Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 40. (3.10.1877)
- Date
- 1877-10-03
- Page
- Seite 159 (sequence 3)
- Language
- German
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— 159 — fichtssinnes, sondern er will cs sehen, sucht es und heftet seine Blicke fest auf dasselbe, er fesselt den Gegenstand, kettet ihn an seine Sinne mit dem Blicke, et umschließt ihn mit denselben. So lösen sich die 5 Stämme, welche Fürst construirt, ganz von selbst in einen einzigen auf, dessen Grundbedeutung der Sprachgenius mit scharfem Blicke geistreich angewendet hat. Ja man könnte, und Fürst1 hat dies angedeutet, das Wort שלש, den Grundbegriff der drei sehr sinnreich erklären. ^ש und שרש sind, wie bekannt, lantgesetzlich verwandt, letzteres aber bedeutet als abgekürzte Reduplikation von שרר oder שור: verketten, Wurzelgeflecht bilden. שלש also heißt verketten und שלש die Verkettung zwei getrennter Dinge, also natürlich ״drei" die concrete Basis des Zahlbegriffs. Wie שרר durch Verkettung befestigen und שריר im chaldäisch ״festgemacht" bedeutet, so bedeutet שליש auch den Menschen, der ״gefestet" ist also einen נבור Held und שלישים »die Heldengenoffenschast", ״das dreifache Gesetz" oder ״die gefesteten Grundsätze" ״das Altbewährte" und שלשם »die alte*) Zeit." Hieran läßt sich eine allgemeine lexikalisch-etymologische Bemerkung knüpsen, die eingehender zu erweisen hoffentlich bald vergönnt sein wird. Der Versuch Fürst's, die Bedentungsverschiedenheit auf Stammverschiedenheit zurückzuführen, ist eine unnatürliche Gewaltthat an der hebr. Sprache. Jene ist vielmehr aus der Stammeseinheit durch die Tiefe und den Scharfsinn des Geistes einerseits und den Reichthum ähnlicher Ledensverhältniffe erwachsen und zu erklären. Lengsfeld, im März 1877. vr. Kroner. Literarische Notizen. Don vr. L. Leivysohn, Rabbiner in Stockholm. (Fortsetzung aus Nr. 30.) 44) Die sehr ausgedehnte licentia poetica der liturgischen Poetanim ist genugsam bekannt; wir möchten indeffen doch auf zwei Punkte in dem schönen alphabetischen Akrostichon לאל עורך דץ (im Keroboth des 1. Tages m) aufmerksam madien. Es ist weniger befremdend, daß der Dichter in der Rolhwendigkeit jenes Akrostichon zu schaffen, bald das (und zwar am häufigsten) Participium, bald das Nomen (und sogar aramäisch) ותיק, bald das Adjectivum נורא und bald den Infinitiv רחם anwendet; mehr befremdend dürfte hingegen der Satz לגולה עמוקות sein. Der bibl. Hebräismus hat hierfür das part. piel (Hiob 12, 22: מגלת b der bibl. Aramäismus hingegen das part. peal (Daniel 2,22:לא;). Der Dichter bildet also ein hebr. Participium. Kal, demnach von der Conjugation, die dem aram. Peal entspricht. Alles um nur jener Rolhwendigkeit zu genügen. ' ־ 45) Von Dustin erschien (Paris 1858) eine Schrift, betitelt: siegles de droit et de morale tiräes de l'Lcrlture sainte. Hieraus citirt ein hiesiges Blattt folgende, auf Exod. 21,28 bezughabende Stelle: dl est raisonnable de kaäre abattre un animal dangereux, par exemple un boeuf, qui joue de la corne. Mais empecher de la manger nesejustifie pas au point de vue de l’hygiöne et de l'dqonomie domestique, als ob Hygienik und Oekonomie die hervorragendsten Motive des Criminalrechts bilden. Wie dem peinlichen Recht der Bibel vorzugsweise die Abschreckungstheorie zu Grunde liegt, so wird, wo nur die Gelegenheit hierzu sich dieiet, der Abscheu vor Vergießen von Menichenblut eingeschärft (i- B. 1. Ehr. 28,3; Deut. 21,7 und öfter). Das Gesetz verbot daher das Fleisch eines Thieres zu effen, durch welches ein Menschenleben zerstört wurde, um hierdurch jene Abscheu zu steigern. Kann bei dem Thiere, wie bei einem menschlichen Mörder, die Abschreckung nicht bewirkt werden, so soll doch der menschlichen Natur das Abschreckende des gewaltsamen Todes eines Menschen durch das^Widrige und Ekelhafte des getödteten Thieres zum Bewußtsein gebracht werden. Dieses moralische Motiv steht sicher höher, als hygienische oder