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Das jüdische Literaturblatt · 1877-05-24 · N° 21. (24.5.1877) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 21. (24.5.1877)
Date
1877-05-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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. ’ י'י : . -d VI. Jahrgang. M 21. Zur Beleuchtung aller Judenthu» ». Juten betreffenden litecnrischen «rschciuungrn aus de« Ledirtc dtrptzitoff^>tzir,<8eschichte,«kthnograpl>te.rheol<>g>c, -rientalia, Sxegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Di׳. Moritz dkahmer. Magdeburg, 24. Mat 18??. Bücher der einschlägige, Literatur, »eiche der Nr», de« ״Jit. Literat»rdlatt" in Magdekurg (»der der ^»raet. Wecheuschr.- in Stettin) xugrsandl »erden, finden in diese» Blatte «ingehende Besprich»»,. Das״Mi». StUtAturblatt“ erscheint wöche ntlich einmal; Preis pro Jahrgang 8 Mark, mit der ״Israelitischen Wochenschrift": 10 Mark | Zu be,,ehen durch alle Buchhandlungen sin Leipzig durch Rodert Friese), oder durch direkte Bestellung bei der Expedition der ,Lsraelitischen נ «ochenschrtst" in Magdeburg. — Inserate werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet. ' Inhalt. Kurze Abhandlungen: Spinoza. Jesuiten als Eensoren hebräischer Bücher. Ueder das O'HTt'N "Oft aus den makkabäifchen Münzen. Literarische Notizen von Dr. L. Lewyfohn. Notizen zu den ״Literarischen Notizen". Literaturbericht. Recensionen. Friedmann, M. Die Äbräer, ursprünglich ein ackerbautreibender Etamin. Literarische Anzeigen. Spinoza. 1) Festrede zu seiner 200jährigen TodeSseier am 21. Februar, gehalten iin Haag von Ernst Ränan; übersetzt von Richard Leffer. Wien, Pest, Leipzig, A. Hartlebens Verlag. 1877. 2) Zur Rechtfertigung seiner Philosophie und Zeit. Eine Denkschrift zum 200jährigen Todestage von Dr. Rothsch ild, Rabbiner in Alzey. Leipzig, Erich Koschny. 1877. 3) Kurze Darstellung von Spinoza's Leben vom Gymnasiallehrer Dr. Hermann Weise. Programmschrift des königl. GymafiumS zu Salzwedel. Ostern 1876. Besprochen von Dr. M. Dessauer in Cöthen. Es ist in letzter Zeit bei Gelegenheit seines 200jährigen Todestages in Journalen und Brochüren viel über Spinoza geschrieben worden. Man kann aber nicht sagen, daß da lauter Gründliche- und Vorurtheilsloses zu Tage gefördert wurde. Freilich, was die Gedanken und Lehren Spinoza's -mbelrifst, da setzt die Gründlichkeit schon ein tiefes Versenken in den schwierigen Stoff, in die knappen Lehrsätze, Definitionen und Axiome voraus. Aber auch der äußere Rahmen seines Lebens ist vielfach schief und leichtfertig dargestellt. Da macht beispielsweise Herr Dr. Friedr. Kirchner in der ״Jllustrirten Zeitung" den Freund und gewiffermaßen Schüler Spinoza's zu seinem Lehrer und benennt seine geliebte Clara Maria mit dem ihr von Berthold Auerbach gegebenen romangerechten Namen Olympia! Da echauffirt sich Herr Wil- Helm Bolin in der ״Gegenwart" über den Namen Baruch. Wir pochen gewiß nicht auf seinen jüdischen Namen,, namentlich wenn von der Zeit die Redö ist, als er schon in Folge des Bannes und durch seinen fast ausschließlich christlichen Umgang ein« halbfeindliche!Stellung gegen die Synagoge, die ihn ausgestoßen, eingenommen hat. Ader wenn man in einer biographischen Skizze gegm die Wahrheit nicht verstoßen