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Das jüdische Literaturblatt · 1877-05-10 · N° 19. (10.5.1877) · p. Seite 76

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 19. (10.5.1877)
Date
1877-05-10
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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Etttiqgen 1877 S. 153 ff. U«b«r die Wiener Hschr. habe ich in dies. Bl. Nr. 4—7 abgehandelt. Ob, Wie^ ein junger Gelehrt« (Herr Lhaim Horowitz) mir vermuthunßs weise mittheilt, die von R. Moses Margolüh erwähnte 3wsesta»Handfchrift, die nach seiner Aussage älter als tausend Jahre war*), eine der beiden genannlen ist, läßt sich so leicht picht bestimmen. Daß es di« Erfurter nicht war, ist sicher/ weil diese wohl mehrere Jahrhunderte in Erfurt aufbewahrt wird (vgl. m. Erf. Hschr. S. 17), sicher aber ist, daß sie schon im vor. Jahrhnnderl dort sich befand, da I. H. Michaelis vor 1704 (vgl. Symmiita 131, 137) diesen Codex als «xjex Miscbuiaas bezeichnet. Ä. Moses Margolith kann ihn älso im vorigen Jahrhundert in Italien, wo er sich aufhielt, nicht gesehen haben. Der Wiener Codex hat aber heute noch nicht das AuSsrhen eines tansendjährigen Alters, obwohl er wahrscheinlich ans Italien stammt, wie die lateinische Unterschrift mit dem noch leserlichen honorabilis, das mit derselben Dinte geschrieben. ist wie die Verkaufsurkunde, (1340) beweist (vgl. oben S. 19 Amn. am Schluß). Möglich ist es, wie der genannte Gelehrte meint, daß es dieselbe ist, die Asnlai gesehen hat (Schem Hagedolim H 8ub voce), denn er sagj, die Handfchrift enthalte alle 6 Ordnungen und hebt von ihr nicht hervor, daß sie besonders correct ist, wie man es hätte erwarten müssen, nachdem er die Ausgabe ihrer Corruptäe wegen tadelt**), wie in der Thal viele Fehler der Ausgabe sich schon in der Wiener Hsch. finden (vgl. 24,6, 82,17, 83)25, 96,13, besonders 66. 1—12 meiner Ausgabe***), ferner die vielen Lücken in dieser Hsch., die auffallen müffen, obwohl viele grobe Fehler der Ausgabe in der Wiener Hschr. nicht vorhanden find. So stimmt in den in einer Erfurter. Hschr. gegebenen Variantenproben in den meisten Fällen die Wiener Hschr. mit der Erfurter.) י י' י ״ Mein Streben bei der Herausgabe war darautf gerichtet, die Pflicht eines Herausgebers nach Kräften zu erfüllen, der -sein Subjekt ganz zurücktreten lasten und es dem Leser überlasten muß, ein llrchell über die LA. sich zu bilden. Ich habe deshalbeineTextrevision, nichtTextesrecensivn, gegeben. Jeder Idrichige wird wissen, wie trotz der genauesten Sorgfalt sich doch Fehler einschleichen.- Ich habe deshalb nach dem Drucke noch einmal eine Collalion nach der Hschr. öorgenommen und auch die leiseste Abweichung des Textes angegeben. Diese schon gedruckten Verbesterungen werden der zweiten Liefrrnng beigegeben werden. Daß Jemand vielleicht doch noch einzelne Abweichungen heraussinden wird, ist wohl möglich, aber da-, glaube ich, ist das Schicksal jedes Menschenwerkes. Ich glaube das Meinige nach Kräften gethan zu haben, und was übrig bleibt, ist den Nachfolgern Vorbehalten. Zunächst kann «an diese Ausgabe im Vergleiche zn den bisherigen mit gutem Gewisten correct nennen. Ich habe de« Erfurter *) Ich grb« dies» Stelle in der Vorrede, auf w«kch« ich durch die הקרמה des Somata^«« JU Tosest» Moed von St. Keaachem aus Sklow, «eiche« Bach ich durch Herrn St. R. Siabbinowitz der Bibliothek des ruh»lichst brfmitcn Herrn L. Merzbacher entlieh?«, aufairrksaal gemacht wurde. Ob die Behauptung von St. Mose« Margolith bezüglich des Alters jener Hschr. aus sicher« Beweis« sich stützt oder nur vermuchung«weise ausgesprochen wurde, ist jedenfalls zweifelhaft. . —> Sein« Wort« lauten תוספתא •שבידינו והיא מלאה טעיות וראיתי תוספתא כלה קדמניות כתובה על קלף־כל שיתא סדרי מסודרים י» ohne ein Wort weiter über die Handschrift zu sagm. **•) Wie man Eitaten nicht trauen kann, beweist folgendes. Edel» «arm ltzaphror Wapheraeh 1, 1 citirt im Stamm vo» Zunz »ובתוספה א״ד נזכר עת תרע דנב כפר יערים ובתום' רמאי ס׳א 34 •חצטיה . . «underte mi$ nicht wenig, daß 'Zun, au« Tosrfta Denrai kMrt haben soll, wo Stichts davon vorlommt, ich dachte schon, es «M heißen Jerusch. Dem« s, aber dieses Litat wird auch in Edel- «ann dllf. erwShnt. Ich'schlug nun Zunz nach, da findet sich gesamveelte Schrrften II. 28« »am. 1 דנב כפר יערימ und in Klammem hinter «auch Tosest« Demai 1) un» dann weiter ,*תצפין - ■ Die Wörter m Klammem beziehen sich natürlich aus ׳דנב welches Wort dort verkommt (Hsch. 463 דנב), während Edelmann, ohne nachzuschlazm, das Singeklammerte herunter bezog, was sinnlos ist. Codex zum Text genommen wegen seiner relativen Vorzüg.