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Das jüdische Literaturblatt · 1877-11-07 · N° 45. (7.11.1877) · p. Seite 178

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 45. (7.11.1877)
Date
1877-11-07
Page
Seite 178 (sequence 2)
Language
German
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BürÜmiß zu besiegeln, heiraihete RamseS II. die Tochter Chitasak's, die als Königin den Namen Ur-inaa Nofiru־ra erhielt. Die Gedächtnißtafel von Jbsambul enthält die Stelle: »Vom den Zeiten des Sonnengottes Ra bis zu Dir (Ramses Wiqneun) weiß die Geschichte nichtzu berichten vom ChitasoUt/baS ein Herz und eine Seele mit Aegypten gewesen war.״ Mineptah II. (1300 v. der übl. Zeitr.) ließ eine größere Überlieferung in die innere Seitenwand des großen AmouStempelS von Lpi einmeißeln, die den Passus enthält: »Ich ließ Getreide nehmen in Schiffen, um das Leben zu ficisten diesem Volke von Chita" — ein Beweis, daß seine Bezichungen zu ihnen freundschaftlicher Natur waren. Unter Rcutzses III. (20. Dyn.) wurden, laut einer Inschrift am Sie^eStempel die Chita von den Puroprtha und Zaktar (KarischfKolchische Völkerschaften?) bewältigt. Mit ihren Siegern verbpndet scheinen sie dann gegen Ramses III. gekämpft zu Hab«», der sie überwand. Das achte von den Bildern der uuterworfenen Fürsten an seinem Königshause von Medines Abu stellt den »elenden König von Chita" (»Hethiter") als lebenden Gefangenen dar. ׳ Fassen wir all das zusammen, so ergibt sich daraus folgeude Andeutung für die Geschichte des Volkes Chita: FM alten Reiche eia minder bedeutender, kananlbischer TribuS im südlichen Palästina, in friedlichen Beziehungen zuAegypten stehend, dem es Soldtruppe« lieferte und mit dessenFürsten es sich verschwägerte, gewann es später anPräponde^anz über verwandte Stämme, bis eseineArt Hetzemoaie über die Kanaaniter, Phönizier, Enrier, Mesopothamier errang und den Zenith seiner Macht unter den Ramesiden erreichte, aber von da ab an Einfluß und Geltung verlor. (Fortsetzung folgt.) Ders«ch z»r Begründung einer BerordniMg nuferer Weisen. Weshalb die Weisen am Jom Kippur zu Mincha gerade de» Abschnitt über verbotene Ehen aus der Thora vorpckesen bestimmt haben, darüber sind fast in.׳ jedem Machsor an yrt «» Stelle verschiedene Gründe aus MLrasch und Tosaphot «Gegeben. Da «ach einigen dieser Gründe aber die Frage berechtigt ist, «arm» man nicht auch an andern Festtagen diese» Abschnitt vorzuleseu bestimmt hat, so darf daher der Wsnch gemacht werden, einen audem Gruud zu suchen, und «N glaube« einen entdeckt zu haben, der eine Wahrscheinlichkeil fürfich hat. I» der letztm Mischuah zu Thaauith heißt es: ״Rabbi Simon Sohn Gamaliels sagt: Esgab kein heitereres Fest in Israel wie der fünfzehnte Aw und der Bersöhnungstag. dem an diesen Tagen gingen die Töchter Israels (um die Breslaner Schule vor Schimpfen von mancher Seite zu schützen, muß bemerkt ««den, daß die» die Leseart des Rif und Rosch »ab auch der Gemara ist) in »veißen Kleidern hinaus .... und hier tanzten sie auf den Weinbergen; und was sprachen sie? Jüngling! blicke empor und stehe wohl zu, was du erwählst, rmrf nicht die Auge« auf Schönheit, sondern auf feine Fmaiüe." In der Genmra wird zugefügt: »Wer keine Frau hatte, wandte sich dahin". An diesen Tagen also wurde» viel« Verlobungen gefeiert und um di» Gegensätze zwischen erlaubten und verbotenen Ehen hervorzuheben, verordneten unsere Weisen den betreffenden Abschnitt zu lesen. Ebenso aq» demselben Grunde verordneten sie bei jeder Cylippa die ברכה ׳אשר ♦ ♦ ♦ רצונו על העריות — vorzutragen. Literaturbericht. Antechismns der Geschichte der Philosophie von ThaleS bis zur Gegenwart von Lic. vr. Friedrich Kirchner, Leipzig, F. I. Weber 1877. 8. 