Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1877-05-03 · N° 18. (3.5.1877) · p. Seite 71

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 18. (3.5.1877)
Date
1877-05-03
Page
Seite 71 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/5367336-6488232-8754601--0741-4854236
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

•י׳‘Vf1ל!5ןד^זדיי^^ — 71 — י wollten, die der Sohn seiner Mutter schulde. Von unserem Vers, ist dieses Anerkenntniß höchst löblich und gewiffenShaft. Was wir aber in einem Leben Jesu vorzüglich eirwarten, das vermissen wir. Jesus, der di« Peruschim der Vernachlässigung der Elternliebe zieh, — welche Lehren hat e r von Kindespflichten und Kindespietät seinen Jüngern eingeschärst? Welches Beispiel der Ehrfurcht vor Eltern gab er selber? Eine Gegenüberstellung wäre gerade hier interessant, sie würde uns dieF o r t s ch r i t t e deutlicher erkennen lasten, welche das Christenthum in der sittl. Hebung der Familie, in der Schaffung neuer Liebesbande zwischen ihren einzelnen Gliedern erstrebte unb erzielte. Fortschritte — unser Versist aufrichtig genug, zuzugestehen: (S. 252) ״Von Jesu vernehmen wir nie ein Wort liebender Anerkennung gegen seine Mutter." Auch ihm, unserem Vers., gefällt die Scene, deren Matth. 12, 46, Marc. 3, 31, Luc. 8, 19 erwähnen, nicht besonders: er vermag darin nicht ״das geringste Zeichen kindlicher Pietät" zu erblicken, er erachtet sie nicht blos ״als einen Akt der Unkindlichkeit, als eine liefe Verletzung des mütterlichen Zartgefühls," sondern auch als einen — ״sittlichen Verstoß." Dieses höchst problematische Verhalten Jesu gegen seine Mutter hat keine Entschuldigung in einem möglicherweise bestandenem Zrrwürsniß; ״die grobe sittliche Schuld" findet ihre Erklärung in seiner ganzen schwärmerischen weltflüchtigen Lebensanschauung. Offenbar hatte er die zarten, kindlichen Gefühle in sich bewußtvoll ertödtel, was er auch von seinen Jüngern forderte, wenn er ihnen zurust: ״Wer Vater und Mutter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wetlh; wer Sohn und Tochter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht werth " Matth. 10, 37. Eine solche Forderung wäre selbst im Munde Zeus, des Vaters der Götter, höchst anmaßend. Desgleichen muß die Scene Matth. 8, 21—23 schwere sittl. Bedenken erwecken. Wo sind nun die Fortschritte auf diesem für das sittliche Leben so wichtigen Gebiete? (Schluß folgt.) Ein Sturm in einem Glase Safer. Bon G. Wolf. (Fortsetzung aus 'Nr. 13/14.) > Ja! daß Selbige das Gesetz gar übertreten und diesem vorgezogen werden nmßten, wie solches in dem Buch: Schaare Zedeck, Fol. 9 col 3. Item in Caphtor Uperach fol. 121, col. 1 et in Medrasch Mischte fol. 1, col. 3, wie auch bei dem Raschi in Comment. ad Talmud, Tr. Gittin zu befinden; sintcmahlen der Rabbiner Worte eben so gut, als die Worte des lebendigen Gottes seien, als welche sie von Gott empfangen hätten, Rabl» Bechai ad Deut, fol. 201, col. 4, R Menachen v. Rechanat, in seiner Auslegung der 5 Bücher Mosis und daselbst über 2. Mos. 20, v. 1, fol. 98, col. 2, Talmud in dem Tr. Roscbasch. fol. 109 col. 1. Wie dann die Uebertretung der rabbinischen Aussprüche, auch wann die Juden demselben sich widerstehen und auf ihr Wort nicht achten, solches nicht nur bei ihnen unter die rechtmäßigen Ursachen des Bannes gerechnet, sondern auch denen, welche hierinnen widerspenstig sich bezeugen, die canjectio in fervens stercus apud inferos in dem Talmud ängekündigt wie solches Bodenschar in der kirchlichen Verfastung der heutigen Juden Bart. 2, eit. tr. pag 339 Sgg. et pag. 352 Sg. — Buxtorf in Synag. Judaica cap. 3, pag. 72 Sgg. Eisenmenger in dem entdeckten Judenthum P. 1, p. 331 Sgg. weitläufig beschrieben und sowohl aus talmudische« als auch andern jüdischen Stellen saltsaist dargethan haben. Hiernächsi keinem Zweifel unterworfen, daß die Rabbinen, unter denen Juden für die echten Ausleger des Gesetzes und des den sogenannten Regem ora' >, welchen Moses