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Das jüdische Literaturblatt · 1877-09-12 · N° 37. (12.9.1877) · p. Seite 148

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 37. (12.9.1877)
Date
1877-09-12
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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; durch wissenschaftlicher, allem Gemeinen abgewandter Mensch eit war; aber feine religiöse Richtung brachte es mit sich, daß er in Zofephu», dem Geschichtschreiber der prophezeiten Zerstörung Jerusalem», gleichsam ein Complement der heil. Sckrtft, einen mit ganz besonderer Pietät z» behandelnden! Schriftsteller sah. Josephus nun giebt von Jerusalem eine gleichsam systematische Beschreibung, wie deren aus dem Alterthu« vielleicht von keiner zweiten Stadt, von keinem andern Amor, unserer Zeit erhalten worden ist; er giebt außerdem bei Besprechung der innern und äußern Kämpfe eine Reihe gelegentlicher topographischer Notizen. Schon diese letzterenstimme« nicht zu der allgemeinen Beschreibung; da aber ^nnr diese ein klares Bild in der Phantasie erzeugt, so war ~ e» nur natkklich, daß man ihr die er,!e Stelle einräumte und die. abweicheichen auderweüen Nachrichten durch Deutekünste -f ihr unierthänig zu machen suchte. Such Robinson brachte sein fertiges Biv» des alte» Jerusalem nach seinem Josephus mit nach Palästina; er konnte sich nicht verhehlen, daß der Bef«nd der heil. Stadt diesem Bilde nicht entsprach, und so muhte den« auch dieser Befund in das Procrustesbekt der An- Passung gebrächt werden. Es ist hier nicht der Ort. auf eine detaillirte Widerlegung der von R. verfochtenen Robinson'schen Lnstchleu uns einzutassen; bemerkt sei nur, daß. wo es sich Um Berge 'und LHLler handelt, der gegenwärtige Befund auch für die Vergangenheit — ganz ausnahmsweise Fälle »bgerechnet — schwerer wiegt, als alle Schriftstellerei, und daß die» für Jerusalem um so mehr gilt, als die in des Josephus Seschicht erzählung eingestreuten gelegentlichen topographischen Notizen in dem gegenwärtigen Befunde chre einfache und leichte Erklärung finden (Schluß folgt.) chntnchte» -ter de» abgegeben in Veranlafiung eines Processes, in erweiterter Form herausgegeben 01» vr. M. Joöl, Rabb. d.' isr. Gem. in Breslau, Schlet- Mrsche Buchhdlg. 1877. ' Indem wir die Aufmerksamkeit unsrer Leser auf das Schriftchen des geistvolle« und gelehrten Verfassers lenken, hstbeu wir de« Wunsch, dasselbe vor dem gewöhnlichen Loose 8er Brvchüren- und sonstigen Tagesliteratur, welche im günstigsten Falle ebenso schnell gelesen wie — vergessen zu werden pflegt, zu beniahren. Denn nur rein äußerlich — möchte ich sagen, reiht es sich in die Kategorie jener Schriften ein, «sofern es, wie aus dem Titel zu ersehen, einer äußeren Veranlassung mchr als der freien Wahl des Autors seine Entstehung oerdanft; die Behandlung des Gegenstandes aber, me gründliche und nach manchen Richtungen fast erschöpfende Verarbeitung des Stopes sichern dem WertcheN ein besseres Schicksal der denen wenigstens, die zu lesen verstehen, und wer an die Lektüre desselben etwa in der Meinung gegangen ist, eine Widerlegung bloß der Angriffe Rohlings und seiner Pachbeter zu finden, wird im Verlaufe der Darstellung be Merken, daß es unfruchlbar sei, Rohling zu widerlegen, der übrigens in seiner llnkenntniß takmudischer Dinge eine eingehende sachliche Darstellung zwar nicht verstehen würde, 's» lange nicht das klas ische Arsenal aller talmudseindlicher Angriffe, Eisenmengers entdecktes Judenthum, charakterisirt mp in seiner ganzen pfiffigen Beschränktheit und verschmitzten Gchäsfigkeü Lloßgestellt worden ist. Diesen Theil der J.'schen Lrpeit betrachten wir für den verdienstvollsten derselben. Denn «a» hilft Nachweis, daß R. keinen Talmud zu lesen, geschweige ju übersetzen versteht, was hilftch, R.״ meinetwegen vollständig moralisch tobt zu machen; wenn 'morgen ein Anderer an der Haut» Eisenmengers neue Stellen citiren kann, die!chm bequem iy Text und Uebersetzung in jenem Buche gebfrten werden? Beranlaffung zur Abfassung der beiden Gutachten gab die Anklage gegen — wenn wir nicht irren — den Redacteut des Habelschwkrdter Gebirgsboten, welcher, Rohling , nach Wiflmanns citireud. beschuldigt worden war, .die Juden als Religiousgemeinschaft beschimpft zu haben. In erster Justahl zu Gefängnißchrafe verurtheilt, appellirte der Angeklagte untel Berufung auf ein zu diesem Zwecke abgefaßtes Rohling'schq» Gutachten, in welchem er nicht nur die unverschämten Atz.