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Das jüdische Literaturblatt · 1877-04-26 · N° 17. (26.4.1877) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
6 (1877)
Issue
N° 17. (26.4.1877)
Date
1877-04-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ג V, 305*» M 17. Zur Befruchtung aller Judenttzu» ». Juden betreffenden IIternrlschen Erscheinungen auf deen Gebiete kerPhtlosaphie.Geschichte,«thnograpt,te,si,eolog>e, Brirntaliu, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. V___- Herausgegeben von Rabbiner vr. Moritz Rahiner Magdeburg, SS. April 1877. O ,. .־־יי־ S Bücher der einschlägigen Lite- . ratnr, welche der «ed. de» ״Ja». Kitrratardlatt" in Magdeburg (oder der ^»raei. Wochrufchr.-, in Stettin) ,ngesandt »erde,, finden in diese» Mutte eingehende Besgrrch»^. V-—-r-V Das ״JÄV. gitrtatuiWaH" erscheint wöchentlich einmal; Preis pro Jahrgang 5 Mark, mit der ״Israelitischen Wochenschrift* :lOMurs- Zu beziehen durch alle Buchhandlungen sin Leipzig durch Robert Friese), oder durch direkte Bestellung hei der Expedition der ״JsraeiWscht» Wochenschrift" in Magdeburg. — Inserate werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet.! Inhalt. stürze Abhandlungen: Ueber die Entwickelung der jüdischen Religionsphilosophie. Bon l)r. Guttmann. Nochmals die 29. der ״liier. Notizen". Literaturbericht. Das Hohelied. Briefkasten der Redaction Ueber die Entwicklung der jüdischen Religionsphilofophie. - Bon Landrabbiner Dr. Guttmann. V. Der Ausbau der Halacha hatte Jahrhunderte hindurch alle schöpferischen Kräfte innerhalb des Judenthums für sich in Anspruch genommen. Die in den Lehrhäuser» Palästina's und Babylon's während dieses langen Zeitraums ununterbrachen gepflegten mündlichen Diskussionen hatten die Ausbildung einer haarscharfeu Dialektik gefördert, welche der Ent- Wickelung einer ebenso umfaffenden wie mustergiltigen Jurisprudenz vortrefflich zu Statten kam. Allein unter allen Wisienschaften ist die Jurisprudenz wohl diejenige, welche am Wenigsten geeignet ist, die Neigung zu freier Spekulation, zu eigentlich philosophischer Gedankenarbeit zu wecken oder auch nur anzuregen. Von den verschiedensten Seiten her sind der Philosophie ihre Mitarbeiter zugeströmt, nicht wenige der hervorragenden Schöpfer philosophischer Systeme find von der Beschäftigung mit ihren Einzelwisienschaften durch den ihnen innewohnenden Forschungstrieb auf die Philosophie geführt worden, als auf diejenige Wisienschaft. deren eigentlicher Beruf es ist, die Einzelwisienschaften in ihrer tiefsten Wurzel zu erfassen, zu den letzten und höchsten Problemen jeder Wissenschast aufzusteigen und für dieselben die Lösung zu suchen, welche die einzelnen Wissenschaften in ihrer Besonderheit nicht zu geben vermögen. Die Geschichte der Philosophie hat jedoch kaum ein Beispiel aufzuw eisen, daß ein namhafter Vertreter der Jurisprudenz durch die Beschäftigung mit seiner Fachwissenschast den liebergang zu tieferer philosophischer Forschung gefunden hätte. Selbst in der Rechtswissenschaft sind die philosophischen DiScipline, Naturrecht und Rechtsphilosophie, zu allen Zeiten nicht sowohl von Juristen als von Philosophen angebaut worden. Die formalistische Logik, wenn ich mich so ausdrücken darf, das Organ der Jurisprudenz, bewegt sich vorzugsweise in dem abgeschlossenen Kreise gegebener Berhäftniffe, sie beschäftigt sich mit Rechtsfragen, die. an destimmte Voraussetzungen gebunden, ohne dieselben geradezu gegenstandslos sind, jü hastet an. dem Einzelnen und erhebt sich nur soweit über dasselbe, als /sie in aIHe» nieinen Formeln eine gemein^iltige Norm für jms EiiyÄne aufzustellen bemüht ist. Di^e Philosophie hingegen ist die freieste Schöpfung des menschlichen Geistes und nimmt als solche alle menschlichen Geisteskräfte in ihren Dienst,!ohne jede Voraussetzung geht sie qn ihr Denkgeschäst und etjtttft sich unterschiedslos über alle Gebiete des Seins, sie suchst alle einzelnen Erscheinungen auf! die allgemeinsten Befriste zurückzuführen, um aus ihreis begrifflichen Vereinigung eine Gesammtanschauung zst gewinnen. Aber jelbst auf dem Gebiete der halachischen Forschmig, war, nachdem die lange Zeij in Anspruch nehmende Redaktion des Talmud zu ihrem endgilltigen Abschluß gelangt war, eine andauernde Erschlaffung eingetreten, der Vollendung jenes monumentalen Werkes, an dem die Jahrhunderte gebaut, folgte eine Abspannung der Geister, die während der nächsten Jahrhunderte jede energisch^ Thätigkeit auf irgend welchem Gebiete geistigen Schaffens vermissen läßt. All« diejenigen Wissenszweige, die nicht einem dringenden praktischen Bedürfnisse entsprachen, scheinen dem geistigen Interesse jener Zeit vollkommen fern geblieben zu sein. Die literarische Thätigkeit während der ersten Jahrhunderte des babylonischen Gaonats beschränkt sich, insoweit wir von ihr Kunde habest, auf zwei oder drei talmudische Kompendien (Scheeltot, Halachot gebo* lot, Halachot Kezubot), auf vereinzelte dichterisch« Bersuche zu gottesdienstlichen Zwecken, einige Gebetordnungen und eine Anzahl von Gutachten, welche theils der Erklärung schwierigei^ talmudischer Stellen, theils der Entscheidung ritueller und juristischer Fragen gewidmet sind. Frellich fehfte es damals auch den! Judenthum an jeder von außenher kommenden Anregung zu wissenschaftlicher Thätigkeit, da allenthalben eine fast erstickende GeisteSöde Platz gegriffen hatte. Aus diesem Zustande der Stagnation wurden die Geister endlich aufgerüttelt durch den heftigen Kampf, welcher um die Mitte des achten Jahrhunderts nach der gewöhnlich« Zeitrechnung innerhalb de- JudenthumS entbrannt war.. Hatten die vorangegangenen Geschlechter geglaubt, auf dem' Bod« einer vermeintlich zu ihrem endgiltigen Abschluß gelangt« Tradition gemächlich ausruhen zu können und demgemäß auf' eine organische Fortentwicklung des Judeathnm» Verzicht ge-

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