Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1877-10-31 · N° 44. (31.10.1877) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 44. (31.10.1877)
Date
1877-10-31
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/5367336-6488232-8754713--0868-4854348
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

44. Das I .! VI. Jahrgang. Mische LitcrmliiMt. N Jur Beleuchtung aller Judenthum u. Juden betreffenden 11lerarischen Erscheinungen auf dem Gebiete der Philosophie,Geschichte, Äthnographie, Theologie, Brtentatia, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. V_J Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Ralimer •״><״׳ Magdeburg, 31. Oktober 1(177 “ I | Bücher der einschlägigen Lite-״- ralur, welche der «ed de« ״IS». Kiteraturdlott" in Magdeburg - (oder der ״Israel. W,che»schr> in SMtin) zugesandt »erde», finden in diesem -lalle eingehende Besprechung. Das ״JSd. Literaturbleeir״ erscheint wöchentlich einmal; Preis pro Jahrgang EsMark, mit frankixter Zusendung: 8 Mark. Zu beziehe» durch alle Buchhandlungen sin Leipzig durch Robert Friese), oder bei der Expedition der ״Israelitischen Wochenschrift" ln Nagde» bürg. — Inserat« werden mit 20 Ps. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet. — Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift" (die viertel« jährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 2 Marl 80 Ps. kostet) erhalten das ,Jüdische Literaturblatt" gratis. Inhalt. Literarische Abhandlungen: Ebher und Misr. Don Dr. B. Placzek. — Einiges über die Stellung der Toflefta. Bon Dr. I. S. Bloch, Rabbiner in Brüx.. — Literarische Notizen. Bon Dr. L. Lewysohn, Rabb. in Stockholm. Literaturbericht: Recension I. II. — Wolf, G. Zur Geschichte der Juden in Frankfurt am Main. — Zur Recension von Seinecke, Geschichte des Volkes Israel 1c. Ebher und Mifr. Bergleichende palaologische Studien von Dr. B. Placzek. (Fortsetzung.) Hier (in Kanaan), wo durch das stete Aneinanderbranden der Racen dreier Welttheile ein bellum omnium contra omnes uransänglich raste, da fand jene Idee in Abrahams Munde die Formel, welche von dem unverwüstlichen Glücks-, Friedens- und Liebesbedürfniß der Menschen tiefersehnt, als himmlische Labung, Trost- und Heilverkündung durstig eingesogen wurde. Im Pandämonium der elementaren Leiden-׳ schäften beugten sich die wilden, ungeschlachten Gbister vor Abrahams Wesen. Sie fühlten sich von seinem Worte gebändigt, geläutert, gesänftigt. Wie eine höhere Offenbarung kam es über sie von Menschenwerth und Lebenszweck. Den Schöpfer in seinen Geschöpfen lieben und achten ward ihnen Religion. Mil der Ausbreitung der echten und rechten Abrahamiden gewann die Idee an Vertiefung. Ihre Probe sollte sie durch' ihren schneidendsten Gegensatz in Aegypten bestehen. Wie verlockend und sinnbestrickend sich dort den Israeliten eine ganz andere Welt- und Lebensauffaffung auch darbot, verklärt von dem Wunderscheine hoher Cultur, entwickelter Kunst und Wissenschaften, wohlgeordneter Staats- und gesellschaftlicher Verhältniffe, gesicherter Macht, der Herrschaft über die Natur, reichen Lebensgenuffes und prunkhafter Formen des Daseins: doch lernten sie durch herbe, einschneidende Erfahrung all das als einen Apparat der Entwürdigung, die den Menschen bald zum Lastihiere herabdrückte, bald zu Gott erhob, fürchten und verachten. Sie zogen sich mit' allen Fühlfäden nach Innen in eine leichte Gemüthswelt von leichter Reminiscenz und erhebender Ahnung zurück, sie gingen auf in der Familie und fanden darin den Trost und Ersatz, an den viel später einer ihrer Propheten sie