Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 6 (1877)
- Issue
- N° 15. (12.4.1877)
- Date
- 1877-04-12
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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i. lernen verbittert haben. Aber die Kirche lehrte, daß das Alles im Lille« Gottes lag, denn die Erde ist int Grunde nicht «ehr weith, j» nichts anderem nutz, denn als Jammerthal zu diene». Leiden lag im Willen und Berufe Jesu, darum einzig erschien er in diesem Jammerthal. , Die Schilderungen der «eutestl. Schriftsteller stimmen hierin mit den Anschauungen der späteren Kirche genau überein. Eine Verachtung und Geringschätzung alles Irdischen spricht aus all den Reden Jesu; sein ganzes Sinnen galt immer blos dem nahbevorstehendeu Himmelreich. (Fortsetzung folgt.) S&mtm solle« nufere Bette« von dtord «ach Süd stehen? Ueber diese Frage geht der ״Fr. Z." folgende Mittheilung zu: Daß in grauer Vorzeit ein geistig hochbegabtes Voll nach heute gütigen Gesetzesbestimmungen und vorzüglichen GesnndhÄtSvorschristen gleichsam instinctiv die beste Richtung der Schlafstätte (in der wir das halbe Jahr zubringen!) gefurche» hat, dürste uns um so mehr mit Bewunderung erfüllen, als ja gerade orientalische Völker der Richtung nach Osten (wie z. B. im Gebet), der ausgehenden Sonne zu, eine gewisse Sympathie bewahrten und noch he.'te kundgeben. Es firü» die naturwissenschaftlichen Arbeiten und Forschungen der lösten Jahrzehnte, welche uns das Material an dieHand ge- ׳ bea, um die beste für unsere Gesundheit zuträglichste Richtung im Schlaf auf wissenschaftliche Beobachtungen und Thatsachen zu stützen und auf diese Weise hsute Talmud-Satzungen (Berachoth 5b) wissenschaftlich zu interpretiren. — Die elektromagnetischen Btpbachwngen und Experimente von Faraday, Pouillet, Pluäer u. A. haben uns mit Bestimmtheit gezeigt, daß alle Stoffe und- Körper der richtenden Kraft des magnettschen Stroms gehorchen. Sie nannten die Stoffe, welche die Richtung mtt ÄnchtiMt annahmen, ״paramagnetische" und solche, welche wenig oder fast gar nicht unter dem Einfluß deß Magnetismus stehen, ״diamagnetische". — Bon allen Metasten und Metallsalzen ist aber Eisen das paramagnetischste aller Metalle, welches -in jedem Theile unseres Körpers in nachweisbarer Menge vorhanden ist. Ein so eisenhaltiger Organismus, dessen Nerven als vorzüglichster Leiter elektrischer und magnetischer Ströme zu betrachten, unterliegt ganz ge- «iß in hohem Maße den Einwirkungen des Erdmagnetismus. Eine Stahlnadel wird sogleich magnetisch, wenn wir die Radel von Nort» nach Süd legen; liegt die Nadel dagegen von Oft nach West, überhaüpt winkelrecht gegen' die Resultate des EftmmguetiSmuS, so können wir dieselbe weder durch Hammerschläge noch durch Entladungsschlag einer elektrischen Batterie magnetisch machen. DerseÜ»e Einfluß, welcher das Maguetischwerden der Stahlnadel bestimmt, wirkt unfühlbar auf unser Nervensystem, wie auf unsere ganze eisenhaltige Blutmenge und ist allerdings im Stande, den immer Vorhändenen Eleftrotonus (elektrische Ladung des Gesammtnervensystems) zu steigern. Daß diese Wirkung vorhanden ist, beweisen uns gar manche hierher gehörige Beobachtungen, sowie auffallend günstige Erscheinungen bei gewiffen Nerven- und Blutkrankheften, wo ich'schon seit langer Zeft nicht nur die Bettstellen von Norden nach Süden richten, sondern auch durch untergeschobene GlaSrollen isoliren ließ. - Dr. Th. El. Ltteraturbericht. 