben. Die Stelle in Pholins, die Bärwald als Haupt, uelle für fich ansührt, deutet Grätz ganz anders; für feine i nsicht spricht allerdings der. Umstand, daß sich Agrippa Mü rzen nur dis aus dem Jahre 90 (nicht wie Bärwald noch annii rmt 95 —96) ) 3" »or. Ar S. 204 Zelle 19 v. o. links st. Zerstörung" lies ^^«i^sti^,-״״ -•2-י׳ ״ .- י#"• Zeile 13 v u. st. ״älttrn״ l. ״fülna _ » * vorfinde«. Sonach wäre auch die Lösung der Frage über die Abfaffungszeit der Vit», die nach uns. Verf. im 4. Cap. (S. 18) mit vielem Scharfsinn dahin geht, daß sie JosephuS letzte Schrift dh. vor der aoatr» Apionem verfaßt sei, — wiederum in Frage gestellt. Grätz (a. a. O.) hält daran fest, daß Josephus die Vir» als Appendix zu den ״Alterthümern" unmittelbar nach diesen geschrieben hat. Adliuc inter judices )18 est. Am gelungensten ist die Schilderung des Justus von Tiberias. B. vertheidigt ihn glänzend gegen Crcuzer, Schürer u. Ewald, er reinigt ihn von dem Verdachte der Römerfreundlichkeit. die Josephus ihm au» Gehässigkeit und um ihn der historischen üdes zu berauben, andichtet, und zeigt, daß er zur Zelotenpartei gehörte,, aber nur aus Localpatriolismus; er betrieb den Ausstand in Tiberias. intereffirte sich für den Krieg so lange, als er seiner Vaterstadt eine Hauptrolle dabei zudachte. Alssie aber vurch Josephus Ränke zu eine? bloßen Zuschauerrolle verurtheilt war, da betrieb er den Anschluß der Tiberienser an Agrippa H. Diesem letzten judäischen Schattenkönig, bef eine so jämmerliche Rolle in dem blutigen Drama spielt, das die Katastrophe über Judäa herbeisührte, sucht Hr. B. ein Ehrenmäntelchen umzuhängen, und man muß gestehen, daß der Nachweis, Agrippa sei, wenn auch durch die Verhältniffe gezwungen, als Römersreund zu gelten, heimlich doch stets Patriot geblieben, etwas Wahrscheinlichkeit für sich hat. Auch das Gesammtbild, welches Grätz (Bd. III. 513—532) von Josephus so mei!erlich entworfen, ist in einzelnen Zügen durch des Verf.'s Schrift noch vervollständigt worden. Wir muffen den sich hierfür besonders Jntereffirenden auf die auch durch die Darstellung übersichtliche, sich auszeichnende und schön geschriebene Schrift selbst verweisen: wir wünschen und hoffen, dem Verf. auf dem Gebieke jüd.-geschichtlicher Forschung noch öfters zu begegnen. —r. Bemerkung. Im Interesse der Wahrheit erlaube ich mir, meinen gelehrten Freund, Hrn. Rabbiner Dr. Duschak, darauf ausmerksam zu machen, daß Rab (Synhebr. 38) nicht behauptet, Adam horischon wäre ein Min*), sondern ein Zeduki (Sadducäer) gewesen. Da aber, wie bekannt, der Stifter der christlichen Religion dem Orden der Essäer angehörte, so kann doch unmöglich der Ausspruch Rab's auf Jesus bezogen werden.**) Die Ansicht R. Jehuba's daselbst kann ebenfalls umsoweniger auf ihn Bezug haben als ja die Essäer im Cölibat gelebt und eine streng asketische Lebensweile geführt haben. Allerdings verkehrte er auch mit Frauen von zweideutigem Rufe, allein wohl nur (?), um sie einerseits bekehren und andererseits für seine schwärmerischen Ansichten und Lehren gewinnen zu können. (Da dürfte wohl Mnans in vor. Nr. angedeulete Ansicht maßgebende: sein. Red.) Bei Gelegenheit kann ich nicht umhin, zu bemerken, daß es in der talmudischen Zeit hervorragende Persönlichkeiten gab, die, obschon sie mit den Effäern nichts gemein halten, sich dennoch nicht verheirathet habe», weil sie ungestört de» Sludien obliegen wollten. Das z. Bwirk? von Ben Asai ausdrücklich erzählt, ebenso blieben R, Safra, R. Chanina und R. Oschia unoerheirathet. Nichtsdestoweniger ist die Genesis des Cölibats der katholischen Geistlichkeit einzig und allein in dem Orden der Essäer zu suchen. Kanitz, am 20. December 1877. ' . Dr. Friedländet. *) Hr. Dr. Duschak scheint diese Stell« nicht aus dem Talmud, sondern aus dem Midrasch Jalkut citirt zu haben. **) Daß in den Talmud-NuSgaben für Min, der Censur wegnh oft Zeduki setzte, ist bekannt; hiernach erledigt sich der obige scheinbare Widerspruch. Wir möchten zur Unterstützung der Duschak'schen Erllt- — 4 rang noch hinzufügen, daß sie Ansicht Rab's, Adam horischon habe ar«-, mäisch gesprochen, sid vielleicht aus die im N. T. vorkommenden ara«. 1 Aussprüche wie: Eli, eli, lamah schewaktani oder: Mar an atua (pfi ] «DK) beziehe ,Red) Verantwortlicher Redakteur.^Dr. M. Rahmer^ Druck von E- Sch arnkc in Bardy.!tiertag von Robert Fries "in Leipzitz.

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