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Das jüdische Literaturblatt · 1877-08-22 · N° 34. (22.8.1877) · p. Seite 134

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 34. (22.8.1877)
Date
1877-08-22
Page
Seite 134 (sequence 2)
Language
German
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nenmgen an die Syrerkriege abzuschwLchen, die Erfolge zu verkleinern, da- Andenken, wenn nicht ganz aus dem Herzen des Volker zuverlöschen, so doch seinen Zauber wirkungSloS zu machen. Die Hellenisten mit ihren antinationalen und unreligiösen Bestrebungen waren verschwunden, die konnten nicht mehr gefährlich sein. Wer der Urheber und Vers, des Buches Esther, wer der Erzähler jener Wunderbegebenheit gewesen — war auch nicht mehr zu ermitteln. Sein antihaSmonäischer Charakter jedoch war offenkundig; den mochte Jeder aus den ersten Bück herausfühlen. Den Schriftgelehrten war es grade deswegen willlommen, und sie bemächtigten sich auch bald des Buches als einer Waffe gegen daS sadducäisch gewordene HaSmonäerthum. Nun hatten sie ein Ereigniß, daS dem makkabäischen würdig gegenübergestellt, auf die Herzen des Volkes eine größere Wirkung noch erzielen konnte: eine Errettung Israels aus der Noth nicht durch Menschenkraft und Menschenklugheil, nicht durch Schwert und Lanze, sondern durch die göttliche Vorsehung allein. Gegen die Deklamationen der Zaddukim, daß Gottvertrauen und strenge Hebung der.MigionSvorschriften allein nicht hätten ausreichen können, die Unabhängigkeit des jüd. Staates zu erkämpfen, reiche jetzt auch nicht hin, sie zu erhallen, konnten sie mit dem Mordechai--Ereig»ß antworten, das deutlich zeigt, wie auch ohne Kriegsmacht das Wohl und Schicksal des jüd. Volles geschützt werde. Es kam ihnen gut, auf Mord. Hinweisen zu können, der, ein Nachkomme des Eaul'schen Königshauses, nicht «ach dem Königthum trachtete und lieber dem Heidenfürsten diente, als das Erbe Davids wider GotteS Bestimmung an sich zu reißen. In solcher Absicht, zu solchem Zwecke wurden Abschriften des Buches im Volle perbreitet. Hienach gewinnt die Nachricht Bab. Bathr. '14, daß die Männner der Ecct. magna. Esther ,geschrieben" כתבו eine hist. Bedeutung.') So war auch den Schriftgelehrten und Peruschim Morhecha — was er früher den Hellenisten gewesen — ein Antimakkabi, die Purim-Feier ein Antichanucka. Sie haben den Zweck, daS hasmonäische Ruhmsereigniß zu überstrahlen «nd zu verdunkeln. So und so allein erklärt sich die Aufnahme des Buches E. in den Kanon, während von den glorreichen makabäischen Kriegen keine Schrift in der kanonischen Literatur sich erhalten hat, so allein erklärt sich die räthselhafte Erscheinung, daß in der Mischnä und der ältestrabbinischen Literatur kein Wort über das Makkabäerereigniß und das Wechfest vorkommt, während l dem Purim-Fest und seiner Veranlaffung ein ganzer Traktat gewidmet ist und das Buch E. allerlei Zusätze und Versionen erhalten hat. Daher auch die Bevorzugung des Purim und die Hintenansetz- «ng deS CHanucka in der ceremoniellen Verherrlichung, stir die die spätem Rabbiner keine Erklärung fanden. Vgl. Or. Eh. c. 670. Ture Sohow Note 3. Offenbar wollte mau da- Weihfest gradezu verdrängen, jene Ereigniff« aus den Erinnerungen verwischen, die zur Verherrlichungdes sadducäischen Herrscherhauses dienen, und dem pharisäischen Anhang im Volke zu schaden vermöchte. — Die Probe einer Rechenexempels ist die Umkehrung; hier ist es die wichtige Frage: welche Stellung haben die Hasnw! näer der von den gegnerischen