356 S. A» zwei Punkten besonders — wenn wir von Spinoza absehen — ist dem Geschichtschreiber der Philosophie Gelege«,! heit geboten, der Juden zu gedenken und des JudenthumeS,« bei der alexandrinischen und bei der arabischen Philosophie.! Beide sind Uebergangsepochen, wichtig an sich, aber weniger! Neues hervorbringend. ES hätte deßhalb nicht überrascht, wenn in dem vorliegenden kurzgefaßten Lehrbuche (denn s« muß der Verf. den geforderten Titel ״Katechismus" übersetzen) der Raum, dem uns vor Allem Jnteressirenden karg wäre zugemessen worden. Doch nein! Raum ist uns genügend gewidmet — doch in welcher Weise!? Wahrlich, es ist ein Zeichen der Zeit, wenn das wissenschaftlicher Styl sein soll: ״Im Verkehre mit Griechen konnten sie sich (die gebildete, Juden des 2. und 1. Jahrhunderts v. Chr.) dem Zugeständniß! nicht entziehen, daß auch die ״Gojim" Richtiges gesunden, aber um ihren hochmüthigen Anspruch, das auserwählte Volk zu sein, festzuhallen, behaupteten sie, Orpheus, Homer, Hesiod u. s. f. hätten eine Uebersetzung des alten Testaments benutzt." (S. 139). Zum Glück für Herrn Kirschner können die alexandri- Nischen Juden sein Büchlein nicht mehr lesen, sonst wäre ihr Respekt vor de» ״Gojim" wohl erheblich gemindert worden. Denn es verräth gerade kein sorgfältiges Suchen nach dem Wahren und Richtigen, wenn der Septuaginta Abneigung gegen Anthropomorphismen und Allegorisirungssucht zugeschrieben wird. Sollte Herr K. nicht Akylas mit der Sepluaginta verwechselt haben? Was der Aristeasbrief hier zu suche« hat, bleibt unerfindlich. Die armen, schlichten palästinensische« Effäer (Essener) sollen nun gar auf den Pythagorismus zurückgegangen sein, sie, die sich hochgelehrt gedünkt, wenn sie die Thora in ihrer hebräischen Muttersprache lesen konnte« Dagegen ist die Schilderung Philo's klar und sachlich, wen« auch die Abneigung gegen den Juden etwas zu sehr hervorguckt. Daß beim Logos nicht auf die ״Memra" des Targum Onkelos hingewiesen wird, bedeutet in einer Uebersichl keinen Kchler. Den christl. Theologen paßt Philo, wie der Verf. selbst sagt, nicht als Schöpfer des zweiten Gottes. Persönlich gedacht hat Philo aber den Logos sicher nicht, dazu war er viel zu sehr rechtgläubiger Jude! Hier bleibt fern, ihr WiffrnSdurstigen! Diese WarnungS-' tasel muß man vor die keine Seite stellm, welche die arab.-jüd. Philosophie behändest, denn so sebr wimm^t fie von Fehlern. »Luch die Juden haben theilS durch ihre Kabbala, theils durch Commentare zu den Griechen die Scholastik beeinflußt." Nu« Avicebron (Jbn Gebirol) und Maimonides, die Herr K. später nennt, find weder Kabbalisten, noch Erklärer der Griechen! Ja die Kabbala ist als Mystik der Scholastik feindlich. »Die Kabbala... hat an der Septuaginta ihr Vorbild!* Credat judaeaa Apelle! Was hat die arme Septuaginta, die zuerst selbst Anthropomorphien verabscheuen sollte, mit der Kabbala zu schaffen? Avicebron's Werk ״Quell des Lebens" ist kein »Gedicht", sondern ein Dialog in arabischer Sprache. Hat Herr K. etwa an daS Gedicht »die Königskrone" gedacht? Statt 1080 ist 1070 zu lesen, welches Graetz als Jbn Gebirol's Todesjahr nachgewiesen hat. Lewes, G. H.. Geschichte der Philosophie von ThaleS bis Comte Baad II. Geschichte der neuen Philosophie. Berlin, 1876. Verlag von Robert Oppenheim. Als Gegenstück zu diesem oberflächlichen, flüchtigen und zumeist irrigen Hinweisen artf die Bedeutung der Juden t« der Geschichte der Philosophie lenken wir die Aufmerksamkest unserer Leser auf das bedeutende, geistvoll und fesselnd geschrieben« Werk des berühmten Verfassers von »Göthe's Leben". Mit staunenswerther Klarheit in der Darstellung der dunkelsten und verwickeltsten philosophischen Systeme verbindet Lewes eine unerreichte Anmuth des Style», die in der deutschen Uebersetzung nicht verwischt morde« Wir heben au« de« über 800 Seiten umfassenden Werke nur daSchie Leser dieses Blattes besonders interessirende zweite Capitel hervor, welche» von der arabischen Philosophie handelt, und hieraus wiederum den 9. Abschnitt mit der Ueberschrift: Avicebron —, um an

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