Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 35. (29.8.1877)
- Date
- 1877-08-29
- Page
- Seite 138 (sequence 2)
- Language
- German
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stehungSursache des Festes dargestellt. Bei Gelegenheit der. Tempelweihe hätte sich, da alles durch Berührung der in den Tempel eingÄnungmm Griechen unrein geworden, ein Mangel an levitifch reinem Oel herauSgestellt. Ein einziges Oelkrügchen, das sich wunderbarer Welse die lange Zeit hindurch mit dem Siegel eines der alten frommen Hohenpriester erhalten, vorgefunden, enthielt blos den Bedarf eines einzigen Tages für die heil. Lampe. Einem göttlichen Wunder war es zu danken, daß das wenige Oel volle acht Tage hindurch brannte, während welcherZeit man Gelegenheit fand, neues Oel herzustellm. Zum Andenken an d i e s e S Ereigniß sei das Lhanuckafest eingesetzt worden, Sabbath 21, p. Nicht die durch Heldenkämpfe der, allerdings später saducäisch gewordenen Mlckkabäer herbeigeführte Rettung Israels von den syrischen Z^eligionsbedrückern, sondern die wunderbare göttliche Hülfe in einer —׳ Oelnoth verherrliche das Weihfest. Mt dem Oelereigniß hatte es aber eine , eigne Bewand» «iß, und di« ältere Hallach« weicht hierin von der jüngern bÄxmtsam ab. Die Erstere referirk von Jose ben Joäser aus dem Städtchen Zereda ein ״Zeugniß*: ״daß die Flüssigkeit des Altars in ihrer Reinheit durch Berührung mit Unreinem nicht geschädigt -werden.* העיד יום* בן יועזר איש צרידה על משקי בי מד־בחיא דאינין דב״ן Edojoth 8,4. Thorah Eohanim par. Schemini, Peff. 15 a Aboda Sara 37, b. Unter ״Flüssigkeiten* verstand er, wie ,auch der spätere Geßetzeslehrer R- Levi bestätigt, Wein und Oel; dafür spricht schon der Ausdruck: maschkin. Die jüngere Halacha war hier« rigoroser, erachtete solche Weine und Oele für den Tempügeb rauch als unzulässig. Das ״reine* Oel bei der Tempelweihe konnte dann blos durch ein besonderes Wunder erklärt werden. So entstand die erwähnte Boraitha. Nun aber wirkte der Zeredite Jose') im Zeitalter der MaRabäer, der bekannte Hohepriester AlkimoS war sein Neffe, I. Makk. 7, 12—16, Sen. Rabb. c. 65. Es ist demnach klär, bei welcher GÄegenheit er sein Zeugniß abgelegt: bei Gelegenheit der Tempelweihe, um dem empfindlichen Mangel an levitifch reinem Oel und Wein abzuhelfen. Den späteren Gesetzeslehrern ׳scheint der Widerspruch nicht entgangen: die alte Leseart מדבחיא, welche der Palästinenser R- Levi mit vielem Scharfsinn »ertheidigte, änderte der Babylonier Rabh in ממבחיא um so das ״Zeugniß* blos auf die Flüffigkeite» — Wasser und Blut einzuschränken, Samuel wiederum suchte den Grad der Reinheit solcher mit unreinen Dingen in Berührung gekommenen Flüssigkeiten, von denen der Zeredite sprach, zu verkleinern, um sie jedenfalls dem Tempelgebrauch »»möglich zu machen und eine' schwache Ausgleichung herzustellen. Peffachim 16 a 17 b., Aboda Sara 37 ff. Trotz all dem war das Oelereigniß in der talmudischen und rabb. Literatur einziger Anlaß des Weihefestes! Die Relation Pesikthn Rabbati Nr. 6, die einzige Stelle im hebräischratbinischen Schriftthum, an der Thanucka auf die Siege der Makkabäer zurückgeführt wird, war nicht in Kreisen der babyl. Gesetzeslehrer geschöpft. Man hatte im Laufe der Zeiten, vielleicht well man nicht anders konnte״ well es bereits iw Volksleben gar zu tiefe Wurzel geschlagen, mit dem Feste sich befreundet, den Hasmonäern aber konnte man ihren ') Zu dm «ssidSem, wie