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Das jüdische Literaturblatt · 1877-09-19 · N° 38.39. (19.9.1877) · p. Seite 154

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 38.39. (19.9.1877)
Date
1877-09-19
Page
Seite 154 (sequence 6)
Language
German
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— 154 — i Literaturbericht. Receosionen. 1>1\, Die heilige Stadt u. s. w. (Schluß.)*) Tie heurige Rordwestmauer Jerusalems ist "eine fortificato risches Werk ersten Ranges, wie wohl ein König Agrrppa, aber nicht Hadrian ein Interesse hatte, mit colofsalem Auswande an Geld und Arbeit anzulegen; dagegen versteht stch's von selbst, daß beim Wiederaufbau der Stadt dies vortreffliche Werk wieder benutzt wurde. Ist Herrn vr N. der einheitliche Zusammenhang dieser großartigen Befestigung und der ן vollkommene Mangel eines nördlichen Tracä's nie ausgefallen? Ist es ihm gelungen, außer dem von DamaskuSthor nach Silva lausenden Thale in der Stadt, mit Rokstnsvn und Josephus, noch ein zweites zu entdecken? Und ist es ihm in dem Stadttheile, den er Akra nennt, nie aufgefallen, daß sich da für eine Felsenburg, wie solche den Temp«l gegen Norden überragte, durchaus keine Localität bietet? Zu p. 140 bemerke ich, daß die Annahme von Blitzableitern am nachexilischen Dempel mehr ingenieus als wahrscheinlich ist — zumal da, wie vr. N. sich erinnern wird, das Einschlagen des Blitzes in Palästina bis ins Unerhörte " selten vorkommt — ferner, daß das Heutige Harami-Scherif «ns das Heiligthum in der ihm von Herodes dem Großen ge- ^ebenen Gestalt zeigt, daß aber der von dem genannten machtigen Herrscher vorgenommene Umbast 19 Jahre in Anspruch nahm, so daß von dem früher nachexilischen Tempel wohl Nichtals die allgemeine Anlage übrig blieb, Zu p. 146, daß ohne- Frage die bei Josephus allein erwähnte, zum Tempel führende Brücke diejenige ist, welche die Davidstraße mit dem sog. Kettenthor ani Tempelplatze verbindet: der von Robinson nach der Südwesteckt aufgefundene Bogenansatz ist unstreitig sehr merkwürdig, aber mit nichts Antikem zu indentificiren. Zu p. 147, daß die Bedeutung des heil. Felsen in der Omarmoschee die ist, daß hier die Tenne des Arawnewar, welche David für den Tempelbau ankauste, und daß seine Höhe einen Theil der höchsten Terrasse (des Vorhofs der Priester) ausmachte, auf welcher der- Tempel stand. Die jetzige Sachra-Moschee ist auf der zweiten Terrasse (dem Vorhof der Juden) errichtet. Der untere weitere Raum der Haramarea endlich bildet di» dritte Terrasse (der Vorhof der Heiden.) Mit der (allerdings von Josephus selbst durch die richtfge Angabe des Umfangs Jerusalems widerlegten) An- NahmL so viel größerer räumlicher Ausdehnung hing dann die der zugeschriebenen ungeheuren Bevölkerung.zusammen. Die Alten, denen die Werthschätzung hoher Zahlen abgehk, standen nicht an, die Zahl auf 2,000,000 anzugeben. Wie sich aber eine so ungeheure Menschenmenge in dem wenig frucht-' baren Berglande bei dürftig entwickelter Schifffahrt ernähren sollte, das hat noch ׳Niemand ausfindig gemacht. > ן Die Einwohnerzahl des heutigen Jerusalem scheint mir Vr.! N. zu hoch anzunehmen; zu meiner Zeit lebten in Jerusalepr 900 Lateiner, 3000 Griechen und ungefähr 500 Christen anderer Confesfion incl. der Protestanten; die Muhammedaner schätzte man auf 5000 und die Juden auf 7000. Die durchschnittliche Pilgerzahl ist ungefähr 8500 bis 4000; als nach dem Krimkriege einmal 16000 Pilger "kamen, fand man dies als etwas ganz Außerordentliches. Auf feine statistischen Mitthciluftgen läßt v,-. N. eine Besprechung der verschiedenen in Jerusalem ansässigen Nattonalitäten folgen, die sehr vieles Gute, bringt, l Das Interesse steigert sich, wo immer die Miltheilungen detaillirler rpHtzen, so z. B. gehört der Abschnitt X ״die Jsraefiten," entschieden zu den vorzüglichsten Theilen des Weckes, Sind der gebildete Nicht-Israelit, welcher den, zuni Theil jüischen Chroniken entlehnten historischen Notizen nicht zu olgen und beizupstichten vermag, wird, abgesehen von den Mietsachen gerade hier gegebenen Belehrungen, um so lieber •) In vor. Art. Z. 6 muß es heißen: Ebensowenig. von den betreffenden Mittheilungen Kenntniß nehmen, als v>j N. sich betreffs der religiösen Zänkereien eine Gerechtigkeit, j,! Milde des Urtheils bewahrt hat, die dem Herzen wohlthut. 