Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 16. (19.4.1877)
- Date
- 1877-04-19
- Page
- Seite 63 (sequence 3)
- Language
- German
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Religion ihre Säfte gesogen, ihre bedeutendsten Elemente gekommen hat. Unser Vers , der mit jenen Meistern des Stiles und der Kritik wohl kaum wetteifern will, hat ihnen gegenüber doch den grotzen Vorzug, daß er überall die räbb. und talm. Sit. herangezogen, die er hoch hält und gerecht würdigt, in der ihm eine gewisse Vertrautheit nicht abgesprochen werden kann.') Entstellungen, Berläumdungen und Vtrzerrungen des Judenthum», die sonst in solchen Biographien obligat schienen, kommen hier nicht vor, und wir, die wir sonst bloS an Rippenstößen und Fußtritten seitens christl. Theologen, die uns so dir Ideen der Lieb» ad oculos demonstriren, gewöhnt find, sind ihm für sein humanes Verfahren wahrhaft dankbar. Erkennt das Judrnthum, darum ist er uns in gewissem Sinne auch Freund. Allein — magis amicus veritas: so ungern wir diese Schrift, die sehr wohlthuende Wirkungen haben kann, tadeln möchten, so müssen wir dem Verfasier doch bedeuten, daß es etwas einseittg ist, von Lehre, Anschauung und Lebensweise der Rabbinen auf solche von Jesu zu schließen, oder gar sie einfach, auch für ihn in Anspruch zu nehmm Denn in all dem wichen die Peruschim, von den Assiim bedeutsam ab, spitzten sich oft zu Gegensätzen der schärfsten Art zu. Was unter Vers, fast ganz in Betracht zu ziehen aussälligerweise unterlaßen, ist, daß das Christen thum an den weltstüchtigen, askettsch schwärmerischen Esiäerorden anknüpft. Hierin hat die trübsinnige Betrachtung alles Irdischen bei Jesu ihren Urquell. Darum der Widerspruch, den der Vers. S. IX. nicht verbinden konnte, zwischen der lebensheitern Anschauung des A. T. und der Rabbinen') mit den weltflüchtigen Lehren Jesu, obgleich er ״doch Jude war"; darum konnte das Mönchthum im Schooße der chrstl Kirche mtstehen und sich so breit entfalten, während der Essäeismus als etwas dem hebr. Charakter Fremdes im Judenthum keine Existenzmöglichkeit für die Dauer sich zu erringen vermochte. Dieser innere Gegensatz, den zu verwischen man sich manigfach vergebens bemüht hat, wird noch durch manch andere grelle Erscheinungen augenfälliger. (Forts, folgt.) Literarische Notizen von Dr. L. LeIvysohn, Rabbiner in Stockholm Forts v. Rr. 11.* *) 30) Nach Vorgang Arami's ist man nun wohl einig darin, daß unser Estherduch eine Copie einer persischen Urkünde ist, nur sind die Ansichten über die Zeit der Abfassung oder der Abschrift des Buches verschieden. Meine- Wissens ist bei Urgirung dieser Frage ein, wie ich glaube, wichtiger Punkt unbeachtet geblieben; ich meine die Unsicherheit in der Rechtschreibung der persischen Eigennamen. Es ist gewiß auffallend, in einem so kleinen Buche die' zahlreichen Variationm, wie חרכונא •» הנא ׳אחשרש •״ אחשורש .אד/שורו עז מומכן •״ ממוכן -בנתנא ■״• בנתן.חרבונה •״ הגי zu finden, während die hebr. Eigennamen confequent gleichlautend geschrieben werden. Sollte man nicht verinuthen, daß dem Co - pistm verschiedene Urkunden Vorlagen, die schon im Altperfischen orthographisch verschieden waren, und daher den! viel später schreibenden Copisten gleichmäßig authentisch waren. 31) Die 22. Makame (Machbereth) des E m a n u e l ist nicht die gediegenste, sicher aber die schalkhafteste des ganzen Buches. Wie eisern müßten die Nerven des fielerä ^ein, wenn ec nicht ') Inkorrektheiten kommen blos wenige vor. S. 297. ״Lehrhaus" heißt nicht ״Midrascha", sondern Beth hamidraach. Ein Geschenk an den Tempel heißt nicht nedvr hakjLodesch, sondern neder hekddsch, E. 317. Das Agio beim halben Scheckel hieß nicht תרבית sondern 357 •© קולבן. Nicht ״Rabbimi“ heißt Lehrer ober Meister (-3. 