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Das jüdische Literaturblatt · 1877-08-29 · N° 35. (29.8.1877) · p. Seite 139

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 35. (29.8.1877)
Date
1877-08-29
Page
Seite 139 (sequence 3)
Language
German
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— 139 — Die Kuschiten, in den stegreichen Kämpfen!der Aegypter . gegen Äthiopien zu Sclaven gemacht, konnten! und mochten wohl, durch gleiches Geschick mit den Israeliten verbrüdert und aus alter Verehrung für den ehemaligen Feldherrn und König Moses, mit den Israeliten sich vereinigt und Mizrajim , verlassen haben. — Eine Sympathie Moses für die Kuschiten läßt sich auch aus dem Umstande, daß er später eine Kuschitin heirathete, errathen (Num. 12, 1). Einflüsse der Hebräer in Aethiopien erblicken Salt und Ritter, Erdkunde I 222. Wir begegnen Kusch öfter monumental und hieroglypisch dargestellt, so auch in der Erzählung des Amen (Ameni)״ Feldherrn des Königs Usurtasen I., aus einem Skulpturtexte an der inneren Wand einer Grabkappelle von Beni Hasian: ״er hatte geschlagen seine Feinde im Lande Kusch (auch Kasch, Aethiopien) dem Elenden". Wir sinden es ferner in Kas, einer der acht Völkerschaften, verzeichnet auf einer Stelle von Ouadi-Halfa. Diese Negerstämme (?) hatte der genannte König besiegt und deren Anführer dem Gotte Horus vorgeführt. (Brugsch, h. d’Eg. 89, 91.) Die negerartige Hautfarbe der Kuschiten ist erfichtlich aus Jer. 13—23 (vgl. T. Sabbath 107, 6). An anderen Stellen (Moed Katan 16t>) wird bloß die Absonderlichkeit der Hautfarbe משונה בעורו hervorgehoben. Nach der Vertreibung der Hyksos kehrt der Titel der Prinzen des Pharaonenhauses ״Gouverneur von Kusch" häufig wieder. Kusch war gefürchteter und darum gehaßter als die eigentlichen Nehast (Neger), die nofre ״gut" genannt wurden, während jene okest ״schlecht, elend" hießen. Wie sehr auch die Ansichten über die Kuschiten in Arabien, am Tigris und ist Indien auSeinandergehen und in das Gebiet vager Hypothesen sich verlieren, so haben doch die Forschungen über afrikanische Kuschiten am ober« Nillauf gesicherten Untergrund. (Fortsetzung folgt ) P. 8. Zu dem am Schluß des Artikels VN in Nr. 33 Gesagten füge ich »och hinzu, daß durch gleiche Verquickung ganz ftemdartiger Sprachstämme dem Groß-Kan der Tartarei das Malheur passirte, von romanisch jüdische» Schriftstellern 3לב הגדול genannt zu werden. Den tatarischen Titel L L Q mit dem romanischen can, canis Hund verwechselnd, übersetzten sie LLn frischweg -^ב- (S. Orchoth Olam vor Abr. Peritsol, cap. 2.) Durch einen Jrrthum des Abschreibers heißt es in demselben Artikel: Ramses II., unter dem der Auszug Israels u. s. w. Es soll aber heißen; unter dessem Sohne. Die Effäer. Schon viele Erklärungsversuche über Entstehung und Bedrutung der Essäer liegen vor. Wir unterziehen dieselben hier keiner Kritik, sondern wagen einen neuen Versuch und unterwerfen ihn der Kritik. Wir gehen dasür auf die Entstehung der jüdischen Sekten überhaupt zurück. Schon früh gehen durch Israel politische und religiöse Spaltungen. Für unsere Frage ist erst die sopherische Zeit bedeutungsvoll, deren auffällige Wirksamkeit erst im Exll hervortritt, wenn auch deren Anfänge früher hinaufreichen. Die Sopherim vertreten die Bildung und Intelligenz des Volks, deren Hauptträger und Spitzen in der alten Zeit die Propheten waren. Sie stehen im Gegensätze zu dem Priesterthum, dem Geburtsadel in Zsrael, bevorzugt durch Bildung und Stellung, deren Beoorrechtung aber durch die Verallgemeinerung der Bildung beeinträchtigt würde. Dies geschah hauptsächlich nach dem Sturze des Reichs, dessen Verantwortlichkeit die Priester, als mit den Königen gleichberechtigte Träger des jüdischen Staats, mit zu tragen hatten. Daher finden wir in und nach dem Exils die Kämpfe für und gegen das Priesterthum, dessen Ausschließung und Restituirung neben gleichberechtigter Theilnahme der Volks- Vertreter an dem cultuellen Tempeldienste. APS diesen Kämpfen ging der Gegensatz zwischen Pharisäern und Sadducäern, Volks- und Priesterpariei, hervor. Der Näme Sadducäer ist alt; er bezeichnet die Priesterpartei, die Zadokidrn, die von David eingesetzte Priesterfamilie.