Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 27. (4.7.1877)
- Date
- 1877-07-04
- Page
- Seite 106 (sequence 2)
- Language
- German
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die fruchtbarstes Motive ihrer Urüerschiehuugen waren, find «»,AieSreudenthtt »achweist, bei den jüd. Hellenisten apolo« getDh« Zwecke, die erreicht «erden sollten.') Und es war PMMst!die Geschichte, oder richtiger: Pserüw-Äeschichte, die man «ach eiüer damalige« lit. ModekruMeit zur ÄpollPettt. be- «echte. Erdichtung und Entstellung histor. Dinge: erachteten später auch^die Römer als ein Privilegium der Rhetoren, (Cicero, Brutus 11, ,42). Die Geschichtschreiber waren nicht da-, sondern blos Apologeten. glicht um die alte dunkle Geschichte der Vergangenheit au^uhellen, nicht um dem Volke die Thaten und Leiden der Ahnen't« erzählen, schrieb und forschte man; man schrieb, «m zu vertheidigen, um gehässige Anklagen und «nwüidige Verleumdungen von sich abzuwehren." So war bei den tzriechischen wie bei den jüdisch«! Hellenisten ״die ernste Geschichte zur Fabulantin geworden", die dort persönlicher EitÄkeit, hier politischen Md religilsen, oder Parteitendenzen dienen mußte, Lei der man Belehrung nicht suchte noch fand.. Freudenthal, der von dieser Eigenart hellenistischer Geschichtschrribung eine lichtvolle Darstellung giebt, ihren Ursprung tiL «ach Griechenland verfolgt, legte sich die Frage nach der Stellung des bibl. SchriftthumS zum Hellenismus, welche Spuren' sich in der.heil. Literatur von den Hellenisten vorfinden, nicht vor. ES ist begreiflich, daß ihm, der kein Bibelkritiker, dieser Gedanke fern lag. Er hatte es blos mit Helle- . »istischer Literatur zu thun, und wie sollte er im bibl. Schriftthum hellenistische G«ist«Serzeugniffe vermuthen! Er führt zwar eiuzelne hebv. Pfeuöographe», als welche er Kohelet und Daniel nennt, auf griech. Beeiufluffuug zurück, ohne sich aber hierüber näher auszulaflen. Hellewstisch find diese Schriften Licht. ES waltet in ihnen ein heiliger, hebräisch - patrio- Asch« Seist, und Daniel kämpft gegen den entarteten HellemtSmuS mit aller Schärfe an. Der makkabäische, vielleicht Har asfidäische, Verfasser dieser Pseudographie' haßte mit aller Ztrast eines frommen Semüthes die »Bundesverletzer" und ^GesetzeSverächter", denen er, wie chrem syrischen Beschützer, «inen jähen Untergang weiffagt und wünscht. Aber gerade dies eröffnet einen Gedankenfaden, der, richtig verfolgt, z» einer fruchtbaren Betrachtung führt. Die Hellenisten — notabene nicht die »Halben", die wenigen Männer vom Schlage des biedern Eupolemos, der blas die Muttersprache mit einem barbarisch verunstaltetem Griechisch vertauschte, sonst aber mit seinem Herzen und seiner" Wirksamkeit de» Judeuthnm angehörte, die große Mehrheit der ^Ganzen", die Parteigänger und Anhänger der Alkimos> Jason nud MenelauS find verstanden — pflegten nW zu schweige» zu literarisch«« Angriffen. Sie gehörten einer schreibseligen Zeit an, in der nach den Worte« des letzten Kohelet- Rchicktor»') Schriften »ohne Ende" entstanden. Und nament- Lch war e» die lit. Fechttunst, die das Feld beherrschte. Soll- 1e» gerade Ke auf die vo» gesetzestreuer Seite gegen sie ge- *) »Aach nicht der Schatten eines Beweise« ist dafür beizp bringen, Nah je ei» jfib. Hellenist seinem Weite einen berühmten Ramm! vorge- (etzt hätte, n», wie t« die Griechen that«. sein» «unstsertigteit zu be- «eis««,' oder e« Pi hohem Preis« an Freunde der Wissenschaft ju verlauf«»". Frmdenthat a. a. O. — -) Bßl. Bloch, Studie« zur