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Das jüdische Literaturblatt · 1877-07-25 · N° 30. (25.7.1877) · p. Seite 118

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 30. (25.7.1877)
Date
1877-07-25
Page
Seite 118 (sequence 2)
Language
German
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druck hat tun jetteä Edikt zur Ausrottung der Juden,! ״Knaden wie Srejse, Kinder und Frauen an einem Tage" in Jerusalem, in Judäa hervorgerufen? Ein Mann frommer' Sinnesart, wie Mordechai, wäre nach einem solchen Ereigniß, «ach der wunderbaren Errettung aus solchen Gefahren, nach Jerusalem gezogenum dem Herrn, für ״seine wunderbare Hilfe Lankopfer darzubringen. Der fl^rf. schweigt vonalldem!,er wollte offenbar die AuSrrlesenheii Jerusalem's nicht betonen. Der Leser sollte sich vielmehr denken, daß auch aus der Gedankenwelt M's und E's. die Heiligkeit der Gottesstadt geschwunden war. Darum «zählt der Vers, von seinen Heldm auch nicht eine einzige Handlung, die von echt theokratifchen JdeLn getragen! wäre. Das einzige rel. Moment, die Verweigerung der Adoration Haman'S, worin unser Verf. so hart an Daniel c. III anklingt, zeigt gleichzeitig eine bedeutsame Abweichung von der Danielschen Erzählung, indem für die B i l d s L u l e, der die Geuoffen Daniel'- Anbetung verweigerten, eine Person getreten. Mau vergleiche die frommen und selbstbewußten Worte, welche der mattabäische Verf. die Genoffen des Daniel, 3,14, zu» König rsdm läßt, mit der eisigkalten, matten undunklaren Darstellung d« ähnlichen Scene» in Esther 3, 2—6, und man wird erkennen, in welcher Verlegenheit unser Verf. gewesen. Und" es qmr kein recht geschickter Kunstgriff, die Aenderuug, die er vorgenommen.') Erklärlich, daß der Verf, das nicht als für dm Juden unzuläffig hatte erklärm «ollen, waS bei dm »eist» Griechenfreunden Mode und Sitte gewesen. IX. Wie Ldonai und Jerusalem, so hat auch das Prophetenthum in dieser Schrift kein» Platz gefunden. Wokein Rahmen war für die HeokratischenJdeen und Principien, konnten i h r e T r ä g e r noch viel weniger geduldet werden. Wie wäre sonst die Erscheinung zu erklärm? Alle dieuns bekanntm hervorragendm Männer der exilischm Zeit — mit keiner Silbe erwähnt der Verf. ihrer und ihrer Thätigkeit bei dem Haman-Ereigniß. In der durch dm Agagiten Hergufbefchworenen Roch des Volkes, in jmer höchst» nationalen Gefahr, die über dm Judm schwebte, da ,in allen 2anb»; wohin das Edikt d«S Königs und sei» Befehl gelangte, große Trauer, Fast», Weinen und Wehklagen herrschte," (4, 3) — wo waren da die exilischm Propheten, die hell. Redner und Gottesmänner, die sonst immer bei jedem öffenllichm Sreiguiß ermunternd und berachend dm gedrückt» Gemüther» zur Seite gestand»! WM man die Historicität der Schrift nicht von vomherein ausschließm, so kann je^e Erscheinung nur in der Weise erklärt werdm,. daß dek Berf. die Erwähnung jener Männer gefliffenüich mied, mit derm Principim und Wirksamkeit -der Hellmismus im offenen Gegensatz und Kampf sich befundm hat.! ') Warum M. dem Haman \mt Ehrenbezeugung ixmxigett,{ ist nicht klar; dar rel. <s«sctz »erbietet dem Jude» blos da- Niederf allen «or einer Bildsäule, nur da» ist Götzendienst. Di« alten Rabbiner, las» fen daher Haman «in Götzenbild auf sein« Kleider an Stell« de»!Herzenl befestigen, so daß. »er sich vor Haman niederwarf, die« zußleich »or Götzen that. Lgl. auch Raschi zur Steile. Di« übermäßig« Scru- »ulosttüt ».'