Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1877-06-21 · N° 25. (21.6.1877) · p. Seite 99

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 25. (21.6.1877)
Date
1877-06-21
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/5367336-6488232-8754682--0776-4854264
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

ihm Proben geringes und schwer durchführbarer Vorschriften m- Sagt er, mir!ist es bekannt, oder ich bin mit Allem zufrieden, erst dann lieht der Aufnahme nichts im Wege." Diesell« Praxi» wird ms zum heutigen Tage streng eingehalten. Sollen wir noch der mittelalterlichen und der darauf folgenden Jahrhunderte gedenken, in welchen der gehetzte Jude von Land zu Land, von Stadt zu Stadt heimathlos sein Vaterlaiü» mit fich trug, Zeiten, in welchen die verschärften Gesetze der Lirchenveosammlung in Wien 1264 und au pudern Orlen gegen Personen, weich« zum Judenthum übertreten oder daz.׳ verleitend erneuerten? Thut's auch da noch, uns von einer Propaganda reinzuwaschen? Und doch gab's auch da Proselyten; wir kannten sie persönlich. Parteilos führe» wir noch einen heidnischen und einen apostolischen gegnewschen Zeugen an. Taciws (V, 4—5) erzählt sragmentarisi»: ״WojeS gab ihnen aller menschlichen Sitte zuwiderlausende Gebräuche, bei ihnen ist unheilig, wa» bei uns heilig, denn eins ihrer Kinder lödlen ist ihnen Sünde. Jenen, der zst ihrem Glauben Übertritt, unterrichte» sie Götter ... sie trachten auf Vermehrung die schlechtesten Menschen (Proselyten). ihre verleugnend, häuften Schätze, daher wuchs Wir entnehmen daraus wenigslests. daß es keine gegen Pfstnd und Schilling gekaufte, oder durch Si- »ecuren und Psrür den versicherte Proselyten waren, wenn sie noch Schätze mitbi achten. — Der Apostel Matth. 23, 15 schreibt: ״Wehe euch Schnitzelehrten und Pharisäern, ihr Heuchler, die ihr Land und Wasser durchziehet, um einen Judengenossen zu machen, und wenn er es geworden, macht i)r aus ihm ein Kind der Hölle, zsviesällig mehr, denn ihr es ieiv."! Wer kann sage», daß solch» Ausbrüche sin« ira dt studio fich Lust machen, und kann solch gereizte Stimmung, die den Stempel d«S hochgradigsten Hasies birgt, das Vertrc uen unparteüschtt Tenkqr beanspruchen?! in Verachtung der ihres Volkes, und Eerliche Religion da» jüdische Reich/ Der Streit zwischen Judn Menz und Elin Delmedigo. Bon Bernhard Ritter. (Schluß.) Ueber den Inhalt des Streites erfahren wir nunmehr Folgendes: In Beffanv, nwsetbst Elia Delmcdigo sich gerade befand, ereignete!eS sich, daß zur Zeit der Weinlese ein osielies Weinfaß von einem Christen berührt wurde. N an fragte in der Synagoge Elia Delmcdigo. und dieser verbot den Wein zu genießen. Doinn ersuhr er, daß außerhalb Beffacho lebende Rabbiner «s gestattethätte», jenen Wein zu trinken. Der Befitzer des Weines behaupte e, daß Inda Menz den Genuß des Weines n-pstattet-I habe. Elin Delmedigo begab sich nun zu diesem unb ersst!1, daß dem wirklich also sei. Er ist darüber ganz entrüst«, appMrt an die Tstlmudkundigen, er kann nicht umhs«. dies allen Rabbinern der Diaspora mitzutheilen. ״nicht, wie « sich mtst rückt, um sich Ehre einzulegen odew'um zu streit«,, sondmm um Gottes willen, daß nicht Jemand aufstehe und gegen alle!kitmndgelehrren «nkämpse, durch Unterscheidüngen, wie sie ihm gerade in den Sinn kämen. Denn welcher Vernünftige, so fährt Delmedigo fort, wäre nicht im Stande, Unterscheidungen auszuklügeln, und was sollte bei solchem Verfahren aus der Thora werden; wir müßten dann alle Decijoren und Erklä er unberücksichtigt lasten, und ein Jeder würde auslegen, wie ec ihm in den Sinn käme. Im Verlaufe der Abhandlung juckt E. Ddie Gründe, welche Juda Menz in der Unterredung init ihm geltend gemacht, zu widerlegen, wobei er I. M. n cht mit der gebührenden Achtung behandelt'). Dann appellirt!1 nochmals an die Rabbiner, sie möchten sich doch ja der Sa^he annehmen, daß man sich nicht in späterer *TTTT, .