Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 49. (5.12.1877)
- Date
- 1877-12-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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VI. Jahrs aug. m 49. Zur Beleuchtung aller Zullenthum u. Zullen betressenllen titrrarischrn Erscheinungen auf dem Gelliete der Phiiosophie.Geschichte, Ethnograpllie.Lheaiogie, BrtrnlaUa, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegebenl von Rabbiner Dr. Moritz 'Kammer. I Magdeburg, S. December R877. Bücher der einschlägigen! ratur, welche der Nell, de» .,Zull. Bteraturdtatt" in Magllevurg (oller der,Loraet. Wachensttzr.- in Stettin) sugesundl «erden, finden in Ziese« Platte eingehende Besprechung. Das ״Jüd. Literaturblatt" erscheint wöchentlich einmal; Preis pro Jahrgcmg 6 Mark, mit frankirter Zusendung: 8 Mark. Zu bezieh«» durch alle Buchhandlungen sin Leipzig durch Robert Friese), oder direct bei der Expedition der ״Israelitischen Wochenschrift^fin Magde» bürg. — Inserate werden mit 20 Ps. für die dreiaespaltene Petitzeile berechnet. —s Abonnenten der ״Jsraelitischen Wochenschrift" sdie viertel» ührlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen H Mark 88 Pf. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt" gratis. Inhalt. Literarische Abhandlungen: Ebher und Misr. Von Or. B. Placzek. — Einiges über die Stellung der Tossefta. Bon vr. I. S. Bloch. Literatur bericht: Recensionen: Bloch, vr.. Hellenistische Bestandtheilc im biblischen Schristthum. — Werner, Vr. Coßmann. Jo- Hann Hyrkan Notiz. Ebher und Misr. Vergleichende pälaologische Studien von vr. B- Placzek. (Fortsetzung.) Lassen wir über die somatischen Beschaffenl/eiten der Aegypter alten und muen Schriststellern vom Fache das Wort. Herodol, der bekanntlich jelvstgewonnene Erfahrungen und eigene Beobachtungen wiedergiedt, erklärt die Aegypter für ein schwarzes Volk mit wolligem Haar (11, 104). Er will damit den Beweis liefern, daß die Colchier, die gleiche Hautfarbe und Haare Hallen, ägyptische Cdlonisten waren. Und schweigt er auch von der sonstigen negerarligen Eigenthümlichkeit, wie Gesichts- und Schädelbildung, so hätten wir doch in ihm einen ganz respectablen Gewährsmann für die biblische Herleitung Mizrajim's von Cham, mindestens was einen Theil der ägyptischen Bevölkerung betrifft. Herodots Behauptung ist, wie Heeren (Ideen über die Politik und den Handel der vornehmsten Völker der alten Welt, Band II, S. 545) berichtigend meint, nur von dem großen Haufen der Nation zu verstehen, sie soll aber keineswegs das Daiein von Stämmen, die zu andern Rassen gehörten, ausschließe»." Denon, der zu Ende des vorigen Jahrhunderts Aegypten bereiste, sagt von den Copten, den directen Abkommen des allen Pharaonenvolkes, (1,136): ״Ich glaubte in ihnen den alten ägyptischen Stamm zu sehen, eine Art dunkelfarbiger '-Kubier, wie man sie auch aus den allen Denkmälern erblickt, platte Stirnen, halbes Wolltzc^r, die Augen wenig geöffnet, hohe Backenknochen, die Nase mehr hoch als platt, der Mund groß mit breiten Lippen, und weit von der Nase abstehend; ein dünner und ärmlicher Bart, wenig Grazie des Körpers ..." Darunter sind eben nur die niederen Volkskasten verstanden. Solche Physiognomien und Leibesbeschaffenheil geben die Denkmäler gewöhnlich blos den untern Volkstypen, wenn etwa Sclaven, Arbeiter, Unterjochte dargestellt werden sollen. ״Ich bekenne"' sagt Heeren (II, 547), ״daß ich in den