*) Wir finden ihn in Simon Hazadik und in der Benedictio» der Esreh-Gebets: Al Zazadikim; denn hier wie dort fini» «Wrer. Ansicht nach Hindeutungen aus die Sadducäer enthaltet.!Wir setzen die Abfassung dieser Benediction in die hell^aiLftHe^ Periode. In diese Zeit fällt auch die Entstehung b«t!15j[äcr; h sie bildeten sich nämlich aus den A30\&a*>1 (Assidäern), פידינס^:'? worauf auch der Name hipweist.**) Politische Gewalt und socialer Verkehr hatten nämlich in jener Zell die Lockerung de» jüdisch-religiösen Lebens veranlaßt; dieser!gegenüber! bildete sich eine Partei der ״Frommeil" (Essäer) mit strengenen For- - men, anfänglich nicht in übertriebener Weiseund in asc^ischer Absonderung, später aber um so mehr hierzu gedräut) als^X die Lockerung der Religionsgesetze und der Abfall von ihnen sich mehrte. Als sogar nun auch die Treue der Priester nach*- ' ließ, und das Hohepriesteramt endlich in die Hände!der Abfälligen überging, sonderte sich ein Theil der ״Frommen" ab (ברש-,-welcher das priesterliche Wesen, auch seinen! Forme» nach auf Haus und Leben übertrug. Dies waren die Pha» risäer. Es gab hierbei Viele, welche nur in äußersich formaler Hinsicht das'Pharisäerthum nachahmten; der Äckmud kennzeichnet sie (Sot 22, 6) als die falschen Fromme»^ Für■■ die wesentlich Frommen galt die Bildung als nothivesidigeS יי Requisit; sie bildeten eine geschloffene Brüderschaft rOR). r Diese wirkten auch durch sthre Bildung belehrend apf baö Voll mittels Schule und Forschungen; sie suchten den Getzeusatz" zwischen der späteren Erweiterung des göttlichen Gesetz« und seinem früheren Ursprünge dadurch aufzuheden, daß sie durch logische oder hermeneutische Deduction, wenn auch oft nur formell, die Erweiterungen als in der Bibel ausgesprochen' nachwiesen. Durch diese Berührung mit dem Volke ^mannen die Pharisäer die Oberhand und Herrschaft; die Mäer, in strengeren Formen lebend und aus sich beschränkt, zogen sich vom Volke zurück. Daraus bildeten sich später die dekamftm Entsagungsgleichsam Ordensregeln dieser Sekte. Alzey. Vr. Rothschild. - j;! Literaturbericht. Recenfioue«.; I>effaver, vr. M-, Rabb., ״Daniel in siebest Kauzckm reden sür das Neujahrs- und Versohnungssest."! BreSloat. K (Skutsch) 1875. Als wir jüngst in der ״Gartenlaube" die überall «jut Recht H so beifällig aufgenommene Arbeit be» Vers, über H-inoza: ״Der Hokrates der Neuzeit" gelesen, fiel uns ein, daß bis jetzt keine deutsche jüd. Zeitschrift (eine franzSsisch« brachte eine sehr gute Recension) D.'S ״Daniel" besprochen» «ich molk» wir deshalb an dieser Stelle die schon vor zwei Jcchreir er» schienenen sieben Festpredigten in empsehlende Erftmer»ng bringen. Wir kommen spät — aber immer noch nicht poat festnm — und bieten noch vor dem Fest« eine finnige Festgäbch Schon früher haben jüd. Prediger (Salomo», Friedländer u. L) biblische Charaktere in Predigt«! behandelt, und hat uamentlich Salomon schwungvolle Bilder seiner Helden (A^ses, Da- ‘>§ vid, Elia) gezeichnet. Unser Verf. hat nun freilich nicht be- Ä absichtigt, ein vollständiges Lebensbild D.'S zu geben, sonder» aus dem Inhalte des Buches D. und über Texte aus demselbe» die Bedeutung der beiden hohen Feste zu «rküsdei^^ Nicht über den Text (hinweg nämlich) hat er grpechig^ P wie leider so viele, auch gefeierte jüd. Kauzelredner, fand»» aus dem Texte heraus entwickelt er mit vielem Geschick seiueH Gedanken in einfacher — und deshalb ^schöner — Sprache '?<) und vermeidet Ballast an Citaten, geistreiche Spieloreftn, Phra» sen rc., die oft üppigen Auswüchse der Predigten. - Wir finde» in dem kleinen Büchlein Worte, die einem reichbewegte», be- ’ geisterten Herzen entströmen und deshalb auch den Weg Herze» nicht verfehlen, andererseits aber auch viel Belehrend« s *) «ach s«l-«r. — **) «gl. «ritz, Sesch. d.I.M.3,8b$.p.100. I. ‘ ׳־*

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