Seich, der althbr. Lit. p. 45. Ursprung m»d HttstehnngSzeit bet Buche« üohelet p. 126 ff. H. Krochmaj, More Heb. im» XL, 8. p. 43, 1Mb. schleuderten Verwünschungen und Vorwürfe, gegen «1? dieVÄ schweren Branbmarkungen ihrer Lebensweise und Bestrebungen wie sie in der Makkabäerliteratur häufig uns begeguen, teil Wort der Apologie geschrieben haben? Was sie von den Gritchen gelernt hatten und Men sie mtt MMechhaft mnd Erfolg zur Anwendung brachten, sollten sie nie versucht haben, zur Abwehr von Angriffen zu benutzen, die auch von anderer, von jüd. conservativer Seite gegen sie ausgegangen? Und die Art ihrer Apologien versprach hier noch mehr Erfolg. Die Geschichte der Väter: wem war sie theurer und heiliger als den gesetzestreuen Juden, wer war für Erzählungen aus der Vergangenheit empfänglicher? Jede Erinnerung an die glorreiche Vorzeit brachte die zartesten Seiten des Gemüths i! rhytmische Schwingungen. Wohl wenn Freudenthal Recht hätte, daß die Hellenisten die alte Sprache des hebr. Volkes, wie die chaldäische Mundart, in denen allein wirksame Apologien gegen die oben berührten Angriffe geschrieben werden mußten, gar nicht verstanden, wäre die Erscheinung erklärt. Doch der Beweis hier« für ist nicht erbracht worden, und. die Wahrscheinlichkeit ist dagegen. Wir brauchen uns nicht an das schwankende Rohr der Vermuthung anzuklammern, wo wir sichern Boden haben und eine feste süßbare Grundlage. , Der Sturm, der die jüd. hellenistische Literatur vernichtete und in alle Winde verwehte, hat außer den griech. Fragmenten, denen Freudenihal seine Aufmerksamkeit gewidmet, auch noch ein anderes Denkmal, gerade in der Sprache der Propheten, verschont und im bibl. Kanon uns erhalten. (Fortsetzung folgt.) Literarische Atotizen von Dr. L. Lewysohn, Rabbinv in Stockholm. (Fortsetzung von 'Jit. 21) 41) In früheren Zeilen zahlten die Juden in Süddeutschland (und vermuthlich auch anderswo) eine jährliche Abgabe, benannt lpt1 (wird auch im S'hawat Jair erwähnt). Die Gemeinde in Worms bekam nämlich jedesmal am 1. August eine Anzahl Geleitszettel, in der Pfalz reisen zu können. Wie ich in einem Manuscripte (ein altes von einem verehrten Gemeiademitglied gesühttes Journal) lese, wird jährlich תיור רארם (Taxe) durch בעלי מעריכין gemacht und auf die Gemeindemitglieder participirt, so z. B. im I' תקמה die Summe von 300 Fi. Ich besitze zwei solcher Zettel auS den I. 1745 und 1782. Der erstrre lautet: ״Vorweiser dieses Jud. hat sich wegen der von Chur-Pfalz auffs neue erstreckten Juden-Geleids-Concejsion vom 1. Augusti dieses laussenden 1745. Jahres biß aufs den 1. Augusti 1746 verglichen, und dahero aller der gerneinen Judenschafft darin Gnädigst verwiüigter Geleid-Schutz ׳Gerechtigkeit mit seinem Weid, Äindern (im Zettel von 1782 folgt hier: ohnverheyrathener Kinder und eigentlich wahrhaften Brod-Gesind) und Brod-Gesind gleich anderen, solche Zeit über zu gebrauchen (im ander» Zettel folgt hier: jedoch sich allen Unkersckleifs sonderheitlich in. Betreff der Kinder und Brod-Gesind bei 20 Rthl. Stras zu enthalten) und seynd auch für ihre Leiber Zollsreh und unbelästigt pasfiren zu taffen. Urkundlich Chur-Psaltz Hoff- Cammer gewöhnlichen kleinern Jnsiegels. Geben Mannhei» den ersten Augusti ein tausend, sieben hundert und fünff und viertzig" Siegel, Unterschrift (unleserlich). — Mein Freund,' R. Kirchheim in Franks, frug mich vor mehreren Jahren, ob; ich ihm etwas über-das Nähere des תיור mittheilen könnte.^ Ich hatte damals das Manuscript noch nicht durchgxleje»