Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 19. (10.5.1877)
- Date
- 1877-05-10
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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75 Hier haben wir die Achillesferse der Vermittlungstheologie des Protestanten-Vereins. Man lese §. 38 ״das Berhör" (S. 372—373) bei unserem Verfasser, und man wird erkennen, zu welchen Verdunkelungen hist. Thatsachen man Zuflucht nehmen muß, um die Person Jesu von dem Glauben an die Gottessohnschast sernzuhalten. ״Kajapha befragte ihn, ob er der Messias wäre. Da das für Jesum eine Kardinalfrage war, so nahm er nicht Anstand dieselbe zu bejahen ... Durch die Betheurung, der Messias zu sein, war Jesus dem Gesetze verfallen... Der Hohepriester zerriß zum Zeichen de- Frevels sein Gewand mit den Worten: ״Er hat Gott gelästert". Auf Gotteslästerung stand nach Mischna Sanhedrin V, 7 (s. h. 7,4) die Strafe der Steinigung .. .". S. 376. Diese ganze Darstellung ist namentlich bei unserem in der talm. Lit. kundigen Verf. höchst auffällig. Daß Jesus sich für den Messias erklärle, konnte entschieden nicht als Gotteslästerung angesehen, noch weniger als solche bestraft werden. Im Judenthum ist schon gar Mancher mit messianischen Prätensionen aufgetreten und hat Anhänger gefunden, ohne daß es als ״Gottesschimps" גדוף angesehen worden. Man braucht blos an Barkochba, dem eine Zeitlang R. Akiba anhiüg, zu erinnern. Die ״Staatsgefährlichkeit" des Ausspruches aber konnte den Hohenpriester nicht zu ״ קריעהKleiderzerreißen" veranlassen. Nun aber berichten die drei Synoptiker (Matth. 26, 64; Marc. 14, 62; Luc. 22, 69) übereinstimmend ausdrücklich — und gerade sn diesem Punkt trägt der Bericht zum großen Mißvergnügen gewisser Theologen den Stempel der Historicität — daß es sich hauptsächlich um die Frage Handelte, ob er sich für Gottes Sohn erkläre, was er ohne Umschweife bejahte: das mußten die Synhedristen allerdings als ein גרף, eine Gottesschmähung ansehen. Der sicherste Beweis hierfür ist das Benehmen des Hohenpriesters, das historisch verbürgt ist. Als Zeuge einer ״Gottesschmähung" war er nach jüd. Gesetz gehalten, seine Kleider zu zerreißen. Man sollte meinen, daß über diesen Punkt die Akten geschloffen werden könnten, nachdem der bedeutendste Vertreter der Tüdinger Schule seine früheren Anschauungen so bedeutsam modificirt hat. Wir haben keinerlei Sympathie mit den Theologen des Atheismus, an deren Spitze Strauß vor seinem Tode sich gestellt hat, noch weniger aber mit den entnervten Kreuzzeitungsmännern. Wir würdigen die Stellung und die Bestrebungen der Männer des PB. vollkommen. Allein wir können die Wahrheit nicht verschweigen: für eine vernunftgemäße Religionsanschauung, fern von allem Unglauben und Aberglauben, kann blos das hebr. proph. Schriftthum Boden sein. Kobylin, im März 1877. Das Todesjahr Juda SWenj'. Gestützt auf eine Notiz bei Chaskitu, dem Biographen Abrabanels, wird als Juda Menz' Todesjahr von Zunz (Zur Gesch.) sowohl wie von Ghirondi (III 89 1408 (כרם המד angesetzt. Nach Gractz Gesch. Bd. 8 S. 264 starb I. M. erst 1509.') Ich glaube indessen behaupten zu können, daß I. M. mindestens im פיון ר״ף (Mai 15 2 0) noch gelebt habe, der Beweis hierfür ist folgender: Juda Menz' Resp. Nr. 10 ist gerichtet gegen einen gewiffen Gerschom Bonafaco.') Dieser hatte, da seine erste Frau kinderlos geblieben war, gegen das Verbot des Rabbenu ') Die Angaben Fraentel's in Orient, Litbl. 1846 p. 520 sind salsch. F. hat die sehlerhaste Fürther Ausgabe der Responsen I. M. benutzt und nach dieser seine Behauptungen aufgestellt. ' ') Dieser Mann, dessen Namen I. M-nicht ohne die entehrendsten Epitheta ausspricht.מוחרם, פלגאה׳ צדוקי, מנודה und von dem er einmal (Resp. 10) sagt: שאץ בו, לא תורה ולא סברא, לא דעת ולא כינה .