Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 24. (14.6.1877)
- Date
- 1877-06-14
- Page
- Seite 95 (sequence 3)
- Language
- German
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95 Carmoly meint also, der Streit sei wegen des in Resp I. M. Sir. 10 erwähnten Gerschom Bonafaco ausgebrochen?) den I. M. in den Bann gethan habe und für den Delckedigo eingetreten sei. , Elia Misrachi habe dann den Streit gegen Delmedigo entschieden. Hierbei verweist Earmoly auf ResponS. Elia Misrachi Ser. 54. Die Angabe Carmoly's ist nun aber durchaus unrichtig; in Resp. 54 ist nicht im entferntesten hiervon die Rede. (Vgl. weiter unten.) C. könnte vielleicht resp. 14 meine«, das aber erstens aus viel späterer Zeit herrühn,') in dem zweitens Elia Delmedigo's gar keiner Erwähmmg geschieht, und das drittens als Resultat gerade das Segentheil von dem giebt, was es nach Carmoly hätte geben sollen, indem S. Misrachi gerade das gestattet, was I. M. verboten hat.') Die Biogräphen Juda Menz' bemerken über Grund und Inhalt - des Streites gar nichts. Graetz allein') muthmaßt, der Streit fei j wegen der freien philosophischen Ansichten E. D.'s ausgebtochen, ״vielleicht in Folge seines religionsphilofophischen Werkes ״Prüfung der Religion."') Dagegen spricht nun aber folgender Passus in dem. Nachworte Saul Kohen's (zum ויהי כי הניח אלהיו לו מכל אויבי ההשכל(מ דנת הדת המופתי מסביב - ...או אמר אל לבו לכה נא * *נסכה בחכמה התוריית )• A so Delmedigo hat das Buch erst nach den Streitigkeiten g-schrieben. Außerdem giebt Saul Kohen selbst an. Delmedigo habe das Buch auf seine Anregung geschrieben'). Nun war aber Saul Kohen erst nach Delmedigo's Auswandenmg aus Jt ilien Schüler desselben'). Das Buch kann also nicht Veranlass >ng des Streites gewesen sein- Es läßt s ch jedoch mit Bestimmtheit Nachweisen, daß der Streit zwischen I. M. und E. D. überhaupt nicht wegen der philosophischen Ansichten Delmedigo's, sondern wegen talmudisch-ritueller % Ifferenzen entstanden sei. Zunächst jedoch muß belegt werden, daß Delmedigo überhaupt talmudische Gelehrsamkeit besessest habe. — In den Responsen Joseph Kolon's ist ein Resp. (Nr. 54) an Elia Delmedigo. Der Zweifel Geiger's (Melo C>!osnajim 25. Anm. 1), ob dieses Gutachten an unfern Delmedigo oder nicht vielmehr an einen altern, Sohn Ab-ba's I. gerichtet sei, schwindet, wenn man die Aufschrift jene» Gutachtens etwas genauer anfieht. Dieselbe lautet: מצרף לחכמה וכור לתבונה ויהי יהיו אמונה כל אמרתו צרופה מנופה בשלש עשרה נפה ה״ה הוו דק יהיר נפשי המשכיל הר׳ו אלי' דלמדינו — Titulaturen, wie sie nur auf den Philosophei . Delmedigo vortresfllch pasien, und wie sie sich in der ganzen Sammlung Joseph Kolon's nicht wiederfinden. Außerdem erzählt Mose Dtrtz (Elim p. 29), er besitze von Elia Delmedigo außer anderen Schriften auch P e s s a k i m’), worunter doch sicherlich nur rechtsgutachtliche Entscheidungen zu verstehen such. Schließlich schienen mir auch die Worte im Mazref 3b für die Annahme eines halachischen Streites zu sprechen, da daselbst von Pessakim die Rede ist. welche bei den Rabdinen von Kandia aufbewahrt seien. Angabe Reggio's in seinem Commentar zum 78, daß Delmedigo Rabbiner in Venedig gewesen sei"), hstbe ich nirgends eine Bestätigung finden können In der That hat ein halachischer Streit zwischen Juda Menz und Elb: Delmedigo stattgesuuden, wie aus den Resp. Vgl. Litteßaturbl. Nr. 19, S. 7», u. Anm. 2. ') Nachdem ich diesen Aussatz bereits Ende Februar abgefaßt, verwies mich Hr. Dr. erliner in Berlin auf Finn's קריר, נאמנה 31b. Ich h,b« das Buch erst dieser Tag« zu Gesicht» bekommen und finde, daß Finn schon das Nichtige über den Inhalt des! Streites hat. Heber die }eit, wann der Streit stattgesunden, hat jedoch tz. nichts. '1 Bgl. Sratz VIll. 284. ') p. 38 dir ed. Reggio Wien 1833. ') Bgl. au«, S. 4 der ,0פ הקרמר" Reggio. .