Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 25. (21.6.1877)
- Date
- 1877-06-21
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
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Rabbi von Bacharach zu vollenden? ebenso günstig sprach sich H.in Leidig an», während der gefeierte &.in Btes- 10» ftmd, ich stelle die Seelcnkämpfe eine» jüdischen Gelehrten in einer meiner Novellen so «Vahr n«d tief dar, daß er gmuden J1ßf| sei ein Jnde. In gleichem Sinift sprachen sich andoye Mische Getchrt«, Schriftsteller u. s. w. aus. Dagegen war es die ״St re u j je11 u n 9", welche mich zuerst als »Judedezeichnete,,um ineine Schriften in den Augen der deutschen Mncker ruü> Eonservatioen zu verdächtigen. Pie Publikation einer «einer Novellen im »Hausschatzrief eine förmlich« ultramontane Hetze gegen mich hervor. Das ״Taterlaudbezeichnete mich bei dieser Gelegenheit als einen, der »bekannten jüdischen Gartenlaube - Scribenten-, und die katholischen Blätter Amerika'» bellten nach. In einer anonymen Znschrist an Den Leipziger »Hausfreund" wurde ich geradez« »ei« gemeiner Jude, dem es an jeder Bildung fehle", genannt. (Ich sende Ihne« de« Bürstenabzug eines Prospektes «eines Verleger», der sich auf diese Affaire bezieht.) Sie werden nun! bereifen, weßhalb mich Ihr Tadel!in dieser Richtung so sehr überrascht Ich Müde vor Allem, daß sie zu wenig Rücksicht genommen haben aus meine Welt- und Menschenanschauung im UDgemeinen. Ich negire mit den Naturforschern jede sittlich« WMordnung. mir ist der Mensch nicht das Ebenbild Gottes, sichern nur die intelligeateste, und deßhalb grausamste djer Bestien, er ist nicht aus einem früheren besseren Dasein tn Sünde verfallen, sondern erhebt sich im Segentheil durch Grkenntniß, Wissenschaft, Kunst und die aus denselben entspringend« Moralität mehr und «ehr aus de» thierischen zu «nt «dein moralischen Zustande. Es ist also logisch, daß ich den Menschen im Allgemeinen - nicht schmeichle, sondern sie in ihren Lastern und Gebrechen mit unerbittlicher Wahrheit zeichne, ich schmeichle keiner Na- Üo», testier Religion, keinem Staude, und habe deßhalb von dänischen wie von polnischen Fanatikern, von Seite des Adels die d« Geistlichkeit und der Regierungen, von Seite der Sochüdemokraten wie der ReakiovSre zahlreiche Gehässigkeiten erpchrm. Da ich aber überall nur die Wahrheit zu geben suche, weßhalb sollte ich^ gerade die Juden ibealiftten? Es gietn unter den Inden, wie überhaupt unter den Menschen, mehr schlechte, gemeine, egoistische, als gut« und edle, es ist also usttüylich, daß mehr niedrig als edel denkende Juden bei mix vorkymme». Dennoch glaube ich nicht, daß irgend,sin das JMetrthum idealifirender Autor schönere Typen guter Jude« geschaffen hat, als es mein Vater Konad, meine Eheike, der kleftm Barnch und der Schenkwirth in »Ashra Raba", Salomou Zauderer in »Basyl Hymne" und Mardochai Peicher tm »Mradies am Lmiester" find, anderer Gestalten gar nicht zu gmenken. Wenn ich aber vielfach schlechte oder nickrrige Mische Charaktere gezeichnet habe, so habe ich dagegen die jüdische Rare niemals angeseindet, sonder» i» Gegenthell mit größerer Sympathie behandelt, als sogar manche jüdische Auto» re«, z. B. Heine. Ich schrieb vor etwa einem Jahre Herrn I. M. in T., daß sein ״Jlan", der mehr ein Stück Leben als eine Novelle ist, mich angeregt habe, das gleiche Motiv unter gleichem Titel ru behandeln. Mein »Jlau" ist seitdem fertig geworden und im April- und Machest des Leipziger »Salon" erschienen. Ich schildere in demselben den Kampf einer nach Wahrheit dÜrsteMen Mischen Seele zuerst gegen die jüdische, dann ge» gm ine christliche Orthodoxie und Aristokratie, sowie gegen dm Staat, objektiv, unparteiisch, und es scheint mit Glück, denn die Novelle hat geradezu Sensation gemacht. In dieser