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Das jüdische Literaturblatt · 1877-11-21 · N° 47. (21.11.1877) · p. Seite 187

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 47. (21.11.1877)
Date
1877-11-21
Page
Seite 187 (sequence 3)
Language
German
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— 187 — Die Spuren solcher Interpellationen aufzufinden, ifl nicht schwer, die talmudischen Referate erzählen es ja selber oft mit naiver Treuherzigkeit! Suoca 45a lautet eine Mischnah: 71X ככל יום מקיפין המזבח פעם אחת ואומרים אנא ד׳ הושיעה נא ♦ ר׳ יהודה אומר אני והו הושיעה נא• Hiezu berichtet der jerusalemische Talmud:ר׳ אבוהו בשם ר׳ יוחנן כייני מתניתא אני והו הושיעה נא אני והו הושיעה נא• d. h.. er ließ den Passus wiederholen. Nun hat diese Ansicht des später» Amoräer in die jerus. Mischnah bereits Eingang gefunden, in ihrem Referate begegnen wir schon jener Wiederholung ganz nach seinem Wunsche, was wohl nicht ohne sein Zulhun zu Stande gekommen. In ganz analoger Weise wird im Namen desselben Amoräers von Raba o. b. Chanah Aboda sara 14a, mit Bezug auf Mischnah I, 5 eine Interpellation berichtet, der in jerusalemischer Mischnah zp begegnen den Leser nach obigem Beispiel nicht mehr überraschen darf. Bergt, die babylon. mit der jerusalemischen Mischnah, Sabbalh 9, 3 und das hierauf bezügliche Referat im jerus. Talntud. Bei Weitem richtiger und umfangreicher erscheint eine Interpellation, Aboda Sara 3, 8.אבניו עצי ועפרו מטמאיך תשקצנו ר״ע אומר׳ כנידה .עזני תזרם כמו pp כשרץ ישני ש דוה צא תאמר לו מה נדה מטמא' כמשא אף ע״ז מסמא במשא• Ein kurzer Blick auf die im jerus. Talmud aufgesührten Discussionen genügt, um zu erkennen, daß der Wortlaut der Mischnah ursprünglich ein anderer gewesen sein muß. Man bemüht sich zunächst für die Halacha ,eine bibl. Begründüng aufzufinden, als ob keine solche ihr beigegeben wäre und was die Amoräer darüber zu erzählen wißen ist auch durchaus nicht in Uebereinstimmung mit dem, was nach dem jetzigen Wortlaute der Mischna R. Akiba seiner Halacha beifügte. — Aus gleichem Grunde muß der Passus שאם היי לו בתולים הי' משכים לב״ד Ket. 1, 1, in der!erus. Halacha wenigstens eine spätere Hinzufügung sein, wie seiner Zeit in der Frankelschen Monatschrift nachgewiesen worden und auch ein Blick auf die hierauf bezügliche Jeruschalmistelle belehrt. Bon welch inlmenjer Bedeutung es sein wird, in allen diesen und ähnlichen Fällen eine gediegene, nach alten Handschriften hergestellte Recension der Toffefta mit zu Rathe zu ziehen, wird nun wohl auch dem halben Laien nicht mehr unklar sein. Ob die Tossefta ihrerseits nicht auch uns vielleicht noch mehr spätere Hinzufügungen aufzuweisen Hai? Diese Frage werden wir noch zu untersuchen haben. Wir wollen vorerst nur noch einen andern Punkt in'» Klare bringen. (Forts, f.) Eine Schlägerei zwischen christlichen und jüdischen Studirende« an der Drager Univerfität im Jahre 1797. Von G. Wolf. In dem Toleranzpatente Josef II. wird ausdrücklich hervorgehoben, daß den Juden der Besuch der Universttälen, der nie verboten war, gestattet sei. Ob jedoch Juden bis dahin an österreichischen Universitäten studirlen, ließ sich nicht constatiren. Wohl gab es jüdische Aerzte in Oesterreich, (wie ich in meinen »Studien zur Jubelfeier der Wiener Universität" nachgewiesen habe, war der Leibarzt der Kinder des Kaisers Ferdinand I., die zu Jnsbruck lebten, ein Jude, Namens Lazarus), doch hatten diese an auswärtigen Universitäten die Studien gemacht. Jüngst jedoch kam mir ein Aktenstück zur Hand, aus welchem hervorgeht, daß zur Zeit Maria Theresia's sowohl an der Wiener wie an der Prager Universität zahlreiche Juden we chirurgischen Collegien frequentirten. Dieses geht aus dem Brouillon eines Erlasses an das königliche Gubernium in .Böhmen vom 28. März 1778 hervor, zu welchem die Boracten fehlen. Wir