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Das jüdische Literaturblatt · 1877-07-18 · N° 29. (18.7.1877) · p. Seite 114

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 29. (18.7.1877)
Date
1877-07-18
Page
Seite 114 (sequence 2)
Language
German
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vergegenwärtigen wir uns blos die charakteristischen Hauptmotnente der Schrift: I. Hordechai, ein Angehöriger des Stammest Benjamin, erfährt vgn einer einen"Mordanschlag gegen den HeidenkS»ig fiuneuden Verschwörung, und erläßt den Verschworenen nicht etwa gewähren, well der büwohte Heidenkönig Judäa unterjochte; in treuer Anhänglichkeit an dem Fürste«, giebt er ihm von der Gefahr Nachricht und warnt ihn. Diese Treue erweist sich nachher folgenreich und segenbringend für das ganz« jüdt Volk. II. Die Judäer befinden fich unter heidnischer Herrschast, durch treues Verhalten jedoch, durch innige- Anschließat an die herrschend« Königsfamilie bringen sie eS zu einer solch hochgeachteten sichern Stellung unter den Völkern des Reiches, daß Viele zum Judenthum übertreten.'' N III. Sitte jüd. Tochter bringt es zur höchsten Stufe des Glückes Md der Macht, wird Königin, ein Spr-ßling des Hcmses Säuk heirathek den heidn. König, weigert?sich nicht, ihm, dem Ünbeschnittenen, zu Wllen zu sein, und ist dadurch in der Lage, in Zeiten der Noch ihr Volk aus Gefahren zu erlösen. IV. Ein königl. Edikt znr Ausrottung der Juden erschien und verursachte Trauer und Bestürzung in aillen Städtat des Reiches; ober dieses Edikt war, wie der Vers, ausführlich darlegt, dem König von einem böswillige« Rathgeber, der von Amalek abstammte, für Geld abgelockt worden- Hier zeigte! fich der Nutzen der jüdischen Großen am königl- Hofe. Sie, an ihrer Spitze die Königin, stürzten den Günstling Md ״der böse Anschlag, den er wider die Judäer gehegt, kam auf sein Haupt zurück und man hängt« ihn und seine Söhne an he« Galgen." 9,25. V. Mordechai der ״Jude" wird Vezier und Günstling desSroßköujgS, er war jedoch trotzdem hochgeachtet6« ben Judäern Md förderte da- Hell seiner Volkes. Hochbedeutsam wird in seine» Lobe hervorgehoben, daß er Men, zu Frieden zitredete Md sie ermahnte, 10,3. Desgleichen hatte er Briefe an seine Stammesgenoffen gesandt, enthaltend ״Worte der Wahrheit und des Friedens." 9,30. '! VI. Der Vers, berichtet, daß Esther ihre jüd. Mstamtnung vor dem Könige, dem Hofe jahrelang verborgen hätte. Eine solche HaitdlungSweise, die VerleltgMng ihres Stammes und ihrer Religion, ist sittlich nicht makellos, jedenfalls recht auffallend. Der Vers, hebt ober diesen Umstand zweimal und -mit einem gewissen Nachdruck hervor II,10 ״ und 20 und erzählt j^iermal, daß sie dies mit Einwilligung Mord^- chaS verheimlicht«. Offenbar ist auch dieses nicht absichtslos. Vielmehr sollte das ähnliche Verhallen der Hellenisten mit Hinweis auf die fromme Esther entschuldigt werden.' Sie handelte in der Thal ganz anders ÄS es z. B. dem Gefchmacke und dem Beifall des makkabäischen VerfS des Buches Daniel entspräche. Bon Daniel und seinen Genoffen' wird hervorgehoben: ״daß siesich nicht verunreinigt hatten an den Speisen d«S Königs und an den Weinen, die dieser trank," — Hier dagegen, von der ftommen Esther, wird nachdrücklich erwähnt, daß sie ihre jüd. Abkunft verleugnet« und verheimlichte.') ') Urb« di« Speisen di« 9. gegessen, herrscht unter den Talmudisie» Sontervers«^ Mcgil« 12 », der Berfunseres Buches jedoch läßt ge an d« kSnitzl. Lasel Theil nehmen. Dagegen maachal Jehudim stimmt. nicht zur Lerheimllchung ihr« Religion. - VH. Was aber am meisten charakteristisch für uns« Buch, ist, daß der Name des von den Hebräern angebetete, einig einzigen Adonai, an dessen Stelle die Grieche,!