Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 37. (12.9.1877)
- Date
- 1877-09-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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VI• Jahrgang. Zar -cicuchlung ater Judenihn« u. Jude« betreff enben literarischen Lrscheinnngen -auf dem Gebiete der Philosophie,Grschichte,Sthnographie.Theoiogie, Lrientoiia, Sxegese, Hmniirtik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner vr. Moritz -lahmer. 'Magdeburg, IS. September 181?. Bücher »er ehHchlägig« Lüt^ ratur, welche »er Re» »eo ״ftm. INeraturdlatt" hi Magded»r» (*»er der ^Imraet. wocheaschr^ in -teiti») suaesaadl, mtm, finde«' in diesem Plegie ri»^ gehende Besp«ch - burch^allt'^^ch ׳Seivlia^ >>u?Ai ch einmal: Preis pro Jahrganz 8 Mark, mit frankirter Zusendung: 8 Ma bürg. — Justtat« mnben9mU 20 ^1tür'hiA?0״'?* obet direct bei der Expedition der ..J-raelitis«he« «mhenschri! -hr-ich bei allen Postanstatten und '7iS«agd» 0>it »ixrtch- Inhalt. Literarische Abhandlungen: Der hellenistische Ursprung und Sharakter des Buches Esther. (Forts.) Bon Dr. I. S. Bloch. — Eaiomon Mainum. Von Dr. L. Lewin. Erklärung einer Talmudstelle. Literaturb ericht: Recmsionen: Uiotoire iittsraire cie la France. — Dr. Reumann, Die heilige Stadt u. s. w. — Gutachten über den Talmud. Inserat. ____ Der helleniftifche Ursprung und Eharaktcr des Buches Esther. Don Dr. I. S. Bloch, Rabbiner. (Fortsetzung.) Noch beredter ist das Schweigen Sirachs über M. und E., während er alle nachexilischen Männer Israels preist und verherrlicht. Auch der Verf. des Buches Daniel, der die wichtigsten Parthien der exilischen und spätern Geschichte bespricht, wußte nichts von dem Haman-Ereigniß; er hätte sonst Gelegenheit gehabt, in seinen Visionen es recht effektvoll zu erwähnen. Unsere Psalmenliteratur, die sämmtliche Krisen und Schicksalswendungen des jüd. Volkes bis in die makkabäische Zeit hinein wiederspiegelt, läßt auch jede Andeutung und Anspielung auf die Esther-Geschichte schmerzlich vermissen. Dazu kommt, daß die Erzählung selbst manch Fremdartiges und Unwahrscheinliches enthält. Ein solch unsinniges Edikt, wie das von Haman bewirkte, hat zur Voraussetzung, daß die Juden im Perserreich verhaßt gewesen: zu einem solchen Vorhaben mußte er auf Stütze und Anklang beim Volke rechnen. Solches wird auch 8, 13; 9, 2; 4, 16. 22 ff. ausdrücklich angenommen. Allein "was die Geschichte sonst von den ״gefangenen," richtiger: colonisirten Juden in den medisch-persischen Ländern erzählt, ist damit durchaus nicht in Übereinstimmung. Die unsägliche Mühe, die Serubabel und Esra anwenden mußten, um blos ein kleines Häuflein der Exulanten in das Vaterland zurückzuziehen, das Widerstreben der großen Masse des Volkes gegen die Rückwanderung, lassen auf alles Andere eher als auf ein solches llebelwollen schließen. Wenn die Exulanten ein solches Maß von Liebe zu der anfänglich ihnen aufgezwungenen Heimath gefaßt haben, wie aus den Klagen der Ex'lspropheten offendar hervorleuchtet, so kann ihr Verkehr mit den heidnischen Bewohnern des Landes nur ein sehr freundlicher und ange- Deffener gewesen sein. Religionsfanalismus war anerkanntermaßen dem Heidenthum fremd, warum hätte das Volk des Eingewarwerten, die in keiner Weise nach Herrschaft trach/ teten, grollen können? I Unerklärlich unb gegen alle Regeln der Klugheit ist, daß der König den Erlaß zur Ausrottung der Juden in feinend Reiche zwölf Monate früher, bevor die Ausführung Statt ben sollte, nicht blos heimlich den Statthaltern, sondern öffentlich den Völkern bekannt geben läßt.! / 7. Die Judäer zeigen sich in ihrer damaligen Geschichte überall tddesmuthig, ja bis zur Tollkühnheit verwegen, scheu- ° ten nicht den Bedruckungen auch der stärkstes Machthaber energischen Widerstand zu leisten; hier sonderbarer Weise waren sie ruhig, warteten 11 Monate lang!in sträflicher' Sorglosigkeit des Schlachttages, der ihnen den Untergang bringen sollte. Jene Nachrichten haben aber in Judäa nicht einmal eine merkliche Aufregung hervorgerufen — die Chronographen bewahren darüber ein sehr beredtes schweigen. Heqfeld hat (p. 8) dieses ^Bedenken herausgefühlt, je- - doch an der Stichhaltigkeit seiner nicht gerade in allzu zuver-^; sichtlichem Tone vorgebrachten Erklärung scheint! er selber ge- J zweifelt zu haben. In der That war nach 3,13 das königltche Edikt, das die Ausrottung der Juden änordnete, in sämmtliche Landen des Königs ergangen. Eine auf Judäa bezughabende Ausnahme wäre nicht unerwähnt geblieben. Dar Fest stand aber schließlich grade bei den Palästinensern in hoher Achtung. Das Niederknieen vor einer hochgestellten Persönlichkeit war bei den Althebräerik (vgl. Reggio p. S Eich- Horn, Einl. JI. 1890 p. 583) sogar üblich; bläs die Griechen pflegten solche Ehrenbezeugung selbst persischen Kaisern zu^weigern. Ganz entgegengesetzt waren die Anschauungen )«;.Betreff des Niederfallens vor einem Bilde. Dias Benehme» M.S gegen H. läßt )ich blos der obigen Auseinandersetzung entsprechend erklären; nach der historischen Auffassung ifl' es räthselhnft. Ferner, daß ein jüd^ Mädchen vom pers. König; zur Gemahlin erwählt wird, wäre an sich nicht bedenksich; mit Recht weist Herbst hin auf die jüd. Könige in Arabien und die schöne Esther des polnischen Kasimir, ״die «sie eine Kömgin waltete." Doch ist hier nicht die ״Jüdin", welche bie,“ hist. Schwierigkeit mitbringt. Nach persischem Staatsgesetze^ war es ein Recht der stolzen Geschlechter der Achamenideu, daß immer eine ihrer Töchter zur Königin erhoben würde