Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 49. (5.12.1877)
- Date
- 1877-12-05
- Page
- Seite 194 (sequence 2)
- Language
- German
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auf )fern Gebiete der Aegyptologie gemach^ zahllose Tenkmäler «nd Dokumente zu Tage gefördert und erläutert, nahm die EntMerung der Hieroglyphen einen damals kaum geahnten Aufschwung — und doch hat Heeren's epochale Beurtheiltzng, weit entfernt, durch recente Entdeckungen widerlegt zu rqerden, an Begründung nur gewonnen. Wir haben bereits bei Cham im Vorübergehen erwähnt, daß die vornehmen Aegypter, besonders die Frauen, nach den überetnstimmenden, aus genauen Untersuchungen geschöpften Urtheileu hervorragender Culturhistoriker, Anthropologen und Anatomen, wie Sömmering, Cuvier, Prichard, Retzins- Morto», Czermak, nichts von der Negernatur an sich hatten Nicht nur ein gesellschaftliches Zurückweisen der heimischen Negerelemente, sondern auch eine förmliche Grenzsperre gegen fremde Neger wird schon in der Zeit der zwölften Dynastie (2400 vor d. übl. Zeitr.) constatirt. (Dergl. Ebers, Aegypten S- 46 f., Maspero, Gesch. der morgenländ. Völker S. 100.) Wenn man au der großen Sphinx bei den Pyramiden zu Ghiz« — die andern Sphinxen zeichnen sich gerade durch schönere Gefichtsbitdung aus — ein Negergesicht erkennen will, und zwar an der platten Nase, so braucht «an eben nur daran zu denken, daß dieselbe gelegentlich der Artillerie der Mamelucken zur Zielscheibe diente, deren Kugeln die ursprünglich präminente Nase ihrre Abplattung zu danken haden mag. (Fortsetzung folgt.*) WisigeS »-er di- St-Llu»g btt LoGefta. 8m Dt. I. 6. Bloch, Rabbiner in Brüx. III. Die rcbigirenb« oder doch interpolirende Hand der baby- Ionischen Amoräer in dem uns erhaltenen Mischna-Codex zu erkennen, ist, wie wir an den mehr oder weniger bekannten Beispielen nachzuweisen versuchten, leicht für den, der ein we nig Talent hat, Vergleiche anzustellen und nicht gewillt ist, der piwullstischen Künste und Hilfsmittel sich zu bedienen. Aufgäbe der rationellen talmudischen Wiffenschaft ist es vor Allem, die alte Halacha von den später« Zu- und Ansätzen, den lendiziösen Le«derungen<und ״Besserungen", die sie erfahren, loszulösen, sie in ihrer reinen Urgestalt der wiffenschastlichen Erkenntnis» zu erschließen. Von der «ehr oder weniger glücklichen Lösung dieser allerdings hochb^eutsamen Aufgabe hängt nichts Geringeres ad, als die Regeneration, eine Wiederherstellung und Verjüngung des dem gänzlichen Verfalle sehr nahegebrachten TalmudstudiumS. Die geschichtliche Mission des Pilpuls ist be- «it» erfüllt. In den Zeiten der Roch, da den Söhnen unseres Volkes die Hallen der Wissenschaft verschlossen waren, haben die pilpulistischen Geistesüdungen dem Judenthum und dem Mischen Stamme unvergängliche Dienste geleistet; heute stehen sie mit unserem wissenschaftlichen Bewußtsein, mit unseren historischen Begriffen, ja mit allem (?) logischen Denken in unlösliche« (?) Widerspruch, der ihnen in cioilisirten Gegenden die Geister und Gemülher immer mehr entfremdet. Soll das Talmudstudium eine Wiederbelebung erfahren — und wer ist von dieser Nothwendigteit nicht durchdrungen? — so muß in die erstarrten Gliedmaßen frisches und warmes Blut, ein neuer, lebensfähiger und lebenverleihender Geist eingeführt werden: es muß vor Allem eine, unseren wiffenschastlichen Gewohnheiten angemessene kritische Behändlung des bunt zusammengewürfelten unentwirrbaren Gedanken- Materials Platz greifen.