Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 50. (12.12.1877)
- Date
- 1877-12-12
- Page
- Seite 198 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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bm König vorzuwerfen, daß er sich von deb Sunamiterin, die in ihren Augen gewiß nur einer feilen Dirne gleich, so sehr bestimmen lasse. V. 9 scheint wiederum nur als Einleitung zu dem 2. Theile ihrer Rede zu dienen (vielleicht auch daß sie Liebesgeuuß dadurch erwecken will.) Sie beginnt: B. 10. ״Töchter von Königen hattest Du (sc. zu Frauen) als Du noch in Demer Jugendkraft (?) gestanden (da Michal die Tochter Sauls war), aber jetzt steht eine Dirne Dir zur Rech- -ten, geschmückt mit Ophirgold ״ Zu ihr wendet sich jetzt Bathseba und es zeigt sich die ganze Bitterkeit, von der sie erfüllt ist, int V. 11) »Höre nun meine Tochter urü> neige Dein Ohr, denn Du vergißt Deine Ration und Dein Vaterhaus (vielleicht daß die Abischag nicht von israelitischer Herkunft und ihre Aeltern Nicht,sehr vornehm waren.) - -l,Nur nach Deiner Schönheit hatte der König Verlangen, denn ׳er ist Drin Herr und Du hast Dich vor ihm zu bücken." (Es scheint, daß die Sunamiterin sich wie eine Königin geberdet hat, und sehr zutraulich zu dem Könige war, was die 1 Frauen gekränkt haben mußte, da sie sich als die eigent- Herrscherinnen wußten. Es mag auch dadurch zu er- Ü&td sein, daß Stön. I, 1, 16 und 31 besonderer Nachdruck davaüf gelegt ist, daß Bathseba sich zur Erde bückte, obwohl, wie J)te Sprache Michals bei Gelegenheit des Tanzes vor der Bundeslade zeigt, am Hose David's solch' devotes Cerewom L bis zur *1ב;ד״»ה»<ן; nicht geherrscht zu haben scheint. Aber die Bathseba scheint es der Abischag gegenüber gethan zu haben, um ihr verstehen zu geben, daß ihr Betragen im könig sichen Palaste unwürdig ist, die Bitterkeit treibt die Bathsei» bis zur Jronifirung und sie sagt: B. 13. ״Die Fürsten von Tyrus mögen Dir immerhin Geschenke bringen" (sc als Dirnenlohn), aber (V. 14) ״Ehren- Haftzeit ist für eine Königstochter Geschmeide." (NS'ZV wie in Spr- 3, 15) — Mit B. 15 wendet sich Bathseba an sen König. ״Nur für die schöngestickten Gewänder (etwg wie unser: ״Zierpuppe") ist sie (Abischag) in den at gebracht worden, nach ihr wurden auch noch an- Rädchen, ihre Freundinnen, zu Dir gebracht." (Mit auf Kon. I 1, 2, man suchte Mädchen und stellte sie de« König vor zur Auswahl, wie Esther c. II.) V. 16. ״Sie wurden aber nur gebracht zur Freude und zur Belustigung, dazu kamen sie in den Palast des Königs," (»it Bezug auf Kön. 1, 4) Jetzt glaubt nun Bathseba ihren Zorn an Abischag gekühlt zu haben, sie glaubt sie niedergeschmettert durch diese Worle und sie wendet sich zum Schluffe wieder an den Kömg Du lich pr« mit den Worten: V. 17. ״Statt Deiner Väter sollen Deine Kinder sein, sollst sie einsetzen zu Fürsten im ganzen Lande (natür- Salamo), dann werde ich erwähnen Deinen Namen, von Geschlecht zu Geschlecht und darob werden auch Völker Dich en rmmer und ewig. vr. Rawicz. ' Ebher und Misr. Bergleichende paläologische Studien von vr. B. Placzek. (Fortsetzung.)! Nach einer gründlichen Zusammenstellung der anatomischen kmale bei zahlreichen Mumien und Schädeln gelangt Ebers (a. 1. O. 52) zu dein Schluffe: ״Die Aegypter gehörten webier ursprünglich zum Ge, ch! echte der Neger, noch veredelte sich ihre Art durch die Berührung mit Kaukasiern; sie gehörten vielmehr recht eigentlich zu diesen und trübten ihr Blut «ini;ermaßen durch eine häufige Vermischung mit den Ur- Völkern des coniinentalen Afrika. Selbst ihre Hautfarbe hat sich durch klimatische Einflüsse und Trübung des Blutes, durch gesc stechtliche Vermischungen mit Schwarzen verdunkelt, denn eim rseiis sahen wir schon auf den ältesten Denkmälern die voriehmeu Männer und. Frauen Heller gemalt, als den ge- «ei len Mann, andererseits aber steht das Wort ״ami“, der Hel farbige, geradezu für ״einer höheren Klaffe ungehörend" und wird im Gegensätze zu ״hon“ und ״hon־t“, <5llaoe und Sklavin, gebraucht". Die Kopten, Fellahs und die Berbern von heute sind im Vergleiche zu den alten Aegyptern als etwas degemerirt und dem Negertypus näherstehend als diese zu betrachten. Während bei den Mumien der Gesichtswinkel selten weniger als 78°, bei einigen sogar 90° betrug, pflegt er bei Fellahs nur 76° zu erreichen. (Hartmann Skizze 215). Brugsch (sowol in dem Buche hist. d’Egypte II. Ed. 1.5) als in seiner ״Geschichte Aegyptens unter den Pharaonen," Seite 7 ff. in der letz lern nur etwas minder entsch jeden als in dem erstern) faßt die Resultate der einschlägigen Forschungen in der Erklärung zusammen: ״Es genüge festzustellen, daß die Wissenschaft (obschon die Thatsache von der jüngeren Schule bezweifelt wird) zunächst die sicheren Beweise zu besitzen glaubt, denen zufolge die Altvorderen der Aegypter nicht zu den eigentlichen afrikanischen Stämmen gezählt werden können. Die Schädeibildung, so lehrt die (ältere) Schule, sowie die Verhältniffe der einzelnen Körpertheile, nach den bei einer großen Anzahl von Mumien darüber angestelllen Untersuchungen, sollen auf einen Zusammenhang mit dem kaukasischen Menschenstamm hindeuten. Im Vereine mit andern Völkerfamilien bilden sie, dem Anscheine nach, eine dritte Abzweigung dieses Stammes, die sogenannte kusch irische Familie, welche sich durch gewisse Eigenthümlichkeiten von der pelasgischen und .semitischen unterscheidet. Welche vrwandschaftlichen Beziehungen zwischen diesen großen Völkersippen auch immer obwalten mögen, so viel darf als sicher gelten, daß die Wiege des altägyptischen Volkes im Innern des asiatischen Erdiheiles gesucht werden muß. In den Urzeiten des Menschenthums, weit jenseits jeder geschichtlichen Erinnerung, haben die Aegypter aus uns unbekannten Gründen den Boden ihrer Urheimath verlaffen, ihren Weg der untergehenden Sonne zugewendet und schließlich die Völkerbrücke der Landenge von Suez überschritten, um an den gesegneten Usern des heiligen Nil- -slromes ein neues Vaterland zu finden. Die vergleichende Sprachforschung unterstützt ihrerseits mächtig diese Vermuthung Die ägyptische Sprache, welche sich auf den Denkmäleru der ältesten Zeit ebensowohl als in den spätchristlichen Handschriften der Kopten, der Nachkommen des Pharaonen- Volkes, erhalten hat, zeigt in keiner Weise Spuren einer Abstammung und Herleitung von afrikanischen Sprachstämmen. Im Gegentheil weisen die Urwurzeln und die Bestandthcile der ägyptischen Sprachlehre auf einen so innigen Zusammen- Hang mit den indogermanischen und semitischen Sprachen hin, daß es beinahe eine Unmöglichkeit ist, die engen Beziehungen zu verkennen, welche einst zwischen den Aegyptern und den sogenannten indogermanischen und semitischen Völkern obgewaltet haben." Das Pharaonenvolk hielt sich selber für die Urbewohner des Nilthales, welches sie, ähnlich wie die Hebräer ihr Kanaan, ״das Herz und den Mittelpunkt der Welt" nannten. Ihre westlichen Nachbarn die Ribu oder Libu (Libyer), Bewohner der stkordküsten Afrika's, die einem hellfarbigen, blauäugigen, blondhaarigen Menschenstamm angehörten und nach der Meinung Faidherbe's aus dem nördlichen Europa nach Afrika eingewandert waren (Brugsch 11). Seltsam genug, ist diese Anschauung geeignet, über die von uns schon einmal citirte Rabbagelle zu Gen. 10, 2 Klarheit zu verbreiten. ״Und die -Söhne Japhels: G o m e r und M a g o g — das ist Afrika und Germania. Der Paraphrast Jonathan acceptirt die!e Version und weift dem Sohne Gomcrs das Gebiet Barbaria zu. Die Ansicht, daß die Nordküste Afrika's in den ältesten Zeilen von Japheiilen, d. h. von Indogermanischen Stämmen bewohnt war, erhielte demnach durch das hebräische Schrifthum eine gar nicht mißzuoerstehende Begründung. — In all dem Vorausgeschicklen ist also nichts enthalten, was gegen die Annahme stritte, daß die Aboriginec des Chemilandes allerdings der biblischen Völkerliste gemäß passive Chamiten waren, aber schon in dunkler Vorzeit durch die Jnva-