Novelle, Aprilheft des ״Salon" p. 783 und 764 heißt «S nämlich: ' ״Kein Liebmder kann so unsäglich leiden, wmn die Geliebte ihn verstößt und verlacht, kein für die Freiheit'Begeiflorier, wmn man ihn in Ketten legt, wie der arme Maslawer Jude in seinem brmnenden Durste nach Erkmntniß und Wahrheit litt, von dieser reinen und erhabenen Wißbegierde erfüllt, welche keinen Nutzen, iveder für sich, noch für andere sucht, welche so selbstlos ist, wie der fromme unerschütterliche Glaube, welche Nichts will, nichts hofft und nichts liebt, als da» Wissen selbst und deren nur der echte Jude fähig zu sein scheint, der von der Wiege nn dazu erzogen nsird, dem Lichte der Erkmntniß um feiner selbst willen »achzugehen und einer großen Idee, die Welt mit ihrem bunten Färbenspiel, sein Leben, ja, sich selbst ganz auizuopfern. Aber zu diesem feurigen Trieb nach Wissen kam bei Benaja auch die lebhafte Phantasie, die Schärfe de» Denken-, die Zähigkeit und Ausdauer hierzu, welche den Juden auszeichnet, die FLhigkeit mit schwärmerischer Energie ein Ziel zu versolgen, die allen großen Naturen unter den Juden die menschlich schönen, göttlich reinen Züge desHeilande» leiht." Welcher Autor hat je Aehnliches über die jüdische Ra« ausgesprochen? Kann auch Schöneres von einem Volke über- Haupt gesagt werden? Ich bin im Rechte, nenn ich Ihnen Ihren Borwurf zurückgede und sage, daß nur Unkenntniß Sie dahin gebracht hat, mich, einen Autor, der schon seiner Judmfreundlichkeit wegen insultirt wurde, leichtsinnig der Juoenfeindlichkeit anzuklagen. Ebmsowmig möchte ich glauben, daß ich das orthodoxe und spqiell das polnische Judenthnm falsch darstelle. Ich habe das letztere sehr genau an der Hand gelehrter und aufgeklärter Juvm studiert und zu diesen persönllbe« Beobachtungen kommt noch die Benützung berühmter Werke, in erster Linie des trefflichen Buches: »Geschichte, Lehrm und Meinuagen der Juden und der Geheimlehre «dir Kabbalah von Peter Beer. Brünn 1823. 2 Bände" —, dessen Autor einer der ausgezeichnetstm Mischen Gelehrten war und das Judenthum warm vertheidigt. Sollten Sie mir Fehler bezeichnen können, so wäre ich sehr dankbar, fehlm kann Jeder, nur dm Vorwurf, das Judmthum mü Absicht unzüchtig darzustellm, muß und darf ich entschieden abweisen. Mit besonderer Hochachtung Leopold Ritter von Sacher Masoch. Bruck a/Mur, Steiermark. Haben die Jude« je Propaganda gemacht? Bon Joseph Löw, in Gr. Xanitfa. (Schluß.) An der Spitze dieser freiwilligm Profelpten standen gekrönte Häupter und hervorragmde Männer, wie die im Talmud oft besprochene Königin Helena und ihre Prinzeil (Josephus und Br. Rabda cap. 46); Antonin (Jeruschalmi Megila 1, 13); Nero und Onkelos, der Reffe des Titus (Gitin S6b), oder nach R. Elia Mlna's Randglosse, Neffe Hadrian» — dann ist Onkelos und Akitas identisch; s. Schemolh Rabda cap 30 —; der Feldherr Nebuzaradan (Gittin 57 b), ferner die Chazarenkönige u. L. Sollte die Freiwilligkeit der Bekehrungen noch in Zweifel gezogen werden können, so ist es bekannt, daß dm unter Joh. Hyrkqn und Aristobul bestegtm Jdumäern und Jturäern zwar die Alternative gelaffen wurde, austuwandern, oder dem Moiaismus beizutreten, was aber die Pharisäer tadelten und auch nur solche aufnahmen, die kraft ihrer Uederzeugung freiw'illig beitraten, währmd die übrigen wahrscheinlich ״Gere Toschab" blieben, daher sie JosephuS (Ant. 14, 15) ״Halbjnden" nennt. Weil ׳.estringirender ging man zu Zeilen des Talniudes zu Werke. »In unserer Zeit — heißt es in Jebamolh 47a — macht man dem Proselylea Gegenvorstellungen; man führt ihlg die drückmden Lerhältniffe des jüd. Lölkes vor; man betont ihm die Warnung: du nimmst Wichten auf dich, die du bis heute ungestraft unterlaffen konntest, nun aber ladest du selber schwere Verantwortlichkeit auf dich, und man legt