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Das jüdische Literaturblatt · 1877-09-19 · N° 38.39. (19.9.1877) · p. Seite 153

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 38.39. (19.9.1877)
Date
1877-09-19
Page
Seite 153 (sequence 5)
Language
German
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f Wohl und Wehe entspringen. So ist Religion dem Menschen natürlich, da er viele ihn interessirende Wirkungen bemerkt, deren Ursachen er sucht, um jene Empstndungen auszudrücken. Vernunftgemäß ist das Denken einer Ursache. Die jüdische Religion ist eine solche natürliche Religion, die auch, als ihre Gesetze genau bestimmt wurden (positive Religion), keine Ge- Heimnisse hatte. Gehässig wird er gegen die rabbinische Fortentwicklung, wie Alle, die darin den Vorwand suche», auch die biblischen Gesetze unbeachtet zu lassen. Aber trotz seiner Abneigung gegen den praktischen Theil des Rabbinismus wird er doch dem theoretischen vollgerecht. Alle eingeschränkten bildlichen Vorstellungen von Gott und seinen Eigenschaften entstammen dem Bestreben, die Begriffe der Theologie dem gemeinen Verstände anzunähern. Sie sind die Belhätigung des Satzes: Die heilige Schrift bedient sich der Sprache des gemeinen Mannes. Er hebt hervor, wie die Rabbinen Gott unkörperlich, den Zustand der Seele nach dem Tode als rein geistig denken. Vor Allem rühmt er die talmudische Moral und weiß Nichts daran auszusetzen,»außer vielleicht das in manchen Fällen Zuweitgehende derselben. Ihre Heiligkeit erstreckt sich sogar auf Gedanken. - Auch Heiden dürfen weder in Thal, noch in Wort hintergangen werden. Selbst unsere Höstichkeitsformeln sind unrecht, wenn wir uns ihrer bedienen, ohne sie ernstlich zu meinen. Er vertheidigt auch den Talmud gegen die ungerechten Beschuldigungen und Verspottungen, die alle im Nichtverstehei- ,.der Art der Alten überhaupt und besonders der Morgenländer, theologische, moralische, ja sogar physische Wahrheilen in Fabeln und Allegorien vorzutragen", wur.eln. Die Spottsucht Maimons und seine Verbitterung besonders gegen die srommgläudigen Juden, denen er so viel des Leids, das er erduldet, Schuld gab, giebt obigen Aeußerungen einen um so größern Werth, als in ihnen der böse Geist widerwillig in das Lob des Guten hat einstimmen müssen. Koichmin. vr. A. Lew in. Ebber nnd Mifr. Vergleichende patäologische Studien von Dr. B, Placzck. (Fortsetzung.) מצרים .» Mizrajim w irde bereits in Rr. 30 behandelt. Dabei zumeist an neueste Quellen-^uns hallend, hatten wir nicht Ebers Aeg. u. d. 5 B. M. zur Hand, woraus wir nebst Anderem Einiges hier nachkragen. Vor Allem sei erwähnt, daß die in ׳Nr. 30 ausgestellte Vermulhung von Ebers angeführt wird (S. 85 ff). ״Dem abgesperrtesten von allen den Semiten bekannten Ländern ist der Name der Einschließung, Einengung, des Walles, Festungswerkes gegeben". Ebers aus diese Deutungssährte wahrscheinlich durch die gleiche Sanskrit- Erklärung geleitet, die Bohlen dem Namen Aegypten von L^uptas, terra munrta, gab, emendirte damit nur die Ansicht Knobel's, Völkertasel 270 f. Während dieser die Einschließung auf die libysche und arabische Gebirgskette zu beiden Seiten des ׳Nillandes bezieht, und dadurch die übrigens vielfach angejochlene Dualform Mizrajim gewinnt, deutet Ebers auf die Möglichkeit hin, den Dual im Hinblicke auf die Doppelmauer, die beiden Befestigungslinienj, die sich aus dem Isthmus von Suez befanden, deren Erste ihr Ende bei Heliopolis fand, während sich die Zweite bis nach Klysma (Suez) und an die nördliche Spitze des Schilsmeeres erstreckte, als ״doppelte Einschließung" zu erklären. Den Wanderstämmen Westasiens lag es am nächsten, zur Namcnszeichnung von Aegypten das zu wählen, was Jedem anfsiel, und in Aller Munde war. Wenn es sich um Erklärung für die Wahl eines Namens handelt, wird immer die am unmittelbarsten dem einfachen Sinn sich ausdrängende Erscheinung den Vorzug verdienen. Die Stelle Jes. 11, 12, wo in richliger geographischer Folge Mizrajim, Pathros und Kusch, Unterägypten, Oberägyptcn und Aelhiopien aufgezählt werden, ן und Jerem. 