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Das jüdische Literaturblatt · 1877-05-24 · N° 21. (24.5.1877) · p. Seite 82

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 21. (24.5.1877)
Date
1877-05-24
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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82 -*■;זז ihnen fremd wm; sie träumten von der Verwirklichung des KealS auf diese! Erde und in baldiger Zeit." ...... ״Indem sie in das «Gebiet des reinen Idealismus das GoUesreich »ersetzen, welch«! die Erde nicht duldet, gründet ein Theil seiner Söhne d:s Christenthum, während der andere fortfährt, selbstmitt n in den Scheiterhaufen des Mittelalters, irie unerschütterL he feierliche Betheuerung auszurufe»; ״Höre Israel, Jehova, >ein Gott, ist der einzige, ewige -Gott; geheiligt sei Sein Name!" — Diese mächtige Ueberlieferung des - MealiSmus und der Hoffnung, im Widerspruch mit jeder Hoffnung, diese Religion, welche von ihren Anhängern die heldemnüthigsten Opfer erlangt, ohne daß es in ihrem Wesen Legt, ihnen etwrs Bestimmtes über das Leben hinaus zu versprechen, — i ies war der gesunde und stärkende Kern, aus welchem Sp «oza sich entwickelte." (Seite 8)...... ״Die große Israelitische Äteratur war seine erste, und, um wahr zu sein, feine inmerwährende Lehrerin, die Betrachkung sei- .»eS Lebens." In! Grunde war er den wahren Vätern des Judenthumes er! eben und insbesondere dem großen MainwnideS" (Seite 9).. Hierin irrt Renan, den Philosophemen und der Exegese des Main». war er nicht hold. — ״Die Verfolgung« r des Mittelalters halten aber auch ün Judenchum die gewöhnliche Wirkung aller Verfolgungen hervorgerufen; sie halt m die Geister eingeengt und furchtsam gewacht" .. ״' Dit * Kühnheit des jungen Spinoza wurde noch schlimmer ׳;ufgenommen; man versiuchle ihn und er müßte eine Excom nunication erdulden, dieer nicht gesucht hatte. Es ist ja dies stets die alte Geschichte; die religiösen Gemeinde», wohlthättge Wegen von so hohem .Ernst und Tugen «n, gestatten es nur, ־ daß man sich ausschließlich in ihre!» Schooße birgt; sie haben die Anmaßung, auf immer das jeden einzukerkern, welches aus ihnen seine Anfänge genommen hat; sie behandeln als Abfall vom Glaude« die rechtmäßige Emancipation des Geistes, welcher seinen Flug allein zu tehmen sucht" (Seite 10). ״Spinoza war der größte der modernen Juden und das Judenthum verbannte ihn; nichts einfacher; es mußte so sein; es wird immer so sein" ...;. 1850 Jahre sind es her, daß die Synagoge den alsVerführer erklärte, welcher aus den Grundsätzen der Synagoge eine» Erfolg ohne Gleichen er- «Ligen sollte, llud die christliche Kirche, wie oft hat sie nicht aus ihrem Schooße gerade Diejenigen verjagt, welche ihr am meisten Ehre machei^solllen?".(S. 11). Vielleicht gaden ihm seine Erinnerungen an die jüdische Theologie, diese auttke Weisheit der Hebräer, vor welcher er sich häufig neigt, höhere Anschauungen und ehrgeizigere Erhebungen zum Hochstrn ein." Man kann in den so eclataüt sich widersprechenden Sufichten des Franzosen und der deutschen Schriftsteller leicht die verschiedene Sfellung sich abspiegeln sehen, welche das Indenthum in Frankeich und Deutschland einnimmt. Die vollständige Gleichstellung des israelitischen Cultus mit den übrigen Coufesfionen ist Frankreich hat dort nicht nur Borurtheilslofigkeihsondern auch eine gerechte Würdigung der Verdienste des israelitischen Volkes und deffen geistigen Schöpfungen ersprieße» laffen. Renan's Festrede verdient weit hin zu Hallen in alle unfreien Lande und Gemüther. 2) Die Schrift des Herrn vr. Rothschild zeichnet sich durch eine ähnliche objective Darstellung aus. Es ist verdieustvoll immer und immer wieder von Neuem die Bodenlofigkeit der Vorurtheile aufzudecken und speciell bei dem wahren Begründer der neuern Philosophie die jüdische Grundlage nicht lächterdings hmwegdisputiren zu laffen. So ganz und gar freilich, wie:Herr Or. R. (Seite 30) den fpinozistischen G«tt mit dem jüdisch«» Jehova identtficirt, kan» kein gründsicher Spiuqakenuer ihm bejstimmen. Süch darin nicht, Sp. «den Grundlchren des JudenthumS üb«zeugungSvoll treu blieb" (Seite 10). Selbst die fteifinnigste Auffaffung welcher positiven RÄigion