wenigsten von den kleinein oder größer» ägyptischen Idolen etwas Negerartiges finden kann." Selbst die Abbildungen bei Caylus, (Recueil V. Pl. 1—25), sowie bei Winkelmann (Storia stelle arti... I, tab. 4, 5) zeigen zwar unschöne, keineswegs aber Neger gesichter. Bon einer Jdealisirung, welche man dieser Beweis führung entgegenhallen könnte, ist bei den ältesten Darstellun gen keine Rede, vielmehr von einer treuen Copirung der Na tur. Das gilt besonders von den ältesten ägyptischen Bild Werken, welche daher als naturgetreue Wiedergabe des Dargestellten angesehen werden können. Auf den großen historischen Relief-, aus den Tempeln zu Theben, die schon Denon (Pl. 133, 134) bekannt gemacht, erscheint das Bild de- Königs s 1er mir einem Profil, das sich dem griechischen nähert. Di< gleiche Aehnlichkoit läßt sich an mehr denn hundert Köpfen siiner Begleiter, bald Krieger, bald Priester, ersehe». Auch die Abzeichnungen der Darstellungen auf den Obelisken (Zosga Tab. II, IV) laffen nichts Negerähnliches finden. WaS die ägyptischen Malereien, deren Farben sich inj wunderbarer Mi sehe erhalten haben, stuf die schon Bruce (Reisen I pl 3, 1.) aufmerksam gemacht, und übe: welche Malereien die französische Expedition vielfache weitere Ausschlüße verschafft — was dieselben als Beweismittel betrifft, so muß vor Allem Eines bemerkt werden, worauf bereit- Costag in den blemoirss sur l’Egyptq 156 hinweist, daß die Aegypter nur sechs Farben hatten, die! sie nicht zu mischen verstauchen. Fügt man noch hinzu, daß nach den Ergebniffen der neuesten Forschungen über den unentwickelten Farbensinn der Asten, diese keine Un erscheidung für Zwischennüancen besaßen(!)» wird man sich nicht wundern, wenn die Aegypter die Farbe der Haut nu : unvollkommen! behandelten und sih wähl Mte», aus ihrer Farbengebung Schlüffe -auf den natürlichen ^!eint der Gemalten ziehen zu wolle». An »den Wänden der Brgräbnißkämmern (besonders von Eleuthias kn der ThebaiS), welche dse ganze Lebensweise des Volkes und fast alle Hauptzweige d«r häuslichen Beschäftigungen abspiegeln, ist das Colorit der Männer roth, das der Weiber gelb (Memoires sur TEg. 13(4—157). In den Königsg rädern von Theken sind die Hellen und dunklen Menschen von einander! unterschieden, so zwar, daß die Hellen als Herrscher oder Sieger, die Schwarzen als Sklaven oder Gefangene ftgurire». 'Denon (11,278) sagt: ״Ich bemerkte viele Figuren ohne Kopf; diese waren alle schwarze Menschen: diejenigen (sich- 'gegen, welche ihnen die Köpfe abhieben und noch das Schwert ’ in der Hand hielten, roth." Derselbe sah an vielen unei»- gewickell en Mumien deutlich, daß das Haar lang׳ und schlicht sei und die Form des Kopfes edle Linie» zeige (Voyage u. 314)..־; ן , Gleicheergeben die Sculpturen aus den Gräbern ori Silsilis! in Dberägypten, worin Portraits von Verstorbenen vermuthel wurden. Aus solchen und ähnlichen Prämissen djeducirt Heereü, ״daß, wenn man auch gerne zugiebt, daß Aegy pten den größten Theil seiner Bewohner aus den Negerlände 7» erhielt, dieses doch nicht gewiß die einzigen blieben; daß ob lmehr ein Vplkerstamm von Heller Farbe sich wenigstenin einer gewissen Zeit über Oberägypten verbreitet gehabt h<1; daß abier dihser Stamm dort der herrschende war, dem »re Könige; die Priester und die Krieger angehörten" (552.) S« itdem Heeren mit seiner wunderbaren wiffenscheftlichen Di »t- Nation diesen Satz ausgestellt, wnrden immense Fortschritte