-s lichkeit und seines höheren Alters — in den zwei letzten Se-f darim soll der Wiener Codex in den Text genommen werden — und die Varianten in die Noten gesetzt Zur Vergleichung ' der Varianten in den Citaten der Talmuds und Midraschinl dienen die deigegebenen Parallelstellen. Meinen ursprünglichen Plan, auch diese Varianten in die Noten auszunehmen, mußte! ich, weil unausführbar, aufgeben. — Eine Probe von einem J Bogen wird hinter der Vorrede folgen. — Der Kürze und Uebersichtlichkeit wegen habe ich die von den Philologen seit Jahrzehnten erprobte Weise, Die bei Herausgabe von kritischen Werken angewendet wird, adoptirt. Für Diejenigen, die mit derselben unbekannt sind, wird die Vorrede genügeicke Erklärung verschaffen. (Schluß folgt.) פירושי תנה ישכיל עבדי Herr vr. Pusey, Prof, der hebr. Sprache in Oxford, hat von dem unermüdlichen literarischen Arbeiter, Herrn Neubauer, aus allen gedruckten und handschriftlichen Kommentaren und polemischen Schriften gegen das Christenthunl, die Erklärungen zu dem 52. Cap. Jes. zusammenslellen lasten, die nun in eleganter Ausstattung auf 400 Seiten uns vorliegen. Das Werk enthält 55 Erklärungen dieses Capitels und 27 kleinere Excerpte. Die handschriftlichen Erklärungen, aus fast allen europäischen Bibliotheken zusammengesucht, sind folgende. In arabischer Sprache, von Saadja, Jefeth b. Ali. Jehuda b. Balum, Tanchum, Anonymus und aus einer anonymen persischen und einer karäischen tartarischen Uebersetzung. Die hebräischen Stücke sind von folgenden Autoren: von Joses Karo. Jacob b. Reuben, I. b. Reuben, dem Karäer, Elieser Valence (von N. in einem Anonymus erkannt), Jesaja b. Mali, Schemtob b. Schaprut, MoseS Cohn ibn Crispin — in 2 Recensionen, u. N. bezweifelt, ob beide einen Vers, haben — Salamon Aftruc, Jsaac Cohn, Saadja Ibn Danan, Ab. Farisol, Abraham Ger, Josua Sigri, David de Rocca, dessen Erklärung aber unverkennbar nur ein kurzer Auszug aus Abarbanels Commentar ist, wie N. angiebt, und der Widerspruch von Sachs und St. ist unbegründet. — Da es nur eine Wahrheit giebt, so ist in allen vorliegenden Erkl. die Polemik gegen die Messianität Jesu's übereinstimmend und gleich, und selbst von christlichen Exegeten wurde die Deutung auf Jesus verworfen und taucht nur noch in so manchem Missions-Traktätchen auf; verschieden ist dagegen die Erklärungsweise der Commentatoren, die theils messianisch ist, theils historisch auf die Leiden Israels, oder individuell auf Jeremia, Josia u. A. ״Die Talmudisten (?) sagt Gesensus, hätten dieses Cap. zu einem Schuh verglichen, den der Prophet den Erklärer» hingeworfen, um ihn anzupaffen, wem sie wollten". In der That finden wir aber nicht eine einzige Erklärung, in der alle prophetischen Bilder dem vorzustellenden Subjekt entsprechen, und es bleibt immer ein nicht g erlügend erklärter Vers als Fragezeichen zurück. I. Caspi — citirt bei S. Danan — macht es den messianischen Erklärern zum Vorwurf, daß sie ״den Irrenden Veranlassung gegeben hätten, die Prophetie auf Jesus zu deuten"; weit mehr Tadel verdient der Erklärer Jsaac Cohn (Sir. 26), der keinen Anstand nahm מוכה אלהים in Vers 4 auf den Tod Jesus zu beziehen und nennt noch diese Erkl. die beste, und ebenso will er in איש (V. 6) den Namen Jesus in den Buchstaden und dem Zahlenwerth finden. Ob Herr Pusey bei dieser Edition einen antichristlichen Zweck vor Augen hatte, oder sich nur einen literarischen Luxus erlaubte, werden wir wohl im Vorwoxt zu seinen Uebersetzungen im 2. Theil erfahren, jedenfalls gebührt ihm Dank dafür, durch Neubauer diese in den Bibliotheken verborgenen Literaturstücke, wenn auch Schlacken darunter sind, ans Licht gezogen zu haben, der sie noch mit einem literar-historischen Vorwort vortrefflich ausgeschmückt und auch die gedruckten hebräischen Texte nach Handschriften emendirl hat. ist. K. Stfeffftft«*t Siecens. über Reumann's ״di«heil. Stadt" und Kaus»ann's geh. Hal. in nächster Rr. Berantwortltcher Redakteur: Di•. M. Stahmer, Druck von L. Scharnke in Barbq. Verlag von Stöbert Kriese in Leipzig.

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