-» griffe Rohlings auf die Glaaubwürdigkeü der Rabbinen über-1 Haupt und seine bodenlose Unwiffenheü gebührend heleuchtele.1 sondern auch den Nachweis führte, daß obwohl der Talmist j nichts weniger als ein Compenviuin der Siltenlehre sei, die! darin enthaltenen S i t t e n s p r ü ch e es mit der Moral jeder andern Religion aufnehmen künnen- Wenn trotzdem der Appellant freigesprochen worden ist, so waren dafür sicher andere Gründe maßgebend, als, wie parteieifrige Berichterstatter! fälschlich zu melden sich beeilten,! der llnistand, daß dem Vers, der Nachweis von Fälschungen Rohlings mißlungen sei. Das Letztere zu glauben ist nur der rm Stande, welcher die vorliegenden Gutachten nicht gelesen hat, in welchen Rohling nicht bloß als Fälscher des Talinuds, sondern auch als Fälscher Eisenmengers entlarvt wird, und jene Berichternatter haben, w!e da» ja leider nicht selten geschieht, mit einer gewissen Verwegenheit aus die Unwissenheit des lieben Publikums speculirt. Ueber die Art der Widerlegung R.s verweisen wir auf das Merkchen selbst. Wie man es vom Verfasser gewohnt ist, ist die Dialektik scharf und zwingend, und wenn der Ton nicht imnier wissenschaftliche Ruhe und Objektivität wahrt, wer will das dem Vers, verdenken, der sich in der eigenthümlichen Lage befindet, einen Gegner bekämpfen zu müssen, der für sich das Ansehen einer Capacität in Anspruch nimmt in einem Fache, dessen Anfangsgründe er kaum beherrscht. Dah der moralische Widerwille gegen solchen Schwindel, der ja sein großes Publikum gefunden hat, mitunter den Verfasser übermannt, ist ihm sicher nicht zu verargen. Hat doch Lesstngs Antigötze unsere Bewunderung, und Gö^e war wahrlich ein ganz anderer Mann als — Rohling, Wü uns und Consorten. Rohling also kann den Talmud trotz seiner Schrift ״der Talmudjude", trotz seines ״Gutachtens" nicht lesen. Seine Talmudcitate bis auf eines stammen aus Eisenmenger, einem gelehrteren und auch gewissenhafteren Judenfeinde, der. ihm die Stellen bereits übersetzt geliefert hat. Gewissenhafter als R. ist derselbe, insofern er sich sein ״entdecktes Judenthum" in 19jähriger Arbeit hat saurer werden lassen und wenigstens zumeist die -eine Art echt Rohling'scher Fälschung vermeidet, wo im Talmud über einen und denselben Gegenstand unsren Moralbegriffen günstige und ungünstige Aussprüche vorkommen, die ersteren einfach zu unterschlagen und die letzteren in möglichst schiefer Beleuchtung als Ansicht der Talmudjuden zu malen; von seinen theils absichtlichen theils absichtslosen Mißverständnissen ganz zu schweigen, denn diese Eigenschaft ist in ziemlich respectabler Potenz schon bei seiner Quelle, Eisenmenger, zu bemerken. (Schluß folgt.) In unserm Verlage erschien soeben uns ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen: ' [1084 Die Mlictte Veite M seiner Literatm vom babylontseye« Exil bis «ruf dt« Gegenwart. llebersichtlich dargestellt von Dr. S. Baeck, Rabbiner der Synagogen-Gemeinde zu Liffa. Lieferung 1. Elegant broschirt. Preis 1 Mark. Das Buch, welcher in knapper Form ein anschauliches Bild der Geschichte und geistigen Entwickelung de» jüdischen Volkes giebt, wird durch di« «issenschasUich« Behandlung seines Ktosses und durch die stlarheit der Darstellung viel dazu beitragen, die Geschichte sder Juden und ihrer Literatur zahlreiche« «reisen, denen dieselbe bislang wenig bekannt war, zuzusühren und sie über manches Dunkle und ihnen Unverständlich« aufzuklären. . DaS Werk erscheint in S Lieferungen von S—6 Bogen s 1-Mari und wird noch im Laus« dieses Jahres camptet vorliegen. Uns direct zugehende Bestellungen von Privaten effectuiren wir nur dann, wenn der Betrag rn viarken beigesügt ist. — Skmmtliche Buchhandlungen des Inunv Auslandes sind im Slanoe, vie erste Lieferung zur Ansicht zu liesern. Lissa (Posen), im September 1877. ׳_Th. Scheidel'sch« Buchhandlung. Einltegr»» eia Prospekt betr. Graetz, Geschichte »er Juden. VeraMioorUicher Redakteur: vr. Pt. Rahu?er. Druck von L. Scharnke in Bardy. Verlag von Rodert Friese in Leipzig.

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