- schwärmer allerdings gar oft den hellenischen Zeus gesetzt haben, nicht ein einziges mal erwähnt wird, als ob der Vers sich scheute, ein Wott anzuführen, das nothweneig an die verwundbarsten Stellen derer erinnern müßte, deren Vertheidigung zu führen er unternommen. In der That, ist es nicht räthselhaft, und wo gäbe e» sonst dafür eine genügende Erklärung, daß in einem bibli' lischen Buche die ErwähnungGott es so geflissentlich vermieden wird? Baumgarten') und Herzfeld') wollen den Umstand daraus erklären, daß M. als Großoezier und E. als König« ihre jüd. Abkunft nicht minder wie ihre Religion hätten verheimlichen müssen und sich in einer von ihnen verfaßten, iw pers. Reiche zu verbreitenden Schrift nicht verrathen wollten. Dieser Annahme widerspricht 8,1 und die Erzählung, der zufolge nach Vereitlung der Anschläge des Agagiten — M. und E. als Juden augetreten sind. Nach 9,3 haben alle Sattapen Md Pascha's, ״die Juden erhoben, weil die Furcht vor M. über sie gefallen war." Auch setzt jene Annahme die Abfassung unseres Buch-- durch M. voraus — wogegen eben Alles streitet. Der Bemerkung Hävernick's,') daß der Vers, damit die Gottverlassenheit seiner Zeit charallerisiren wollte, widerspricht dsts Verfahren der andern exll- und nachexllischen Schriftstellsr. Schon Luther war bekanntlich deswegen dem Buche sehr feindlich gesinnt, auch Zunz sieht darin ״ein merkwürdiges Denkmal unprophetischen Geistes." Die Erscheinung harret jedoch immer noch einer befriedigenden Erklärung. Offenbar waltet hier eine Tendenz. Herzfeld wies auf 4,14 hin, allein viel deutlicher noch zeigen die Verse 3, 2. 3. 4. wie der Vers. Gewalt sich anthut, nur nicht Adonai, dem allein des: Jude Adoration gewähren darf, zu erwähnen. Auch 3,8 hätte er nach der Redeweise jener Zeit schreiben müssen ,Ihr Adonai ist anders als die andern Götter," ״oder zu bei: ne» Göttern beten sie nicht," vgl. Daniel 3,12 ff. Was er dafür gefetzt, ist durchaus ungenügend und erklärt sich blos daraus, daß er den Namen Adonai's absolut vermeiden wollte. (Fortsetzung folgt) Ebher und Misr. Vergleichende -aläologische Studien von I)r. Placzek in Bnlnn. (Fortsetzung.) Wir wollen hier sogleich noch die Ansicht accentuiren: Nicht in der monumentalen oder schriftlichen Festhaltung dürfett!vir das Geburtsattest einer Sage eben so wenig wie eines Volksliedes erblicken; denn nicht die Zeit, in der eine Mythe der Legende graphisch fixirt ward, ist jemals als die ihrer Entstehung anzusehen, sie ist vielmehr ihrem eigentlichen Kerne nach nicht selten Jahrhunderte zurück zu versetzen, wenn auch die Zeit wann, und und der Ott wo man'die Myche niedergeschrieben, auf Formulirung, Schmuck und Beiwert bestimmenden Einfluß übten. Goldziher (S. 34 u. 35) gibt dieser Ansicht in Bezug aus den althebräischen Mythos theilweise zuttessenden Ausdruck: ״Vieles davon ist in der dem *) Baumgarten, de fide libri Esther»! p 184. *) Gesch ffijcut« 10 z. 3. ') Linleit. a. ». 0. p. 359.

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