Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 17. (26.4.1877)
- Date
- 1877-04-26
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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י*יי*יך~ין■ — 68 — Ergebniß all der Liebe Mühe, wird durch all die Verrenkun- S«1ü> Willkürlichkeiteu die aftMischs Lfteratur um ein wirkschönes uqd werthvolles Drama reicher? Mau könnte um diesen Preis sich Manches gefallen lassen, aber er wird «de» nicht erreicht. Die kräftigen Hebräer sollten es höchstens bis zu diesem schwächlichen Schattenstück, zü diesem, mageren Singspiel gebracht haben? Es ist eher eine Herabsetznng, denn eine Bereicherung unseres üassischen Schriftthums, ihm dieses Pnppendrämchen aufzumutzen. Wer eine lyrische Blüthe wie das H. L. zerpflückt, kann im beste» Falle zerrissene Blumenblälter aufweisen, ob er sie auch Acte und Szenen nennt. Man sollte all die Bäter und Vettern der Dramenbypotheje zu einer Vorstellung des Hohen Liedes pflichtschuldigst einladen, vielleicht würden sie dann von ihrer Einbildung geheilt, wenn nicht erst recht der Streit um die Regie dabei enlbrannte. Prof. Grätz hat denn auch bereits vor Jahren diese Ausfassung gebührend lächerlich gemacht und Hr. Jakob Altschul, der fast auf Schritt und Trftt ihm nachfolgt, wie - einem ,hohen Herrn zuweilen ein kleiner Kläffer, nennt sein Sokir La-Sebirirn ״daS Sedan der Dramatisten". (Der Geist des Hohen L>ed«S S. 44). Rein, Sedan war doch gründlicher, ' denn nach jenem unheimlichen Gesetze, das in jedem Frühling, »so oft die ersten Lerchen schwirrten," das Mädchen aus der Fremde, eine neue Bearbeitung des Hohen Liedes auf den Markt bringt, ist auch in diesem jungen Jahre, bereits das Lied SalomoniS als Drama, neu in Szene gesetzt und bearbeüet von^Oberrabbiner, nein, von Prof. vr. L. I. Kämpf. Mau pflegt wie billig darauf gespannt zu sein, wie ein gewandter Anwalt eine schlechte Sach« vertheidige» werde; man folgt darum anch mit Aufmerksamkeit dem Versuchs wie ein geistvoller Gelchrter wie Kämpf den verlorenen Posten zurückerkämpfen möchte. Wie ein rechter Vertheidiger macht er das unschuldigste Gesicht von der Welt, thut, wie wenn gar nichts von Belang vorgebracht wäre, behandelt die Belastungszeugen mft vornehmer Geringschätzung und geht an dem Staatsan- «alt Grätz mit einer Gleichgültigkeit vorüber, die von wahr- Haft erstaunlicher Gemüthsruhe zeugt. Nach einigen allgemeinen Redensarten, die vons Grätz längst abgethan sind (vergl. p. XVIII bei Kämpf mit Gr. S. 13) wird die Folgerung «ü folgender Fanfare verkündet: »Es ist somit zur Evidenz erwiesen u. s. w." Ueberhaupt muß der Einleitung wissen׳ schastliche Strenge und Bedeutung abgesprochen werden, wenn sie auch berrstS Schrader's Forschungen zu Belege« verwenbet, dem übrigens selber Gutschmidt seine »Höllenfahrt" bereüet hat. Ein wahrhaft ausgezeichnetes Stück der Einleitung bildet allein die Inhaltsangabe des Hohen Liedes(p.XXII-XXX). Auf diesem gefährlichen Boden bewegt sich K. mit vollendeter Geschicklichkeit. Hier wäre manchem Minderen mehr als eine Plumpheit begegnet, manche Schwierigkeit unübersteiglich gewesen, er weiß,allen glücklich auszubeugen und entwirft ein feingezeichnetes Bild von dem Gange, de» er in die Handlung des Stückes hineindichlet. Durch manche geistreiche Abänderung ist Kämpf hier den Dramatisten in ihren Nöthen beigestmrden, wie er sich denn überhaupt ihren Dank im reichsten Maße verdient haben dürste. Ist aber mft all dem Witz und Geist ei« bleibendes Ergebniß gewonnen, auch nur ein;einziger Punkt über allen Zweifel erhoben und sicher gestellt worden? Man muß es rundweg verneinen! Die Szenerie und den Theaterzettel entlehnt K. zum große» Theile den frü- Here» Bearbeitern. Die Annahme» urö» Einfälle der Borgänger werden bereits als überliefert« Thatsachen behandelt, mit deren Pfund« sich munter weiter wuchern läßt. Trotz der Zerstörung,!die Grätz S. 23 an den beliebten Gärtenfen- Hern angerichtet hat, sehen wir sie wieder eingefügt, die Palaftdamen habest sich bereftS völlig wieder erholt und obliegen »ft rührender Einfalt dem ermüdende« Geschäft, «ine nur selten durchbrochen« Stummheft an de« Tag z« legen. Welch' «in Waschlappen von einem König Salomo 1° Was muß das für