Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 37. (12.9.1877)
- Date
- 1877-09-12
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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und die Besetzung solch wichtiger Privilegien wäre nicht ohne schwere Krise» abgelaufen, von denen wir dann Nachrichten haben mühte«. Der Vers, läßt überhaupt mit Borliebe den König gegen persische Sitten handeln, Beim Gastmahle, das der König seinen großen und Satrapen gegeben, war Waschti nicht zugegen: znpr Zechgelag, wohin sie nicht,, gehört, wird sie geladen. Und man setze was man wolle, auch, daß die Königin nicht hoffen darf,! während 11 Monate ihren Gemahl zu Geficht zu bckmme» und des Todes zu gewärtigen hat, wenn sie un-erufen zu ihsn geht, ist zu abnorm, um ohne Weiteres al» historisch acceptirt zu werden. Der hochwichtigen Gesetze, wie — daß jeder so viel trinken dürste, als er wolle und Lhnlicher, gär nicht zu gedenken. Und ist es.nicht sonderbar, daß über die Ungnade, in die eine Favoritin gefallen war, erst mit den 7 Staatsräthen verhandest «erden mußte, ״denn also geschah es in den Angelegenheiten des Königs, daß sie den Gesetz- und Rechtskundigen vorgÄegt werden mußten/ 1,13, — während über das Edikt zur Ausrottung eines ganzen Volkes, oder den Erlaß, der den Bedrohten die Gegenwehr gestattetekein Wort mit den 7 StaatSräthen verhandest worden. Für alle diese befremdenden Erscheinungen giebt die hist. Austastung keinerlei Erüärung und sie sind beredte Zeugen gegen sie. Erinnert man noch daran, daß auch die Art der Anklagen Hamans, 3, 8, mit Lage und Zustand des heb. Volkes zur Perserzest in keiner Weise sich vereinen laste, so scheint das aste Gebäude völlig aus den Fugen zu gehen. , . (Schluß folgt.) Salomo« Maimo«. l Bon Rabbiner vr. A. Lewin. 1 (Fortsetzung.)! Aus seiner frühesten Jugendzeit gedenkt Maimon zweier! für das Leben seines Großvaters wichtigen Ereignisse. Von! diesen ist das Eine ein drastischer Beleg Dafür, wie die Juden Christenkinder tödten. Dem russischen Popen, besten Schnapsrechnung ungebührlich groß geworden, wollte der alte Heine- «ann nicht mehr auf Borg einschenken Da verhandelte bald darauf mitten in der Nacht ein Biberhändler dem Juden einen ־! Sack mit Fellen, den dieser von dem alten Geschäftsfreunde auf Treu und Glauben, ohne ihn zu öffnen, annahm. Natürlich durchsuchte der Pope noch in derselben Nacht mit einigen Bauern das Haus und fand in dem Sacke einen Leichnam Der Großvater wurde in Ketten geworfen und dreimal aus die Tortur gebracht, bis endlich der Biberhändler gesunden wurde und nach anfänglichem Leugnen eingestand, daß er den Leichnam im Wasser gefunden und dem Popen zum Begraben angezeigt habe. Dieser aber habe ihm gesagt: Mit dem Begraben hat es noch Zeit. Du weißt, daß die Juden verstockt und daher in alle Ewigkeit verdammt sind. Noch bis jetzt suchen sie christlich Blut. Sie brauchen es zu ihrem Osterkuchen. Du wirst also ein verdienstlich Werk thnn, wenn Du diesen tobte« Körper dem verdammten Juden von Pächter ins Haus praktiziren kannst. Der Kerl wurde ausgepeitscht, der Jude in Freiheit gesetzt, der Pope aber blieb unbehelligt. Der geneigte Leser dürfte sich erinnern, daß auch heutzutage noch in Rußland die Blutbeschuldigung noch immer wieder austaucht. — Kann's Wunder nehmen? Der Schnaps ist noch immer Rationalgetränk. Inmitten solch polnischer Wirthschast, in welcher Gewalt und Schlauheit die einzig entscheidenden Faktoren waren, bildete — und dieier Lichtpunkt muß jedem billig Denkenden angenehm berühren — das jüdisches RechtlichkeitS- und Rechtsgefühl einen Damm gegen die wüste») Zustände. Lange Zeit hatte das Recht der Chasaka auch diel Familie Maimon in ungestörtem Besitze ihrer Pacht geschützt. Endlich zeigte sich selbst ein Jude von der allgemeinen Unmoralität so angefresten, daß er der Chaiaka trotzend ein höheres Pachtgeld bot. Hierdurch wurde die bisher in leidlichem Wohlstände lebende Familie fast dem Elend preisgegeben. Schon vor diesem Schicksalsschlage hatte unser Salomon das Cheder in Mirz absoloirt. 