8»S. der Petersburger Bibliothek. ES genügt ein vergleichender Blick auf die Geschichtswerk« von Jost und Grätz, um die Fortschritte zu beurtheilen, welch« die Wissenschaft in der Zeft, die zwischen dem Erscheinen beider Darstellungen liegt. zum kleinsten Theile durch neue Ermittelungen aus alten Quellen, zum allergrößten aber I durch Veröffentlichung unbekannter Urkunden und Handschriften gemacht hat. Ungehobene Schätze ruhen noch in den großen Sammlungen der europäischen Bibliotheken zu Hamburg, Leyden, München. Oxford, Paris, Parma. Petersburg, Rom, Wien, um nur die hervorragendsten anzuführen, aber mehr oder weniger find wir hier so glücklich, durch genaue oder doch im Allgemeinen zuverlässige Verzeichnisse und selbst Inhaltsanzeigen zu erfahren, was wir von da oder dort zu erwarten haben. Wer jedoch aus einer Zusammenstellung all dieser Angaben die Uebersicht über den Baarschatz des jüdischen Schriftthums abschließen und behaupten wolle, daß wir auf mehr nicht zu rechnen haben, der würde eben nur einer Voreiligkeit sich schuldig machen. Was bedeutete nicht für die Bereicherung der jüdischen Wissenschaft die eine Persönlichkeit Abraham Firkowitsch! Welche ungeahnte Fülle neuer Mittheilungen brachte nicht das einzige Buch, Pinskers Lickute Kadmonioth! Leider kann man nunmehr nur mit gemischten Gefühlen auf jenen Mann, wie auf dieses Buch blicken, denn eine Giftsaar ist in die Forschung hineingebracht worden, die noch Jahre lang nicht aus ihr zu bannen sein wird. Das steht heule fest: Abrahain Firkowitsch war ein Fälscher, und äußerste Vorsicht gegen Alles, was aus seiner Hand kam, ist einfach Pflicht der Nothwehr geworden. Vorsicht, aber nicht schrankenlose Zweifelsucht! Denn ebensogut steht auch die Thatsache fest, daß ein Menschenleben nicht hingereicht hat, um an alles das freventlich Hand anzulegen, was uns als Sammlung des seltenen Mannes hinterblieben ist. Firkowitsch war auch kein Fälscher aus Lust am Possenspiel, aus Bosheit oder Zerstörungssucht; in ihm regte sich nur die alte Leidenschaft seiner Sekte, die Vorliebe, ihr Alter und ihre Ahnen selbst auf Kosten der Wahrheit und Gewissenhaftigkeit zu verherrlichen. Mögen darum auch selbst alle Unterschriften der alten Thorarollen in seinem Nachlaß die Spuren seiner Aenderungen und Fälschungen tragen, möge er zur Schmähung der Rabbaniten und Gaonen oder zur größeren Ehre des Karäerthums gar manches Erzeügniß oder manche Zusammenstoppelung eigener Mache einem alten Ver - fasser unterschoben haben, so hat er doch sicherlich gar Vieles ans Licht gezogen, wofür unsere Wissenschaft ihm zu ewigem Danke verpflichtet ist. Bekanntlich hat die russische Regierung bereits im Jahre 1862 eine große Handschriftensammlung aus dem Besitze F.'s angekauft und der Kais. Bibliothek zu St. Petersburg einverleibt. Zur Prüfung der im ׳Nachlasse F.'s Hinterbliebenen handschriftlichen Schätze wurde vr. Harkavy von der Regierung nach Tschufut Kale in der Krim abgesandt, auf dessen Besürworlung denn auch die zweite Sammlung angekauft und gleichfalls bereits der Bibliothek in St. Petersburg übergeben wurde. Viele Jahre werden darüber hingehen, ehe es möglich sein wird, ein wissenschaftlich zuverlässiges Verzeichniß dieser Erwerbungen zu veröffentlichen. Bruchstücke verlorener Schriften, oft nur in einem einzigen Blatte bestehend, sind zu prüfen, zu bestimmen, einem Buche, einem Verfasser, einer Zeit zuzuweisen Um so dankenswerther ist es darum, wenn bereits jetzt, so lange eine ausführliche Arbeit noch nicht erscheinen kann, und sei es auch nur flüchtig, auf das hingewiesen wird, was bereits erkannt oder wenigstens muthmaßlich bestimmt ist. Adolf Neubauer*) hat mit seinem kurzen Berichte an den Vicekanzler der Universität Oxford, in deren Aufträge er eine Studienreise zur. Musterung des neuen Ankaufes nach St. Petersburg unternommen hat, von diesem Gesichtspunfte aus der Wissenschaft einen Dienst geleistet. Von einem vorläufigen Verzeichnisse Harkavy's geleitet und unterstützt von der unvergleichlichen Bereitwilligkeit der Kais. Bibliotheksverwaltung, gelang es ih m, mit seinem durch ausgebreitete Handschriftskunde geschärften Blicke Fragmente zu erkennen, die als äußerst schätzbar bezeichnet werden müssen. *) Report on Hebrew-Arabic Manascripta at St. Petersburg" 7 Seiten. (Auszug aus tbe Oxford Univeraity Gazette Vol. XÜ. Nr. 237.)