הדברים ידועים אפילו לבר בי רב דחד יומא «bet ודבריו אץ להעלות^ על ספר• Zeit nach der Enscheidung Juda Menz'. gerade well er ei«' so bedeutender Mann sei, tichle. Et schließt seine Abhandlung mit den Worten, daß derjenige, der Unerlaubtes für erlaubt erkläre, einstmals jeinen Lohn dafür empfangen werde. In ver darauffolgenden Abhandlung (Nr. 55) sagt er, er Hab« das Resp., welches Juda Menz zur Rechtfertigung seiner Decision ausgefertigl, geprüft, sei jedoch durch die Gründe, die derselbe beigebracht, nicht überzeugt worven. Er sucht sie nochmals in Kürze zu widerlegen. Die bellten eben besprochene» Abhandlungen D.'S nun sandle Gerschom Bonafaco an Elia Mtsrachi und bat ihn, ihm seine Meinung über die Sache mitzutheilen. Elia Misrachi entscheidet ebenso wie Juda Menz (nur verfehlt.er nicht hinzuzufügen והמחמיר הבוא עליו ברבה).' Dann kommt er auf jene beiden Abhandlungen Delmedigo's zu spreche«, hebt aber hrroor, was sür ein großer bedeutender Man« Juda Menz sei') und . fährt dann fort: אחר זה קראתי ברברי מהרד אליהו דקנדיאה וראיתי בהם דברים זרים מאור• Darauf geht er der Reihe nach die in Sir. 54 und 55 gegebene« Einwürfe Delmedigo's gegen Juda Menz durch und widerlegt dieselben, wobei er Elia Delmedigo gerade nicht sehr glimpflich behandelt. ' Elia Misrahi entschied also für* Inda Menz gegen Delmedigo. Daß die,er Streit, der mit vieler Heftigkeit geführt wurde, großes Aussehen erregt haben wird und Delmedigo. seinen Aufenthalt in Bastano wird verleidet haben, ist leicht eiaznsrhe». Wann dieser Streit stattgesunden, wenigstens wann der» selbe ausgebrocheu. läßt sich gleichfalls aus den Response» Elia Misrachi's ermitteln und zwar aus folgende« Momenten. Resp. Nr. 7a der Resp. E. M/s ist wegen eiste» ScheidedriefeS aus Theben, der durch eine« Boten gesandt worden war. wobei jedoch der Fehler obwaltete, daß statt שליח לקבלה geschrieben worden!שליח לחולבהרזסע. Der Scheidedrief ist datirt vom 4. Marcheschw an 5367 (etwa De««» der 1506). Elia Misrachi erklärt jenen Scheidedrief für ungiltig und behauptet, daß Rabbiner, welche so grobe Jrrthümer begehen könnten, sich überhaupt mit Gitttu nicht befaß« dürften. Einer jener Dajanim nun, die unter dem Scheibebrief unterzeichnet waren, Elieser den Mosche aus Salonichi, wendet fich nun in dem Sir. 35 uns erhaltene« Briefe an Elia MiSrachi und ,ucht jenen Scheidedrief für giltig zu erklären'). Dann bemerkt er, er zweifle überhaupt, ob das nach Theben gebrachte, best'Namen Elia Misrachi's tragende Gutachten echt sei, da verschiedene Momente in ihm dies««' Zweifel, wach gerufen; hierbei bemerkt er: ■ונרז^ה לי לענ״ך בי הכתב אשר הובא אלינו אינו כתב יר מב׳־ת כי אני אעפי שלא ראיתי פני גודל מעלת יקרת הררתך מ״מ כתיבת מעבת אני,מכיר כי ראיתי הפסק שפסק מכ״ת על יין נסך ששולח אמוץ מיוה נרשון למ״כת זה כמו עשרים שנה ובו• Aus diesen Worten geht hervor, daß das Gntachtm El« Misrachi's an Gerschom Bonafaco wegen des Weines (&. i Resp 56 in Angelegenheit der Delmedigo'sche« Streitfrage) ca. 20 Jahre früher abgefaßt sei als dieser Brief in Nr. 35. »Nun ist dieser Brief geschrieben פרשת פר׳ שסיני.י •י0 ואכלתי חמאת חיום) etwa Monat אייר de« Jahres 5267 (das Jahr folgt aus dem Scheidebriefe in Rr. 70) d. i April 1507. Wenn nun Resp. 56 etwa -0 Jahre vor diesem erlasten ist, so batirt es aus dem Jahre 5347 oder 5248 d. i. 1487 oder 88. Der Streit zwischen Juda Menz und Elia. Delmedigo fällt demnach in'S Jahr 1487 od. I486'). •) Der Passus ist bereits abfebrudt Jittern ühemed 111, 89 un» Ghirondi 123 •יי תולדות גדולי ישראל. -) Die Zusammengehörigkeit der beiden Response« geht aus der Identität der Ramm hervor. ף Hierdurch läßt, sich auch Elia Delmedigo's Todesjahr kritisch feststcllrn. Rach Saul Hohen's Angabe starb E. Delmedigo 1493. Äraetz (Bd. 8 H. 251 Anm. 3) steht sich durch, die Notiz bei Aoseph Detme» dig» (Mazres 3b), daß E, Delmedigo erst »ach dem Tode des Pico di Mrandoila auSgewander» sei, veranlaßt, deffm Todesjahr erst 1498 an-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.