Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 48. (28.11.1877)
- Date
- 1877-11-28
- Page
- Seite 190 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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stänPgen Einwohner von Mizrajim und Kanaan, oder die ursptztznglichea Mizrajite» und Lanaaniten können immerhin passive Thamite« gewesen sein: die Negypter und Phönizier hingege^ wie sie unter prouonzirtem g^chichtüchem Gepräge als Sulturtrüger uns entgegentreten, find entschieden als semitische oder wohl arische Eroberer zu nehmen. Beide entgegengesetzte Typen mit d«t verschiedensten Uebergangsformen-als verbindende Mittelglieder waren, nach den LljjestenBenchten and bildlichen Darstellungen," so wie nach den neueren anatomischen Uiäersuchnngen, in der ältägyptischeu Bevölkerung vertreten- (Fortsetzung folgt.) Giwige« KßWr -ie Ttefiuwg der Toffefta. Bo» vr. I. S. Bloch, Ziobbin« tu Brüx. (Schluß des Art. II.*) WaS die Amoräer zu solchem Verfahren veranlaßte, war vor Allem, wie schon Zuckermandel aussührte, der ihnen aufa^allene. durch Verschichenheit der Zeit, des Ortes, der staat- Uchea Verhältnisse und Leb^tzedingungen hexbeigeführte Zwie- Östlt der babylonischen und palästinensischen Halacha das daraus entstandenen Streben, ihn zu verdecken und auszugleichen. Da das pst. auf logischem Wege eine Unmöglichkeit war. so stand man nicht an, im Texte der abweichenden Halacha BerLnhycuugen vorzunehmen. ES wäre aber ungerecht, den babylqüschen Amoräern ,allein dieses Verfahren zur Last zu legen, auch die Palästinenser nahmen oft Zuflucht zu solchsi Mitten, wo zwischen ihren eignen Anschauungen aus der ihnen übernüttelten dahyl. Halacha eine Kluft zum Borschein kaM, ohne zu beachlen, daß diese oft durch die Verschiedachkit des BodepS und Landes bedingt war. LSenn gesagt nnnLeu, daß der jerus. Talmud Spuren babyl. Einwirkungen au sich trägt, so darf man auch das Entgegengesetzte nicht vergessen. Ja auch der in der Thal sonderbare Fall läßt sich Nachweisen, daß «in und dieselbe Halacha im Babli — palästine nsische Form und paläst. Gedanken trägt, im Zeruschalmi dagegen nach babylonischen Bedürf- Nissen und Anschauungen gestaltet uns begegnet. Ein Resrral im Talmud kommt dem Kritiker zu Hülfe und bietet ihm die nöthigen Beweismomente. Baba Wezia 107» heißt es mit Bezug auf zur Be- Hauung übernommene Felder: מתני לי' רב יהודה לרביד תבואה יזרענה קסדות א״ל והא אנן.חנן לא יזרעגח קסדות א״ל ל" ק הא לן והא לה »Die anders geartete Bodenbeschaffenheit in Babylon hat hier eine abweichende Halacha entstehen lassen.* Nun aber begegnet uns gerade R. Juda's Tradition, der sie ausdrücklich als babylonisch charakteristrte in der jerus. Mischna, während die den Palästinensern zugesprochene Tradition in der babylonischen Mischna zum Vorschein kömmt. Vgl. 9, 8. Ich zweifle nicht, daß es mit Hülfe der pilpulistischen Mechanik, jener eigen gearteten Kunst, die in Wahrheit den Mohren als weiß hinzustellen und selbst das שר^ן durch 49 Beweise für rein zu erklären vermag, gelingen kann, haarscharf nachzmoeisen, daß die Aenderungen blos eine scheinbare, daß iede Mischna di« ächte, ihr eigemhümliche Lesart hat, die uralt und »«geändert grade das verkündet, was sie sollte. Wer das Kunststück versuchen will, dem bietet Falk Lohn im דרישה ופריסה, der es durchaus mcht einleuchtend findet, daß solch kleinliche und profane Dinge, wie Kultur und Bodenbeschaffenheit, »die jedem Sandmann bekannt*, derartige Differenzen herbeiführen könnten, fruchtbare Winke. So hat man von beiden Seiten an der alten Halacha unaufhörlich gebessert; in Babylon «ne in Palästina wurden die jüngern eignen Anschauungen in die freinde Halacha hineingetragen Daher die furchtbare Verworrenheit, aus der oft kein Ausgang zu gewinnen ist, die häufigen Widersprüche ■*) 