**) Man muß versuchen, die historische Entwickelung zu verfolgen, welche die alte Halacha in dem Wandel und Wechsel der Zeiten und Zustände, in dem unaufhaltsamen Wogen und Drängen, in dem bunten Auf- und Niedertauchen neuer Begriffe und neuer Anschauungen, durchgemacht, die ja alle auf sie merklich eingewirkt und in ihr *) In sot. Nr. ist st. Todtenpfoxte ju lesen Lobten Hof. ' ■> ••) Die« ist von Frankel im Dark« Ha-Mifchna n. -ieto vielstu, schon *scheh«. (Ned.) ן bedeutsame Spuren zurückgelaffen haben. Dadurch allein würde tzs möglich, einen klaren Einblick zu gewinnen, in!ene uns bis jetzt so gut wie verschlossene Werkstatt des Geistes, aus der die heterogenen Theile hervorgegangen, welche in Mischna und Talmud oft unvermittelt nebesteinandergerathen und die grellsten Wiedersprüche an den Tag treten lassen. Als das vorzüglichste kritische Hilfsmittel hierzu erachten wir die T o s s e f t a und ich kann eS mir nicht versagen, den Lesern hier noch einen Fall vorzuführen, den ich wegen seiner immensen Wichtigkeit der besonder« Aufmerksamkeit empfehle; welcher nicht allein die Ursprünglichkett der Tosseftarecension, sondern auch alles das, was wir in Betreff der Mischna, ihrer Redaktion aus der eigenartigen Handhabung derselben von Seilen der babylonischen Amoräer flüchtig angedeutet haben, erhärtet und erweist, in überraschender Weise den Entwicklungsgang einer einzelnen Halacha uns zufällig sehen läßt, welche, gleich allen andern, ursprünglich klar, einfach und bestimmt, dann durch die wiederspruchoollsten Aenderungen entstellt, in die unlöslichsten Wiedersprüche gesallen war. Peff. 30 b. lautet eine Mischna, die wir mit M. I bezeichnen wollen:-נכרי שהלוה את ישראל על חמצו אדזן הפסח מותר כהנאה וישראל שהלוה את. הנכרי ע״ח אחר הפסח אסור בהנאה• Aus einem Eitat des Talmuds 31 a. erfahren wir noch eine Mischna, die wir M. II bezeichnen, wohl desselben Ursprungs mit M. I, aber von entgegengesetzter Entscheidung und Consequenz: ישראל שהלוה לנכרי על חמצו לאחר הפסח אינו עובר׳ משום ר׳ מאיר אמרו עובר אבל נכרי שהלוה לישראל על חסצו לאחר פסח ד״ה עוכר. Es handelt sich hier um ein eigenthümliches Problem, um das Eigenthumsrecht eines Pfandes vor dem Verfallstermin. Wem gehörte das< sei eS später eingelöste oder verfallene Pfand, vor dem Verfallstermin? dem Gläubiger oder dem Schuldner? , Die Frage ist selbst für die reincivilrechtliche Praxinicht so müssig, wie sie auf den ersten^ Blick den Eindruck macht; ihre Bedeutung dagegen mit Bezug auf die ChamSzgesetze fällt sofort in die Äugen. Wem gehörle das nach Pessach einzulösende CaumLzpfand während der Festzeit? Die beiden Halacha's vertreten hier diametral entgegengesetzte Anschauungen. Und nicht blos darin, in der Entscheidung, sie widersprechen einander auch, was bedeutsamer ist. in den Berichten. Grade in dem Punft, in welchem M. II ausdrücklich eine ך״ך, eine Mcinungsübereinstimmung aller Autoritäten hervorzuheden in der Lage ist, steht ihr die feste und bestimmte Entscheidung der M. I entgegen. Woher dieser Widerspruch? Stammen die widersprechenden Mischna's von verschiedenen Tanaiten her, warum hat man die beiden nicht vereinigt und die abweichenden Ansichten klar und deutlich im Namen der Träger und Urheber referirt? Warum sind zwei besondere Mischna's redigirt worden? Der Umstand, daß der letzte Redaktor des Codex blos M. I berücksichtigt hat, löst das Räthsel nicht, sondern verdunkelt es noch mehr. Mai» lese jme selbe Halacha in der Tossefta (ed. Z. p. 156. § 21 und 22) נכרי שד׳לוה את ישראל על חמצו ואמר לו אם לא באתי קודם פסח מכור לך׳ אחר פסח שראל שהלוה את הנכרי על חמצו ואמר לו אם-מותו לא באתי קודם פסח מכור לך׳ אחר הפסח אסור - - Man sieht, es handelt sich ursprünglich um ein Pfand, dessen Verfallstermin noch vor Pessach eingetreten. Das juristische Eigenthumsrecht konnte da nicht zweifelhaft sein, man sucht blos die Eonsequenzen für Chamsz sicher zu stellen. Das etwas spitzfindige Problem aber vom EigenthumSrecht eines verfallenen Pfandes vor dem Verfallstermin war nach-׳ weislich zur Tanaitenzeit noch gar nicht Gegenstand der DiScusioa: die Stellung solcher seltsamen Probleme war ihrem Gedankenkreis noch ungewohnt. Erst zur Zeit, da die talmudische Scholastik ihre höchste Ausbildung und Ausbreitung fand, zur Zeit Abaja's und Raba's, ward auch jenes Problem erfunden und begann di«