Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 38.39. (19.9.1877)
- Date
- 1877-09-19
- Page
- Seite 155 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Rashi 1× ep/1002670
- Zittau 1× ep/1046085
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י! 155 literarisches Verdienst unseres Jahrhunderts die ״geschichtliche Forschung" bezeichnet; wie wenig ist es indeß diesem geschichtlichen Wahrheitsbedürfniß gelungen, stch auch nur den gebilbeten Volksschichten mitzutheilen, wenn ein Buch wie das Rohlingsche eine lange Reihe von neuen Auflagen erlebt, wenn ein Mann mit dem historischen und sachlichen Verständnis Rohlings sich in einem ofsiciell abgegebenen Gutachten als Autorität aufzuspielen vermag! Wenn vor Gericht et» Schneider sich das Lachoerständniß für die Fabrikation von Kruppschen Kanonen anmaßen würde, so würde er dem Fluch der Lächerlichkeit nicht entgehen; aus geistihem Gebiet aber ist cs in unserer Zeit imiver noch möglich, ohne eine auch nur oberflächliche Kenntniß des Gegenstandes ein Urtheil über denjelden selbst vor die Schranken des Gerichtshofs niederzulegen. ZLakdeweg, Hermann, Oberlehrer am Johanneum zu Zittau. Das Zeitalter der Richter nach seinen politischen, socialcn und religiösen Verhälinisien. Zittau 1877. gr. 4. p. 99, Diese sehr bcachtenswerlhe Schrift verbreitet sich über die politischen, socialen und religiösen Verhältnisse der Israeliten in einem etwa 4 Jahrhunderte umfassenden Zeiträume von Josua bis Samuel. ׳Mit Recht faßt diese mit vielem Versiändnisie und hingebender Liebe ausgearbeitete Abhandlung das Zeitalter der Richter aus als eine Periode׳ des Ueberganges, des Werdens, des Strebens und Ringens nach neuen Verhältnissen. Als Quellgebiet weist sie nur auf!die einschlägigen Bücher: Josua, Richter, I. Samuel und Ruth zurück und in dieser weisen Selbstbeschränkung des Vers,, welcher die Forschungen eines Ewald, Bertheau, Thenius, Tuch, Keil und Sepp gewissenhaft zu Rathe zieht, ohne sich dadurch in seinem aus den Primärquellen vor den Augen des kustdigeu Lesers analysirten Urtheile beirren zu lasten, erblicken nsir den grüßlen Vorzug dieser Schrift. In logischer Gliedernsig begründet der Vers, seine Mittheilungen über die nicht-israelititchen Völker Canaans und der angrenzenden Länder bei und nach der Invasion Israels, über den isralitijchen Staat, sesne einzelnen Stämme und ihre Beziehungen zum Ganzen, über das Richterthum und seine Vertreter, über das Familienleben, Gewerbe, Kunst und Wissenschaft, über das Kriegswesen, über das Heiligthum des Volkes, das religiöse Leben int Volfe und über seinen religiösen Einfluß auf die nicht israelitischen Stämme. Sckon diese Tispouirung verräth die in übersichtlicher Klarheit an einander gereihten leitenden Gesichtspunkte des seinen Stoff vollständig beherrschenden Autors. Fügest mir hinzu, daß diesen einzelnen Abschnitten die erschöpfende Gründl durchaus nicht abgeht. Meisterhast ist die Weltstelluikg Palästina's, jenes Landes au der Grenzscheide dreier Welttheile, gewürdigt und überzeugend ist der politische Fehler nachgewiesen, welcher — wie dies auch Mose schon deutlich fühlte — der israelitischen Gejammtheit im Westjordanlaude erwachsen mußte aus der Jsolirung der Stämme Rüben, Gad und Ostmanasse. Daß man nicht allen Consequenzest des Vers, zustimnteit kann, ergiebt sich von selbst, wenn man bedenkt, daß er sehr oft in der Lage ist, aus gelegentlichen harmlosen und dürftigen Bemerkungen Sätze von allgemeiner!Tragweite zu construiren. Dabei hat H. B. noch außer Acht gelassen, daß die 5 Bücher des Pentateuch den Rechisverhältsiissen und Gewohnheitsrechlen des Volkes zur Voraussetzung! dienen Die quaestio juris z. B., ob Frauen erbberechtigt scheu, wird schon Rum. c 27 mit aller Feierlichkeit und Bestimyltheit zu Gunsten der Tochter des Zelafchad etttschiedeu und Stellen, wie Jud. l, l5 und Ruth 4, 3 sind offenbar nur Consequenzeii dieser Rechtscntjcheidnug. Bisweiten stempelt unsere Schrift die Ausnahme zur allgemeinen Regel Was von der Trunksucht der Hebräerinnen (pg. 25) unter Berufung auf 1. Sam. l, 14 gesagt wird, gehört unbedingt