Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 28. (11.7.1877)
- Date
- 1877-07-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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28.?? VI. Jahrgaug. f'A.- 3«r Deleachtaag alrr Jadenttza» a. Jude» b«trtff«nkn» Uterarifchea ffrfdKiaaagra «af km «ebirtf berPtzUosophie.Seschichte,«haagrapkie,rtzeal»ßie, jCrinrtalta, Cjrtgcft, Hamitklik. jßtargik, pihagogik. ] Herausgegeben von Rabbiner Dv. Moritz lahmer Magdeburg, 11. Juli RS7? Dich» der etaschUigigea Literatar, »rtche »er ttt kte 94״». fitrratarkUM" ja Magkebaeg (aker »er ^Jarart. Wacheasitzr.- in Stettia) peaefaakt »rrkea, finkea ia kiese» Matte et»- getzeak« Despeechaag. ,Lüdifch« Lueraturblatt" gratis. Literarische Abhandlungene Der hellenistische Ursprung und Sharalrer de« Buches Esther (Forts.) Bon vr. I. S. Bloch. Lbher und Mise. Bergleichend« palSologis ch< Studien v. Dr. Placzek. Handschristliche« aus Petersburg. Bon vr. L. Harkavp. Literaturbericht: Recensionen:! Marcus, vr. Samuel. Die PLda» gogik des itr- Bollcs von der Patriarchenzeit bis aus den Talmud. Der hellenistische Ursprung und Charakter de» Buches Gsther. Bon vr. I. 8. B l o ch, Rabbiner. (Fortsetzung.) Eine hellenistische Schrift in hebr. Sprache und gar unter den biblischen Büchery auffinden: der Versuch dürfte Manchem kühn, anmaßend «scheinen! Allein schon manchmal erschien dem Menschen etwas als di« tollste Unmöglichkeit, was dann grade als Wahrheit sich erwies. Wer sie erschauen, ihren Anblick sich erkämpfen, der Wahrheit Schleier mit kühner Hand lüften will, muß gar oft das Gewagteste wagen! selbst vor sicher in Aussicht stehenden Anfeindungen und Verlüsterungen hochnothpeinlicher Ketzerriecher nicht zurückweichen. Die bibl. Schrift, die wir im Auge haben, und als ein HellenistischeS Denkmal bezeichnen, ist das Buch Esther. Im Style der meisten jüd. hellenistischen Historien, wenn auch an geistigem und ethischem Gehalte ihnen vielfach überlegen, will auch Esther eine Erzählung aus der Vätergeschichte geben, und ist dabei Apologie und Parteischrift, und zwar ganz anderer, entgegengesetzter Natur als alle andern Helle- «istischen Erzeugnisse. Damit find wir weit eutfernt, diese Schrift zu den Pseudographen zu zählen, noch sind wir der Ansicht, daß ihre Woricität so ohne Weiteres^ weg zu kritisiren wäre. Im Gegentheil, es wird von ©eifert mancher, selbst sehr freigesinnter Forscher noch immer die Ansicht vertreten: es sprechen für die Glaubwürdigkeit des im Buche erzählten Ereignisses so viele innere Momente, es trägt die Schrift nach allen Seiten ein so treues persisches Cölorit, die Angaben des Vers, werden von den alten Klassikers wie von der modernen «rchäo» logischen Wissenschaft in so mannigfachen Punkten bestätigt') und gestützt, daß der Gedansc an eiue Fälschung und Erdich- *' Treue Züge, di« das Buch vom pers Hofe erwähnt und sich als svlch« nochweilen lassen. Vgl. Heesen Ideen l. p. 512 2. Ausl. Baumgartw, de fide libri Eatherai, L epthold, Einl. p. 2451 Hävernill Eint. U. t tz. ISS Stühelin. Eint. 172. s. «eil. Linl. tz 154. tung, so lange nicht zwingende Gründe und Beweise vorliegen, von vornherein ausgeschlossen werden muß. War wir dagegen behaupten und nachzuweise« unternehmen, ist, daß der uns von jenem Ereigniß vorliegende Bericht im Lichte und in ten Farben »er hellenistischeu Partei gezeichnet und colorirt ist, daß!der Vers, nicht gleichsam rein wissenschaftlichen oder religiösen, sondern emiuent politischen Zwecken und Absichtendienen, mehr Apologet als Historiker sein wollte und war. Nicht die Erzählung und Schilderung der Leiden und Siegq der Ahnen war ihm Haupt-׳ zweck, er schrieb vor Allem um zu vertheidigen, um gehässige Anklagen und schädlich wirkende Verleumdungen vou sich und den Seinen abzuwehren. Die Aufgabe, di« er sich ge» stellt, war nicht die, ein Ereigniß der Vorzeit de» späten Nachkommen zu erzählen, daran sie sich in ihren Röthen erbauen und aufrichten sollen, sondern de« viel verlLsterten und ange-, feindeten Männern seiner Gegenwart Schutz zu bieten, ihrem gebrandmarkten Verfahren, ihren antitheokratischeit' Bestrebungen die Autorität einer mehrhundertjährigen Vergangenheit, gleichsam einer geheiligten Tradition zu verleihen. Dieser Anschauung ist folgende Untersuchung gewidmet. 1 Ich verwahre mich von vornherein gegen die etwaige Unterstellung, als ob grade das Gewagte der Aufgabe zu» Versuche mich reizte. Wenn der Leser mich auf den wildverwachsenen Gängen dieser krit. ,Untersuchung zu beglefte» geneigt ist, wird er selber zu beurtheilen Gelegenheit haben, inwieweit dem Unternehmen eine Berechtigung oder dem Wagniß der Charakter des Gewagten inne wohnt. 4 I. Das Buch Esther im Kampfe der Helleuisteu aud Makkabäer. Zeit und Zweck der Abfaffuug. ( (Pr«». 30, 33),כי סיף חלב יוציא חמאך במי אתה מוצא חמאה של תורה? <Berach°th 63. b.) .במי שמקיא חלב שינק משדי אמן Daß die Abfassung des Buches nicht höher als in die griech. Zeit zu setzen ist, hat bereits Grätz' kühner Blick herausgefunden. Wenn wir auch seine Gründe (״Einen solch« Anschlag gegen die Juden weiß die Geschichte erst au» der Syrerzeit zu berichten") nicht acceptiren, weil sie die Historicität des Ereignisses von vornherein beseitigen, so könn« wir doch der Abfassung kein höheres Alter zusprecheu. Die Schrift selber giebt sich für ein« spätere Umarbei-, tung älterer Bericht« aus, nennt sich selber die ,)wette»