Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 28. (11.7.1877)
- Date
- 1877-07-11
- Page
- Seite 110 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Recmfio^ Esther c. 9,29. Zur Zeit des letzt« Berf.'S war Purim bereits ein alt eingebürgertes ,von Geschlecht j« Geschlecht, von Familie zw Familie' überliefertes Fest, s9,28.) Selbst die Leine Abweichung in der Zeit der Feier, wie sie -schließlich an verschiSenen Orten Gewohnheit geworden, hatte zur Zeit der Abfaffung längst eine feste Gestalt angenommen: der Vers. spricht hiervon wie von allgemein und längst Gekanntem, 9,19. — Wer aus die SrzählungSart de» Berf.'S genau achtet, dem entgeht bs nicht, daß er von einer «eit zurückliegenden Vergangenheit berichtet. Noch bestimmter wird der terminus a qao (3,8) prKcifirt. Die Schilderung der Inden als מפוזר ומפורד 3ין העמים paßt nicht ans da» Volk in der Exilszeit, das in Judäa festen Wohnsitz und eigne Heimath gehabt hatte, von dort «ach Läbyls« dnrch Sewott deportirt worden, sonst aber in der Welt «och keine MnnenSwerthen Solonien «nd Gemeinden gegründet. Lin« solche Schilderung mochte aus der Feder ein«S^Schriftsteller» in der nachmacedonrschen Zeit stießen, damals erst begann diese Phrase einen Schein von Berechtig nng r« erlangen. Ei« aufmerksames Lesen der letzten Eap. de- Buches läßt «S gleichfalls außer Zweifel, daß es nur in Zeiten nicht stüchüger Noth, sorchern durch vieljährige Roth aufgeregter nationaler Leidenschaften und Gegensätze, da he^- ttge RpcackLmpfe die Gemüther entflammte«, entstanden sein kan». Man denke bloS an das Edikt Morhecha's an seine HtummeSgmoff« 8,11, welches ihnen nicht bloS Vsrtheidignng »mdWichr, sondern anch emschärfte, Frauen und Linher der Feinde zu vertilgen. Rur in der makkabäischen Zeit konnte ti» Schriftsteller ohne Mißbilligung, ohne inneres Widerstreben, ja mit einem gewiss« Behagen und Wohlgefallen solch« SchiLernngeN entwerft». Dazu kommt, daß das Eirach buch, da» eine Schilderung der hervorragendsten politisch« Männer de» jüdisch« Volkes «twirst, auch jene der exilisch« und nachexllisch« Zeit nennt, — von Jeremia, Serubabel bft «s Simon just«» — Mordechai und Esther nicht kennt. p>aß jedes GeistsSprodukt in innigem Zusammenhang steht mit deuJdeen und cheistesströmungm, welch« die Zeit beherrscht«, «nd sein Entsteh« «nd Werden bedingt«, ist bereit» eine banale Wahrheit. Wollen wir auf dm Srundgedank« unseres Buchekomm«, so ist es nöthig vor Allem, wir Lage und Perhältniß der Zeit uns vergegmwärtigen, der der Berf. aagehörte, ihr« Kris«, die Ziele 'und Zwecke, da- Ring« und Kämpf« der sie beherrschend« Parfti«, die Richtung, die das damalige Volksleben genommen, die eigengeartet« Einflüsse, den« e» auSgesetzt war. Seit dem Erschein« Alexander'S in Kleinasim hatte hellmisch« Sitte und Sprache, ei. Streb« zur Aneignung hellmisch« Wesens und hellenischer LchenSgewohnheiten mehr Und mehr in JudäaEingang gefunden. Geblendet von dem äußer« Glanze da» herrschend« GriechmthmuS, Hab« namentlich die vornehmen und reich« Judäer der alt« hebr. SMe, der von Esra befestigt» streng« Gesetzerübung sich «tschlag« «nd der neuern StrSmnug »ngefchloff«. Die M. Groß« buPteni um die Gunst de» griechisch« Herrschers und erlangt« häufig an ^,seinem Hose Stellung und Einfluß. Mit dem SteuNrpächter Joseph, der am Hoft de- PtotemänS in