ובאותו משך הזמן הקצר (אחרי בלותו) יצק מינו על ירי (י אליהו ולמד אצלו החכם השלם כמה׳־רר שאול הכהן ויש אצלי ספר גדול שלו הנקרא עצם הגלגול וחבור ('< .קטן הנקרא בהינת הדת וויכוחים שונים ו ם מקים כי היה מורה עדת ישורון בויניציא רבתי (״• Elia Misrachi Nr. 54—57 sich Nachweisen läßt: ja sog« zckei der Pesiakim, von denen Joseph Delmedigo sagt:שהרעישו את כל הנולה בפמקיהם sind uns bei Misrachi vollstänRg> erhalten, es find die Nr. 54 u. 55 der Sammlung,' von den« die erstere gar keine NamenSuntrrschrift^ trägt, die letztere fälschlich den Namen Misrachfs'X Daß jedoch beide nicht Misrachi sondern Delmedigo angehSren, geht mit voller Sfe* ftimmtheit aus Respons Nr. 56 hervor, das die'WiderkegtMg jener beiden Gutachten bildet, immer stückweis dÄ beiden 'tv*r steren citirt und widerlegt. — Eingesandt find jene beiden! Pesiakim unserem Misrachi von Gerschom Bonafaco'), wie aus dem Widerlegungsgutachten Nr. 56 heroorgeht. (Schluß folgt.) 311« biblisch^talmud. Sp»tnogotH(i (Schluß.) 2) Im ״Sohar" (Folio-Edit. Sulzbach, i. I. 'ל׳ו׳ח׳ת --.1684, fol. 2, col. 2) lesen wir Folgendes: בראית •׳ראשית חכמה! כד כניש כלא לגויה ואתעביד *טא רמא לאשאמא כלא יטא דאקפו מימוי שאיב כל מימין דעלסא וכניש לון ’לגדה ומיין אזלין ישאפק ואשתבן כיה זרא נפיק מגו עלאה (פי* בינה) וסימניה דרזא דא מבטן מי יצא הקרח (איוב ל״ח׳ כ״ח) דמימוי נלידין ביה לשאבה האי קרח ימא דקפא לא נגרין מימוי אלא בשעתא!*תוקפא דררום מטי ־לגביה ומקריב ליה בהדיה כדין מיא!*הוו נלייץ בסטר* דצפון משתארן ונגדין (?ובנרין) דהא מספרא דצפון גליד" מיא, ומסטרא דדרום [טיא] משתארן ונגדין(ננרין לאשקאה כל חיות ברא וכוי. Ferner fol. 20 col. 4: גן נעול דכלא אסתים ביה דכלא אתכליל ביה.גל נעול דההוא נהר נגיד ונפיק ועייל ביה(נ״א־בהו) וכליל ולא אפיק וקדשי מיא ביה וקיימי מ״ם בגין דרוח צפון נשיב באינון מיא וזרתקרישו ולא נפקי לכר עד דאתעביד קרח ואלמלא סטרא רדרום דאקיש תוקפיה בהאי קרח (ואתיך ליה) לא נפקי מניה מייא לעלמין ובו- Es ist offenbar und nicht zu verkenne», daß hiermit der Vers, des Sohar aus einer alten jüdische» Quelle die N«e der ״Eiszeit" unseres Planeten, in seiner bekannte» symbolisirende» Weise, sich aneignet. Diese Editio Sulzbach liest im aüegirten zw eiten Textstücke als Variante (נ״א) für ביה zum dritten Male vorkommend: בהו! und es ist vielleicht nickt zu gewagt, anzunehmeu, daß auch für die andern 3 Male .ביד, die Lesart בהו z» setzen ist, welches im Sinne von ״Eis, Kälte" der ganz» Stelle einen guten Sinn giebt. Stach וקדשי מיא erscheint ביה oder vielmehr בהו fast sicher als Aequivalent uild Verdeutlichung des Wortsinnes! Die Octav-Edition des Sohar, Amsterdam 1728, hat nur die obencitirte zweite Stelle der Ed. Sulzbach, liest in derselben jedoch anstatt (נ״א בהו) dieses Mal einfach בהו! und läßt dabei hier .ביר ganz weg! Allerdings liegt mir auch eine Soharauögade Lemberg 1860 und eine spätere Warschauer Ausgabe vor, wo selbst jenes einmalige TO ganz beseitigt ist! Bei dem Mangel alles kritischen Sinnes dieser beiden Druckausgaben beweist dereifLe-art Nicht-*), während gerade die ausschließliche Entscheidung für בהו (ohne נ״א) m der viel sorgfältiger» und verhältnißmäßig alten Amsterdamer Edition 1728, von schwerwiegender Bedeutung ist. ׳ >) Daß sich in der Sammlung bei Responsen Elia «itrachi« auch nicht diese« angehSrend« Resp. befinden, ist übrigen« schau au» de« 11. - telblatte ersichtlich:.-,השובות שאלות מהגאון מאליך* מהרד אלי י מזדדוי זלהח ומרבני ספרד וצרפת ואשכנושנמצאו בזמן הרב• *) Bgl. Literat urbl. Nr IS 8. 75 Anm. 2. ־ - •) S» fehlt auch in dtesen Aurgade» die oben au» der fjöl.'ÄS; Sulzbach 1684 fol. 2 citirte Stelle vollständig. Bekanntlich ist jedach di« Sulzbacher Sohar-Lusgab« die beste.