Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 27. (4.7.1877)
- Date
- 1877-07-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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- Homer 1× ep/1025156
- Tacitus 1× ep/1025676
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-»r B»le»cht»n, ,Iler I«»enttz»» ». -»»en »etrrffen»e» Uterarische» Erschein»,gen «»f »n» Ledirte der Philas»phir,«elchtchte,Lttz»»graphir,»h»at»§ie, Mnitali«, Esegese, samiletik, <tt»rgtk, pibagejgUi. V _/ Das t . VI• Jahrgang. ♦ Herausgegeben | von Rabbiner Dr. Moritz -Lahmer —❖־ ^^י׳-יץ־י " Magdeburg, 4. Juli 1877. /--\ Dijtzer der ei»schligi>«1 Liter»t»r, »eiche »er Kd de» ^-»». intaratarkUtt" i» Mezdedirg ׳ (•*»r der ^-»nui. W1che»schr.- i» SteUt») 1»gek»»tt »erde», finde» r» diese« Dielte ei»- ßktzr»»! chesprech»»,. _/ Da» »JÜD. Lit«ra1ur0lat1" erscheint wöchentlich einmal; Preis pro Jahrgang 6 Mark, mit frankirter Zusendung: 8 Mark. Zu beziehe» durch all« Buchhandlungen sin Leipzig durch Robert Friese), oder durch direct« Bestellung bei der Expedition der ״J«raelitischen Wochnischrist" in Magdeburg. — 3*f«rat« werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeil« berechnet. Juchdlt. sturze Abhandlungen:! Der hellenistische Ursprung und Lharakter de« Buche» Esther. Ben 0r. I. S. Bloch. Literarisch« Rotijen von vr. L. Lewgsohn. Bibliographische Notizen von vr. A. Harkavy. Literaturbericht: Receitsionen: Brugsch-Bep, Gesch. Aegyptens unter den Pharaonen. (Fortsetzung.) Zur ErgLnzung. ' Der h^lleuistifchs Ursprung und Charakter des Vuches Esther. Bon l>r. I. E. Bloch. Rabbiner. Einleitung. האדם בן שעתו» Josef Sabara. Der Hang zu genetalisiren, von vereinzelten, bei einzelnen Individuen — und nicht einmal zufällig — zu Tage tretenden Erscheinungen auf den Lharakter des Gesammtvolkes zu schließen, ist der modernen Zeit besonders Gewohnheit. Auf das Judenthum pflegte dieses Verfahren schon früh angewendet zu werden. Es kann daher kaum überraschen, daß die Pseudographen der jüd. Hellenisten, wiewohl sie an Zahl und Umfang von den christl. TrUgschriften vielfach ausgewogen werden, dennoch ein Urthell vercmlaßten, dem zu Folge der Hang zu lit. Falschmünzerei dem hebr. Stamme besonders eigen. Selbst Männer von scharfer durchdringender Kritik, wie Cobrt, Valk- »aer, Boeckh, scheuten sich nicht, solchen Urtheilen die Autorität ihres klangvollen Namens zu verleihen. Es ist ein nicht hoch genug anzuschlagendes Verdienst des treffiichen Freudenthat, in seinen mit einer geradezu classisch zu nenuenden Klarheit und Gründlichkeit abgefaßten ״hellenistischen Studien"')diesen Vorwurf einer eingehenden Würdigung unterlogen zu haben. Da seine Ausführungen auch für den Gegenstand dieser Abhandlung einiges Jntereffe hat, so scheint es nicht unzweckmäßig, einige seiner Bemerkungen in Kürze zu wiederholen. Die Quelle der Pseudographie, weist er nach, sind die angebeteten Griechen, das Volk, dessen Götter selbst in der Kunst des Lügeus und Teuschens trefflich geübt waren. ״Erst aus Griechenland ist die Trugschriststellerei in den jüd. Hellenismus eingedrungen." Die althebr. Literatur kennt keine Pseudographen. Denn Niemand darf es Pseudographie nennen, daß einzelne bibl. Bücher Aufschriften tragen, die ihnen nicht gebühren; daß die meisten Psalmen David, da- H. L. Salomo zugeschrieben wird. und daß in den hist. Büchern Reden eingeschoben sind, welche in der angegebenen Form niemals gehalten worden. Für daS erstere sind nicht die alten Schriftsteller, sondern der Jrrthum späterer Zeiten verantwortlich zu machen, und wer daletzte Trugschriftstellerei nennen wollte,! der müßte auch Hervdot «nt» ThukpdideS, Livius und TacituS, Fälscher nennen. Erst i« alexandrinischer Zeit sind in hebr- Sprache wahre Pseudographen erschienen, zeigte sich auch ttach dieser Seit« ein Erst«- ken des griechischen Einfluffes auf die hebr. Gedankenwelt. ״Bei den Grieche« ist die Kunst literarischer Falschmünzerei so alt wie ihre Prosaliteratur."! Schon Solpn hat in patriatischem Interesse den Homer interpolirt, (Plut. Sol. c. 10) und OnomakritoS wurde sogar von Hipparchos wegen seiner plump betriebenen und darum bald entdeckten lit- Betrügereien verbannt. Doch erst nach OnomakritoS schoß diese Literatur zu einer solchen Fülle auf, die Herodot oft getäuscht,׳ AristophanoS zu den heitersten Späßen, Platon' zu bjttern Anklagen Anlast gegeben hat. Und was ist die Pseudographie der Herodoteische« und Platonischen Zeit gegen die wildwuchernde, aus Rhetoreneitelkeit, Gewinnsucht und Parteixifer hervorgegangene Trugliteratur der Griechen im alexandrinischen Zeitalter?') Die jüd. Hellenisten, Zöglinge und Nacheifrer der Griechen, waren allerdingS auch hierin gelehrige Schiller. Von den Ktefias' und de» Theopomps lernten sie jene Kunst, dle ihnen seit Hody bis in die neueste Zeit solch schwere Vorwürfe zugezogen, die Kunst, Geschichte und Dichtung zu vermischen, im Jntereffe, sei eS des Bolkes, sei es der Parthei die Wahrheit entstellen, ja geradezu Unwahres erdichten. Die tausendfältigen Beispiele griech. Fälschungen, der interpolirten Dichter und Prosaisten, der 'gesälschten Bücher und Dekrete, Orakel und Weissagungen, Orphischar Sibylinischen Schriften, der untergeschobenen lyrische», dra» malischen und gnomischen Gedichte, der religiösen, historische» und philosophischen Werke waren Vorbild und weckten Racheiferung. Bei aller Gleichartigkeit der Handlungsweise, die uns bei den griechischen und jüdischen Hellenisten begegnen, bemerken wir doch eine recht interessante Abweichung in den Motiven, welche die so gekennzeichnete! Schriststellerei dazu trieb, zu Fälschungen ihre Zuflucht zu nehmen. Und gerade dieses Moment ist für unfern Gegenstand recht instruktiv. Während nämlich Eitelkeit und Gewinnsucht bei den griech. Fälschern IL p. 192 ff. Breslau 1876. l) Freudenthat a. a. O.