immer bleibt, wie Reoensent dies in der Gartenlaube Nr. 9, in dem Aufsatze ״der Sokrates der Neuzeit", betont hat, weft entfernt von Spinozismus. Vollkmnme» richtig iß es aber, was der Verfasser in Ueberein- * * - : stimmung mit den bedeutendsten Kennern der Sp. Philosoph^ in der Gegenwart — auch mit Renan — annimmt, daß de» Gottesbegriff dieses großen Denkers, der wie ein ein rothe! Faden durch deffen ganzes System sich zieht und es im Innersten zusammenhälr, den ihm von einem gläubigen, aber unphilosophischen Zeitalter aufgebürdeten Atheismus weitvon sich weist. Zu verwundern ist es, daß der Berfaffer bei seiner kundgegebenen Belesenheit, die ihn zuweilen verleitet hat,'sich eine gewiffe Beschränkung aufzuerlegen, es gänzlich übersehen hat (S. 17). daß der ״Briefwechsel" in den gleich nach dem Tode des Philosophen veranstalteten Ausgaben erschienen ist; ״in der jüngsten Zeit bekannt geworden" ist nur Ein Brief. Solche Versehen verkürzen aber nicht den Werth des Schriftchens, welches die Zeit und Philosophie des Sp. in 32 Seiten recht anschaulich darstellt 3) Die Schrift des Herrn 0r. Weise ist eine quellenmäßig gründliche Arbeit, welche die Jugend zu dem Entschluffe anzuregen vermag, ״cm Charakterstärke und Sittlichkeit dem großen Denker aus Amsterdam nahe zu kommen." Um so mehr muß man gerade in einer solchen Schrift Sätze vermeiden, wie (S. 4): ״Er (Sp.) zog daraus die Folgerung, daß die Lehren und Prinzipien der jüdischen Rabbiner lächerlich und verwerflich wären und keineswegs, wie es jene ohne allen Grund behaupteten, von Gott kämen." Heißt dies über Spinoza im Geiste Spinoza's schreiben? Hat dieser nicht gelehrt: ״man soll die Gedanken und Handlungen der Menschen nicht verlachen und nicht beweinen, nicht vergöttern und nicht verachten, sondern verstehen?" Eine quellenmäßige Arbeit muß auch die Quellen genau prüfen, ob sie nicht durch schlammige Zuflüffe getrübt sind, und darf nicht einem judenfeindlichen Biographen die Worte nachschreiben (S. 5): ״Sie hätten ihn (Sp.) seinen «Spott über die Juden treiben hören, als über Leute, die in Aberglauben und Unwiffenheit geboren und erzogen wären, die nicht wüßten, was Gott sei und doch die Unverschämtheit hätten, mit verächtlicher Ausschließung anderer Nation sich sein Volk zu nennen." Aus solchen Ausdrücken spricht nicht die bekannte Seelenruhe des großen Denkers. In einem Programm für die Jugend sind solche Worte doppelt gefährlich. Im Ganzen aber hat der Berfaffer dennoch ein klares unb anmuthiges Bild vor die Augen der Jugend gestellt; er hat es verstanden, die herrlichsten Züge aus dem Leben des Denkers hervorzuheben, beispielsweise auch, und vielleicht zum Aerger derjenigen, die den Talmud und seine Grundsätze zu verdammen belieben, den Umstand, daß Sp. ״nach den Lehren des Talmud (Pirke Aboth), nach welchen man sich nicht damit begnügen sollte, das Gesetz und die Literatur zu studiren, sondern nach welchen man auch ein Handwerk oder eine mechanische Kunst zur Ordnung und Regelung des Lebens zu treiben verpflichtet ist, Gläser für Mikroskope und Teleskope zu schleifen gelernt hatte,.um seinen Bedarf an Lebens- und Subsistenzmitteln zu decken." (S. 7.) Es bezeichnet den Riesenfortschritt unserer Zeit in einem Programm eines königlichen Gymnasiums ein Lebensbild des ersehnten Philosophen zu finden. Würden viele Lehrer nach dem gegebenen Beispiele, statt, wie es noch leider oft geschieht, confessionelle Reibereien und den religiösen Haß sogar in ver Schule zu hegen und zu schüren, ernstlich bestrebt sein, die edlen Erscheinungen des jüdischen Stammes, allerdings mfl Vermeidung unvorsichtiger Aeußerungen, wie es die gerügten sind, vorzuführen, dann könnte man wiederum mit Stolz be- Haupte», die Schullehrer hätten den großen Sieg erfochten — im Kampfe gegen das verjährte Vorurtheil. Jesuiten als Censoren hebräischer Bücher. Es erschien jüngst hier in Wien eine Schrift: ״Gerhard van Swieten als Consor," von vr. August Fournier. Dieser van Swieten war Leibarzt der Kaiserin Maria The׳ refia, Mitglied der CensursCommission und später Präsident W derselben. Er war durch t!nb durch Erzkatholik und ein Geg'W 1 ׳ ז• Mk

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