Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 17. (26.4.1877)
- Date
- 1877-04-26
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
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leistet, so mußte jetzt, nachdem dieser Boden durch die kühnen und rückfichtLlose« Angriffe eineaudem Schooße de- Judenthums hervorßegangenen Gegners aufs Tiefste uiüerwühlt war, die religiöse Forschung mit erneutem Eifer loiejbet aufgenommen werden, es mußte die bisher unangefochtene Autorität der Tradition in ihrer inneren Berechtigung nachgemiesen und den erhobenen Zweifeln gegenüber durch Vernunftgründe unterstützt werden. Der dem talmudischen Judenthum durch -den KaräismuS aufgezwungene Kampf hat der jüdischen Geistesentwicklung einen neuen und mächtigen Anstoß gegeben, das in seinen Adern matt dahinstießende Blut wurde wieder in eine lebhaftere Circulation gesetzt, die langst ־ ausgetretenen Geleise mußten verlaffen und neue Bahnen eingeschlagen werden, um der steigenden Kühnheit des Gegners die Spitze,bjeten zu können. Die zur geistigen Führerschaft in diesem Kampfe berufenenMänner konnten nicht umhin, der LampfeSweise des Gegners mft aufmerksamen Blicken zu folgen und sich im Gebrauch der neuersundenen Waffen zu üben, durch deren geschickte Handhabung der Feind bereits rsielfache Erfolge errungen hatte. Die Verbindlichkeit der talmudischen Tradition und der traditionellen Schristauslegung verwerfend, hatte der KaratstztstS als Fundament seiner Lehre den Grundsatz aufgestellt, die heilige Schrift sei als die alleinige Offenbarungsquelle und als einzig maßgebende Norm für das religiöse Leben zu befruchten. So sah sich denn der KaräismuS vor die Nothwentügfelt gestellt, der heüigen Schrift ein eingehenderes Studium zuzuwenden und sich eine gründlichere Kenntniß der hebräischen Sprache anzueignen, da sowohl die Begründung seines gegnerischen Standpunktes wie die Aufführung eines demselben entsprechendeu religiösen Lehrgebäudes eine selbstständige Auffaffung der heftigen Schrift als unabweisbare B edingung voraussetzten. Wje die gleiche Tendenz, sich von der kirchlichen Tradition loszusagen, sieben Jahrhunderte später in der christlichen Kirche auftrat und die Urheber der Reformation auf das Bibelwytt hinwies, wie aber die im Kreise der Reformation eifrig gepflegte Bibelsorschung mittelbar einen Ausschwung der biblischeu Studien auch in der päpstlrchen Kirche zur Folge hatte, so wurde auch damals das Studium der heiligen Schrift zunächst. Lllerdings von den karäischeu Gelehrten wieder ausgenommen, fand aber bald varauf auch unter tzest Anhängern "des talmudischeu Judenthums die eisrigste Pflege. Währeud in der talmudischen Zeit das Studium der heftigen Schrift nur nebenher, zu halachischen oder homileüsch-agadischen Zwecken betrieben worden war, wurde jetzt, nachdem die grundlegende Bedeutung ter Christ als der wichtigsten Religionsurkunde «cher zur Geltung gekommen war, die Bibelforschung 'als ein selbstständiger Zweig der ReligionSwiffenschaft anerkannt, uud von beiden Seften war man bemüht, sich auch in den gedankliche» Gehalt der biblischen Schriften zu verliefen uud die gewonnenen Ergebniffe unmittelbar in das religiöse Bewußtsein mft auszunehmen. . Indem bejc KaräismuS aber sich auch über den eigenen Kreis hinaus »ach einem Bnndesgenoffen ia seinem Kampfe gegen das taluzudische Judenthum umsah, glaubte' er in der unter den damaligen arabischen Theologen eifrig gepflegten Philosophie der Mut azila «neu!"