265), sondern BabbSn□. *) Selbst der bibl Pessimist sagt: ״Und süß ist das Licht und wvhlthuend dem Luge zu sehen die Sonne" Koh. 11,7 Die schöne Welt ist >um Genießen da und für alles das, was er mit den Augen gesehen ohne >u genießen, wird der Mensch im Jenseits zur Rechenschast gezogen, — sagt« rin Talmudist. •) Ich bitte in Not. 29 (Nr. 11) Kairaner für ״Karäer" ,u lesen. L. bei dem horrenden Quodlibet von Unsinn (der 60 Fragende»), und Scharfsinn' (des antwortenden Lichter») in Helle» Lache» ausbrechen sollt«. Gleichwohl findet sich in ihr auch et» a&Kf historisches Moment, das in der stngirten Diskussion eia Hatsächliches Jntereffe gewahrt. Ich habe früher (f. ob. Rot. Nr. 20) gezeigt, wie die Haaxwur ein respektable» Alter hat, auch ein anderer'Theil des. weiblichen Schmuckes, 'welcher in' jüngster Zeit viel Staub aufgewirbelt (sowohl auf den Straßen wie in der Presse), die Schleppe, hat einen Stammbäum bis in das 13. Jahrhundert zurück. Der Amhaarez fragt nämlich den Dichter, warum der bibl. Prediger die weißen Kleider empfiehlt. Würde der Prediger, sagte er, nur den Schmuck unserer jungen Damen uiü» Bräute gekonnt haben, da heißt es vom Obergewand: 2 שוליה $ל פניDVN. הארק כאמתים also eine 2 Ellen lange Schleppe! Dwsr der Oekonomie, der Bequemlichkeit und wohl auch dem Geschmacke dohnsprechende Mode ist also «ine alte Th.... t. 32) Proo. 26,1 משו ואין רודף רשע וצדיקים כצטיר יבמה• Tie mehrfache Außerachtlassung des Numerus in einem und' demselben Verse ist Unfalls ungewöhnlich; ich möchte hier den sehr häufig vorkommenden Gebrauch anwenden, die Prä» Position כ (in ככפיר) auch vor einem andereu Worte, näarlich נמו sich zu denken; der Sinn ist dann: ״Der Frevler gleicht denen, welche ohne Verfolger fliehen, die Fromme» de« zuversichtlichen Löwen."*) . . 33) Temura 11, b הקדיש אבר לדמיו u. s. w. bleibt die Frage, ob der i Satz הד מינו אמר תרי פינו!ל« אמה aus die betreffende Anfrage anwendbar sei. oder nicht, unentschiÄ»«»" (תיקו); allein mag dieser Satz als feststehender Kanon Ml«, oder als Differenzpunkt zwischen ר״א und den רבנן angeseh« sein (s. B. Mez. 9, b), so könnte ja in unserer Stelle (Temura) daraus!hingewiefen whrden, wie dies ja so außerordentlich häufig bei einer כעיא im Talmud vorkömmt? Angehend' das Wort ׳ו?קו so schließt das Schwanken in״ seiner Erklärung sicherlich die Freiheit zu,weiteren Cönjecttire» ] nicht aus. Die Erklärungen von ^תשבד יתר u. s. w. «der ׳ von ואהה. קדוש u. s. w, sind wohl ebenso antiquirt,, wie ׳' Hellers Erklärung (Edijoth 8> 7) es sei תהא קאי; allgemein 1 denkt man noch immer an wie Aruch erklärt. Z»' הנשר Jahrg. 6, Nr. »11 erlaubte ich mir die Conjectur an׳ taoeo zu denken, ״ich schweige", lasse die Frage unbeant-' wortet. Vielleicht ist תיקו -in abgekürzter Imperativ vo»' ״ שתיקוschweiget!" und ein besonderer tsrminus teobuiea»/׳ wenn es galt,! eine weitere Diskussion abzuschneiden. Einiger» maßen analog ist der Jmpervt. ׳דיל wo ohne Grund da» ra» dicale א weAel, ein Gleiche» geschieht bei dem Jmperat. ׳ תא (kommen). __ 34) Buxtorf bringt unt. הרב den Midrasch Tehillim, wo allerdings hie kurze Phrase: חרבונה זכור לטוב vorkömmt, hätte Buxlorf die Stelle in Tract. Sopherim 14 hal L gekannt, so hätth er sich den komischen Derusch: Ouiclanr »oluvt Mardecljaium sic fuiase appellatum ersparen können; der ganze Tefior des Artikels zeugt deutlich, daß Bi an den biblischen Chardona nicht geoacht hat, es sei, sagt er, nomeo propr. viri, vhne Hinweis auf die betreffende Bibelstell«. 35) Elia Rabba cttirt §. 695 lit. ח die Worte de» ב״ח (den ich nicht besitze)! läuternd: שתי מנות .ננה שני מתנות שנתן אהשורוש לאמתה א' בית המן ואי הטבעת- Daß Esther nicht beide Geschenke erhielt, berichtet ja der bibl. Text, und gleichwohl sofl ja jeder Empfänger שתי מנות bekommen: dieser רמז wird wohl von gleichem Gewicht fei», ׳ wie der, daß Maharil am Tage vor Purim keinen Bortrag hielt, weil es heißt: לא הנידה אמתר. 36) Aus der Krakauer eäitio prima des Schul-Ha« ־ Aruch (f. L Bl. 1876 Nr. 6 und 7) sind noch folgend« Abweichungen vom gewöhnlichen Text bemerkenSwevth. Or. Chaj. ») Einsacher, dürfte «s sein» das ו in נפו als von» folgend« ,ו^׳ herübergrioinmen zu betrachten und ,u üdersetzen: ״Sr sticht, und niemand verfolgt; der Frevler; die Gerechten aber find wie rin &&»«, (der) zuversichtlich." R. j