Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 40. (3.10.1877)
- Date
- 1877-10-03
- Page
- Seite 160 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 160 — Ferner kennzeichnet sich der Mann schon hinlänglich dadurch, daß er meine Textworte fälscht, und zwar. gerade in dem Kardinalpnnkte, denn niemals habe ich gewünscht, ,der Welt hätte das Chrijtenthum erspart bleiben mögen, sofern auf S- 35 meines 2. Bandes sagte ich, daß unter dort auSaeftihrten Umständen ,wahrscheinlich der Judenheit das Lhrsstenthum erspart worden wäre." Das ist doch schon etwas ggnz und gar Anderes! Wir Juden haben von der christlich«» Liebe so entsetzlich viel auszustehen gehabt, daß wir wünschen dürfen, das Christenthum »väre uns erspart worden. Und solche Leute find naturgemäß sehr beschränkt, sonst würde dieser Msann leicht haben einsehen können, daß in dieser Stelle sogar etwas sehr Großes von dem Christenthum ausgesagl worden ist. In jeniger ganzen dortigen Auseinandersetzung, die von S. 31—36 reicht, habe ich mich »ersucht, auf eine Höhe deh UrtheilS zu stellen, an ivelche solche kleinliche Nergeleien ühnehiü'nicht heranreichen sollten; ich bin dort auch »üt der ganzei» Echristgelehrsamkett scharf in das Gericht geaange«, N«d habe Air «egen dieser Ausführung sogar Verftrlgmige« unserer Orthodoxen zugezogen: der Kern des Ganzen ist, daß wenn Esra, statt eine urrübersehliche Schule der Schriftgeehrten zu begrüitden, im Sinne der Propheten als Reformator ausgetreten »väre, das Christenthum ganz überflüssig geworden sedl würde; ich halte also dieses der SchriftgelehrsaNckeit gegenüber für berechtigt und selbst nothwendig: darüber braucht kein Cbcist ,empört" zu sein. Der Mann kommt Übrig«»- mit snner EMrüstung sehr spät nachgehinkt, denn ich'habe dar 1855 niedergeschrieben." vraunschweig.j Dr. Herzfeld. JU M. cfMMUy אלה תולדות יצחק Biographie de monsiear Adolphe (Jsaac) Crdmieux etc. etc. Jerusalem 1877. v. 8. 100 S. Preis 1,70 Mark. Selbstverlag. Diese Schrift churde von Herr« Luncz als Jubelgabe veröffentlicht bei Gelegenheit des 80. Geburtstages, welchen der allverehrte, um > Judenthum. Humanität und Civilisation hochverdteitte Präsident der Miance am 30. April d. I. beging. Man darf Echt glauben, daß der Lerf. eine Studie deinen Lesern vorlegt, welche das vielgestalttge Leben <1x6mieux's 'nach allen!Seiten semer überaus reichen Geistes- und ttefen Gemüthsanlage behandelt. Sie rührt nicht vom Fachgenoffen und gewiegten Juristen her, auch nicht etwa vom speciellen- Beobachter und intimen Freunde. Diese Schrift verdankt vielmehr dem Gefühle erkeiwtlicher Dankbarkeit einzig und alleiu chr Entstehen. Ein Glaubensgenosse im Orient taucht die Feder aß», um seinen minder verständmßinniqen Brüder», ivelche seit der schaurigen Blutbeschuldigungsgeschichte in Damaskus neben Monlefiore den Ramcn Crämieux so oft haben »prlden hören, die ihn so oft in selbstlosester Unverdrossenheit an der ^Spitze sahen, wo es galt, seiner Unglücklichen Glaubensdrijder materielles, sociales und moralisches Elend zu lindern, hie Verdienste ihres hochherzigen, von ihnen ,oft kaum vergandenen Wohlthäters in das rechte Licht zu!setze»». Und daran hat H. L. sehr gut gethan. Er hat sich einzig und allein darauf beschräukt, die Sette an Crämieux zu würdigen, ivelche ihn veranlaßt, immer und immer wieder «tt voller Unerschrockenhett ohne Rücksicht auf seine pülitische und sociale Stellung für das ^oeruirglimpfle Judenthum in die Schranken zu treten, mit beredter Zunge gegen culturfeindliche Barbarei »»nd gegen jene noch gefährlichere sklavischasiatische Halbcivilisatton den offenen Kampf und Sieg zu suchen überall da, wo Glaubensgenossen in ihrer Eigenschaft als Juden bald versteckt, bald offen zu leiden haben. Was wir sonst als Eiuseijttgkrit vielleicht hätten tadeln müssen, heben wir hier mit Rücksicht aus die Tendenz dieser Schrift rühmend hervor. Für seinen angeftreblen Zweck hat sich