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Das jüdische Literaturblatt · 1877-07-25 · N° 30. (25.7.1877) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 30. (25.7.1877)
Date
1877-07-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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י r׳ VI• Jahrgang. Zur Beleuchtung ailcr; thu« u. Juden detreffrnliri tecarischen Erscheinung«» de« Gebiete derPhilolopi i« schichte, Ethnographie, Eh« 1i< Brirntali», Exegese. f jMurgik, pädagigit». Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. Magdeburg, 2S. Juli 1877. Dächer der rinschtügigen Literatur, weiche »er ««&. de« ״ISd. ] fiUraturblatt" in Magdeburg . («der der ^,raet. «achenschr.- * in Stettin) pigesandt werde«», finden in diesem Platte eingehende Besprechung. Das ״Iüd. Literatur! durch alle Buchhandlung bürg. — Inserat« werden ׳ jährlich de» allen Postanstaltes» att" erscheint wöchentlich einmal; Preis pro Jahrgang 6 Mark, mit frankirter Zusendung: 8 Vtark., Zu bezeehen n (in Leipzig durch Robert Friese), oder.direkt bei der Expedition der ״Israelitischen Wochenschrift?' in Wagd«» 't 20 Ps. für die dreiaespaliene Petitzeile berechnet. — Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift" (die viertel» und Buchhandlungen 2 Mark SO Pf. lostet) erhalten da- ,jüdische Literaturblatt" gratis. 1 rit Literarische Abhandlu Charakter des Buches Es Ebher und RiSr, Berglei h> Literarisch« Notizen von Literaturbericht: Leipzig. Entgegnung. Inhalt. «gen: Der hellenistische Ursprung und her. (Forts.) Von vr. I. S. Bloch, hend« paläologische Studien v. Dr. Piaczek. l)r. L. Lewysohn. Der hellenistische des Bu Bon Or.? Ursprung und Charakter ehes Esther. S. Bloch, Rabbiner. ( Fortsetzung.) Hierzu kommen folgende charakteristischen Momente, die beschtenswerth sind. Das schöne Lob, welches Gott dem Abrahm «rthellt, ist: ״ich liebe ihn, denn einschärfen wird er seinen Söhnen und Hausleuter Honai's", Gen. 18,19 nach ihm, zu wandeln den Weg Aber als Esther an den Hof des Heihenfürsten genommen wirr, unterläßtMordechai auch die ge-׳ ringst« Ermahnung an st«, dem Gotte Adonai treu zu bleiben, von den Reizen des Heider thums sich nicht verlocken und verleitm zu lassen. Als ferier das Ausrottungsedikt erscheint, zerreißt Mordechai wohl ft me Kleider, schreit bitter und wehklagt «ls den Straßen (4, ),) doch unterläßt er Eines: das Betat zu Adonai, daß er s inem Volke beistehe, und die Gefahr «bwende. Der Berk, b richtet allerdings auch von Fasten, 4,3, was offenbar Buße sein soll. Nur vom Gebet spricht Lerf. nicht, wohl weil er dann hätte berichten müssen, zu wem gebetet worden,!!)er Gott Adonai mußte aber vor Allem in dieser Erzählun \ nicht figuriren, scheint in den Rah- «en nicht hinein zu paff n. Warum? . . . Ebenso unterließ Mordechai, nachdem die Aefahr beseitigt war, jegliches Dankgebet an Gott; selbst in den Briefen an die Stammesgenossm in, pers. Reiche, wel he er zur Feier des Purimfestes er- «ahnt, erwähnt er mit keiner Silbe, daß man auch dem Adonai Israels für die wunderbare Errettung Dankgebete dnstimmen sollte. . Angenommen auch, daß man schoifi in jmer Zeit mit Erwähnung des GotteSnanens sehr rigqroS umging — bleibt das Räthsel immer no<) ungelöst, wenn man annimmt, der Vers, wollte ein historis hes Ereigniß der Nachwelt überliefern. Grad« historische £!chriften galten bei den Hebräern von je als die heiligsten.') Nach der Thora nehmen sie im Kanon den ersten Platz ein, in der talmudischen Literatur werden sie ') Bergt. Bloch, Studien;«» Gesch. der althebr. Literatur 1378 p. 30 ff. oft geradezu mit ״Thora" bezeichnet') und während über die Kanonicität mancher prophetische« Schrift im Lehrhaus gestritten wurde, waren die hist. Bücher in ihrer Heiligkeit nie angefochten?) Das kommt daher, weil bei den Hebräern blös die Propheten Geschichtschreiber waren und sein durften. Me Aufgabe des Chronographen war es auch weniger, dem Bolle Geschichten zu erzählen, sondern ihm mittels der hist. Thatsachen zu Bewußtsein zu bringen, daß es »nter besonderer Leitung und Obhut Gottes stehe, daß sein Mißgeschick und seine Unglücksfälle Folgen und Strafen sind für das Ablenken und Abwenden vom Wege Abonai's, und daß das Gedeihen und Einporblühen der Völker, das Wohlergehen der Menschen ab-' hängig sei vor Allem von ihrem sittlichen Verhalten.') Darum ist auch die Geschichte eine ״Thora" im eminentesten Sinne. — Das ängstliche Vermeiden jeder Hindeutung'auf Adonai ist also alles anders eher, als der Ausdruck einer hüligen Scheu und ehrfurchtsvollen Zurückhaltung. Wir sehen darin vielmehr dm Versuchs den neu aufgekommmm antitheokratischen Geist des Hellenismus in die autoritattve Bergangmheit hineinzntragm. VIII. Auch von den Helden der Erzählung, so patriottsch ihr Handeln und Auftreten, mit so vieler Liebe für ihr Voll sie geschildert sind, werden gar keine religiösen Züge erwähnt. Sie sind ganz im hellenistischen Geiste gehalten. Ich habe manches Merkwürdige bereits erwähnt und will einzelnes n«h hinzufügen. Jerusalem, die heil. Gottesstadt, Strebziel und Sehnsucht der Herzen aller Judäer zu allm Zeitm — nicht einmal der Name wird erwähnt im Buche Esther, wcker im politischen noch im religiösen Sinne. Jerusalem »var auch dem medisch-persischen Reiche unterworfen, Palästina gehörte mit zu den 127 Provinzen des Reiches: welchm Ein- -) Peff 92 a; 3«6. 7 a. ') Bloch a. a. ß. p. 32. 1 •) Bgl. Bloch, ״Die Salbung David's" in diesem Lit--Blatt <1877 Nr. 2 und 3). Wo der hebr. Chronograph von einem Abfall zu erzith. len hat. erzählt er sofort auch die Katastrophe, die daraus ersolgt war, mögen nun zwischen »ergehen und Ahndung größere oder kleinere geift^ räume und Sreigniffe liegen. Die Zwischenereigniffe holt, er g««Hni>!ich dann später nach. An der richtigen chronologischen Lufeinandafolge der Begebenheiten, an dem blos äußerlichen, Zusammenhang bft hist. Thatsachrn liegt ihm weniger, ihm ist es blos darum zu thu«, überall den inner» Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung, Bergehen uns Strafe aufzudecken. Am kl«rsten zeigt sich die« 1. Sam. e. 16 0.17.

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