auf dem Sinai, ihrer Meinung nach, von dem Herrn mündlick empfangen, in sich enthaltenden und von ihnen dieserwegen für ein göltliches Buch angenommen von Talmuds. R Moses Mikozi in Praef. ad 613. Legis praeceptum. Buxtorf c. 1. p. 48 Sgg. et p. 60 Sgg. gehalten werden, auch deren Amt unter Anderen darinnen hauptsächlich mit bestehet, at jus alio• doceant, de casibus conscientia respondeant, de licito et illicito, de munditia et immunditia judicent, et refrac• tarios anathematis et excommunicationis fulmine fereant Buxtorf cit. 10c. cap. 46, pag. 669. Georg Ludwig Boehmer Dissart de officio et postetate Rabbini provincialis in terris Brunsuico Lucreb §. 7 et 8. Da dje Juden dieses Alles von einem jeden Rabbiner glauben, solches noch mehr von einem Ober-Rabbiner, utpote qui super aliok Rabbinos auctoritate et potestate eminet, eorumque caput est, et Praeses, gellen 'muß. 1 Aus allem diesem aber sich sattsam zu Tage leget, daß es nicht nur apj sich sehr hart, sondern allerdings auch ein Gewissenszwang, welchen eine - christliche Obrigkeit als eine wider die Nalut der Religion streitende Sache jederzeit sorg-- fältig vermeiden! soll, sein würde, wann man die Aelteftea der Judenschaft. in dieser für ihr Gewiffen allerdings sehr delicaten Sache wider ihren Willen und Ueberzeugung zwingen wollen, ein von ihrem Ober-Rabbiner, welchen sie in Dingen, so mit der Religion verwandt. und wo es darauf ankommt, ob ritte Speise nach denen mosaischen und talmudischeu Satzungen, für rein oder, unrein zu achten, nach ihren principiis den strengsten Gehorsam schuldig sind, bescheheneS Verbot wieder aufzuheden und solchergestalt ihnen zu vielfältigen Versündigungen Anlaß zu geben, auch dadurch der Gefahr sich auszusetzen, nicht nur in diesem Leben in einem erschreckhchen Bann, bevor die Formul bei dem Bodenschas c. 1. pag. 35ä et Buxtorf Lex. Talmud, p. 828 zu definden, zu verfallen, sondern auch in jenem äben in den siedenden Koth der Hölle (Zoah) geworfen zu werden. (Fortsetzung folgt.) Lilerütsrbcricht. Das Hohelied. > K. hat auch eine neue, zuwellen metrische Uebersetzung geliefert. Keine wissenschaftlich genaue Uebertragung wird den unnachahmlichen Zauber der Dichtung wiedergeben können. Es ist jedoch denkbar, daß selbst unbeschadet der Treue eine gewiste Formschönhell gar wohl erreichbar ist. So hat S. Horrwitz (Wien 1863) eine vom Standpunkte der Kostbar» keit aus geradezu vortrefflich zu nennende metrische liebersetzung des Hohen Liedes geleistet, die sich nicht allzuoft vom. strengen Wortsinne entfernt. Ein Dichter wie Kämpf hätte eine glattere und feinfühligere Wiedergabe des zartesten aller Gedichte uns bieten muffen. So kann ich nicht umhin, trotz der gelehrten Auseinandersetzung, die S. 32 nachgehnkt kommt, gleich den ersten Vers: ״O daß Er mir Küsse gebe" unschön zu finden. Um, wie viel edler Horrwitz: ״Mt deines Mundes Küssen küß' », Trauter, mich!"—. Lämmer ״kindberaubt" zu nennen, ist eine Sünde - (S. 11 und 19) gegen Sprache und Grammatik. An dte zweihundert Seiten füllt bre Erklärung zum Hohen Liede. Eine bessere ׳Widerlegung, als die dickgeschwollenen Auseinandersetzungen, welche die Auffaffung der Dramalisten int Gefolge führt, giebt es für diese gar nicht. Ist es schon schlimm genug im Schauspiel ein Textbuch benutzen zu müs-', sen, so kann die Nothwendigkell eines Commentars einen vollends au4 der Fassung und der nöthigen Geduld reißen. Mit Schrecken muß man des WachsthumS einer Literatur gedenken, in der einer immer davon lebt, die Aufstellungen des anderen zu zertrümmern, und Schult auf Schutt zu hänfen. Stecken der Nägel noch immer nicht genug in dem alten Warnungsholz?׳ Und warum gleich ein ehrfurchtgebieten-, des Buch, wo eine Abhandlung über die abweichende Aufsaffung oder wenige Blätter, zur Begründung der dünngesäeten neuen Erklärungen über und über genug sind? Muß denn da- Tanze von Anfang bis zu Ende durchgesproche«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.