ökonomische Rücksichten. *) Oder,richtiger: ehtgesterri d. i. der d r i t t vorhergehende (mit dem heut» enzverlettete) Tag- (R ev.) 46) Wie jener Heldenkönig mit einem einzigen Hieb« alle Schwierigkeit des bekannten wunderlichen Knotens beseitigte, so erscheint immer im kritischen Augenblicke, wie ein dsus ex machiaa ein Lehrer im Talmist» und beseitigt den be* denklichen Widerspruch zweier Sätze dadurch, daß er jeden einzelnen Satz einem verschiedenen Autor zuschreibt. Immer ist es ר׳ אלעלך, der ohne Widerspruch das katagorische Wort aussprichl: י ׳תברא מי ששנה זו לא שנה ״° B. Kam. 48 b; B Mez. 82,b; Ketuboth 75,b. Sabd. 92,b und wohl noch öfter. Bekanntlich finden sich im Talmud viele einzelne Wörter, welche als Versicherungssormel dienten, z. B.»היכלא .משה .העבודה האלהים .בחייך u• f• w., nach R. Chananel (Tos. zu Ketuboth ibid.) wäre auch הברא zu diesen Schwurformeln zu rechnen. S. Aruch z. St. Red.) . 47) Erst jetzt, somit »ach beinahe zwei Decennien seit (dem Erscheinen des intereffanten Werkes Hamaschbir des sek. I. B. Schönhak, gelangte ich zu demselben. Die Neugierde ließ mich das Buch vorerst nur durchblättern, und wollen Sie mir folgende 2 flüchtige Bemerkungen gestatten. Weder Aruch, noch Schönhak, aber auch nicht der neueste Lexicograph Prof. Levy in seinem vorzüglichen Neuheb. und Chald. Wörterbuch , geben die Erklärung des im 2 Targum zum Buche Esther vorkommenden )ושונרין מימי•; nur Buxtorf (pag. 865) sagt: Es,muffe irgend eine Stimme der Thiere bezeichnen, denen ,,in proprio suo significato volandi, felibus tribui nequit ES ist aber, wie ich in meiner Zoologie (2. 366) erklärte, das gr. &u33״stv (schreiest), und bedaure ich, daß Hr. Prof. L, der meine Zoologie häufig ^itirt, wofür ich hier bestens danke,- obige Erklärung übersehen hat. — Die andere Bemerkung betrifft das Wort היקו, das auch Schönhak durch ״ הקוםeS bleibe stehen." erklärt. Dabei wird es wohl. sein Bew enden haben; allein das י bleibt doch immerhin nicht leicht erklärbar. ~ Das י steht in der 3. part. kut. peal nur bei verba prima א z. B תיתי von אחא, während bei verb. med.ו also von קום die Form הקים ist. Das Wort hätte also 2 Unregel- Mäßigkeiten, das ם fehlt. wie ist מוקי.קאי und אוקי, und daß das ' nicht vor. sondern nach dem ק stehen sollte. Dem Inhalte nach bezeichnet dieser häufig vorkommenüe terminus technicus demnach so viel wie: die Sache bleibe in statu quo, ohne benimmte Entscheidung. (Forts, folgt.) Literaturbericht. Zur Recenfiou von ״Zeiuecke'S Geschichte des Bolle- J-rael" in Nr. 33. Bezüglich des von Hrn. Seinecke dem Hrn. vr. Herzfeld fat den Mund gelegten Ausspruches über das Christenthum geht uns durch die Güte des Hrn. Siegmund Mayer in Trier ein Schreiben des Hrn. LR. vr. H. an Hrn. M. zu, dem wir das Nachfolgende entnehmen: ״Ich werde dem Herrn S e i n e ck e nicht antworten, jedoch Ihnen meine Ansicht davon miltheilen. Zunächst scheint mir der Mann eher ein Mystiker als ein wirklicher Gelehrter zu sein, dies entnehme ich aus zwei Ausdrücken von ihm, die Sie mir mitgetheilt haben: 1. spricht er von Schmähungen gegen das Evangelium, aber weder von mir, noch meines Wissens von irgend einem anderen Juden ist dasselbe jemals geschmäht worden, blos ein Mystiker kann m einem sreimüthigen jüdischen Worte eine Schmähung erblicken; und 2. nur ein Mystiker wird so salbungsvoll ausrufen: ״sie wiffen nicht, was sie thun." Freilich folgen diese Mystiker sehr schlecht dem Beispiele ihres Meisters, welcher diese Worte mit dem Anrufe einleitet: ״Vater, vergieb ihnen!" während diese empört sind und mit ״schamlos" um sich werfen. Einem Mystiker aber werde ich noch viel weniger antworten, als einem Gelehrten, denn er ist unverbefferlich. Die ganze Anmaßung dieses Gelichters zeigt sich schon darin, daß sie jüdische Ausspräche schamlos nennen, auch wenn diese noch nicht den 20. Theil so derb oder so absprechend sind, als wir es Jahr au» Jahr ein ju hören und zu lesen bekommen.