gemahnte (Jes. 26, 20). Sie lebten der Idee, die sie von verehrten Ahnen überkommen. Daran rankte sich fest und sicher das Gefühl! des Individuums auf, das Bewußtsein der Existenzberechtigung des Einzelwesens, das Vertrauen auf eine Weltregierung, welche an Jeden Rechte und Pflichten gleichmäßig verthesilt und den Einzelnen aus der KesammtheiC herausgreist — gegenüber der Negierung des Individualismus bei den Aegyplern. Mit ihrem reinen Gedankenleben blieben sie im Widerspruch zu der Verewigung der Substanz, zu der Vergötterung der Materie im Nillande. Israel hatte in Aegypten gesehefl, wie es nicht sei (Leo. 18, 3): nun war es Zeit zu lernen, wie es sei, was es vollbringe und meide.? Me Idee, seit Jahrhunderten gefördert, in Halme getrieben, zun Knospe gefüllt, entfaltet sich zur vollen Blüthe. Wie manche Riesenblume einer südlichen Zone die KnoSpe sprengt unten einer lauten Detonation, so begleitete auch da- Heroorbrechen jener Wunderblume ein weltdurchhallender Ton: der Donne: des Sinai. — Es war kein Kriegsdonner. Der Frieden und die Freiheit wurden da der Welt verkündet. Der Donner des Sinai hat das schlummernde Gewissender Menschheit e! weckt (Vgl. Grätz I. 40). In den begeisterten Hymnen der späteren Seher und Sänger ist ein lltachhall jene» Weltfriedens zu vernehmen, wie ihn keine andere Litercttur auszuweisen hat. Die Bibel, welche die Entwicklung dieser Idee seit Abra- Ham ןז£לרי, dem Nachkommen und Schüler Ebher's, oder dem transeuphralensischen Einwanderer darstellt, sollte sie den alten» ewig neuen Wahn bekräftigen, dem Kriegsgeschichte Menschengeschichte ist - Sie hat auch kein überflüssiges Wort für Schlachten, übergeh: die furchtbarsten Katastrophen jener reichbewegte» Zeiten mit Stillschweigen. Zu welchem- Schattenbilde abgeblaßt ist bei Kampf der vier Könige gegen die fünf! Obgleich Abraham dobei nichts Geringeres vollbracht, als die Zurückstauung der gewaltigen Völkerwogen von Affyrern, Babyloniern, Skytl en u. A., die Kanaan und das peträische Arabien überfluthet!!alten. — Die Schrift, die sonst die packendste Actualität z! entfalten weiß, wie verschleiert sie die grellen Farbentöne des Krieges nicht minder, als die verlockenden falscheu Siegerehren. In diesen alten Schlachtenbulletins riecht es nicht nav Blut und Lelchendampf, klingt es nicht nach Schwerterschwang, Schildergeraffel, Wuthschnauben und Verzweiflungsrnfen. Wie knapp und kurz abgefertigt wird da der Verfolaungszug Abrahams und seiner Reisigen von Hebron bis DamaÄms, 30 Meilen in der Luftlinie, obschon er die Befreiung der Kanaaniter und befreundeter Stämme von der Vergewaltii ung durch syrische und mesopotamische Völker bedeutete, lind selbst in dieser nebensächlichen Form wäre der Kampf unarwähnt geblieben: aber ein wundersamer Zug durfte nicht fehle» im Charakterbilde Abrahams: Das selbstlose Ablehnen derl Kriegesbeute — ein Verhalten, angestaunt in jener Zeit, das sielbst in der unsrigen ein ungläubiges Kopfschütteln erregen durfte, besonders wenn der Blick nach den Balkanländern gleitet. Abraham will nichts und erwartet nichts vom Schr!erte. Er hat andere Waffen: seine Worte, seine Werke. Und der Zeltpflock Abrahams läßt tiefere Spuren zurück alt all' das Rüstzeug gewaltiger Nationen- Seine Nomadenhüt e, sein ambulanter Altar hat Wirkungen aufzuweisen, dauernde» als die cyklopischen Mauern von Babel Niniwe, Zoan, alt Felsentempel, Pyramiden, Sphynxe und Koloffe. Voi Moriah bis zum Sinai, von Abraham bis MoseS, nahezu fünf Jahrhunderte, welche große Kriege werden in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.