SrLtz ll S x. 274 vervmHet. wird « nicht ^»rhlt chab«. dmn « tru, dm Spottuamm: ״D« Allel Erlaubend«- Edojoth *. a. 0. Uebertritt zum SadducäiSmuS nimmermehr vergessen. Ci« preisen und verherrlichen wollte und durfte man nicht,; de» in Gnaden aufgenommenen Feste mußte ein and erer GedanU verliehen werden. I Ganz anders die Purim-Feier. An ihrer Grundlage! wurde nicht gerüttelt; ihre Beliebtheit steigerte sich im Lach! der Zeiten immer mehr und mehr. Hatte man früher dar! Esther-Buch verherrlicht lediglich um das hasmonäische Rühmt- Ereigniß zu verdunkeln, so wurde es in spätem Zeiten, als nach der Zerstömng Bethar's die Selbstständigkeit des jüd. Staates für immer zusammengebrochen war und das Volk sei« Heimath verlassen, in fremde Länder und Welttheile wanden mußte, wo es überall auf gehässige Widersacher und Anklä-I ger stieß — sozusagen aus psychologischen Motiven ein Lieblingsbuch des vielangefeindeten nnd verfolgten Volkes. Wat sollte das Aufschauen zu den Makkabäerkämpen und ihr«, mit beispiellosem Heldenmuthe erfochtenen Siegen einem Volk; dessen einzige Waffe stilles Hiden und Dulden, Fasten, Buße und Wehklagen für Jahrhunderte geworden! In der Zastreuung über alle Länder der Erde, gegen die Beschuldig»«- gm welche wider dasselbe erhoben wordm, in den Verfolg»«- gen, denm es sich überall ausgesetzt sah, zu seiner Vertheidigung, wie zu seiner Ermuthigung, hielt es sich an dies» Buche; an seiner Erzählung hat es sich erbaut, seinen Geiß erfrischt und gestärkt zum Ausharren in den nimmer ruhe» den Kämpfen. Das Buch Esther gewann allmählich ein« typischen Charakter.׳ Der Agagite Haman ward zum Ur-I bild aller spätem Judenfeinde. Alle ihre Anklagen gega! dieses Volk, die albemen Erzählungen von seinen angeblich«! ״internationalen* Verbindungm, die es unter seinen Stammet-! genoffm in allen Ländern zum Schaden der Andersgläubig«! unterhalte, seiner ״Exklusivität," seinem engherzigm ״Parti«-! larismus,* seiner ״Staatsgefährlichkeit,* der Absonderlichkeit seiner Religion und seiner Race — erachtete man nicht tnäl Unrecht als bloßes Echo der altm Anklagen Haman's. Hatte! er es doch fast mit denselbm Worten ausgesprochen, HI, S,! wie all seine geistigen Nachfolger bis auf die neueste Zeit! Von Mord, und Esther mtlehnte man die Waffen, um sie gegen! die Hamanitm zu Schwingen. In dem schmählichen Unter-! gange Haman's sah man dm Untergang aller seiner Nachfolg»! Nicht der historische, sondern der typische Charakter! war es, der vas Buch zu solch hoher Gunst gelangm ließ bei! dem Jahrunderte lang gleicher Verkennung und gleichem Haffe! unterworfmen Volke. (Fortsetzung folgt.)! Ebbe» nnd Misr. vergleichend« paläologische Studim von Or. 8. Placzek. (Fortsetzung.) 1 Diese unsere Vermuthung gewinnt an Conststenz durch die Sage von Moscheh, auf welche wir chrer Bedeutsamkeit! wegen später noch zurückkommm werden. Moses (Mesu), ei«! Zeitgenosse Ramses des Zweiten, stand dem Könige von Kusch,! Namens Ayknos, bei im Kampfe gegen dessen aufständische Unterthanm, die dem aus dem Kriege gegen Morgenländ«! heimkehrmdm Könige dm Einzug in die Hauptstadt wehrte»! Der König starb währmd der Belagemng, und das He« wählte Moses zum Anführer. Er eroberte die Stadt. Dal dankbare Volk erhob ihn zum Regmtm und gab ihm die Wittwe des verstorbenen Königzur Frau, welch« ihn-jedoch-j später zu Gunstm ihres Sohnes Muncham vom Throne utü aus dem Laude verdrängte. (§01(. Schim. 68.) j