44, 15 beweisen, daß Mizrajim später nur für Uuterägypten galt, indeß die Völkertafel Pathros als Sohn Mizrajim'S oder einen Theil Aegyptens anführt. Die Uebersetzung von Mizrajim als ״das Land der Aengstigung, Roth und Bedrängnitz" ftndet Bestätigung in Per. Rab. 16: — מצרים על שהם מצירות לישראל — Der einzige der für Mizrajim hieroglyphische Darstellung zu ftnden glaubt. ist Reimsch (Sitz. Ber. d. Wr. Akad. 1859, B. 30 S. 379), dessen geniale von Gstjschmid und EberS mit Unrecht als nicht stichhalttz besundene Ansicht hier nicht unerwähnt bleiben soll. Mesra soll aus dem Namen der Stadt Ramses, nach Ramses dem Großen genannt, des biblischen ירעמםם durch eine Umsetzung entstanden sein, welche von der Pietät der Aegypter bedingt sein kann, die das Zeichens symbolisch den Sonnengott Ra, phonetisch die Silbe ra bedeutend am Anfänge des Wortes schrieben, wenn es auch am Schluffe gelesen ward. Im Papyrus Sallier Nr. 1., das einzige ägyptische Dokument, das nach E. de Rougä uns Nachrichten von den Hyksos überliefert, ist auch der Name eines ägyptischen Fürsten .Rasekenen enthalten, der Sekenen-Ra gelesen wird: (Brngsch. 1l. d. E. I. 160.) Nach Reimsch soll die Dualform Mizrajim, die nur aus der Punklalion erkennbar ist, erst später entstanden sein, als nämlich die Alexanüriuischen Punktatoren die ihnen bekannte Eintheilung des Pharaonenreiches in Ober- und Unteragypten grammatisch andeulyn wollten. Viele Völker acceptirten, wie schon erwähnt, die semitische Benennung für Aegypten. In der vorgeblich phönizischeu Kosmogonie des Sanchsiniaton bei Eusebius (präp. eoang. I. 10) wird Taaut, der ägyptische Tyo!h. ein Sohn des Misor genannt. (Vgl. vr. R. Pitschmann, Hermes-trismegistos, Leipzig 1875, S. 339. Dioscorides und Apulejus (bei Reinisch. Botanische Streifzüge auf dem Gebiete der Culturzeschichte, in den Sitzungsberichten der W. Ak. Math. Naturh. El. 1859 B. 38 S.?8) bringen den panischen Name» für die Gurke Kaschimezar lvon 4 רשאים b. m. nמקשה •5 ׳ Gurkenseld, Jesaias I, und ״ (מצרdie Gurke von Aegyvlen " Auf die offengebsiebene Frage Ebers' (S. 72):,״Wie kam es, daß die Hebräer dein Reiche der Pharaonen einen Namen gaben, welcher weder in Hieroglypheninschriften vorkommt, noch aus der koptischen Sprache erklärt werden kann, ja von dem wir behaupten dürfen, daß ihn die alten Aegypter niemals brauchten, um ihre Heimat zu benennen? — mag dieselbe Antwort passqn, die Brugsch, H. d. E. I, 170 ff auf di« Frage hat: ״warum die ägyptischen Denkmäler so wenig stuf die Herrschaft der Hyksos und Semiten überhaupt bezüglische Date» enthalten?" D i e A e g y p t e r gäbest sich eben alle Mühe, dieReminiscenzen andieHerrschaft der ihnen verhaßten As taten auf den Denkmälern auszumerzen So mochte es auch mit d e m Namen M i z r a j i m s e i n e s s e >n i t i s ch e n U r - sprungs wegen geschehen sein. Und sollte die Annahine Berichtigung haben, daß die Hebräer mit der Bezeichnung Mizrajnns den 'Nebenstnn ״das Land der Nolh und Bedränguiß" verbanden, dann hatten die Aegypter einen Grund mehr, den Namen Mizrajim, der für sie nichts Ehrenhaftes enthielt, absichtlich zu ignoriren.*) -- *) Sofern wir in Nr. 30 die Bermuthung ausstellen: Mizrajim- Misr sei gtsichbedeutend mit dem Monatrsotte Mesorr-Mispa und hieße ״das Land des Horus. des Nönigs beider Wetten" —- so dachten wir dabei an die gleichartige Lcklärung des Namens Aegypten, der in der Znschrist von Nosette Kih-Ptah d. i das Land d cjs Ptah, des griechischen Hephaistos, lautet- »a bedeutet, nebenbei erwqhnt, auch im Chinesischen Land. Die Consonanten des atlägyptischen Nqmens Kgh-Ptah sind in dem Namen der ״Kopten״ und indes älhiopischen ״Gdbzo" (Aegypten) erhalten. Auch die griechische Benennung sü« Äegypiqn Hephaistiadas Land des Hephaistos, ist d,e wortgetreue Uebersetzuitg des altägyptische« Kah-Ptah, Land des Ptah. (Uhtemaun, Phil. Aegypt. 7.) 1

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