ei« deMumeruugSwürdiger Pantoffelheld gewesen sei«, der feine Schöne«, Nachdem er sie müh- «ab gewaltsam eisgefan gen, mit lammfrommer Sanftheit wieder lausen läßt! In den zwei Szenen, in denen er überhaupt mit Sulamith verkehrt, genießt er in der ersten das Vergnügen, daß seine Holde gleichsam zum Fenster hinaus mit ihm redet, ihn anspricht, während sie ihren Hirten im Sinne hat; in der zweiten erhält der Aermste gar keine Antwort. Wie konimt der Hirt zu der merkwürdigen Allgegenwart, bald in Jerusalem, bald im Sommerpalast des Anlilibanon — allerdings seiner Hei- Math — die königlichen Gartensenster unsicher zu machen? Oder ist etwa Renans Privatnachricht, daß ec der Liebsten nachgeschlichen sei, bereits zur Voraussetzung erhärtet? Es muß ein wahrer Puppenhof gewesen sein, wenn es bei weiland König S-lomon nach dem Bilde des Hohen Liedes zugegangen sein sollte. Man denke sich orientalische Palaststauen, die einer spröden Schönen ihres Königlichen Gebieters Unterwürfigkeit zeigen, ja mehr noch, ihr sogar ihren alten Geliebten aufzusuchcn bereit sind. Kämpf hat doch ein rechtes Erbarmen mit ihnen gehabt und einer, zweien, ja sogar ״einer dritten" einmal das Wort gegeben; das ewige Schweigen ist doch zu freudlos auf der Welt. Aber wo sind sie nur auf einmal hingerathen? Kein Wink verkündet uns, daß sie verschwinden, sich zurückziehen. Hat eine Versenkung sie verschlungen, oder sind sie gar an! Ende bei der Verlobung anwesend, die Sulamith mit ihrem Hirten feiert? Sulamith war aber anch so lieb, so gut! Wartet sie doch sogar mit der Antwort, die sie dem Liebsten singt, bis sie die Rede, die dieser zum Gartenfenster hineingelispelt, mit der Treue eines Kammerstenographen den sicherlich neugierigen Palastfrauen berichtet hat! Ja, die so holde Sulamith, unter Larven die einzige fühlende Brust voll Leben und Beweglichkeit, aber — sie war auch nicht todt zu machen; dafür hat der Dichter gesorgt. Man sage nicht, daß die Dramatisten die Forschung nicht bereichern! Kämpf weiß ganz genau, was der jüngere und was der ältere Bruder der Sulamith gesprochen hat. Die Nachwelt ist gerecht und giebt Jedem das Seine. Zwei derbe Kerle übrigens, diese Brüder, die eS wohl verdienen, daß die Schwester vor der Nase iveg ihnen verlobt wird. Denn bis zu dieser Verlobung hat es die Wissenschaft bereits glücklich gebracht! Zwar schlägt der Dichter den Herren das Schnippchen, am Schlüsse seine Heldin dem Hirten zurufen zu lassen: O! Flieh' hinweg, mein Freund, was allerdings im Munde einer eben Verlobten wenig erbaulich klingt. Aber K. erblickt darin ״ein Liedchen — und welches Liedchen! — ein ihrem Freunde gar wohlbekannt cts, das sie ihm schon einmal vorgesungen" (209). K. hat nur oen Fehler begangen, uns beim ersten Male, wo Sul. dieses angebliche Liedchen singt, nicht anzugeben, daß es ein Lied und nicht eine ernste Aufforderung ist, die dem Freunde sich davonzumachen räth K. hat aber noch mehr gethan und das angebliche Lied S. 46 wirklich als Rath bezeichnet, auf welchen hin der Freund sich entfernt. Jehuda Halewi ist ganz unverschuldet zu der Ehre gekommen (209), den Schluß des Hohen Liedes so auSzulegen. Vom Standpunkte der Dramatisten bleibt da- Gedicht nach wie vor ohne Schluß, und schwerlich wird einer, der all' die Ungeheuerlichkeiten und starken Zumuthungen mustert, das Hohe Lied noch ferner nennen wollen: ״die herrliche Dichtung, welche nicht nur im Kanon, sondern in der erotischen Poesie überhaupt einzig dasteht", wie K. es trotz seiner Umdichtung immer noch nennt, p. XXIX. ^Schluß folgt.) Dr. D. K «rlefkafte« der Kcfeacti•«. $t. Dr. B. in K. Lin« auäsührlich« Besprechung von ״Toseftafolgt in einer der nächsten Nummern vom Berf. selbst. — Die »Berichtigungen» mit der »Fortsetzungin nächster Nr. (In derselben auch die Fortsetzung von »Daniel Deronda", und wenn Raum auch ». »Sturm im Blase Wasser-.) Die Zusendung der Lorrecturbogen würde jeder mal «in« Berzögerung um 8 Tage zur Folge habe». — Hr. Dr. D. in S. »»druck der betr. Nerenston hat kein« LU«; wir »rauchen jetzt den Rau« zu den mannigfachen Abhandlungen und liter. Notizen, di« uns täglich zugehen. fort״«,: IW. m. «atz»«». Dr«ud»«« L. Vcharnke in Earbg. vertag non jtobert Kries« in Leipzig.