Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 44. (31.10.1877)
- Date
- 1877-10-31
- Page
- Seite 174 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 174 — Wdies«« großen Zeiträume auch nur genannt? Die Anspiel- «ugesl Genesis 34, 26, 30; 35, 5; 36, 6 abgerechnet, keine! Lndswen» Jakob vor dem Tode zu Josef spricht: ״Ich gebe dir 4. . was ich genommen von der Hand des Emori mit Schwerte und mit meinem Bogen" (Gen. 48, 22), sich noch die Legende daran, und deutet sorglich den der Worte um: ״Mein Schwert" ist das Gebet/״mein ist die Bitte. Angesichts dieser entschiedenen Perhorresciruag des Krieges sollte mark da noch die geschichtliche Bckemtnug einer alten Nation nach, den kriegerischen Eigenschäfte», welche ihnen die Bibel beiiegt, nach den Siegen und Eroberungen, die sie von ihnen beachtet, beurtheilen und bestimmen wollen?! Die ״winzigen(NN '23 oder 'NN" können daher, entgegen der Ansicht von Gbatz, ganz wohl eine kriegerische Nation gewesen sein, und den ägyptischen Königen arge Verlegenheiten hereitet haben, wenn auchdie Bibel keine Kriegserfolge von ihnen meldet. Die höhere historische Bedeutsamkeit der Eheta fällt ja bekanntermaßen in die Regierungszeit der Ramesfiden, welche wiederholt Feldzüge gegen dieselben unternahmen, also in die Zeit, des Aufenthaltes der JSraLte» in Aegypten. Der biblische Erzähler hat aber, wohlbÄacht, während dieser Epoche keinen Blick für die außerägyptische Welt, kein Wort für die Geschichte anderer Völker. Wollte man daraus etwa den Schluß ziehen, daß es überhaupt keine ander« geschichtlichen Völker damals gab? In demselde« Zeitraum, wo die Patriarchenfamilie sich zum Volke Jsrael entfaltete, können auch die winzigen NN '23 zur machtigen Ehita angewachsen sein, dem gefürchteten Feinde der Waiiaonett. (Fortsetzung folgt.) EikmgeS über die Stellung der Tossefta. Bon Dr. I. S. Bloch, Rabbiner in Brüx. ' Daß die interessante, über 600 Jahre alte. Erfurter Handschrift der Toflefta, von welcher der gelehrte Zuckerm a * b e l*) eine treffliche Ausgabe veranstaltet, von derdie zweite Lieferung vorliegt, lange Zeit, bevor sie der selige Direktor Frankel als das, was si« ist, entdeckte, für einen Codex der Mischna oder gar des Jerusalemischen Talmuds ״nach allgemeiner Annahme" angesehen wurde, darf uns nicht befcemden. Solche, und noch viel lächerlichere literarische Huickproguo's find uns oft begegnet. Was ist dieser unschuldige Irrthuiy, dessen Urheber den betreffenden Codex wohl überhaupt kau» genau angesehen und geprüft haben, jener colloffalen Täuschung gegenüber, deren Opfer Herr vr. Berliner vor einigen Jahren geworden, dem in jenem speciellen Falle nicht einmal die mildernden Umstände des ״Nichtgenaugeleien- Habens" zur Seite standen. . In einem Aufsatz über die bekannte Boraitha -זיר׳אליעזן 3ר יוסי הטלילי verglich Herr Berliner die verschiedenen Druckausgaben mit einer chm vorgelegenen Handschrift der känigl. Hof- und Staatsbibliothek zu München und stellte die abweichend!« mehr oder weniger intereffanten Lesearten zusammen. Dabei fiel ihm auf, daß sowohl nach der DruckaiSgabe als der H. S. in dieser alten Boraitha des Tanaiten R-^tzlb- Josö des Galiläe/s Namen späterer Amoraim . figufiren und er, der jetzt gegen Bibelkritik, Mischnakritik -s- und| Talmudkritik so sehr eingenommen, jeden Versuch, die Abfassung der Mischnah von Seiten des R. Juda Hanasii anzuzweifeln, als eine schwere Ketzerei verpönt, war damals unglücklicherweise leicht bei der Hand gegen alle bestimmten Angaben der talmudischen Tradition, die Autorschaft der Borairha dem R. El. ״aus inneren Momenten" abzusprechen. Ein kühnes, jedenfals anliorthodoxeS Wagniß, dem die Strafe auf den, Fuße folgte. In Kodaks ״Jeschurun" Bd. IX, S. 47 las man damals, daß Herr Berliner einen talmudischen Commentar zu Zuckrrvxmdel, vr. SR. I-, Toffeft« nach der Erfurter und Wiener H. S. Mit Parallelstellen und Barianten Lieferung IL Berlin 1877. der Boraitha mit dieser selbst verwechselt