Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 34. (22.8.1877)
- Date
- 1877-08-22
- Page
- Seite 135 (sequence 3)
- Language
- German
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$ 135 — Fnritb. GeseniuS hält ihn bestimmt für den Nil. D. Huetius und Bochart (Allg. Welthist. I. 121) nehmen ihn für den östlichen Arm des Tigris. Kusch entspräche demnach im ®Opern im südwestlichen Medien oder in dessen Nachbarschaft (Strabo XI, Diod. 17, 111). Damit stimmt wohl Lereschit Rabbah z. St. גיחון זו מדי — Midrasch Neelam zu Wajera hingegen läßt den Pischön durch Aegypten strömen. Gleiches Jalk. Reub. 14b. Nach Tamid 32b findet Alexander der Macedonier in Afrika (Aegypten) eiste Edensquelle. Ewald will im Gichon den Ganges erkennest. G. Ebers verbindet diese Hypothesen zur Anschauung: ״Unter Gihon sei der mit dem Ganges oder Indus verbundene Nil zu verstehen", und bringt Kusch mit dem Gihon dadurch in Einklang, daß er annimmt, die afrikanischen Aethiopen seien mit den asiatischen Aethiopen, von denen Herodot III. 94, VII. 70 spricht, leicht' verwechselt und als ein Volk betrachtet worden. (Aegypten u. d. B. M. 34.) Kusch kann dasselbe wie das griechische cndiotp ״dunkelfarbig" bedeuten, eine Bezeichnung für gebräunte südliche Völkerschaften sein, gleichviel ob in Asten oder in Afrika. Von ihrem Ausgangspunkte mögen die Kuschiten den Namen ihres Stromes mitgenommen und dem Hauptstrome des neuen Wohngebietes als Symbol des Segens, ven er verbreitete, aus Dankbarkeit beigelegt haben, um ihm so den paradiefischen Ursprung zu vindiciren. Führt doch die spätere hochpoetische Legende die Quelle geistigen Heiles und sittlichen Gedeihens gleichfalls auf das Eden zurück: ״Achtundvierzig Tropfen läßt der Edensstrom über die Welt sich ergießen. Der Geist der Weisheit, der Geist der Propethie wallt in diesen Tropfen. Kein Weiser, kein Prophet, der nicht aus diesen Tropfen den paradiesischen Geist sich geholt. Auch die höhere Weisheit in Mizrajim stammt von den EdeNStropfen. Mit Israel zoden diese zugleich hinweg, und es schwand die Weisheit Mizrajims." (Jalkut Chad. 56, a n. b.) Wie auch die Ansichten über Kusch auseinandergehen mögen, so ist cs nach der Vülkervertheilung und besonders in der historischen Zeit zunächst in Afrika, als ein Theil oder südlicher Nachbar Aegyptens zu suchen. Und will man schon die Kuschiten Ara- Kiens hinzurechnen, dann denke man an den fortwährenden Contact der verwandten Stämme an beiden Seiten des arabischen Meerbusens. Der Talmud scheint so ziemlich ganz Afrika als Kusch aufzufassen, wenn es Pessachim 94a Hyperbolisch heißt: ״Mizrajim ist der 60. Theil von Kusch." Jalk. Sim. zu Psalm 105 subsummirt wiederum Kisch unter Cham (Aegypten): ״Gott schlug die Erstgebornen Mizrajims, wo immer sie wohnten; auch die Erstgebornen von Cham, Kusch, Put und Lus." In der Bibel wird Kusch noch erwähnt: Num. 12, 1., 2. Könige 19, 9., Jesaias 18, 1., 20, 3. 4., 37, 9.. 43, 3., 45. 14. Jerem. 13, 23.. 38, 7. 10., 46. 9., Ezechiel 30, 4. 5. 9., Amos 9, 7., Habak. 3, 7., Zephanja I, 1., 3, 10., 2. Chron. 14, 8., 11, 12., 21, 16., Ps. 7,1., 68, 32., 87, 4., Hijop 28, 19., Daniel 11, 43. Die Siebziger übersetzen es bloß Genesis 10, 6, 7, 9. Xoüs sonst mit Aifr-W;, A't&m-i*. Nach Josephus (Ant. I. 6) nannten sich die Aegypker selber Kousaioi. Gcsenius erklärt es aus dem Syrischen (״sammeln, häufen", also ,zusammengelaufenes Volk" oder ״Volksgemisch", was heute noch das geographisch ihm entsprechende Habesch im Arabischen bedeutet) und erblickt darin das afrikanische Aethiopien, entgegen der Ansicht Bochart's (Phaleg. I V 2), der das südliche Arabien, und Michaelis (Spicil. I. 143) auch Vater, Comm. I. 114, der beides darunter verstehen will. Herodot 7, 70 kennt zweierlei Aethioper. Niebuhr, Beschr. 