וכר war Rabbiner in Corfu, wie aus demselben Resp. 10 hervor- ועל כן אין לסמוך על הוראותיו לא מבעי׳ הוראות הנוגעץ בעריות ועדיות אלא אפילו סתם הוראות•• Daß« m Gerschom noch eine Frau geheirathet. Juda Menz war gegen ihn eingeschritten, dieser jedoch hatte ein Gutachten Elia MiSrachi's eingeholt, der es ihm gestattete. Als nun. I. M hiervon Kunde, erhielt und die Gründe, welche nach den Worten jenes G. B., E. M. für seine Entscheidung geltend gemacht haben sollte, erfuhr, behauptete er, es könne durchaus nicht möglich sein, daß E. M. so entschicken habe, und wen» eS dennoch geschehen sein sollte, so sei seine Verbindung mit jenem Bösewicht Schuld daran.') Nichtsdestoweniger widerlegt nun I. M. die im Namen Elia Misrachi's angeführten Gründe aufs Schlagendste. Nun hat aber G. B. nicht gelogen (wie I. M. annimmt), sondern E. M. hat es ihm in der That gestattet, und zwar aus den in seinem Ramm angeführte« Gründen. Vgl. Resp. Nr. 14 der Resp. Elia Misrachi's, überschrieben: אהובי ידידי ידיד ר׳ מרה גרשם יצר. Das Resp. schließt nun! aber mit folgenden Worten: ולולא אהבתך החקוקה בלבי אבל לא הייתי משיב על זה מפני שאני מרוד מסבת החלול, מו״הר' שאלתיאל..בכמה מיני טרדות הנגיד יצר אשר כבר גזר המלך להשיבו על כנו ובפרט בעת מכתב הפסק הזה גם השליח עמד עלי. בנתיצה גדולה וכוי- Es geht hieraus hervor, daß, als E. M. jenes Gutachten an G. B. schrieb, bereits vom Sultan die Wiedereinsetzung des Kahrja Schaltiel angeordnet worden war. Dies geschah nun aber, wie aus Resp. E. M. Nr. 15 hervorgeht und auch Grartz Bd. S S. 39 angiebt, im פיון רף (d. i. Mai 1520). Da nun aber Juda Menz' Gutachten sich erst gegen dieses richtet, so muH es doch später als dieses, also später als im Mai 1520 ab» gefaßt sein. Juda Menz kann also nicht, wie bisher angenommen wurde, schon 1509 gestorben sein. Breslau. Bernhard Ritter. Literaturbericht. Rrieufiourn. Anckermanbek, Di•. M. ©., Tosest« nach •den Erfurter und Wiener Handschriften mit Parallelstellen uud Varianten. Lieferung I. Pasewalk 1877. Dem Anerbieten meines Freundes, des gesch. Herausge» bers dieses Blattes, eine Anzeige der neuen Tosesta-AuSgabe selbst zu machen, komme ich um so eher nach, als ich die B o rrede, in der ich den von mir befolgten Plan bei der Herausgabe auseinandergesetzt, der ersten Lieferung nicht beigeben konnte, lieber die Erfurter Hschr. ist außer meiner Schrift ״die Erfurter Handschrift der (lies: von) Tosefta" (Berlin 1866) noch zu vergleichen: Symitta von P^ul de Lagarde Corfu gelebt, geht aus demselben Resp. (besonders Schluß) hervor. 3.^8. stand in freundschaftlichem Verkehr mit Elia Misrachi. Außer Resp. 14 in seiner eigenen Angelegenheit 'find an ihn gerichtet Resp. SO und SS der Resp. E. M. (vgl. auch den in Rr. Sb derfelbrn Resp. enthaltene« Brief) E. Mbehandelt ihn Mit der größten Achtung, vgl. Resp. SS: נבדא רבא בוצינא דנהורא, רבא רעמיה מדבדנא דאומתיה החכם השלם כבוד רבי גרשון יממדהו צורו «Daß der hi« ge. nannte 3, uns« 8. B. ist, geht mit voller Bestimmtheit aus dem Briefe in Nr. Sb hervor). In d« That scheint 8. Bauch durchaus streng« Rabbin« gewesen zu selb. Er v«bot z. B. den Männern, am Purim Frauenkleider anzulegen, was ihm I- Mfreilich als «ine Anmaßung quslegt, daß er es wage, etwas zu verbieten, was alle die Großen und Frommen der Vorzeit gestattet hatten' (vgl. Resp. I. M. Nr. 16). Jnd« Renz' feindseliges Auftreten gegen ihn Ährt wohl hauptsächlich daher, weil er gegen חרם ד״ר״ג zwei Frauen geheirathet hatte. Beiläufig wirft « ihm auch noch vor, daß er ein« Urkundn gefälscht hnb«: אבל כי נהג בשכבר.לבי אומר לי שהוא.פסול וזיוף להצטרף לכה״ג בענץ העדות הפסול שנגבה בסוד בקורפה < שזייפו תקנה במקום סכנה- ולכן אץ להאמין.'..... ואם חם ושלום יצאה המכשלה (י הזאת מתחת ידו שותפותיה שנשתתף עם בר עבירה כי האי נברא גרמה לו וכן. המדה וכר•