Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 48. (28.11.1877)
- Date
- 1877-11-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 48. Da« ■»ז י TI. Jahrgavjz. Z»r Beleuchtung aller Judenthum u. Juden detreffrnden literarischen Erscheinungen auf dem Eediete der Philosophie,Geschichte,Ethnographie,Theologie, Brientalta, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeber von Rabbiner Dr. Moritz Magdeburg, 28. Stoveml'er 48??. Nahiner. Bücher der einschttgige« Literatur, welche »er Hie», de» ״Jüt. KiteraturdlaU" i, Magdekurg (oder der «I»r»et. «ochenschr.- in Stettin) )»gesaudt werde», finden i» diese» Diattr ei»- ,ehr»»« Besprechmq. . DaS «inn^^^^^pro Jahrgang 6 8“ 6* durch ""*^«"chdandlungen (in Leipzig durch Robert Friese), oder tittlil de, der Expedition der ״JSraelittschen Loch««schrist" nt S bürg. — Inserate werden mit 20 Pf. für die dreiaefpaltenr Petitzeile berechnet. — Abonnenten der ,H-raelitische» Wochenschrift" (die jährlich-bn allm Postanstalten und Buchhandlungen S Mark 50 Pf. kostet) erhalten da» .jüdische Ltteraturblatf grati». vi!rt«l- Inhalt. Literarische Abhandlungen: Lbher und Lisr. Bon vr. B. Placzek. — Einige« über die Stellung der Tosfesta. Bon vr. I. S. Bloch. — Literarische Notizen. Bon vr. L. Lewysohn. Literaturbericht: Recensionen: Bloch, vr.. Hellenistische Bestandtheile im biblischen Schristthum. Finn, S. I., דברי לבני ישראל, חלק כ׳• R otizen. — Briefkasten. Ebtzer und Misr. Bergleichend« pdlaologische Studien von vr. 8. Placzek.») (Fortsetzung.) Auf weitere Untersuchungen über die spätere Geschlechtsfmge der Chamiten wollen wir uns nicht emlassen, zunächst, weil wir es vermeiden, den Leser in ein förmliches Wirrsal rinzuführen und dann, weil bei den spärlichen Mchrichten, welche Talmud und Midrasch über Chams Nachkommen ent- Hallen, nicht zu erwarten steht, jene dunkle Parthien in Hellere Beleuchtung gerückt zu sehen. Uns kömmt es ja eben bei der vorliegenden Arbeit am meisten darauf an, das Quellengebiet der Agada zur Erläuterung des ägyptischen Alter- , Ms und vice versa zu exploriren. Aus derselben Ursache ,ז können wir von den Noachiden nicht Abschied nehmen, ohne uns noch mit einem Sohne Jaktan's zu beschäftigen. In dem seniilischen Jaktaniten הצרמות (eigentlich eine ungesunde Landschaft Arabiens am indischen Meere, noch jetzt arabisch Hadramauth genannt) will die Midraschdeutung (Ber. Rab. 37) einen gleichnamigen Ort erkennen, ״dessen Einwohner Lauch essen, in Papyrusstoff sich kleiden und Todesgedanken nachhängen." Wollte man darnach in ״) חצרמותTodespforte") die berühmte Todtenstadt von Theben No-Amon vermuthen, die am linken Ufer des Nil sich einige Meilen weit mit den in Felsen gehauenen Grabgängen und Kammern ausdehnte, wo ein großartiger Todtencultus allen Baulichkeiten sein düsteres Gepräge aufdrückte. Tausende von Priestern und verwandten Kasten der Einbalsamirer (Taricheuten, Paraschisten), sowie unzählige Kaufleute beschäftigte und das ganze Leben mit Todesideen durchtränkte (Herodot II, 85—88; Diodor I, 45, 91, 99; Lspsius Briefe 287, Todtenbuch 45), so brauchte man sich nicht durch den Umstand anfechten zu laffen, daß die Jaktaniten südarabische Stämme sind, weil die Annahme von einer uralten Culturinfluenz auf; Oberägypten von Arabien aus, wie wir schon bei Kusch und Put nachgewiesen, noch immer bedeutende Anhänger hat. Die Nahrung כרישים, welche die Agada den Bewohnern von חצרמות zuertheilt, stimmt; denn Zwiebel und Lauch bildeten einen wesentlichen Bestandtheil der Nahrung bei den Aegyptern, besonders bei den ärmern Klassen (lV. B. M. 11, *) In Rr. 44 ist zu lesen: weiche Gemüthsart von lichter ..: w Rr. 4S Purosatha. 