284, weist Beni Chusi in Jemen nach. Die Einwohner von Habesch leiten selbst ihren Ursprung aus Arabien her und neunen sich Geez, ״ein über's Meer gekommenes Volk". Vgl. Ludolf, bist. Aethiop. I. 1; Eichhorn, Pr. Verosimilia de Cuchäis 177; Witter, bibl. Real» I, 146, 178, 179. Hallen wir den Namen Kusch ״Volksgemisch" oder ״Sammelvolk" mit den Bezeichnungen ערב רב oder אספסויש Num. II, 4 schon dem Wortsinne und mehr noch der Deutung nach zusammen: ״das Erew-raw bestand nicht aus Aegyptern, sondern aus andern Stämmen, die in Mizrajim lebten (Jalk. CH. 54, 22) — so wäre die Annahme nicht ferneliegend, daß Kuschiten sich wahrscheinlich als sklavisch de» handelte Volksklasse den ausziehenden JSrae» liten angeschlossen. (Forts, folgt.) Literaturbericht.! Receafiouen. j Kaufe, A. Die Aufnahme. Eine Erzählung aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts. Preis 3V, Mark. Eisenach. Im Selbstverläge des Verfassers. In Commission bei I. Kaufmann, Frankfurt a. M. 1877. Wenn in den Zeiten der Verfolgung und Unterdrückung es keiner Beweise bedurfte, um den Geist der israelitischen Glaubensgenossenschaft von der Hinneigung zu der Religion ihrer Verfolger fernzuhalten und die Grundlosigkeit der grausam sich bethätigenden Weltverbefferei und Alleinseligmacherei nachzuweisen, am allerwenigsten aber bewiesen zu werden brauchte, daß das Christenthum aus dem jüv. Kanon keine Stütze für spezifische Dogmatik holen könne, so ist eS doch in unseren Zeiten anders geworden. Aus den Verfolgern sind wohlwollende Mitmenschen geworden, die sich früher trennten und mieden, verkehren häufig, die religiösen Sitten und Gedanken stellen sich friediich gegenüber und fordern zum geistigen Wettkampfe auf, und was man dem Verfolger als Haß nicht widerlegte, das muß man dem Freunde und guten Bekannten mit Beweisen zu entkräften verstehen, dem Verächter gab man Hohn zur Antwort,, dem Zwingherrn schweigende- Dulden, dem freundlichen Frager aber will man die Wahrheit in siegreicher Gewalt und in holder Anmuth entgegenstelle». Und weil daS nicht Jedem, ja den Wenigsten gelingt, darum hat das Christenthum viele unter uns verlege», stutzig und mit gelehrter Sprache schwankend gemacht, man bleibt zwar dem Judenthume treu, aber mit einer unklaren instinktiven Anhänglichkeit, die Form und Jdeeninhalt des JudenthumS gedankenlos opfert. Je mehr nun die jüdische Eigenrhümlichkeit, die Gunst Fremder, die Anerkennung von Nichtisraelite« zu erwerben, durch die glanzvolle Würde, welche die Umgebung entfaltet, genährt wurde, desto mehr fühlte man das Jsolirend« des Judenthums, und um nicht aufzufallen und mißverstanden zu werden, um seinen Philantropismus und Patriotismus recht unzweideutig zur Anerkennung zu bringen, gab und giebt man bewußt und unbewußt dem Religionsleben des Christenthums Raum im Denken und Handeln und so ist auf einmal heute trotz seiner eigenen inner» Zerklüftung dachristliche Denken ein endemisches llebel unserer Glaudensgenossenschaft geworden, das Familien entzweiet, die Ehen verflacht und die israelitische Jugend vergiftet. Die Rollen haben gewechselt. Jüdische Kritik zersetzt das Christenthum, christliche Gunst vergiftet das Judenthum. Kein Wunder, wenn die edleren Geister der Israeliten dem Weilerumsichgreisen des Verderbens Halt zu gebieten suchen. Mit gelehrten Werken aber ist die Kur erfolglos, der verwöhnte Patient findet die Medizin zu bitter, oder er verschmäht den Trank, der als Medizin sich anempfiehlt, denn der Kranke glaubt nicht, daß er krank ist. Daher ist es zu erklären, wenn sich in unserer jüdischen Novellistik ein neues Genre entwickelt. Das Volt liebt Erzählungen, unsere Jetztzeit will Novellen und Romane lesen, es will lernmsi aber im Genießen, es will gelenkt sein, aber indem es gerührt wird. Darum hat die jüdische Novellistik es übernommen^ die Abwehr des Christenthums mit ihrer anmuthigen BerüN» samkeit siegreich durchzusühren, eine religiöse Novellistik, die geradezu das Christenthum scharf prüft und es von den verschiedensten Seiten so beleuchtet, daß die blödesten Augen sehen muffen. Die Palme gebührt unter diesen Erzähkömgen de» clasfischen Werke Herzberg's jüdische Familienpapiere"; recht werthvoll ist ״Haus und Kloster". Einen eigenen Reiz miß