der Verfasser ausreicheiw informirt. Seine gewandte und gefällige Diction macht die Lectüre seiner Blätter zu einer recht angenehmen Daß er den gebildeten Lesern nicht viel Neues erzählt, beeinträchtig» in keiner Weise den Werth seines Büchleins. Uebrigens bekennen wir gern. Nichts gewußt! zu haben von der publicistischen Fehde, die Crdmieux mit Napoleon gehabt wegen der die Juden gravirenden Aeußerustg, zu welcher Letzterer sich Hinreitzen ließ in seiner Einleitung zu ,Julius Cäsar." (Es haben zur Zeit nicht nur die jüdischen, sondern auch die politischen Blätter hierüber referirt. Red.) Nach dem Referate von L. (p. 67) lautet die incriminirte Stelle etwa, wie folgt: ,Wehe einzelnen Menschen und ganzen Völkern, die sich hindernd großen Männern entgegenstellen, welche von der Vorsehung bestimmt sind, die Welt zu beglücken. Sie gleichen den Juden, welche ihren Heiland gekreuzigt." C.'s geharnischter Protest gegen diese kaiserliche Denunciation hatte den Erfolg, daß R. diesen gehässigen Passus streichen ließ (ib pg. 71). Möge die Schrift des H. Lin den für sie berechneten Kreisen viele und eifrige Leser finden! Sohrau, im September 1877. Dr, Immanuel Deutsch, Rabbiner. -raehträge zu בעל חוטם• 1) Da Herr Rabb. Dr. Hochstädter, dessen sreuydlichen Umganges ich mich in Ems zu erfreuen hatte, es der Mühe »verlh gefunden, meine, ihin im Gespräche mitgetheilte Muth- »naßung über den Sinn der Worte כעל הבוטם מתחקש in Ihrem gesch. ,jüd. Literaturblatte" zu veröffentlichen, erlaube ich mir, Sie auch um gefl Aufnahme folgender, zur Ergänzung und theilweisen Berichtigung der belr. Nottz in Nr. 37 dienenden Bemerkung erg. zu bitten. Ich betrachte die Worte כעל החוסם nicht als Uebersetzung von: ״dominus nasi*, da die Formel: dominus N. N. zur Zeit nicht gebräuchlich war und im römischen Proceß nicht vorkomme. Der Ausdruck מתבקש (wie in: נתבקש לישיב׳ של מעלה) ift dem röm. Gerichtsstyl entnommen und bezeichnet die Verhängung der gerichtlichen (zumeist peinlichen) Un:ersuchung, (quaerere de re, inquirere, quaestionem ferre in aliquem) die durch den quaesitor vollzogen wurde. כעל החוסם (Analog der Fornl כעל זרוע ,כעל כשר) bezeichnet einen großnasigen Menschen, lateinisch: naso, nasica. Letzteres Wort scheint der Gerichtsbeamte zur Bezeichnung der vorgeladenen Person gebraucht zu haben. Die Begleiter desselben (viatores oder lictores) ließen sich hierdurch um so leichter täuschen, als nasica, sowienaso, bei den Römern als Eigenname von Personen im Gebrauche war, und sie daher glaubten, daß es sich um einen Menschen dieses Namens handle, der natürlicher Weise im Lehrhause nicht zu finden war. Arad. Steinhardt. 2) Hr. Dr. Mp rgenstern in Berlin schreibt uns unter',» 24. d. Mts. daß er ,die Sensation erregende Notiz über כעל החוסם" vor einem Decrnnium bereits von dem verstorbenen vr. Lebrecht*) vernommen habe, der ihm auch mitgetheilt, daß Herr Oberrabb. vr. Landau in Dresden die Emendation in כעל החותם irgendwo veröffentlicht habe. Gleichzeitig machte Herr vr. M. uns darauf aufmerksam, daß die Erklärung von והגבלן ישום (in vor. Nr.) von Neubauer^in seinem von der franz. Akademie gekrönten Werte ״la geographie de Talmud“ p 66 bereits gegeben ift; N. hat sie — wie vr. M. nachgewiesen — wiederum dem Joseph Schwarz'schen Werke über Palästina entnommen. 3) Herr vr. Hochstädter sendet iwch die nachiolgende Berichtigung, womit wohl die Acten hierüber als geschlossen zu betrachten sein dürsten. ״Das lateinische Wort dominus, entspricht vollkommen dem hebräischen Ausdruck כעל. indem es sowohl ״Besitzer" oder ״Eigenthümer", als auch ״Herr" bedeutet. — Bei dem Worte iuquaerltur ist mir beim Abschreiben meines Concepts die Vorsilbe inwiderwillig in die Feder geflossen." ד »der wie Herr Dr. M. citirt: כ' החי אנו מתבקש und l übecsetzt: vir (?) nasi quaerimus ist die Stelle unhebritisch und unlateinis ch, (Red.) Druck pon & Scharrte in Barby. Berlag von Robert Friese in Leipzig.