« bezeichnet Reggio in seine« Prolegomenon p. 9 als סעד. בהתחסדות• Der Berf. nwtimt W* * Weigerung mit: ״w«u «r Zehüdi war." Wahrscheinlich meint er, dah der nationale Stvst R. da« Riederfallrnvor ein«» Lmalekiten verboten, oder aber der Berf. war «er da« heb». Gesetz i» Unkenntniß, wa« ebenfall« nicht unmöglich scheint. Diese Mommte, welche die eigmtlich charakieristisj» des ganzm Buches sind, laffm es denn auch außer Zwei» daß wir in Esther, ein Produtt hellenistischen Geistes 1aJ hellenistischer Feder vor uns haben. I Um so auffallender, daß der scharfblickende Grätz,') tJ serertr Buche — gleich Daniel — eine makkabäische Tende» zuschreiben konnte: ״das ganze Volk zum muthigen Ausharre» und zum Kampf zu begeistern." Esther und Daniel warm «J faßt und unter die lesekundigen Judäer verbreitet wordqi um ״Begeisterung für das eigme Volksthum und zähes Fe« halten an demselben in den Gemüthern zu erweckm und » erhalten." Gegen diese Annahme spricht schon der durch«» ' unprophetische Geist und der Mangel jeder religiösm Wärmu der im Buche herrscht, es von Anfang bis zu Ende durchzichll Auch das ganze Verhalten der Helden der Erzählm» dem Heidenkönig gegenüber ist in allen Beziehungen unmakk^ bäisch. Die Hosmonäer, die mit auswärtigen Feinden des Syrerkönigs Verbindungen anzuknüpfm suchten,') um auf da Trümmern des Reiches die Selbstständigkeit Judäa'S zu a> laugen, konntm für M., der dem Heidenkönig, welcher Judöl die Selbstständigkeit vorenthielt, das Leben gerettet, keine b» sonders warme Sympathie hegen.') Für eine E., die dem Li> nig in daS Schlafgemach folgt, und nicht wie Judith gega Holofernes handeft, die sogar ihre Abstammung verheimlichthattm sie noch viel wmiger Begeisterung. Ihren kühnm A» sichten war es auch nicht gemäß, daß die Judäer nach Bekanntwerden des Ausrottungsedikts nicht sofort, ohne erst die Erlaubniß des Tyrannen abzuwartm, zu den Waffen gegriffa haben. Ja das Lob, welches dem M. nachgesagt wird : 10,) ודבר שלום לכל זרעו sowie die Erzählung von seinem Brich an sämmlliche Stammesgmoffm, mthaltmd ״Worte der Wahrhell und des Friedms", 9,30,— sollte offenbar den Gegens atz,!hervorheben zu den hasmonäischen Bestrebung«». Die Handlungsweise der Heldm dieser Erzählung zeigt sich nach allm Seitm als nicht-hasmonäisch, nicht so, daß ei» von hasmonäischm Tmdmzen nnd Anschauung» beeinflußter Schriftsteller der Verf. sein könnte. Ein solcher hätte i» Mi lieber dm Anführer einer kleinen todeSmuthigen Schaar gesehm, die, voll großen Sinnes einem großen Ziele, der Befreiung der Judäer, zustrebend, die herrlichstm Siege über alle Heere des Perserkönigs davongetragen. Ein solcher hätte auch Jerusalem unddmTempel nicht so todtgeschwiegen. fF.s.) Ebher und MiSr. Ler,leicheude Paläologische Studien von Dr. Placzek in Brünn. (Schluß.*) Wir wählten die ethnische Bezeichnung Misr, obgleich H. B rüg sch ״Ilistoire d’Egypte, II. Ed. f*. I. p. 11 ff.“ bemerkt: ״Malgr6 Iss efforts, qu’on a faits pour expliquer l’origine 6gjptienne des noms ״Mizrajim“ (d'oii l'arabe Misr, au sigulier) chez les H6breux, Muaar et Mo* draya dans les cun6iformes etc. pour l’Egypte, aucu» *) a. a. O. p. 332. '» L Ra». 17. Bgl. Grötz, Sefch. Ul p. II. und Rote 8. *) Instruktiv ist folgend« Stell« de« Ialtut 1053: ,לסד סרדכי לומר למלך אץ כתיב בתורה לא תכרות ברית ליושבי הארץ? שלא יאמרו. כל ימים שהי' נשוי נדה הי׳ שמור עכשיו שנשא בת ישראל פת•*׳ *) In vor. Rr. muß e« heißen: S. 114. Z. 8 v. u. oder Le> gend«. V. 115, Z. 7 v. ». Werthanfatze.

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