zu dieser Kategorich Gerade das abnorme, scheinbar ganz unweibliche!Gebühren der allein zurückblcibeicheu Hanuah, welche in tiejsster Erregung die Lippen bewegt, ohne einen Laut von sich zu geben, läßt den greisen-Eli den Verdacht aussprechen, er habe hier ausnahmsweise eine Trunkene vor sich. Wenn der Verf. (pg. 43) dem Pffah eine geringere, religionsgesetzliche Wichtigkeit beilegt als dem sacramentalen Acte der Beschneidung, so irrt er. Auf die Unterlassung des Pastah ist als Strafe כרת ״göttliche Extermination" festgesetzt, ganz so wie bei der Unterlaffunz der Beschneidüng. In den Worten כימי יעל חדלו ארחות (Jich. 5, 6) findet schon Raschi's kritischer Scharfblick, daß hier" von einem sonst ungenannten Richter oder vielmehr mit Rücksicht aus den Frauennamen יעל von einer Richterin die Rede sei. Dagegen ist es nicht statthast, mit H. B. den I. Sam. 13, 11 genannten כדן in ברק zu emendiren, weil von Sisera's Besiegung ib. v. 10. Ausführlich gesprochen wird. Der-Talmud und die älteren jüdDExegeteu denken hier an Sintson, indem׳ sie das Wort כחן für eine Abbreviatur von ״ בן דן — כ' דןDanite" halten. Bekanntlichgehörte Simson dem Stamme ׳Dan an. Allenfalls wäre es möglich, כדן auf den ziemlich obscuren Richter עבדון (als Verkürzung) zurückzuführen. Ob Jephta wirklich , seine Tochter, wie H. B. (p. 44) will, pure geopfert, darüber wolle» wir nicht rechten Ob es aber noch möglich ist, an Menschenopfer bei einem Volke zu denke», besten Statfftmvater bei der beabsichtigten Opferung seines Sohnes auf das Unzweideutigste über seine glücklich überstandcne Prüfung aufgeklärt wird, überlasten wir dem Urtheile jedes Unbefangenen. Mit Recht urgiren die jüd. Exegeten, daß das auffällige, der vermeintlichen Opferung beigefügte 1ד,יא לא! ידעה איש (Jud. 11, 89), sowie die vorangehenden Verse an eine ewige Jungfräulichkeit der in den Bergen einsam und abgesondert! lebenden Tochter Jephta's denken lasten. Wenn1 H. B. pg 38 mit Offenst stion sagt: ״Durch Abraham wurde der Monotheismus Eigent )um einer Familie, durch Moje das eines Volkes, durch Christi.s Besitz der ganzen Welt", so müffen wir ihm allein die Veraitwortlichkeit für diese These überlassen Sie klingt schema iich und schr wistenschastlich. Schade nur. daß ^ans faqon, aber ^avec phrase mit einem einzigen Federstrichs nach Dekaden von Millionen heute noch zählende Heiden und sonstige Ungläubige aus der Welt getilgt werden. Bekanntlich haben die Missionäre noch sehr viel zu thun. Noch weniger Phagen flößt uns (pg. 24) folgendes Urtheil über Hanna eist. H. B sagt; ״In Hanna aber, der Mutter Samuel's, eiühüllt sich in Folge ihrer Bescheidenheit, ihres freundlichen Wejens und liefininigen Gebeilebens fast das Bild einer christlichen Frau." Welch ein Anachronismus, welch' eiw gewaltiges ro-fcp״׳! Das Umgekehrte, in der würdigen christlichen! Frau ein Abbild der gemüthstiefen frommen, Israelitischen Hanna zu erblicken, wäre doch zum .besten! chronologisch gerechtfertigt. Wann werden die Her-, reu skch^endlich daran gewöhnen, im Dienste der objectiven WahrheitMcht Alles mit subjectiv christlichen Augen anzusehen? Wie lange ist es schon her, daß Lessing seineti ״Nathan" sagen läßt: , ״Wehl uns! Denn ivas mich euch zum Christen macht, Das macht euch mir zum Iuven!" Es wäre bald an der Zeit, daß die Männer der Wissenschuft aufhörten, durch die dogniatiich gefärbten Augengläser des christlichen Vorurthsils zu schauen. Soh:au, im Juni!1877. 1)r. Immanuel Deutsch, Rabbiner. Eine schwierige Stelle in der Mifchna. Ueber den Ausdruck והגבלן ישוב (Sota 9, 15) habe ich in allen uns bekannten Commcntarien keine Erklärung gefunden. M ittcher Gelehrte glaubte, es niit ״ גבלKneter" zu vergleich! n, aber der Zusammenhang läßt diese Auffastitng nicht zu. Rac,dem ich eine Karte von Palästina, angeheftet, am Buche ״< beschichte der Regenten von Juda nach dem Exilio" (Zürich 7.88) gesundeil habe, auf der angegeben ist, daß die Provinz um Aeußersten gegen Mittag von Juda ״Gebalena" hieß, so glaube ich. hiermit die Lösung dieser schwierigen Stelle gesunden zu haben. Äs ist demnach anzunehmeu, daß auch