'Dieses mag wohl noch etwas schlimmer gewesen sein, als sonst die Chedarim eS psteglen. So gehören die Bester (Behelfer, llnterlehrer), welche den Kindern das Frühstück wegesten, der Schmutz der Schulstube, der Schnupftabak des Melamed (Lehrers) und die Methode des ohne Grammatik llebersetzens nicht in's Reich der Fabel. Dagegen muffen wir unbedenklich den ״bis aufs Blut peitschenden, Ohren abreißenden und Augen ausschlagenden Rebbe dahin verweisen. Denn wie hätten je jüdische Eltern, denen viel eher allzugroße Liebe und Nachsicht gegen ihre Kinder zum Vorwurf gemacht werden muß, sich solche Behandlung ihrer Lieblinge für ihr Geld — eine solche Schule nämlich war stets ein Privatunternehmen und fast nie ohne Concurrenz — gefallen lassen? Jedenfalls hat Mlrimon bei diesem Lehrer etwas Tüchtiges gelernt, wenn auch der vom Vater zugleich ertheilte Unterricht mit in Anschlag zu bringen ist. Denn in noch sehr zartem Alter laS er verstohlen in der Nacht in hebräischer Sprache verfaßte Werke, unter welchen besonders ein astronomisches seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Auf der Jeschiba (Talmudschule) zu Jwenez entwickelte er sich immer mehr als Jlluj, d. h. als einer der selten begabten Menschen bei welchen Kraft und Schärfe des Geistes, schnelle Auffassung, durchdringender Verstand und treues Gedächtniß schon im Kindesalter gleichmäßig entwickelt erscheinen als Einer der Frühreifen, mit deren Charakterbildern die deutsche Literatur in jüngster Zeit überhäuft worden ist. Alle Lehrer iverden von diesen Schülern überflügelt, aller Lernstoff begierig aufgenommen, bis die gewöhnliche Summe angesammelt ist, worauf die Krisis einlritt, in der es sich entscheidet, ob neue Bahnen von ihnen betreten und Anderen eröffnet werden, oder Erschlaffung und Ausruhen auf den Lorbeeren der Kintcheit eintritt. Maimon schien zuerst dem letztgeschilverten Loose verfallen. Doch seine Familienverhältnisse, welche auch nach Hinwegnahme der ätzenden, satyrischen Beleuchtung, die er selbst ihnen gegeben, gräßlich genug erscheinen, trieben ihn hinaus aus dem Hause und dem Lanve und ließen ihm nur die Wahl, entweder vorwärts zu streben oder kläglich und schimpflich unterzngehen. Schon im elften Jahre wurde er verlobt, denn die Roth in seinem Vaterhauje war so hoch gestiegen, daß der zum Kinderlehrer herabgesunkene Vater gegen eiu Entgelt von 100 bis 200 Gulden (50 bis 10g Mark) gern bereit war, den Sohn zu verschachern. Dies that er dreimal. Einmal starb die Braut, die einer anständigen Familie angehört zu haben scheint, während die beiden Ändern, denen Maimon gleichzeitig verlobt wurde, den niederen Gejellschastsschichten zugerechnel werden müssen; die Eine, und zwar die Obsiegende, die der Bräutigam heimgeführt, war die Tochter einer verarmten Gastwirthin, die Andere die eines Landjuden (Ärendars). Auch in diesem Zerrbilds treten zwei Lichtpunkte hervor. Den einen, die Hochschätzung des Wissens selbst in den untern St änden, welche bei Nichtjuden allein Körperkraftj Vermögen und praktische Befähignng zu würdigen pflegen, haben wir s chon oben hervorgehoben.! Der zweite.ist das sittliche Motiv, das zu der frühen Verheirathung antrieb., Grade in Polen war die Unsittlichkeil, zumal in sexueller Beziehung, übermäßig- Maimon selbst schildert in einem Fürsten Ravziwill ein solches nach französischem Muster gebildetes Ungeheuer. Die Juden suchten sich vor solcher Verwilderung zu schützen und das geeignete Mittel glaubten sie in möglichst frühem Verheirathen ihrer Kinder zu finden. Alte Sitte oder Gesetz fordert es Nämlich nicht. Selbst Orientalen räth der Talmud erst nach vollendetem achtzehnten Lebensjahre die Verehelichung an. Frei-