3» »«. St. S. 187 a Zeile 1 u. IS ist st.' Interpellation zu lese»; Interpolation, und Z. ro strichtig«, l. wichtiger. in den alten Ueberlieferungen, die man logisch zu lösen vergebens sich bemüht, das Räthselhafte der Deduktionen, die in eine Art sich ergehen, welche man unmöglich den alten Tanaiten -uinpthen kann. In diesen chaotischen Wirrwarr Ordnung und Klarheit, wie es schon vielfach, wenn auch vergebens, versucht worden, zu bringen, giebt es blos einen Weg: die alte Halacha von den s p ät e r n Zuthaten abzuschälen und zu reinige»». Diese Aufgäbe kann nur mit Hllfe der Tosefta gelöst werden. (F. f.) Literarische Notizen. Von Dr. L. Lewysohn, Rabbiner in Stockholm. (Fortsetzung von Nr. 44.) 60) Wie früher bei Nr. 40 dieser Notizen, so wollen wir anch hier bei Rr. 60, zu welcher »vir nun angelangt, eine Anmerkung über diese Zahl äußern. Die Bedeutung die-, ser Zahl ist im Talmud von verschiedenem Gewichte. Bald ist sie strikt, bestimmt. So angehend den ״ביטול איסור wo- .bei man an den Kanon שיעורין הל״ט ru denken hat; ebenso hat man in dem Spruche בן ם' לזקנה (Aboth 5, 21) an ein Naturgesetz zu de»»ken, da im Mgeineinen mit dem 60. Jahre das höhere Alter beginnt. Ei«׳ gleicher Gedanke an jenes Gesetz liegt wohl auch dem Spruche מת בששים זו היא מיתה בידי שטים (M. Katan 28, »)י zu Grunde. Im Alter ist der Tod rin naturgemäßer Prozeß. — Dahingegen giebt es im Talmud ungemein zahlreiche Stellen, in welchen!ene Zahl als r»mde, uneigentliche Zahl genommen wird, und die Tosephot bemerken dieses einige Male ausdrücklich. So Moed k. »dich y. ▼. ׳שיהין הלולי ebenso Raschi und Tosephot zu 8. Lall»» 82, d. R. drückt sich aus:שיתין מילתא בעלמא הוא דקאמרי איגשי ולאו דוקא הוא und ähnlich die Thosephot an beiden Stellen. Wir wollen nur einige der vielen Stellen anführen und der Kürze wegen nur die Schlagwörter benennen. B. Batr. 73, d: 60 Städte, Nedarim 39, b: Schmerz, Chullin 58, b: Pfund Eisen; M. Katan 28, »: Hochzeiten, Krankheiten; Succa 26, d: Athemzüge; Berachoth 57, b: Honig, Feuer, S abbath, Schlaf, Traum »md öfter. Spricht man ja auch im Allgeineinen von 60 Talm»»dtractaten, obwohl diese keineswegs die richtige Anzahl der Traktate ist (s. Notiz Nr. 1k). Es fragt sich nun, was wohl die Ursache sein mag, daß 60 als runde Zahl beliebt wurde? R. Meschullam will hierfür eine Erklärung geben, die Tos. bezeichnen dieselben jedoch als בחינם דתק (B. Kam. 92, b: 8. v. שיהין רהיטי). Wir möchten die Hypothese aufstellen, daß hierbei die Zeiteinthellung von 60 Minuten, Sekunden, Augeublicken, vielleicht zu Grunde liegt. Schon Stunde, שעה, wird im uneigenllichen Sinne, als runde Zeitdauer oft gebraucht, wir erwähnen beispielshalber Aboda sara 10. d ״עולמו בשעה אחה Edioth 5,6 שעה אחת רשע Aboth 4 יפה שעה אחת und viel öfter; führte man daher das Wort שעה bei jeder sich darbietenden Gelegenheit im Munde, ohne gerade hierbei an die astronomisch« bestimmte Zeitdauer zu denken, so gewöhnt inan sich auch die Zahl 60 bei jeder Gelegenheit eigentlich oder uneigentlich anzuwenden; die Zeit, mit und in welcher der Mensch lebt, hat es nicht schwer ihre Momente gellend zu machen, und gern läßt der Mensch dieselben auf seiner Denk- und Redeweise einwirken, (lieber die Zahl 60 hat Kämpf Treffliches geschrieben in seinem: Das Hohelied S- 74 u. ff., und in der Ztschr. f. d. D. M. Gesellsch. XXIX. S. 629. Red.) 61) Zu meiner Erklärung des ה' רפה im Worte לה (4. B. M. 32, 42; cfr. Notiz Nr. 12) fügte der Redakteur d. Bl. »wch eine andere, recht sinnige Erklärung hinzu; allein mit dieser letztern läßt sich das ה' רפה im Worte הוסרה (2. B. M 9, 18) nicht erklären. Denken wir aber auch hier in dem Satze: ׳לא היד. כמהו במצרים parallel mit v. 24 an das fortgelaffene ארץ (ganz so, wie in erster Stelle עיר supplirt ist), welches gen. com. ist, so will das He rapha