1 Möchte darum st in Buch den Leserkreis stnden, den es verdient! Die klare, correcte Diction eignet es zu einem zugleich unterhaltenden Lejebuche für Alle, die sich über den Orient zu unterrichten wünschen. Gutachten über den Fakmnd, abgegeben in Veranlaffung eines Processes, in erweiterter Form herausgegeben von vr. M. Joel, Rabb. d. isr. Gem. in Breslau, Schleitersche Buchhdlg. 1877. (Schluß.)*) Gelehrter als N. ist E-, insosern er wie I. scharfsinnig nachweist, nicht alle die von ihm citirten Talmudstellen — einen Talmudtractat zu studiren hat auch E. nicht verstanden — von andern übersetzt sich liefern läßt, sondern hier und da auch selbst übersetze. Und wie übersetzt! — Heiliger Eisenmenger, hast du im Grabe eine Ahnungvon der urkomischen Wirkung, welche deine Wiedergabe der ״vier Ellen der Halacha" durch ״vier Ellen des Gehens", des ״Rabbo mudhak" durch ״ein fürtrefflichec Mann" auf den Sachoerständigen übt, du bist wahrlich bestraft genug. — Aber im Ernst, wirft nicht das Unierfangen. mit solchen Kenntniffen ausgerüstet gegen Juden und Talmud zu schreiben, ein eigenthümliches Licht auch auf den Charakter des Mannes? War er nicht, selbst von unparteiischerem Urtheil geleitet, als es wirklich der Fall gewesen, den bedenklichsten Mißverständnissen und Betrügereien — auch wider seinen Wllen — ausgesetzt? Und in der Thal, I. weist ihm nach, daß er nicht bloß auf schwachvolle Weise von polnisch jüdischen Proselyten, welche ihm unterschiedslos mit soi-ckisuut talmudischen Eitaten an die Hano gingen aus dem ״Medrasch Koheles, Caphtor Upherach, Megalle amykim" (man beachte den ungrammatischen, polnisch-jüdischen Jargon des Hebräischen) dupirt worden ist, sondern auch Unredlichkeiten mancher Art sich zu Schulden kommen laffe. So, wenn ec das zumal damals noch ungedruckte Buch Rastel, ein pseudepigraphisches, mittelall er siches Machwerk, an erster Stelle als Beweis für die unwürdige Gotlesvorstellung der Juden anführt, ohne der viel bedenklicheren Quästionen der mittelalterlichen Scholastiker sich zu erinnern, die mitunter in ihren Fragen nach dem Wesen der Gottheit in wunderbar unfläthiger Phantasie ausschweifen; ohne sich zu fragen, wie man die Handlungsweise desjenigen qualificiren würde, der aus diesen einen Schluß auf die christliche Gottesvorstellung ziehen wollte; ohne ferner sich zu erinnern, daß die von ihm belächelte Exegese, des Talmuds in noch viel mehr wundersicher Form bei den Kirchenvätern besten Schlages vorliegt; wunderlicher schon deshalb, weil diesen meist nicht einmal das hebr. Original zu Grunde liegt. Daß der Vers, überhaupt die Schmähredner des Talmuds auf das gläserne Dach des eigenen Hauses aufmerksam gemacht hat, ist ein weiteres Verdienst der Aschen Schrift, und es dürfte ihm wahrlich nicht schwer fallen, jeder angreifbaren Stelle des Talmuds eine mindestens ebenso starke — wenn nicht stärkere — aus dem N. T- oder den Kirchenvätern als Illustration beizugeben. Und dabei fährt das Ehristenthum schlimmer. Denn wer nur eine Ahnung von talm. Discussion hat, dem braucht der Verf. nicht erst nachzuweisen, daß es auch dem streu gsten Talmudjudenthum nicht im Traume einfällt, für jeden Ausspruch jeder beliebigen — zumal agabischen — Autorität einzustehen, während die Autoren der kirchsichen Schriften schon durch das Beiwort ״die Heiligen" von der Kirche officiell als Sittlichkeitsideale hingestellt werden. Ein geistreicher Franzose hat jüngst als hauptsächliches *) In voriger Nr. (8. 143) ist durch ein Se.׳crversehen auf Z. 4 der z eiten Spalte eine ganze Zeile weggelassen und dadurch der Sinn entstellt worden. — Es muß heißen: appcllirte der Angeklagte unter Berufung auf ein zu diesem Zwecke abgesaßtes Rohlingichcs Gutachten. Gegen dieses schrieb der Verf. das zweite der vorliegenden Gutachten, in welchem u. s. w. In der ersten Spalte derselben Recension Z. 16 v. u. lies gar nicht verstehen für zwar», s.

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