will, so kann man nicht anders als von Geburt und Erziehung des jungen Baruch sprechen. Nahm er ja den Namen Benedikt erst später nach der Achterklärung an. Woher wüßte denn Herr B., daß Voltaire A r o «S t geheißen, wenn dessen Biographen diesen Namen verschwiegen hätten? Ein anderes Jntejreffe bindet auch uns nicht an den Namen Baruch, und wir accepliren gern den gleichbckeuteuden Benedikt Wie viele hebräische Namen werden heute nicht in modern klingende umgewandelt! Der Name thut yichts zur Sache. , Aber was soll man zu dem Satze des Herrn Bolin sag«: ״Wenn irgend jemals physisch-nationale Abstammung bei einer weltgeschichtlichen Größe gleichgültig ist, so trifft dies . bei Sp. zu; nur durch sich selbst wurde er das, wofür ihm unvergänglicher Ruhm gebührt!" Wie? Ist denn wirklich die Religion oder Abstammung ein so gerüngfügiges Agens i« Leben und Denken eines Mannes? Herr B-.glaubt!-doch dafür eine paffende Parallele in Christus gefunden zu haben, der nach ihm auch eine solche von nationaler und physischer Abstammung losgelöste, rein kosmopolitische Persönlichkeit -ewesen sein soll. Doch nur ein seichtes, leichtfertiges, von redlicher Forschung weit entferntes Uriheil vermag Jesus Leben und Denken, seine Lehren und kernigen,Aussprüche von der israelitischen Wurzel gewaltsam loszureißen. Herr F. H. im ״Neuen Blatt" entschlüpft, der sehr ungenaue Satz: ״Früh kam er zu der Erkenntniß, daß die Bibel und der Talmud nicht die Offenbarungen einer großen Weltseele, daß sie vielmehr menschlichen Ursprungs seien." Spinoza hat sicherlich mehr, als Herr F. H, den Talmud gekannt und gewußt, daß selbst der orthodoxeste gebildete Jude ihn für ein menschliches Erzeugniß hält. Ebenso oberflächlich schreibt Herr Schmidt-Weißenfel-, in ״Ueber Land und Meer": ״Es sei seine erste sich befreiende That - gewesen, vom Judenthum abzufallen" oder kichert hier die Freude darüber zwischen den Zellest? Unumwundener spricht Herr E. Kr. in der Magdeburger Zeitung von dem ״Fluche der fanatischen Judenschaft", wie er analog ohne,Umschweife von den unzähligen Bannflüchen, Hexenverbrennungen und Autodafes der fanatischen Christenheit reden würde. Nicht? — Stellen wir solchen, von einer dichtern oder dünneren , Nebelschicht des Vorurtheils umwobenen Darstellungen das rein objektive Urtheil und die würdige, edle zur Feier eines, der vorurtheilslosesten und humansten Menschen paffende Sprache Ernst Mnans entgegen: ״Er (Spinoza) gehörte zu dieser großen Race, welche durch ihren Einfluß und die Dienste, wäche sie geleistet eine so ausnahmsweise Stellung in der Geschichte der Civilisation einnimmt. In ihrer Art ein Wunder, nimmt die Entwicklung des jüdischen Volkes sogleich ihren Platz ein neben dem andern Wunder, der Ent- Wicklung des griechischen Geistes״, denn wenn Griechenland zuerst das Ideal der Poesie, der Wissenschaft, der Philosophie, der Kunst und der bürgerlichen Gesellschaft verwirklicht hat, so hat dajüdische Volk, wenn ich so sagen darf, die Religion des Menschengeschlechts geschaffen. Seine Pro» pheten führten in die Wett di« Idee der Gerechtigkett ein, die Forderung der, Rechte des Schwachen, eine um so gewichtigere Forderung, als jeder GÄanke an eine zukünftige Vergütung

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