Parteien eingeführten und protegirten Purimfeier gegenüber eingenommen? Verhielt es sich!mit der Entstehung des Esther-Buches unserer Auseinandersetzung entsprechend, können sie Buch und Fest nicht oh« > starke Opposition acceptirt haben. Ist es auch wahr, daß die Peruschim d. h. die Schriftgelehrten auf dem religiösen Gebiete eine große Herrschaft übten, und das ganze Volk ihre, Entscheidungen sich ohne Weiteres zu unterwerfen pflegten; um so weniger dursten die Sadducäer das gegnerische Majnöver schweigend hinnehmen und anerkennen.! Ueber diesen Punkt Klarheit zu gewinnen, wäre für die wissenschaftliche Kntik von entscheidender Bedeutung, dürfte aber unter andern Verhältniffen kaum gehofft werden. Die Sadducäerschristen, deren der Talmud erwähnt, Synhedr. 100b, und die uns hierüber belehren könnten, sind verloren gegangen. Das Lesen derselben war den gesetztreuen Juden bei Verlust des Jenseits untersagt, sie auch nur ins Haus z, nehmen, hielt man für sündhaft'): das mußte schließlich de« Untergang dieses ganzen jüd. Literatur-Zweiges herbeiführeu Was wir von den Zaddukim wiffen, ist blos was ihre Gegner uns mitzutheilen für zweckmäßig erachteten; das ist nicht viel und läßt sich noch weniger controlliren. Ueber die uns interessirende Frage ist aber selbst den uncontrollirbaren Quellen der talm. und rabb. Literatur nichts zu entnehmen. (Forts, f.) Ebher nnd Mifr. Bergleichende palüologische Studien von Dr. B. Placz'ek. (Fortsetzung.) ,Die Söhne Cham's׳. Kusch, Mizrajim,Put und Kanaan." 1. Kusch, כוש Um das Gebiet der Kuschiten geographisch zu beg ranzen, müffen wir auf Genesis 2, 13 zurückgreifen, wo .von dem Strome Gichon die Rede ist, der umfluthet das ganze Land Kusch. Das Eden der Vergangenheit mit seinem vierfach sich abzweigenden Hauptsirome aussinden und territorial bestimmen $u wollen, mag keine geringere Schwierigkeiten bieten, als das Eden der Zukunft. Lasten sich auch die einzelnen Ströme und die von ihnen durchflutheten Ländercomplexe kühnlich angeben, so wird doch die Bestimmung des Mittel- und Knotenpunstes eine bare Unmöglichkeit bleiben. Sind ja selbst die Talmudweisen darüber uneinig, wohin sie das Eden versetzen sollen (Toflephot Bechorot 55b). Begnügen wir uns in vorsiegendem Falle mit den auf die einzelnen Flußgebiete sich beziehenden Conjecturen. Misten wir, welcher Strom dem Gichon entsvrechen kann, so werden wir auch eine Muthmaßung für die Niederlastung von Kusch gewinnen. Der Gichon, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Quelle im Weiten von Jerusalem (I. Kön. 1, 33; 1l. Chron. 32, 30. 33, 40.) einer der vier Paradiesesströme, nach Kalmed und Reland (Distert. Misc. I. 2): der Araxes, welcher noch heute von den Perfern Dsokätmn genannt wird, eine Ansicht, der sich Brugsch anschließt; nach der Septuaginta, die שיחור, Jer. 2, 18, (Nil) mit rrjiv übertragen, eine Annahme, die auch von Josephus (Ant.1. 1, P. 3) getheilt wi,d, bedeutet er den Nil. Sirach 24, 37 steht Gichon für Nil. Auch im späteren Koptisch heißt er Keün- Die koptische Bibelübersetzung. die, nebenbei bemerkt, verbotsmns mit der Septuaginta übereinzustimmen pflegt, und von welcher ersteren man vergebens einen Aufschluß erwartet, wenn man ihn nicht in der letzteren gefunden, setzt GeSn für Gichon. Altere Reisendi wie Fr. Alvarez (1520) erzählen, daß der obere Nil Gihon genannt ') Ltzl. NuisührlicheS darüber Bloch, Studien p. 12b ff. -) Bloch, Studien p. 68 ff., 149 f.

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