^en gefunden zu haben, U«d die AulehsüBtz an diese Phisoiophie sollte.chm bei dem systematischen Ausbau deeigenen ResigiönSsystenä gleichsam als Untergrund dienen. In dem Maße aber, als die karäische Literatur an Umfang und Bedeutung fortschreitend zunahm, als das von den Stiftern des KaräismuS aufgestellte Lehrsystem sich zu immer größerer' äußerer Abrundung und innerer Geschlossenheit entwickelte, in demselben Maße steigerte sich auch die Wucht und Gefährlichkeit der gegen das talmudische Judenthum gerichteten Angriffe, und immer dringender machte die Nothwendigkeit sich geltend, diesen Angriffen gegenüber den Standpunkt des talmudischen Judenthums in rationeller Weise zu begründen, und durch eine zusammenhängende Darstellung der jüdischen Religionslehren über den eigenen Glaubensbestand zur Klarheit zu gelangen. A ich die Anhänger des talmudischen Judenthums hatten sich dem tiefgehenden Einfluß der so eifrig diskutirten mutazilitischen Religionsphilosophie nicht entziehen können, und so war auch Mn dieser Seite ein mächtiger Antrieb gegeben, eine Heerschau über die Lehren des Judenthums zu. Hallen und dieselben nach ihrem Einklang oder Widerspruch mit der herrschenden Zeilphilosophie zu prüfen. Wie einst aus dem Streben, den Standpunft des Judenthums der Weltanschauung unv dem Jdeenkreis des Hellenismus gegenüber zu bestimmen und nachznweisen, die jüdisch-alexandrinische Philosophie sich entwickelt hatte, so warjetzt di; arabische Religionsvhilosophie zu einer solchen Bedeutung gelangt, daß das Judenthum sich einer gründlichen Auseinandersetzung mit dieser weithin herrschenden Geistesmacht nicht länger mehr entziehen konnte. Nochmals die LS. der ״liter. Notizen". Verehrter Herr Redacteur! Erlauben Sie mir folgende Bemerkung zu Nr. 29 der ״Literarischen Notizen", welche Sie in Ihrem geschätzten Blatte iilittheilen. Herr Or. Lewyjohn bespricht daselbst einige Stellen des intereffanlen Commenlars zur Chronik, welchen mein ehrwürdiger Freund, Herr Kirchheim in Frankfurt, veröffentlicht. Ich möchte dem getehrten Rabbiner von Stockholm am nämlichen Orte, wo er seine Meinung dargelegt, die weinige entgegensetzen, versteht sich aus keinem andern Grunde, als weil ich jede Aufklärung über diesen sonderbaren Commen:ar mit Freuden begrüße, aber auch alles abweisen möchte, was über Ort und Zeit der Absaffung desselben auf falsche Wege führen könnte. Dahin scheint nur die Vermuchung zu führen, daß S. 54 unter רבותינו des Commentar Raschi's zu Chiftin, 109, 2 zu verstehen sei. Mir scheint die Stelle nur zu sagen, daß der in der Boraitha (das. und Pesachim 74, 2) gegebene Ausdruck בישולו ebenfalls vom Braten und nich. vom Kochen zu verstehen sei, gerade wie in der Stelle der Chronik, wo seil Abulwalid und früher schon «ויבשלו durch ״sie brieten" erklärt wird. — Die Weise, wie hier das מבאן verwendet wird, macht auch die Correciur zu S. 13 überflüssig. — Dahin gehört ebenfalls, was zu S. 18 von den אשי קירואן (und nicht אי קירואץ) gesagt wird. Das wäre eine eigenthümliche Orthographie des Namens der Karäer, von denen gesagt wird, sie seien בעלי מקרא ומשנה! Ich hätte nie geglaubt, daß man hier an etwas Anderes, als au die Leute von Kcürowan denken könne, zumal sie S. 27 sich in Gesellschüft eines anderen Afrikaners, des Jehuva den Koreisch, definden. In Kairowan hat es gewiß sehr früh Gelehrte gegeben, da der Brief des R. Zemach Gaon an »die Gemeinde Vieser Stadt vom I. 880 datirt ist. Sollte man sich bl»S mit Pibssl und Mischnah, und nicht mit Talmuh beschäftigt faben, ehe R Chulchiel, der Vater R. Chananel's, dahin st»"'- so wäre dader eben astS S. 18 «litten Stelle genau Mt׳