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Das jüdische Literaturblatt · 1877-04-26 · N° 17. (26.4.1877) · p. Seite 67

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 17. (26.4.1877)
Date
1877-04-26
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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sprechend.*) Die S. 29 angeführten אנשי מזרח sind notüt־ sich die Lehrer, welche in Osten an der Spitze der dortigen Akademien standen, und die im Maghreb so genannt werden mußten. Seitdem mir der Commentar von H. Kirchheim zugeschickt worden war, habe ich immer vermuthet, es sei die Arbeit eines Süd-Italieners, und daß der ״Jaram ham-magdieli", eineu Meir aus Rom verdecke, der wohl in Rom selbst, oder in Bari oder Otranto, einer der zwei durch ihre jüdischen Gelehrte berühmten Städte, gelebt habe. Diese SÜd-Jtaliener sind leider nur sehr wenig bekannt, aber im J.925 sehen wir in Oria eine Anzahl חכמים im Kriege mit! den Sarazenen zu Gefangenen gemacht werden.**) Diese Sjid-Jtaliener waren mir dem Norden von Afrika in sehr leichter Begehung. Die Familie des verfolgten Saadia. welche fremd in Babylonicn, dort keine Wurzel hatte, und nach dem schmählichen Benehmen der Suraner gegen ihr Haupt, auch keine Wurzel faßte, ist wohl zum Theil nach Egypten, ihr eigentliches Vaterland, zurückgekehrt, und von da, theils nach Westen, theils nach Osten, dem Lande Jemen ausgewandert. Man war darum über nianches, den großen Fayyumiten Betreffende dort gut unterrich'et, wie dies aps der Mittheilung. G. 36, hervorgeht. Dort muß es Linie 25 anstatt: 'וב״ד ולב ובו heißen ׳ובדולר, דעות ולמסמסת מעמר und das ans Ende gesetzte Fragezeichen kann wohl gestrichen werden, wenn man sich an j. Synhedrin 28 a erinnern will, wo man folgendes liest: כמסמרות נטועים ובשעה שהם יוצאין ממוסמסץ חמ מרים לשומעיהן כמסמרות. Ich begreife auch nicht, welchen Anstoß ein anderer Mitarbeiter an dem למנבת der aram. Uebersetzungen zu Ex. Xl, 7 hat nehmen können, um daraus die eigenthümlichsten Schlüffe zu ziehen. Ter einfache Gegensatz zwischen dem Zetergeschrei der Egypter und der Ruhe der Israeliten, wo man auch nutzt das Bellen eines Hundes vernahm, könnte hillreichen. Aber der bekannte tälmudische Satz, daß Hundegebell, - oder beffer Hundegeheul, die Anwesenheit eines Todtcn in b(r Stadt dezeuge, was gar nicht physiologisch erwiesen zu werden braucht, erklärt den Zusatz von Onkelos und Pseudo Jonathan vollends. Genehmigen Sie, geehrter Herr Redakteur, die Versicherung meiner besonderen Hochachtung. Paris, den 11. April 1877. I. Derenbonrg. Literaturbcrichl. Das Hohelied.') Molto: ״Wir oft sind nicht wphtdenkende ordnungsliebenve Geister angelockl wor. den, irgend einen verständigen Zusammenhang zu fintzrn oder hinernzulegen, unb einem Folgenden bleibt immer dieselbe Arbeir." sGoihe.) In alten Städten pflegt unter den vorzüglichsten Sehens- Würdigkeiten auch ein gehetmnißvolles Kunst schloß gezeigt zu werden, das irgend ein Schlaffer der Vorzeit zur Qual und Belustigung der Nachwelt ausgeionilen und angeserligt hat. Meister und Handwerksburschen der ehrsamen Schlofferzunfi, welche die Slavl beiuchen, eilen an dem Wunder ihre Kunst zu erproben und müssen, sobald ihr Versuch müßglüäl ist, zur Strafe und zun> Gedächlniß ihres Unterfangens in einen dane.en gepflanzten Baum einen Nagel einschlagen. So sin- *) Wenn es erlaubt wäre, alle Zustände durch neue, gleichzeitige zu erläutern, so lönnte» wir di« heurigen Gemeinden im Jemen als Beispiel ansühren, wo Mischnah-Hundschristen, aber kein« jauch gedruckten) Talmud« sich finden. Freilich wird dort dir Äemara durch den Misch» nah Torah des Raimonires ersetz«. **) Seiger. Meto Ehofnakm, S. 31 <u. SS). — «mar< Stori» dei mu• sulmaui di Scicilia, II, S. 171—17a (Firenzi, 1858). ') Aus dem hehr. Originaltext in's Deutsche übertragen, wie auch sprachlich und sachlich erläutert und mit einer umsaffeNdrn Einleitung versehen von D1\ 2. I. KLmps, Prosrsior an der k. k. Universität in Plag.