hat, sowie daß er jene, die in allen Druckausgaben zu finden ist, trotz seiner mühsamen Variantensammlungen, gar nicht vor Augen gehabt; denn von all dem Ungeheuerlichen, was Herr.Bl. aus der Bor. erzählte, und das seinen Glauben an die Autenlicilät erschütterte, findet sich in der wirklichen keine Spur. Irren ist menschlich, aber das war — ein fataler Jrrthum. Der Entdeckung Frankels haben wir es zunächst zu dankm, daß der vielbelesene Zuckermandel, der in der Tossefta eingehende Studien überhaupt gemacht hat, nun sein Augenmerk auf diese Handschrift richtete, Anstrengungen aller Art sich unterzog, um eine möglichst correkie Ausgabe derselben für den Druck herzustellen. Eine andere, fast nicht minder wichtige und alte Hand: schrift der Tossefta fand sich in der Wiener Bibliothek, und daß es dem Herausgeber gelungen, auch diese mit zu Rache zu ziehen, ihre Varianten zu benutzen und zu verzeichnen, verleiht der neuen Toffeflaausgabe eine unschätzbare Wichtigkeit. Im Jnteresie der guten Sache, damit der Herausgeber für seine mühsamen Anstrengungen, deren er sich halte unterziehen müssen, einigermaßen entschädigt weide, im Intereffe noch mehr der Wiffenschaft, daß die Toff. endlich einmal in ihr Recht und in den Rang eingesetzt werde, den sie vermöge ihrer Wichtigkeit und ihres Alters in der talmudischen Wiffenschaft von jeher einnehmen sollte, wäre der Tossefta recht viele Abnehmer und Leser zu wünschen. Daß sie befähigt und berufen, einen solchen Rang einzunehmen, daß sie bei jeder talmud. Discusion, bei jeder schwierigen Mischnahstelle zu Rathe gezogen werden muß, daß dadurch oft dunkle Referate des Talmud's Sinn und Bedeutung gewinnen, logische Wiedersprüche in der Mischna rheils ausgeglichen, theils mit Entdeckung der Entstehungsursachen durch sie erklärt werden, dürste schon aus einem einzigen Beispiel, das wir aufführen wollen, unzweifelhaft hervorgehen. Chnlin Mischnah 3,1 heißt es 2יטל הכ3ד ולא •2שת״ר פלו־ם טריפה 3, 2 heißt es wiederum. ניטל ה33ד ו2שתייר פדית 3שירה Der «innere Widerspruch dieser beiden Halachas ist auffällig genug. Den Talmudisten ist das nicht entgangen. F.46a heißt es mit Bezug auf Nr.. 1 הא 2שת״ר כלום ,פשרה אע״נ ,-לא הוי כזית ,והת2ן 2טלה הככד ונשתייר כזית כשרה!אר" יוסף ל" ק: הא ר׳ חיי יהא ר״ש כר ר' •כי הא דר" ל וריק לה. ור״ש ב״ר מטביל בה, Also M- 1 entspricht den Anschauungen des R. Simon, Sohnes des R. Juda Hanaffi, Di. II, sei den Ansichten des R. Chija entsprechend, Schülers des Juda Hanaffi! Diese Lösung scheint noch unklarer und dunkeler, als die Räthselstellen, die sie lösen will. Was soll es heißen, daß man Differenzen in der Mischna, deren letzter Redakteur R. Juda Hanaffi gewesen sein soll, auf Meinungsverschiedenheiten späterer Amoraim zurücksübrte? Hatte der Mischnah- Redakteur phropetisch die späteren Anschauungen seiner Schüler im Voraus niedergeschrieben und nun gar zwei solch widerspruchvolle? Anderseits würde man die jüngeren nicht als Schildträger erhoben haben, wenn ältere Autoritäten in Traditionen schon jene Differenz wiederspiegelten. Und endlich woher entstammt die Meinungsdifferenz zweier Amoraim, die ihre Halachas von einem und demselben Lehrer hatten? Eine überraschende Lösung bietet die Toffefta, wir linden hier die alte Halacha in ihrer ursprünglichen Gestalt, in einer correkten, noch unverdorbenen Leseart. * ניטל הכבד ולא 2שתייה ממנה כדי להעלות ארוכה פסולה11 ניטל הכבד ונשתייר כדי להעלות ארוכה כשרה Die Möglichkeit der Heilung, die Lebensfähigkeit, das war die ursprüngliche Begrenzung, hier sind die beiden Mischna's auch in Uebereinstimmung- Klar ist soviel, daß nach Ansicht des R. Chia, der die alle Halacha blos commentirte, hiezu eines כזית bedarf und er §rt in der Mischnah die Aenderung vorgenommen, um eine bestimmte Norm zu schaffen, unabhängig von der beliebigen Einsicht, der die alte Halacha die Entscheidung noch anheimgegeben hat; sein Gegner war mit -,כל שה zufrieden, wenn ״Etwas" blos geblieben, ist die Heilung noch möglich, und er >