wollen denselben hier skizziren. Das böhmische Gubernium erstattete am 22. Juni einen Bericht über Unruhen, welche am 24. Nov. 1777 zwischen jüdischen und christlichen Studirenden am Collegio Chinirgico entstanden. Da dier Auftritt keine weiteren Folgen hatte und die Unruhe durch Herbeirufung der Militärwache und durch Arrest der Schuldtragenven gelegt wurde, so sollte. es bei dem, was das Gubernium über die Urheber der Schlägerei verfügte, sein Bewenden haben. Da der Bicedirector der medicinischen Facultät Breyer, der Director Max Neuen und der Prosesior Arnold alles thaten, um die Unruhe zu stillen und die Frequentirung der chirurgischen Collegieu Jedermann ohne Ausnahme gestattet sei, so sollen sie keine Rüge erhalten, wie das Gubernium angerathen hatte. ___ Was die künftige Frequentirung jüdischer Studirender ׳ der Chirurgie betrifft, so sollte sie ihnen nach wie vor nach dem bestehenden Studienplane für die medicinischen Facultäten frei und offen stcheu, und sei keine Religion davon ausgeschloffen. Da die Juden tolerirt sind, sei es auch׳ nur billig, westn man ihnen die Wege zum Unterricht nicht beschränkt^ Auch; in Wien besuchen Juden und Christen ohne Unterschied uudjAbsonderung die Collegia Chirurgica und seien die Juden ebenso wie die Christen bis zur Ankunft de» Profeffors berechtigt, den Hut aufgesetzt zu behalten und darf deshalb kein Theil dem andern im mindesten beirren oder beunruhigen. Derselbe Vorgang sei daher auch all der Prager IW* verfität zi beobachten und sollen den Juden keine besondere Plätze angewiesen werden, sondern es ist der Besuch pronas icue geitc ttet und ist es den Juden wie den Christen erlaubt, den Kopf bedeckt zu halten, bis der Profeffor kommt und soll deshalb gar kein Unterschied gemacht werden. Um ferner alle Unordnungen zu vermeiden and unaagenehmen Vorfällen im Vornherein vorzubeugen, wurde den Professoren anbefohlen, jeden Unfug von Seite der Studire«׳ den einzr stellen, sämmtliche Studenten in den gehörigen Schränker zu halten, und wer diesfalls exoecklrte oder einigen Unfug beginge, der soll nicht allein vom ferner» Studium ausgeschlossen, sondern überdies zum Beispiele Anderer «ntweder mi einer geschärfte« Leibesstrafe belegt oder zu einer größeren Geldstrafe angehalten werden. I Wer da weiß, welche Gesinnungen die Kaiserin Maria Theresia zu Anfang ihrer Regierung speciell gegen die Juden in Böhmin hegte, (Brgl. unsere: ״Vertreibung der Juden;aus Böhmen") der wird dieses Rescript um so mehr zu wücdigen wissen. Literaturberichi. Receusiouea. AloH, Dr. I. Hellenistische Bestandtheile im bitt» Schriftthr m, eine kritische Untersuchung über Abfassung, -ha» rakter un > Tendenzen, owie die Ursachen der Kanonisirungides Buches Esther. (Separatabdruck aus dem ״Literaturblav Sie haben jüngst missen wollen, wie ich von dem Schf chen unseies College» Bloch über das Buch Esther urü Ich will 1>as Ihnen kurz angeben. Der Herr Verfaffer j sich darin scharfsinnig unb> gut belesen; aber von seiner hauptung, Esther documentire sich durchweg als eine Hellbaistische Schrift, und vo» der Triftigkeit seiner Beweise dafür hat er!mich so wenig überzeugt, daß ich vielmehr keine einjige hellenistische Spur darin entdecken kann. Glauben Sie nicht, dah ich so urthesle, well ich vor langen Jahren in ׳ item Geschichtswerke ganz andere Ansichten von dem Bö aufgestellt, habe: dies liegt nicht in meiner Art, und die |fot* genden Zeilen werden das Gegentheil zeigen. Aber für " ~ niftisch kann ich das Buch ohnehin nicht haften, denn I. ein Helleitist schwerlich 3, 8 dem Haman solche Worte in j Mund gelegt, wie die Hellenisten vermuthlich selber zu tiochiu» gesagt haben (״ihre Gesetze weichen ab von ' des Volke», und die Gesetze des Königs befolgen sie nicht,! [ t , ... --—

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