Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 37. (12.9.1877)
- Date
- 1877-09-12
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 147 r sich haben die polnischen Juden den Teufel durch Belzebub «»getrieben. Denn die Unfähigkeit der Kinder, ihre Kinder |U erziehen, ja auch nur für ihren Unterhalt zu sorgen, sowie die physischen Nachtheile brachten Corruption und Zerrüttung «f andern Lebensgebieten hervor. Elend und Mangel, Selbstsucht, Ertödtung der heiligsten Gefühle, der Gatten- und Vaterliebe, zeichnen sich in Maimons Leben als die Folgen der z« früh geschloffenen Ehe. Trotzdem ward sein Drang und sein Durst nach Wiffen nicht gemindert. (Schluß folgt.) Erklärung einer Talmudstelle. Im Tr. Taanith 29a wird erzählt: ״Nach der Zerstörung des (II.) Tempels und Jerusalems sollte auch N. Gamaliel (II.), der Sohn des R. Sinion (II), welcher letztere bei jener Zerstörung getödtet wurde, verhaftet werden. Doch der römische Hauptmann wollte den edlen Patriarchen aus dem Hause Hillel's verschonen, und als er mit seinen Schergen in 51s jüdische Lehrhaus eingetreten war, rief er laut: בעל החוטם מתבקש, worauf R. Ga maliel hinweg schlich und hierdurch der Verhaftung entging u. s. w." — Der CommentatOT R. Salomo Jizchaki (ר״שי) fühlt wohl heraus, daß unter בעל החוטם »ein großer und angesehener Mann" verstanden wurde. Das Wieso? blieb aber unerklärt; abgesehen davon, daß in einem so allgemeinen Begriff ja auch die den Hauptmann begleitenden römischen Soldaten jenen Ausruf ebenfalls verstanden hätten. Herr Rabb. Dr. Steinhardt aus Arad, der während der diesjährigen Saison das hiesige ^.Bad besuchte, theilte mir solgende geistreiche Erklärung mit: ^Der römische Hauptmann, welcher den R. Gamaliel auch mach seinem hebräischen Titel ״) נשיא Nasi") wohl kannte und ihn retten wollte, rief darum in römischer Sprache seinen Begleitern zu: ,Dominus nasi inguaeritur!^, was der Talmud in seiner Sprachweise mit בעל החוטם מתבקש übersetzte. Die Schergen verstanden darunter: ״Der Besitzer der (etwa großen) Nase wird in Untersuchung gezogen!"; währ rend R. Gamaliel es richtiger auffaßte, daß der Hauplmanndamit cmdeutcn wrllte: ״Der Herr Nasi wird in Untersuchung gezogen!" und eiligst hinwegschlich rc. Bad ׳Ems. Dr. Hochstädter, Bezirksrabb. Literaturberichl. Recensione». Ilistoire Iitieraire de la France.... Les Rabbins franQais . . . par M. R6nan. Der soeben erschienene 27. Band der großen französischen Literaturgeschichte handelt auch von den französischen Nabbinen und ihren literarischen Erzeugnissen (S. 431—764׳). Dieser Theil ist auch besonders erschiene» und separat zu haben unter dem Titel: ״Les Rabbins fran^ais . . . par M. E. Renan״. Letzterer ist aber nur als Redacteur zu betrachten. Der eigentliche Verfasser ist der um die jüdische Literatur so sehr verdiente unermüdliche Ad. Neubauer, Bibliothekar in Okford. Ter geschätzte Verfasser hat alle in dieses Fach einschlagenden Untersuchungen und Forschungen sorgfältig und gewissenhaft benützt, einer unparteiischen Kritik unterzogen, und da er, im Aufträge der französischen Regierung, die meisten Bibliotheken Europa's durchmusterte und durchforschte, konnte er vieles berichtigen und erweitern und war auch in der Lage, ganz neues Material herbeizuschaffen. In vorliegender Arbeit wird blos der Anfang gegeben, und in zwei ^blheilungen (Nord- und Südfrankreich) werden in folgender Reihensolge vorgeführl: Die Tossasisten zum Pentateuch, Raschi und seine Fa- Eie, Joseph Kara und Joseph Bechor Schor, Ehiskia b. Manoach, Gan, anonyme Toffafoth, Jsaac Ha-Lcvi b. Jehuda, Muda b. Eleasar, anonymer Verf. eines anderen Gan, Jacob d Jllesias. Die Tossasisten zun! Talmud, Perez Corbeil, Meir Rothenburg, Schimschon Chinon, Eleasar Worms, Abraham Köln, Simcha Vitri, Nethanel Chinon,. Die Märtyrer von Troyes 1288, Nethanel