großem Anseh« stand, ׳ hatte sich in Judäa jene Partei der Sriechmfrmnde!oder Hellenist« gebildet, wäche griech. Gewohnheiftn, Lust und Ausgelassenheit, griechische Unzucht stnd Unsitte, MusiKm spiele «ach Judäa verpflanzte. An den griechischen Kampf,! spielen «nd Leibesübungen, selbst.am Schmause der Grieche,I Theil pi nehmen'), hielt sie das hebräische Gesetz nicht zu-I rück, und Viele ließ« sich bestimmen, auf allerlei künstliche! Weise die Spuren ihre» Judenthums zu'verdecken.') Mit dem H.-P. Jason war diese Partei der Griechenschwärmer zur Herrschaft gelangt, die aus denvomehmmam könig, lichen Hofe angesehnen Familien bestand und sich allmählich immer mehr ausbreitete. Dem griechischen Herrscher war sie mit Leib und 1 Seele ergeben, und ihr ganze» Streb« und Wirken ging dahin, ein« innig« Anschluß de- Judenthums an das hellenische Heid«thum zu exzielen. I« ihrem Herzen war bereits der reine Gottgedanke, der Adonai Israels, durch den hellenisch« Zeuscult verdrängt, für sie bedurfte es nicht erst der Strafandrohung des Antiochus, um den griechisch«! Götte« zu huldigen; de» Griechen gleich zu thun, war bei ihnen Mode und Stolz. Auch die AuSerlesmheit Jerusalem's, der gesetzlich einzig« Opferstätte des Landes, war aus ihrer Gedankenwelt allmählig verschwunden, der H.-P. Jason beordnete Festgesandte nach TyruS, um an dem großen Opferfeste des HerakeS Theil zu nehm«.') So verblendet war« diese Männer, so"getrübt ihr Blick, so verwirrt ihr Geist, daß «S ihn« sticht einl«chtete, wie sie mit diesem Preisgeb« der Religion, Mit diesem Abstreifen jeder alt« gehelligt« Sitte, zu Verräthern gewordm auch an Vaterland und VolkSthum — als Berräther wollt« sie nicht gelten —: sie glaubt« vielmehr ihrer Nation zu nütz«, ihr Geistes- Niveau zu heb« durch Verpflanzung griech. Wesms in ihre Mitte. Die Griechen waren ihn« Ideale, zu den« sie die Hebräer erheben wollt«. Mag es blost eine vom Volkshaß erzeugte Sage sein'), die diese Partei beschuldigte, den Anttochus zum Versuch, das Jud«thum mit Gewalt zu hellenisiren, veranl a ß t z u h a b e n; d« von dm Makkabäern organisirten Widerstand. j«e heroische Volkserhebung gegen d« Religionsbedrücke!, die auch d« Einfältig« und Schwachen ein« ungeahnt« Schatz helligster, in der TiefL der Volksseele schlummernder Tugend« offenbarte, da Jung und Alt für d« heil. Nam« Gottes Noth und Tod suchend, alles dem Mensch« BegehrenSwerth eopferte, — hielten sie für verderblich und unklug. Grade durch ein fügsames unterwürfiges Per» halt« zum Hofe des SyrerkönigS glaubten sie dem Judenthume eine geachtete und angesehene Stellung unter dm Völkern des Reicher zu erobern. Ja selbst dann, als dem LysiaS der Auftrag geworden, alle Judäer ohne Weiteres zu vertilg«,') war« die Griechenfreunde dafür, daß man durch williges Nachgeb«, durch Fügsamkeit in die Anfordemugen des Syrer- Herrschers, — di: sie überhaupt nicht als verwerflich anerkennen macht« — lieber milde Gesinnung erwirk«, alhoffnungslos« Widerstand zu leist«, der nach ihrer Berechnung bloS Untergang dem jüdischen Volke bringen würde. (Fortsetzung folgt.) ') Jos. «tttthüm» XII 4. 8. '1 I. R-tt. 1.15. »ltrth. XII, 5. 1. ') «gl. Hrrzseld, ««sch. IS. 233 fcot« 70. *) Josrxhus, Ult«rthüm«r XII, 7. * *. Jellinck, Brth hamidrasch I p - 131. Vgl. auch Dimiel 11.30. ') «gl. Sri». Srsch. II. 13 p. 330.