5; Plinius 21, 15). Eine Inschrift an der Pyramide IdeiP Chrops »esagte, daß die Arbeiter davon für 1600 Ta «nt« Silber rerbrauchten (Herodpt II, 125). Wa & die Kleidung כלי פפייר anbelangt, so w u! dem Ba ie der Papyrusstaude allerdings Kleider ve> (Herodot 2, 92; Juoenal 4, 24). Die Agada mag immerhir bei der Schilderung der Bewohner von Pt an die Todtenstädt von1 Theben gedacht haben. Verlaufe der Untersuchungen über einzelne % in der Bölkertafel, tauchte wohl öfter die Frage auf: laffen sich die Angaben jenes Rayenregisters mit den “ niffen der Anthropologie und Geschichte, denen das bi! Völkeroerzeichniß allem Anscheine nach widerspricht, denn doch in Einkläng bringen? Das wilde, wirre Durcheinanderquirlen von RayqnÄementen tn jenen chaotischen Zeiten, wo der Sieger mit dem Lande ds Besiegten auch dessen Namen usurpirend, unter demselbest in der Geschichte figurirt, wo die Besiegten aadetfett« bei Siegers Sprache und Namen annehmen mutzten, oder au•, Oportunitätsgründen freiwillig annahmen; wo Auswandere: Laad-, Flutz- und Städtenamen den neuen Wohnstätten aus Pietät für die alte Heimath beilegten (Richter I, 26) — ein Vorgang, der sich Jahrtausende nachher in der neuen Welt so oft wiederholte —; diese Wtrbelströmuagen erzeugten in ener Phase rasch pulfirender Menschenentwicklnng «inen ethnischen Synkretismus, der jeden Versuch, di« Eintheünng der Bölkertafel mit den Ergebnissen der moderne« Lnthropologie, o;ne Weiteres auszugleichen, schwer, wem» nicht illusorisch muht. Angesichts einer solchen ״Comödi« der Irrungen", die aus jenen Domicilveränderungen und dem NamensnuStausch )er Völker unerschöpflichen Stoff sich holt«, die biblischen Nachrichten der Unrichtigkeit und krassen Widersprüche zeihen vollen, hieße das Wesen prähistorischer Zeit« ganz und ga: verkennen und damit noch nicht genug, sogar für die eigl ne Unkenntniß eine altehrwürdige, jedenfalls hochbe-. deutsame historische Urkunde verantwortlich machen. Die Berschiebuug der semitischen, chamitischen und arischen Völlerstamm«, d. h., um mit dem Cultur Historiker Klemm z« reden, d«r actioen und passiven Rayen in der Lölkertafel, tritt uns am räthselhaftesten bei Mizrajim und Kanaan entgegen. Vermö;e ihrer Energie und Initiative, ihres ExpansiouStriedes, ihrer vollzogene» Culturmission, lauter eclatante Merkmale c ctiver Nayr, sind Beide dieser bestimmt einzüreihen «nd demnach die Bibelworte ״die Söhne Cham's: Mizrajim, Kanaan" — eine physiologische Unmöglichkeit, da man Aegypter und Ktnaniter (Phönizier) in der passiven Chamitenraye mcht unterh ingen kann. Atan braucht aber nur die archäologisch begrün oete Thatsache zu erivähnen, daß die der passiven Raye angehö eigen Autochthonen von Eindringlingen activer Ray« überw mden, diesen Namen und Land überlaffen mutzten — um der Bölkertafel zu ihrem Rechte zu verhelfen. Die beden-