- Druck und-Bertag von-Heinr. Merrp 1877. Groß 8' XLV-i u, 214 6. det man denn neben dem Schlosse einen über und über von Nägeln starrenden Baum. Euch das altjüdische SchristthuM vermag solch ein Zauberschloß aufzuweisen — daS Hohe Lied. Nun scheint an dem danebeit aufgerichteien Baume des grknen Holzes-noch viel übrig zu. sem, da immer »och Meister und — HandwerkSbursch sich aufgelegt fichlen, neüe Nägel mißglückter LösungSoersuch« zu den alten einzutreiben. Man kann es Niemand verdenken, wenn er an da» Wnnder sich heranwagen will; das Räthsel ist gar sehr verlockestd, der Versuch nur allzu stark herausfordernd. ES ist, als ob uns Jemand sagte: Auf diesem Handbreit Erde ist rin Schatz zn heben, grabe und du mußt ihn finden. Was Wunder, daß wir bohren und wühlen, den Boden sieben, die Stäubchen zählen, der Schatz ist sicher darunter, vielleicht geling!'»! Kein Zweifel, das^sieht der Blödäugigste, daß da» Hohe Lied ein kostbares Kunstwerk, ein wunderbares Erzeugniß des dichterischen Geistes; wer lehrte uns das Zauderwörllrin. das uns das Ge lennitiß löste und all die verborgene Herrlichkeit an den Tag brachte? So ist denn die scheinbar schlichtest« aller Dichtungen zu einer Art von Faust Theil II. geworden, worüber die verschiedensten und abenteuerlichsten Erklärungen in unkrautartiger Fruchtbarkeit in der Abfolge der Zeiten aufgestellt werben. Fast scheint es, als ob es nur salomonischer Weisheit gelingen könnte, den Knoten zu lösen) dem Räthsel auf die Spur zn Kommen. Man hat viel über die Auslegung gespottet, die aus dem fast übermüthigen Wildfang'des alten Testamentes einen Heiligen, aus der eindeutigsten Liebesgeschichte daS beziehungsreichste Erbauungsbuch gemacht hat; die allegorische Erklärung ist heute unter die sonderbaren Käuze zu zählen. ES giebl eine andere gar sehr in Schwung gekomniene Auslegungsart, die dieses -Schicksal nicht minder ereilen wird, die der Dramae tisten. Wir haben nicht die Spur einer Nachricht überkommen, daß jemals im alten Israel Dramen wäre» gedichtet oder gar aufgeführt worden. Man kann, wie diewohl , auch geschieht, von vornherein aus dem Wesen der jübischen Volksseele die Unfähigkeit zur Dramentichtung ableite», aber selbst von dieser Gespensterseherei ganz abgesehen genügt uns die Thätsache und das Zeugniß der Geschichte und der Behauptung, daß die alten Israeliten die dramatische Dichtung gar nicht gekannt haben. Wer dies unbegreiflich findet, der nlußke sich auch darüber wundern, daß Aeschylos keine Psalm«« gedichtet und Anakreon nicht geweissagt habe. Es fehlt UNS auch an jedem Anhaltspuitkt, das H. L. für ein Drama z« erklären. Freilich, wenn inan sich dies erst einbildet, da»« ist es unschwer, den dramatischen Charakter darin zu beweis«. Denn aus .welchen! Buche in aller Welt ließ sich mit wenig Witz und viel Behage» nicht ain Ende ein Drama zurechtstutzen? Gegen haltlose Einfälle und willkürliche Erfindungen ist nicht zu itreiten, und so gehört eigentlich die Dramtnhypothese mehr vor den Theaterdirector als in den strenge« Bereich der Wissenschaft. Hat man erst zugegeben, daß im H. L. ein Drama uns vorlieFt. bei dem das Personenverzeichnitz wie auch jede Angabe darüber, "wer was spreche, verlöre« sind, dann kann Jedes Jedem in den Mund gelegt werden, und was in diesem Semester Sulamith spricht, wird im nächnen der weis« König Salomo sprechen, und umgekehrt ohne Grazie bis ins Unendliches Man kann sich denken, was dabei herauskommen mag, wenn gelehrte Perrüken sich vor den Thespiskarren spannen; — ein Pfarrer könnt' einen Komödianten,lehren. Man Härte die herrliche Dichtung viellÄcht doch aus dem Kanon auSaeschloffcn, wenn das Geschlecht der Kathederdramatiker schon bekannt gewesen wäre. Wer all' das gelehrte Komödiantenthu.1 überblickt, dem fallen Schiller'» Verse ein: ' > Zu Dichtern werden Prosefforen, Und Exegese Wefie oder wie sie eigentlich richtiger lauten : ' , Da weichen Weiber zu Hyänen, , Und treiben mit Entlehen Scherz. Wozu der Lärm? möchte man' frage«: Lohnt denn das ־

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