b- Meschullam, Mose ans London. Gloffatoren-Uebersetzer; Berechja d. Natronai Ha-Nakdan, die Uebersetzupg des Asopet und des צל העולם- So weit die erste Abtheilung. Die zweite führt uns vor: Die Rabbiner von Narbonne, Lunel, Montpellier, BeziärS, Trinquetaille, Tarascon. Jehuda den Barsilai, Abraham aus Posquiärs (ה״אבה), Jsaac b. Abba Mari (בי העטור), Abra- Ham b Natan. David aus Villefort, Abraham b. Chaja, Ahron Ha-Levi, Menachem Mein, Nissim aus Marseille, anonyme - Exegeten zu Hiob, Meir b. Simeon, Morvechai b. Joseph, Samuel Jbn Tibdon, Salomon aus Äelgueil, Jacob Anatoli, Gersom b Salomo, Salomon Jbn Ajud, Schemtob b. Jsaac, Mose Jbn Tibbon, Jacob b. Machir, Levi b. Ahssaham. Abba Mari b. Mose und die verschiedenen Berfaffer der im Minchal Kenaot enthaltenen Briefe (auch eine ausführliche Analyse dieser sämmtlichen Briefe, darunter viele noch ungedruckte), Simon b. Joseph, Samuel Sulami. Die Poeten: Ezobi, Joseph Eleasar Meschullam Samuel, Abraham Bedersi, Jsaac Gorni, Jesaia Debasch, Pinchas Ha-Levi, Reubsn Jsaac, En Effopat Malit Levi, Meschullam b.Salomo und noch ietznige Poeten. In einem der folgenden Bände soll die Fortsetzung dieser so wichtigen Arbeit geliefert werden, welcher wir mit nicht geringer Erwartung entgegensehen. — S. I. H.m*) vr. Aerr«m»v, Die heilige Stadt u. s. w. Ter II. Abschnitt des N'schen Werkes, dir Klimatologie, bringt vortreffliche Beobachtungen, dagegen ist an den Abschnitten über die Fauna und die Flora Manches zu erinnern. Rosen z. B. giebt es in der Saronebene überhaupt nicht; ich * selbst habe die Rosa eanina nur in der Ebene von Hebron gesehen. Ebenso hat der Libanon Sandelholz und! der Karmel Lorbeer. Roseitzil wird überhaupt in Palästina Nicht bereitet: ך die Rosen, aus denen das Rosenwaffer destillirt wird, kommen aus dem Wad el Ward, dem Rosenthal, einem von Jerusalem ungefähr eine Stsinde in südwestlicher Richtung entfernten Thale, in welchem die gewöhnliche Rosa damascena in Menge an den Abhängen gezogen wird. Es ist dieß eine fremde Cultur; die alten Juden scheinen keine Rosen gekannt zu haben) wie denn auch kein althebr. Ausdruck für Rose vorhanden ist.**) Auch ist die Rallnta nicht die Galläpfel-Eiche, sondern die immergrüne Steineiche Quercus algilops, die rothrindige Holzart Kakeb in Arbutus (der Erdbeerbaum) Was die Fauna anbetrifft, so sagt Dr. N. u. A., das Dromedar ist nur mit einem langen Höcker versehen und kleiner als das Kameel; Dr. N. stellt hier das wirkliche Dromedar dem zweihöckerigen unserer Schulbücher gegenüber. Bekanntlich verhalten sich Dromedar und Kameel wie das edle Pferd und der gewöhnliche Klepper zu einander; das zweihöckerige Kameel oder Tr.ampelthier kommt in den arabische« Ländern gar nicht vor. Die ״wilden" Bienen gehören auch zu den aus der Bibel gezogenen Erfindungen(?): Niemand hat je wilden Honig gesunden und die verschiedene Erwähnung solches in der Bibel sind durch den heutigen constatirten Besund noch nicht aufgeklärt worden. Dagegen ist die große Gefährlichkeit der Bielsüßer und Scorpione eine gus Italien importirte Mähr. Meine an Fellahs gerichtete Fragen, ob ein Scorpionstich tödtlich sein könne, sind imiu^r —! meistens mit Ausdrücken des Staunens — verneint worden i ״* In seinem topographischen Abschnitts erklärt Dr.M. offen, daß er sich im Wesentlichen an Robinson halte. Dieser Freimuth ist lobenswerth. und den Ruhm, einer det verdiensteten Forscher im heurigen Palästina gewesen zu sein, wird ja Niemand den! gelehrten Amerikaner rauben. Da ich Robinson persönlich kannte, so bin ich vielleicht mehr als mancher dere im Staude zu sagen, welch ein vortrefflicher, durch und *) Von Ihrem freundlichen Anerbieten werden wir uns erlauben, nach den Feiertagen Gebrauch »u machen. ג״ח״ט wünschend — die Red.' +*) Darüber ließe sich »och streiten. (Red.)